Geburt in der Corona-Pandemie - die wichtigsten Infos

Von , Medizinredakteurin
Lisa Vogel

Lisa Vogel hat Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Medizin und Biowissenschaften an der Hochschule Ansbach studiert und ihre journalistischen Kenntnisse im Masterstudiengang Multimediale Information und Kommunikation vertieft. Es folgte ein Volontariat in der NetDoktor-Redaktion. Seit September 2020 schreibt sie als freie Journalistin für NetDoktor.

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Der Schutz vor Sars-CoV-2-Infektionen prägt derzeit auch die Umstände bei der Geburt. Vielerorts sind die Vorgaben aber nicht mehr ganz so strikt wie zu Beginn der Pandemie. Informieren Sie sich Im Vorfeld, welche Rahmenbedingungen Sie in Klinik und Gebärzimmer erwarten, wie Besuche geregelt sind und wie Sie sich aktuell auf die Geburt verbreiten können.

Geburt

Kann ich einen Geburtsvorbereitungskurs machen?

Während Geburtsvorbereitungskurse zu Beginn der Pandemie gänzlich ins Internet verlegt wurden, sind sie mittlerweile grösstenteils wieder „vor Ort“ möglich.

Viele Geburtskliniken und Hebammen bieten die Geburtsvorbereitung sowie Beratungsgespräche nun wieder in kleinen Gruppen an. Informieren Sie sich rechtzeitig in Ihrer ausgewählten Geburtsklinik oder bei Ihrer Hebamme, welche Regelungen sie einhalten müssen.

Zudem gibt es vielerorts nach wie vor die Möglichkeit, an Online-Kursen teilzunehmen. Ihre Hebamme wird sie rechtzeitig beraten, welche Kurse Sie auch von zu Hause aus wahrnehmen können.

Hinweis: Für Geburtsvorbereitungskurse leistet die Schweizer Krankenkasse einen Beitrag von 150 Franken.

Kann ich aktuell Kliniken besichtigen?

Geburtskliniken bieten in der Regel Informationsabende an, an denen werdende Eltern die Gebärabteilung besichtigen können.

Aufgrund der momentanen Situation sind Führungen durch den Gebärsaal aber derzeit nicht möglich. Die meisten Geburtskliniken bieten aber auf ihren Homepages virtuelle Besichtigungen der Gebärabteilungen an.

Zudem könnten bei sinkenden Fallzahlen Vorabbesichtigungen wieder möglich werden. Informieren Sie sich bei dazu direkt bei ihrem Wunschkrankenhaus. Wenn eine Besichtigung nicht möglich ist, können Sie telefonisch die wichtigsten Informationen einholen.

Machen Hebammen trotz Coronavirus Hausbesuche?

Auch in Krisensituationen brauchen werdende Mütter und Väter Unterstützung - gerade, wenn es das erste Kind ist. Daher arbeiten Hebammen auch während der Corona-Krise/ in Zeiten von Corona. Bei Hausbesuchen müssen alle anwesenden Personen über 12 Jahre eine Maske tragen.

Ist eine Schwangere mit dem Coronavirus infiziert oder besteht ein begründeter Verdacht, werden nicht notwendige Termine zur Geburtsvorbereitung und Kontrolltermine durch die Hebamme verschoben. Ist der Termin zwingend nötig, nehmen Hebammen trotzdem Hausbesuche vor. Sie tragen dann Mundschutz und Handschuhe und legen je nach Risikoeinschätzung Schutzkleidung an.

Ist wiederum die Hebamme selbst mit Sars-CoV-2 infiziert oder an Covid-19 erkrankt, organisiert sie oder die zugehörige Praxis in der Regel einen Ersatz.

Ich bin infiziert: Wo soll ich gebären?

Schwangeren Frauen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben oder bei denen ein begründeter Verdacht vorliegt, sollten zur Geburt eine Klinik aufsuchen. Hier wird das Baby während der Geburt kontinuierlich überwacht. Das Geburtsteam überprüft dabei, ob das Kind genug Sauerstoff bekommt und wie es auf die Wehen reagiert.

Von einer Geburt zu Hause oder in einem Geburtshaus, in dem nur Hebammen - aber keine Ärzte zur Verfügung stehen - raten Experten derzeit ab.

Bei Verdacht oder Infektion: Kaiserschnitt oder vaginale Geburt?

Auch wenn bei Ihnen eine Coronavirus-Infektion vermutet oder bestätigt wurde, gibt es derzeit keine Hinweise dafür, dass ein Kaiserschnitt sicherer ist als eine vaginale Geburt. Wenn es keine anderen medizinischen Gründe gibt, können Sie sich also für eine vaginale Geburt entscheiden.

Wenn Sie allerdings aufgrund einer Coronavirus-Infektion Atemprobleme haben und diese eine schnelle Entbindung erfordern, kann ein Kaiserschnitt nötig sein.

Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass eine PDA für Sie problematischer sein könnte. Von der Verwendung von Lachgas wird jedoch ausdrücklich abgeraten. Es kann die Ausbreitung des Virus über die Atemluft fördern.

Darf mein Partner/ meine Partnerin mit in den Gebärsaal?

Auch in Zeiten der Corona-Krise sind Partner oder Partnerin eine wichtige Stütze für die entbindende Frau. Aus diesem Grund dürfen maximal zwei Begleitpersonen bei der Geburt dabei sein.

Begleitpersonen ab 16 Jahren müssen ein gültiges COVID-Zertifikat vorweisen. Das bedeutet, sie müssen geimpft, genesen oder getestet sein.

Kann sich mein Baby bei der Geburt anstecken?

Eine Übertragung des Coronavirus während der Schwangerschaft oder bei der Geburt auf das Kind ist möglich, aber nicht die Regel. Die Gesundheit der Neugeborenen wird dadurch meist nicht beeinträchtigt.

Kann ich mein Baby bei mir behalten?

Sofern es Ihnen beiden gut geht können Sie Ihr Baby auch in Coronazeiten bei sich behalten.

Wird mein Baby auf das Coronavirus getestet?

Wenn zum Zeitpunkt der Geburt eine Coronavirus-Infektion bei Ihnen vermutet oder bestätigt wurde, testen Mediziner auch Ihr Baby auf das Coronavirus. Dafür reicht in der Regel ein Rachenabstrich.

Darf ich auf der Wochenbettstation Besuch empfangen?

Nach der Geburt im Krankenhaus Besuch zu empfangen, ist wieder möglich. Auf der Wochenbettabteilung und Pränatalstation dürfen Sie unbeschränkt Besucher empfangen, jedoch immer nur zwei Personen gleichzeitig.

Ist eine ambulante Geburt möglich?

Wenn die werdende Mutter nicht mit dem Coronavirus infiziert ist, keine Vorerkrankungen bestehen, es sich um keine Risikoschwangerschaft handelt und eine unkomplizierte Geburt zu erwarten ist, bieten viele Kliniken diese Möglichkeit an.

Um das Infektionsrisiko generell so gering wie möglich zu halten, wird die ambulante Geburt von manchen Kliniken sogar empfohlen.

Ob das in Ihrer Wunschklinik möglich ist und wie die Geburt abläuft, erfahren Sie bei der jeweiligen Klinik. Die Regelungen unterscheiden sich in den einzelnen Krankenhäusern.

Kann ich mein Baby stillen?

Es gibt bislang keine Hinweise darauf, dass das Virus über die Muttermilch übertragen werden kann. Die anerkannten Vorteile des Stillens überwiegen nach heutigem Kenntnisstand die möglichen Risiken einer Übertragung.

Wenn Sie infiziert sind oder dieses vermuten, beachten Sie beim Stillen oder Füttern Ihres Kindes folgende Vorsichtsmassnahmen:

  • Waschen Sie mindestens 20 Sekunden gründlich Ihre Hände mit Seife bevor Sie Ihr Baby, die Milchpumpe oder die Flasche berühren.
  • Tragen Sie beim Stillen eine Gesichtsmaske.
  • Reinigen Sie nach jedem Gebrauch die Pumpe gründlich und sterilisieren Sie die einzelnen Bestandteile (Abkochen, Dampfsterilisator)

Was ist, wenn mein Kind sich ansteckt?

Gerade junge Kinder kommen mit dem Coronavirus normalerweise gut zurecht. Auf die leichte Schulter nehmen darf man die Erkrankung dennoch nicht. In seltenen Fällen erkranken auch Kinder unter einem Jahr scher an Covid-19.

Sollte Ihr Kind Husten, Atemnot und/oder Fieber bekommen, kontaktieren Sie vorsichtshalber Ihren Kinderarzt. Bei einem begründeten Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion kann er Ihr Kind testen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:

Lisa Vogel hat Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Medizin und Biowissenschaften an der Hochschule Ansbach studiert und ihre journalistischen Kenntnisse im Masterstudiengang Multimediale Information und Kommunikation vertieft. Es folgte ein Volontariat in der NetDoktor-Redaktion. Seit September 2020 schreibt sie als freie Journalistin für NetDoktor.

Quellen:
  • Ärzteblatt: China: Auch Kinder und Neugeborene können an COVID-19 erkranken (unter www.aerzteblatt.de; Abruf am 20.04.2020)
  • Deutsche Gesellschaft für Frauenheilkunde und Geburtshilfe: Bei Geburten sind auch in der Corona-Krise die Partner gefragt, Pressemiteilung März 2020, www.dgpfg.de
  • Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: FAQ für schwangere Frauen und ihre Familien (unter www.dggg.de; letzter Abruf am 17.04.2020)
  • Deutscher Hebammen Verband, www.hebammenverband.de; letzter Abruf am 01.06.2021
  • Hebammenverband Schleswig-Holstein (unter www.hebammen-sh.de; letzter Abruf am 17.04.2020)
  • Staatsinstitut für Frühpädagogik: Familienhandbuch (unter www.familienhandbuch.de; letzter Abruf am 01.06.2021)
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