PIMS

Von , (Bio-)Chemiker
und , Medizinredakteurin
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Dr. Maximilian Reindl

Maximilian Reindl studierte Chemie und Biochemie an der LMU in München und ist seit Dezember 2020 Mitglied der NetDoktor-Redaktion. Er arbeitet sich für Sie in medizinisch-naturwissenschaftliche und gesundheitspolitische Themen ein, um diese gut verständlich und nachvollziehbar aufzubereiten.

Lisa Vogel

Lisa Vogel hat Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Medizin und Biowissenschaften an der Hochschule Ansbach studiert und ihre journalistischen Kenntnisse im Masterstudiengang Multimediale Information und Kommunikation vertieft. Es folgte ein Volontariat in der NetDoktor-Redaktion. Seit September 2020 schreibt sie als freie Journalistin für NetDoktor.

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PIMS (Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome) ist eine seltene, jedoch schwere Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen. Betroffene leiden aufgrund heftiger Entzündungen beispielsweise an starken Bauchschmerzen und anhaltendem Fieber. Das Syndrom gilt als sehr seltene Folge einer durchgemachten Coronavirusinfektion. Was passiert bei PIMS, wie erkennen Sie PIMS bei Ihrem Kind und wie behandeln Ärzte diese Covid-19-Komplikation? Informieren Sie sich hier!

Mutter misst Fieber bei kleinem Jungen

Kurzübersicht

  • Definition: PIMS (PIMS-TS, auch MIS-C) ist eine schwere, akut verlaufende Entzündungserkrankung, die verschiedene Organe betrifft. PIMS äussert sich in der Regel zwei bis acht Wochen nach einer Coronavirusinfektion bei Kindern. Daneben beobachten Ärzte in sehr seltenen Fällen auch das sog. MIS-A – das „PIMS-Syndrom bei Erwachsenen“.
  • Symptome: Fieber (länger als 48 Stunden), Hautausschlag, entzündete Schleimhäute, juckende Augen, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Kreislaufbeschwerden, (starke) Bauchschmerzen
  • Häufigkeit: PIMS ist äusserst selten; man schätzt, dass eines von 3.000 bis 4.000 an Covid-19 erkrankten Kindern betroffen sein könnte; Jungen sind häufiger betroffen.
  • Ursache: Bislang unklar; Ärzte vermuten eine fehlgeleitete, überschiessende, Immunreaktion im gesamten Körper, hervorgerufen durch eine zurückliegende Coronavirus-Infektion.
  • Diagnose: Ärztliches Gespräch, Sars-CoV-2-Nachweis (direkt, indirekt); Herzultraschall, EKG, Kardio-MRT, Röntgenthorax, Sonographie des Bauches, neurologische Untersuchungen, Blutbild
  • Vorbeugung: Coronavirus-Impfungen senken das Risiko an PIMS zu erkranken deutlich.
  • Behandlung: Intensivmedizinische Behandlung, Immunsystem-unterdrückende Therapie, ggf. Gabe von gerinnungshemmenden Medikamenten, ggf. Antibiotika im Falle eine bakteriellen Begleitinfektion
  • Krankheitsverlauf: unbehandelt droht ein lebensgefährlicher Krankheitsverlauf, unter ärztlicher Behandlung sehr gute Heilungschance; etwa fünf Prozent der betroffenen Kinder entwickeln jedoch Folgeschäden, vor allem am Herz-Kreislauf-System.

Was ist PIMS?

PIMS ist eine schwere und akute, jedoch seltene Entzündungserkrankung bei Kindern und Jugendlichen. Sie tritt üblicherweise wenige bis mehrere Wochen nach einer Infektion mit Sars-CoV-2 auf. Mediziner nehmen an, dass das Immunsystem auf eine Coronavirus-Infektion überreagiert und heftige Entzündungsprozesse im gesamten Körper hervorruft (systemische Inflammation).

Die erstmals in Grossbritannien im April 2020 beschriebene neuartige Kinderkrankheit PIMS besitzt in der Fachwelt noch keine einheitliche Benennung. Gleichbedeutend verwendet man derzeit folgende Begriffe:

  • Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS)
  • Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome Temporally associated with SARS-CoV-2 (PIMS-TS)
  • Multisystem Inflammatory Syndrome in Children (MIS-C)

Ärzte beobachten, dass selten ein ähnliches Krankheitsbild bei (jungen) erwachsenen Patienten nach einer Sars-CoV-2-Infektion auftritt. Ärzte sprechen dann vom „Multisystem Inflammatory Syndrom in (young) Adults“, kurz MIS-A – also dem „Pendant der Krankheit PIMS bei Erwachsenen“.

Welche Symptome treten auf?

Das Hauptsymptom bei PIMS ist schweres Fieber, das über mindestens zwei bis drei Tage bestehen bleibt. Es setzt in der Regel zwei bis acht Wochen nach einer durchgemachten Coronavirus-Infektion ein.

Ausserdem können folgende Symptome bei PIMS auftreten:

  • Betroffene leiden an Magen-Darm-Beschwerden wie Erbrechen, Übelkeit, Durchfall und/oder Bauchschmerzen.
  • An den Augen äussert sich PIMS durch eine (beidseitige) Bindehautentzündung.
  • Häufig zeigen sich Hautausschläge und/oder entzündete Schleimhäute im Mund und/oder Rachen.
  • Oftmals sind bei PIMS die Lymphknoten geschwollen.
  • PIMS-Symptome des Herz-Kreislauf-Systems sind Kreislaufbeschwerden durch einen Blutdruckabfall, Herzrasen oder Herzstolpern bis hin zu Kreislaufversagen. Unter Umständen haben sich Herzmuskel oder Herzbeutel entzündet.
  • Probleme des Nervensystems äussern sich durch Kopfschmerzen, Schwächegefühl, Empfindungsstörungen und/oder Konzentrationsschwierigkeiten.
  • Auch die Leber kann sich bei PIMS entzünden, was Betroffenen (rechtsseitige) Oberbauchschmerzen bereitet.
  • Blutgerinnseln bilden sich bei PIMS leichter. Die Gefahr von Thrombosen steigt daher an.

Wichtig: Nicht alle Kinder entwickeln alle oben genannten Symptome! Wenn Ihr Kind jedoch Beschwerden und starkes Fieber entwickelt und eine Coronavirus-Infektion erst kürzlich zurückliegt, sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen!

Ähnliche Beschwerden verursacht auch das PIM Syndrom bei Erwachsenen (MIS-A).

Wer ist von PIMS betroffen?

Gemessen am gesamten Coronavirus-Infektionsgeschehen unter Kindern, ist PIMS sehr selten. Anhand bisheriger Daten ist ersichtlich, dass nur sehr wenige infizierte Kinder daran erkranken.

Allerdings lässt sich die genaue Häufigkeit aufgrund der eingeschränkten Datenlage nicht verlässlich beziffern. Experten schätzen, dass eines von 3.000 bis 4.000 Kindern betroffen sein könnte. Die Angaben schwanken jedoch stark.

Im Zeitraum vom 27. Mai 2020 bis 23. Januar 2022 wurden insgesamt 593 PIMS-Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland gemeldet. Mehr als die Hälfte der betroffenen Kinder war zur Zeit der Erhebung vier bis zehn Jahre alt.

Jungen machten rund zwei Drittel der Fälle aus und sind damit häufiger betroffen als Mädchen. Ein Grossteil (85 Prozent) der erkrankten Kinder hatte keine vorliegende Begleiterkrankung.

Stieg das allgemeine Infektionsgeschehen in der Bevölkerung, so stiegen auch die registrierten PIMS-Fälle. Man vermutet, dass das PIMS-Risiko sehr stark von der beteiligten Virusvariante abhängt.

Das höchste Risiko trugen demnach jene Kinder, die sich in frühen Phasen der Pandemie insbesondere mit dem Wildtyp oder der Alpha-Variante infizierten. Laut der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) bestehe gegenüber der derzeit zirkulierenden Omikron-Variante kein besonders erhöhtes PIMS-Risiko.

Dennoch seien weiterhin insbesondere ungeimpfte Kinder von PIMS gefährdet. Aber auch solche, die sich bisher nicht angesteckt und daher noch keine Immunität aufgebaut haben. Eine Impfung oder eine zurückliegende Infektion scheint das Risiko für PIMS deutlich zu senken. Wie lange dieser Schutz währt, ist derzeit unklar.

Was verursacht PIMS?

Die genauen Ursachen für PIMS sind weitgehend unbekannt. Eine fehlgeleitete, übermässige Freisetzung von bestimmten Entzündungsbotenstoffen scheint jedoch wahrscheinlich.

Fehlgeleitete postvirale Immunantwort als Auslöser für PIMS

Zunächst gelangt das Virus über den Rachen in die Atemwege und vermehrt sich dort. Das aktiviert das Immunsystem. Dies wiederum regt T-Abwehrzellen an, die daraufhin entzündungsfördernde Botenstoffe (Zytokine, Chemokine) produzieren.

Bei einigen Patienten scheinen diese T-Zellen zeitverzögert unkontrolliert und fehlgeleitet aktiviert zu werden. Sie schütten dann ungebremst und unkontrolliert Zytokine aus, die weitere Entzündungen befeuern. Man spricht auch von einem sogenannten „Zytokinsturm“. Botenstoffe, die Entzündungen eindämmen, werden hingegen blockiert.

Überdies diskutiert die Fachwelt, ob das Risiko für PIMS bei Kindern durch eine (genetische) Veranlagung erhöht ist.

PIMS als Impfkomplikation?

Coronavirus-Impfungen können in sehr seltenen Fällen Komplikationen nach sich ziehen. Das zeigen die vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) im Verlauf der Impfkampagne veröffentlichten Sicherheitsberichte. Prominente Beispiele solcher Nebenwirkungen sind schwere allergische Reaktionen, Herzmuskel- (Myokarditis) oder Herzbeutelentzündungen (Perikarditis).

Im zeitlichen Zusammenhang mit einer Coronavirus-Impfung traten auch sehr seltene Fälle eines Entzündungssyndroms wie PIMS oder MIS-A auf. Hinweise auf eine vorherige Sars-CoV-2-Infektion gab es dabei nicht.

Allerdings liegen zu dieser sehr seltenen Komplikation aktuell keine verlässlichen Daten oder systematischen Untersuchungen vor. Zudem liege der Impfnutzen weit über dem Risiko, Impfkomplikationen zu erleiden, so Fachkreise.

Das bedeutet: Das PIMS-Risiko ist nach einer durchgemachten Coronavirus-Infektion deutlich höher als das PIMS-Risiko aufgrund einer Impfung.

Wann liegt PIMS vor?

Zunächst befragen die Ärzte die betroffenen Kinder und deren Eltern. Sie erkundigen sich nach den genauen Beschwerden und klären ab, ob eine Coronavirus-Infektion vorlag. In manchen Fällen gab es einen positiven Sars-CoV-2-Nachweis (PCR-Test, Antigen-Schnelltest). In anderen Fällen zeigt ein Antikörper-Test, dass eine Infektion stattgefunden hat. Ohne positiven Test weist aber auch ein Risikokontakt auf ein mögliches PIMS hin.

Untersuchungen

Vermuten Ärzte ein PIMS, veranlassen sie eine Reihe weiterführender Untersuchungen. Dazu zählen etwa:

  • Herzultraschall: Ärzte achten auf krankhafte Veränderungen, etwa einen Erguss im Herzbeutel (Perikarderguss) oder Probleme der Herzklappen. Zudem prüfen sie die Pumpleistung.
  • EKG: Bei PIMS sind beispielsweise vermehrt Extraschläge des Herzens zu sehen (Extrasystolen).
  • MRT des Herzens (Kardio-MRT): Vermuten Ärzte beispielsweise ein entzündetes Herz, machen sie gegebenenfalls ein Kernspin, für gewöhnlich mit Kontrastmittel.
  • Röntgen- bzw. CT-Thorax: In den Röntgenbildern können Ärzte etwa Ergüsse, eine Lungenentzündung oder ein Lungenödem erkennen.
  • Ultraschall (Sonographie) des Bauches: Bei Beschwerden des Verdauungstraktes schliessen Ärzte mit dem Ultraschall andere Ursachen wie eine Blinddarmentzündung aus. Zudem erkennen sie Bauchwasser (Aszites), eine vergrösserte Leber oder einen entzündeten Darm, wie sie bei PIMS auftreten können.
  • Neurologische Untersuchungen: Sie sind vor allem dann sinnvoll, wenn PIMS-Kranke neurologische Symptome wie Schwindel, ein getrübtes Bewusstsein oder Krampfanfälle haben.
  • Bestimmung der Blutwerte: Im Blut sind Entzündungswerte wie das C-reaktive Protein oder Interleukin-6 (IL-6) erhöht. Rote Blutkörperchen oder Blutplättchen können durch PIMS verringert sein. Zudem prüfen Ärzte die Organfunktionen und erkennen Gerinnungsstörungen.

Ärzte schliessen auch andere schwere Erkrankungen aus, die ähnliche Symptome verursachen können. Dazu gehören beispielsweise eine Blutvergiftung (Sepsis), eine Darminfektion oder schwere Herz- oder Lungenerkrankungen.

Falldefinition PIMS

Für die Diagnose PIMS haben Mediziner genaue Merkmale festgelegt, die das Entzündungssyndrom ausmachen. Demnach liegt es vor, wenn folgende Kriterien erfüllt sind (sogenannte Falldefinition der Weltgesundheitsorganisation WHO):

  • Kinder und Jugendliche bis einschliesslich 19 Jahre
  • nachgewiesene oder aufgrund von Risikokontakten wahrscheinliche Sars-CoV-2-Infektion
  • Fieber über mindestens drei Tage (laut der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie länger als 48 Stunden)

und mindestens zwei der folgenden Kriterien:

  • Hautausschlag (Exanthem) oder beidseitige, nicht eitrige Bindehautentzündung (Konjunktivitis) oder Entzündungen an Haut oder Schleimhaut
  • niedriger Blutdruck (arterielle Hypotonie) oder Schock
  • Herzbeteiligung (myokardiale Dysfunktion), Herzbeutelentzündung (Perikarditis), Herzklappenentzündung (Valvulitis) oder Koronare Herzkrankheit (KHK; Koronarpathologien)
  • Blutgerinnungsstörung (Koagulopathie)
  • akute Probleme des Verdauungstraktes (Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen, Verdacht auf Blinddarmentzündung)

und

  • Auffälligkeiten im Blutbild
  • erhöhte Entzündungswerte (CRP, PCT, BSG, etc.)

Derzeit gibt es noch keine weltweit einheitlichen Diagnosekriterien. So nennt die US-amerikanische Seuchenschutzbehörde CDC leicht abweichende Kriterien (u.a. Alter unter 21, Fieber über 24 Stunden, mind. zwei betroffene Organsysteme wie Herz oder Verdauungstrakt).

Das Entzündungssyndrom bei Erwachsenen diagnostizieren Ärzte nach vergleichbaren Merkmalen. Je nach Falldefinition sind neben den oben genannten noch weitere Kriterien aufgezählt, beispielsweise neurologische Probleme oder Hinweise auf einen Leberschaden. Zudem erstreckt sich der zeitliche Zusammenhang zu einer Corona-Infektion über bis zu zwölf Wochen.

PIMS oder Kawasaki-Syndrom?

Das PIMS ähnelt stark dem sogenannten Kawasaki-Syndrom. Bei beiden überreagiert das Immunsystem nach einer Infektion. Dennoch handelt es sich um unterschiedliche Krankheiten:

Beim Kawasaki-Syndrom entzünden sich kleine und mittelgrosse Blutgefässe. Betroffen sind vor allem Kleinkinder zwischen zwei und fünf Jahren. Die Erkrankung beginnt mit hohem Fieber, das mehr als fünf Tage anhält. Wie bei PIMS gibt es bestimmte Kriterien, die für die Diagnose erfüllt sein müssen.

Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel "Kawasaki-Syndrom".

PIMS-Patienten dagegen sind in der Regel älter als Kawasaki-Patienten und weisen häufiger schwere Verläufe auf. Zudem haben Kinder bei PIMS wesentlich öfter Beschwerden des Magen-Darm-Trakts. Zusätzlich können neurologische Auffälligkeiten oder Atemnot auftreten, die bei Kawasaki eher selten sind.

Da Infektionen sowohl PIMS als auch ein Kawasaki-Syndrom auslösen können, ist die Diagnose nicht immer einfach. Überdies gehen Mediziner davon aus, dass es Überschneidungen gibt.

Sie unterscheiden daher folgende Syndrome:

  • Sars-CoV-2 non-Kawasaki PIMS (non-KS-PIMS): Hierbei handelt es sich um reine PIMS-Fälle nach den oben genannten Kriterien. Es trifft nur maximal ein Kawasaki-Kriterium zu.
  • (Sars-CoV-2) Kawasaki-Syndrom (KS): Betroffene erfüllen hier mindestens zwei der fünf Kawasaki-Kriterien, jedoch nicht die für PIMS.
  • Sars-CoV-2 PIMS plus Kawasaki-Syndrom (KS-PIMS) umfasst PIMS-Fälle, bei denen die Kinder auch mehr als zwei der fünf Kawasaki-Kriterien erfüllen.

Je stärker eine PIMS- mit der typischen Kawasaki-Symptomatik überlappt beziehungsweise sich ergänzt, desto schwerer der Krankheitsverlauf. Etwa zwei Drittel der PIMS-Patienten erfüllen diese Kawasaki-Kriterien.

PIMS oder TSS (Toxisches Schocksyndrom)?

Die Beschwerden des PIMS ähneln in gewissem Masse auch dem sogenannten Toxischen Schocksyndrom (TSS).

Das TSS ist ebenfalls eine akute, lebensbedrohliche Multiorganerkrankung, die mitunter schweres Fieber, raschen Blutdruckabfall und Hautausschlag hervorruft. In der Regel schreitet TSS schnell voran und kann unbehandelt tödlich enden.

Anders als bei PIMS handelt es sich beim TSS jedoch um eine akute Infektionskrankheit mit bestimmten Bakterien (Staphylococcus aureus oder seltenere Streptokokkus pyogenes). Diese Bakterien besiedeln den menschlichen Körper und produzieren dabei bestimmte bakterielle Giftstoffe.

Diese Toxine sind in der Lage, bestimmte Immunzellen sehr stark zu aktivieren, und lösen dadurch eine unkontrollierte fehlgeleitete Immunantwort aus. Aufgrund solcher Eigenschaften bezeichnet man diese bakteriellen Giftstoffe als „Toxine mit Superantigeneigenschaft“. Auch beim TSS droht ein lebensbedrohlicher Zytokinsturm, der viele Organsysteme schädigt.

Mehr zum Toxischen Schocksyndrom und wie es behandelt wird, lesen Sie hier.

Wie können Sie Ihr Kind vor PIMS schützen?

Eine Coronavirus-Impfung bietet nach derzeitiger Kenntnis die beste Möglichkeit, Ihr Kind vor der Covid-19-Folgeerkrankung PIMS zu schützen. Abgesehen davon beugen allgemeine Schutz- und Hygienemassnahmen einer Infektion vor - und damit auch dem Entzündungssyndrom.

Behandlung von PIMS bei Kindern

PIMS lässt sich in der Regel sehr gut behandeln. Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen – etwa aus der Infektiologie, Rheumatologie oder Kardiologie – arbeiten eng verzahnt, um betroffene Kinder bestmöglich zu versorgen.

Viele Kinder und Jugendliche kommen auf die Intensivstation, wo ihr Zustand fortlaufend überwacht wird. Zudem stehen alle Mittel zur Verfügung, um schnell zu reagieren, wenn sich der Zustand verschlechtert.

Neben der intensivmedizinischen Versorgung (bspw. Beatmung etc.) wenden Ärzte in der Regel drei Strategien an:

  • Gabe von entzündungshemmenden Medikamenten
  • Gabe von gerinnungshemmenden Medikamenten
  • Gabe von Begleitmedikationen (bspw. um den Kreislauf zu stabilisieren)

Medikamente gegen die PIMS-Entzündung

Typischerweise geben Ärzte Medikamente, die entzündungshemmend wirken. Sie behandeln mit Immunglobulinen (IVIG) und Kortikosteroiden („Kortison“ wie Prednison, Prednisolon, Methylprednisolon, Hydrocortison oder Dexamethason). In schweren Fällen beginnen sie die Therapie in hoher Dosis („Stosstherapie“), um die Entzündungsprozesse schnellstmöglich zu bremsen.

Doch nicht immer reichen diese Medikamente aus, um PIMS zu stoppen. Dann setzen Ärzte noch andere Wirkstoffe ein:

Anakinra: Dabei handelt es sich um ein starkes Immunsuppressivum (Interleukin-1-Hemmer). Das Mittel unterdrückt die Immunreaktion des Körpers und kommt normalerweise bei rheumatoider Arthritis zum Einsatz. Um schwere Nebenwirkungen nach einer erfolgten Behandlung zu vermeiden („Rebound-Effekt“), wird die Anakinra-Dosis schrittweise vermindert und die Behandlung so sicher abgesetzt.

Tocilizumab: Ein starkes Immunsuppressivum, das die Andockstelle für den Botenstoff Interleukin 6 blockiert. Ärzte setzen es für gewöhnlich erst bei Kindern ab zwei Jahren ein. Auch Tocilizumab kennt man aus der Behandlung rheumatischer Erkrankungen.

Infliximab: Je nach Fall – beispielsweise bei einer starken Beteiligung des Magen-Darm-Trakts – kann Infliximab (sog. TNF-alpha-Blocker) die überschiessenden Entzündungsprozesse abfedern. Normalerweise verordnen Ärzte den Wirkstoff gegen Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn. Er ist für Kinder ab sechs Jahren geeignet.

Weitere Medikamente bei PIMS

Bei schweren Verläufen sind manchmal Medikamente notwendig, um den Kreislauf zu stabilisieren (Katecholamin-Therapie).

Um Blutgerinnseln vorzubeugen, verabreichen Ärzte Heparin. Wenn nichts dagegen spricht, geben sie zudem Acetylsalicylsäure (ASS). Das verhindert, dass die Blutplättchen verklumpen, und wirkt entzündungshemmend. ASS ist auch mit Blick auf das (überlappende) Kawasaki-Syndrom relevant.

Bei Hinweisen auf eine zusätzliche bakterielle Infektion, erfolgt eine Antibiotika-Therapie.

Krankheitsverlauf und Prognose

Die Entzündungserkrankung PIMS tritt etwa zwei, meist vier bis acht Wochen nach einer Sars-CoV-2-Infektion auf. Unbehandelt sind die Entzündungsprozesse gefährlich und können im schlimmsten Fall tödlich sein.

Die Prognose für die Patienten ist dennoch günstig. Da Ärzte PIMS gut behandeln können, gibt es bislang keinen bestätigten Todesfall in Deutschland. Etwas mehr als die Hälfte aller im Krankenhaus behandelten Kinder ist nach der Entlassung ohne verbleibende Restsymptome genesen. Etwa ein Drittel verlässt die Klinik mit noch leichten Beschwerden.

Bei rund fünf Prozent der betroffenen Kinder treten allerdings Folgeschäden beispielsweise am Herz-Kreislauf-System auf. Sie resultieren vermutlich aus der Schädigung von Herzmuskel oder den Blutgefässen.

Nachsorge

Eine strukturierte Nachsorge von betroffenen Kindern und Jugendlichen findet für gewöhnlich in spezialisierten Zentren oder Arztpraxen statt. Diese untersuchen den Gesundheitszustand des Kindes engmaschig und erkennen so angegriffene und geschädigte Organe. Auf dieser Basis erarbeiten dann verschiedene Fachdisziplinen eine individuelle Versorgung.

Insbesondere Kinder, deren Herzmuskel nach PIMS beeinträchtigt ist, sollten sich auch bei rascher Besserung der akuten Beschwerden mindestens drei Monate nicht (sportlich) belasten. Bevor sie wieder Sport treiben, ist ein ärztlicher Belastungstest ratsam beziehungsweise notwendig.

Grundsätzlich hat PIMS bei rechtzeitiger ärztlicher Behandlung aber sehr gute Heilungschancen ohne schwere Langzeitfolgen.

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Maximilian Reindl studierte Chemie und Biochemie an der LMU in München und ist seit Dezember 2020 Mitglied der NetDoktor-Redaktion. Er arbeitet sich für Sie in medizinisch-naturwissenschaftliche und gesundheitspolitische Themen ein, um diese gut verständlich und nachvollziehbar aufzubereiten.

Lisa Vogel hat Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Medizin und Biowissenschaften an der Hochschule Ansbach studiert und ihre journalistischen Kenntnisse im Masterstudiengang Multimediale Information und Kommunikation vertieft. Es folgte ein Volontariat in der NetDoktor-Redaktion. Seit September 2020 schreibt sie als freie Journalistin für NetDoktor.

Quellen:
  • Cohen et al. (2022) Lower Risk of Multisystem Inflammatory Syndrome in Children (MIS-C) with the Delta and Omicron variants of SARS-CoV-2 Jonathan, medRxiv-Pre-Print-Publikation, doi: 10.1101/2022.03.13.22272267
  • Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, e.V.: PIMS Survey Update 2022, unter www.dgpi.de (Abrufdatum: 11.07.2022)
  • Diagnosis, Treatment, and Long-Term Management of Kawasaki Disease: A Scientific Statement for Health Professionals From the American Heart Association
  • Fachinformation zu Anakinra, unter: www.fachinfo.de (Abrufdatum: 11.07.2022)
  • Hyperinflammation bei SARS-CoV-2-Infektion, rheuma plus 2020, 19: 202, doi: 10.1007/s12688-020-00385-9
  • Informationsangebot des STAKOB: „Hinweise zu Erkennung, Diagnostik und Therapie von Patienten mit COVID-19“, unter: www.rki.de (Abgerufen am 11.07.2022)
  • Jakob, A. et Hufnagel, M.: Inflammation bei pädiatrischem COVID-19 - Nachsorge von Kindern bei PIMS, in: Deutsches Ärzteblatt 2021, 118(40): 1814-17
  • Medizinreport des Deutschen Ärzteblatts: Inflammation bei pädiatrischem COVID-19: Nachsorge von Kindern bei PIMS, unter: www.aerzteblatt.de (Abrufdatum: 11.07.2022)
  • Meldung des Ärzteblatts: PIMS-Fälle nach Impfung, unter: www.aerzteblatt.de (Abrufdatum: 06.07.2022)
  • Penner et al. (2021) 6-month multidisciplinary follow-up and outcomes of patients with paediatric inflammatory multisystem syndrome (PIMS-TS) at a UK tertiary paediatric hospital: a retrospective cohort study. Lancet Child Adolesc. Health., Vol. 5(7):473-482, DOI:https://doi.org/10.1016/S2352-4642(21)00138-3
  • Pressemitteilung der DGPI: Kinder in der Pandemie – die Omikron-Variante (Stand: 29.12.2021), unter: www.dgpi.de (Abrufdatum: 11.07.2022)
  • Roarty et al. (2022) Review and future directions for PIMS-TS (MIS-C). Arch. Dis. Child., Online First: 10 January 2022, doi: 10.1136/archdischild-2021-323143
  • Robert Koch-Institut: Hyperinflammationssyndrom bei COVID-19, Stand: 27.07.2020, unter: www.rki.de (Abrufdatum: 11.07.2022)
  • S2k-Leitlinien: Kawasaki-Syndrom, Stand 2020, unter: www.awmf.org (Abrufdatum: 11.07.2022)
  • S3-Leitlinie: Empfehlungen zur stationären Therapie von Patienten mit COVID-19, Version Februar 2022, unter: www.awmf.org (Abrufdatum: 11.07.2022)
  • Stellungnahme der DGPI, GPP, API, GKJR, DGPK, DGKJ, GPOH und STAKOB zur Klinik, Diagnostik und Therapie von Kindern mit Covid-19 – Update Februar 2022, unter: www.dgpi.de (Abrufdatum: 11.07.2022)
  • Stellungnahme der DGPI, GPP, API, GKJR, DGPK und STAKOB zur klinischen Präsentation und zur medikamentösen Behandlung von Kindern mit COVID-19 – Update November 2020, unter: www.dgpi.de (Abrufdatum: 11.07.2022)
  • Stellungnahme DGPI zum Thema: Klinische Präsentation und medikamentöse Behandlung von Kindern mit Covid-19, Stand: 27.11.2020, unter: www.dgpi.de (Abrufdatum: 11.07.2022)
  • Weltgesundheitsorganisation WHO: Multisystem inflammatory syndrome in children and adolescents temporally related to COVID-19, unter: www.who.int (Abrufdatum: 11.07.2022)
  • Wissenschafts- und Entwicklungscampus der Universität Regensburg (wecare): Pädiatrisches Multiorgan-Immun-Syndrom (PMIS), unter: www.we-care.de (Abrufdatum: 11.07.2022)
  • Zambrano et al. (2021) Effectiveness of BNT162b2 (Pfizer-BioNTech) mRNA Vaccination Against Multisystem Inflammatory Syndrome in Children Among Persons Aged 12–18 Years — United States, July–December 2021. MMWR Morb. Mortal. Wkly. Rep., Vol. 71:52–58. DOI:http://dx.doi.org/10.15585/mmwr.mm7102e1
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