Corona: Wer sollte die vierte Impfung bekommen?

Von , Medizinredakteurin
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Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

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Nicht einmal die Hälfte der Bevölkerung hat bislang die empfohlene dritte Impfung als Booster erhalten. Doch diskutieren Fachleute schon jetzt, wann und für wen eine vierte Impfung sinnvoll sein könnte. Dabei sind viele Fragen noch offen.

Dame lässt sich Impfen

Vierte Impfung: Aktueller Impfstoff oder angepasster?

Unterscheiden muss man in der Diskussion zunächst, ob man von einer vierten Impfung mit den derzeit verfügbaren Impfstoffen spricht – und damit einer zweiten Boosterimpfung. Oder ob es um einen künftigen Impfstoff geht, der an die aktuelle Omikronvariante angepasst wurde und daher wirksamer gegen den derzeit vorherrschenden Typ schützt.

Dank der neuen Impfstofftechnologien sind Entwicklung und Produktion solcher Updates inzwischen sehr schnell machbar. Erste Lieferungen hat beispielsweise der Hersteller BionNTech/Pflizer ab April angekündigt – sofern die entsprechenden Genehmigungen vorliegen.

Warum überhaupt vierfach Impfen?

Die aktuellen Coronaimpfungen schützen auch über längere Zeit vor schweren Krankheitsverläufen -auch gegenüber Omikron. Der Schutzeffekt, sich überhaupt anzustecken, nimmt hingegen stetig ab. Denn dazu sind ausreichend neutralisierende Antikörper in den Geweben des Nasen- und Rachenraums nötig – also da, wo Atemwegsviren den Körper zuerst befallen.

Während das Immungedächtnis durch jeden Kontakt mit Erregerstrukturen – ob per Infektion oder Impfung – stärker wird, fährt der Körper die Menge Erreger-spezifischer Antikörper im Laufe der Zeit zurück. Um körperliche Ressourcen zu schonen, passiert das nach jeder Impfung und auch nach jeder Infektion – und somit auch nach der dritten Spritze, der Booster-Impfung.

Gefährdete Menschen haben diese zuerst erhalten. Bei ihnen sinkt somit der Schutz vor Ansteckung aktuell bereits wieder – ausgerechnet in der Hochphase der Omikronwelle. Für sie wird jetzt eine vierte Impfung angedacht.

Wie wirksam ist die vierte Impfung?

Israel spritzt Bürgern über 60 Jahren schon seit Wochen eine vierte Dosis Coronaimpfstoff. Nun zeigt dort eine Studie, dass auch das eine Ansteckung mit der Omikron-Variante nicht zuverlässig verhindern kann.

„Wir sehen einen Anstieg der Antikörper, der höher ist als nach der dritten Dosis“, sagte Prof. Gili Regev-Yochay vom Sheba Medical Center bei Tel Aviv am Montag der Onlineausgebe „The Times of Israel“ zufolge. Doch auch das reiche nicht aus, um Infektionen mit Omikron zu verhindern.

Der Studie zufolge ist die Zahl der Durchbruchsinfektionen zwar geringer als in einer Kontrollgruppe ohne vierte Impfdosis. Es gäbe dennoch viele Omikron-Infektionen auch bei Personen, die bereits die vierte Dosis erhalten hätten, so die Forscherin.

Für wen ist die vierte Spritze jetzt sinnvoll?

Man sei kurz nach der vierten Impfung wieder auf demselben Antikörper-Stand wie kurz nach der dritten, so Regev-Yochay. Für Menschen mit einem hohen Risiko für schwere Verläufe sei daher eine vierte Spritze „wahrscheinlich immer noch eine gute Idee.“

Offen ist hingegen, wer das konkret sein sollte: alle Personen, die ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe haben oder nur die besonders gefährdeten? Dazu könnten beispielsweise Personen über 70 oder 80 Jahre und Menschen mit schwerer Immunschwäche zählen.

Derzeit hat auch die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) noch keine Empfehlung zur vierten Impfung gegeben.

Kommt der angepasste Impfstoff für alle?

Der Schutz, den aktuelle Impfstoffe gegenüber Omikron bieten, ist also deutlich schwächer als vor den vorangegangenen Varianten, so viel ist klar. Impfstoffhersteller arbeiten schon seit dem Auftauchen von Omikron an angepassten Wirkstoffen.

Für immer in der Boosterschleife?

Dass künftig immer wieder die gesamte Bevölkerung nachgeimpft wird, um den Gemeinschaftsschutz zu erhalten, schliessen Experten aus.

Für Personen, die einer der Risikogruppen angehören, könnten regelmässige Booster jedoch auch in Zukunft sinnvoll bleiben – ähnlich wie bei der jährlichen Grippeschutzimpfung.

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Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Quellen:
  • Beschlussentwurf - Stiko für vierte Impfung bei Vulnerablen, www.zdf.de, 03.02.2022,
  • Israeli study shows 4th vaccine shot ‘not good enough’ against Omicron, The Times of Israel, 17. Jan 2022
  • Omikron: Kommt der Booster nach dem Booster, www.tageschau.de, 11. Jan 2022
  • Wieler, Lauterbach und Drosten zur Corona-Lage, Livemitschnitt der Pressekonferenz von tagesschau.de, 14. Jan 2022
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