SIRS

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und , Biologin und Medizinredakteurin
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Dr. med. Fabian Dupont

Fabian Dupont ist freier Autor in der NetDoktor-Medizinredaktion. Der Humanmediziner ist bereits für wissenschaftliche Arbeiten unter anderem Belgien, Spanien, Ruanda, die USA, Großbritannien, Südafrika, Neuseeland und die Schweiz. Schwerpunkt seiner Doktorarbeit war die Tropen-Neurologie, sein besonderes Interesse gilt aber der internationalen Gesundheitswissenschaft (Public Health) und der verständlichen Vermittlung medizinischer Sachverhalte.

Dr. Monique Amey-Özel

Dr. Monique Amey-Özel hat Biologie an der Universität Bonn studiert und in den Neurowissenschaften promoviert. Sie war mehrere Jahre in der Forschung und als Lehrbeauftragte u.a. im Fach Anatomie an medizinischen Ausbildungseinrichtungen tätig. Sie beriet als Pharmareferentin Ärzte in verschiedenen Indikationen und ist nun als Medizinredakteurin verantwortlich für die Erstellung medizinischer Texte sowohl für Fachkreise als auch interessierte Laien.

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SIRS ist die medizinische Bezeichnung für eine schwere Entzündungsreaktion des Körpers auf einen äusseren Einfluss. Ursache für das systemische inflammatorische Response-Syndrom sind zum Beispiel Gifte von Krankheitserregern, schwere Verletzungen oder Verbrennungen. Durch die massive Reaktion versucht der Körper, Schaden abzuwehren, schädigt sich dabei aber selbst. Lesen Sie hier alles Wichtige zum SIRS!

Fieber ist ein Symptom für Blutvergiftung und SIRS

Kurzübersicht

  • SIRS-Kriterien: Erhöhte Körpertemperatur (36 bis 38 Grad Celsius), beschleunigter Herzschlag (mindestens 90 Schläge pro Minute), schnellere Atmung (mindestens 20 Atemzüge pro Minute), erhöhte oder verminderte Anzahl weisser Blutzellen (Leukozytenzahl: ≥12000/Mikroliter oder ≤4000/Mikroliter)
  • Behandlung und Prognose: Flüssigkeitszufuhr durch Infusion, Thromboseprophylaxe, Schmerzmittel, Operation bei Organversagen
  • Ursachen: Verbrennungen, Verletzungen, Organschäden und -entzündungen, Unterversorgung von Organen und Geweben, Blutungen, Allergien

Wann liegt ein SIRS vor?

Gemäss einer etwas veralteten Definition, die bis 2007 galt, sprachen Mediziner von einem SIRS (systemisches inflammatorisches Response-Syndrom), wenn es zu einer Entzündungsreaktion des gesamten Körpers kommt, ohne dass ein bestimmter Erreger als Auslöser nachgewiesen ist oder im Verdacht steht.

Von einer Sepsis oder Blutvergiftung sprachen Ärzte, wenn sich dagegen ein Erreger im Blut nachweisen lässt, der für die entzündliche Reaktion verantwortlich ist.

Diese Einordnung ist jedoch ungenügend, weshalb die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und die Deutsche Sepsis-Gesellschaft (DSG) die Definition für das SIRS angepasst haben. Demnach sind die Begriffe SIRS und Sepsis zusammen zu betrachten und deuten nicht auf verschiedene Erkrankungen hin. Man unterscheidet heute ein SIRS mit Infektion und ohne Organkomplikation (Sepsis) von einem SIRS mit Infektion und mit Organkomplikation ("schwere" Sepsis).

Die bisher festgelegten SIRS-Kriterien gelten weiterhin, auch zur näheren Beurteilung des Schweregrades einer Sepsis, jedoch vorrangig bei Erkrankten ab dem 16. Lebensjahr.

Was sind SIRS-Kriterien?

Von einem SIRS sprechen Ärzte, wenn mindestens zwei der folgenden vier SIRS-Kriterien erfüllt sind:

  • Fieber (­38 Grad Celsius) oder Hypothermie (­36 Grad Celsius), rektal oder via Kathetersonde in einem Blutgefäss oder der Harnblase gemessen
  • Beschleunigter Herzschlag (Tachykardie) auf mindestens 90 Schläge pro Minute
  • Schnelle Atemzüge (Tachypnoe) mit mehr als 20 Atemzügen pro Minute oder Hyperventilation (messbar durch den CO2-Gehalt im Blut)
  • Weisse Blutkörperchen im Blut vermehrt (Leukozytose: ≥12000/Mikroliter) oder vermindert (Leukopenie: ≤4000/Mikroliter)

Wie sehen Therapie und Prognose bei SIRS aus?

Primär versuchen Ärzte bei der Behandlung des SIRS, ähnlich wie bei einer Blutvergiftung, den Kreislauf mit Infusionen und gegebenenfalls gefässverengenden Wirkstoffen (Vasopressoren) zu stabilisieren.

Neben ergänzenden Standardtherapien wie einer Thromboseprophylaxe und einer Schmerztherapie ziehen Ärzte eine Operation in Betracht, sofern der Auslöser des SIRS zum Beispiel eine Organschädigung oder eine Verbrennung ist. Denn für die nachhaltige Behandlung eines SIRS ist es wichtig, dessen Auslöser aufzuspüren und, wenn möglich, auszuschalten.

Die Prognose des SIRS hängt, genau wie bei einer Sepsis, von der Ursache, der allgemeinen Gesundheitslage des Erkrankten und einem möglicherweise bereits vorliegenden Organversagen ab.

Lesen Sie mehr über die Behandlung und den Verlauf einer Sepsis im Beitrag Blutvergiftung.

Was löst ein SIRS aus?

Die Auslöser eines SIRS oder einer Blutvergiftung sind vielfältig. Zu diesen gehören unter anderem:

  • Verbrennungen
  • Verletzungen
  • Grosse Organschäden
  • Schwere allergische Reaktionen (Anaphylaxie)
  • Organentzündungen wie eine Pankreatitis
  • Schwere Blutungen
  • Unterversorgung von Gewebe oder Organen mit Sauerstoff (Ischämie) wie z.B. bei einem Schlaganfall oder Herzinfarkt

Untersuchungen und Diagnose

Lesen Sie mehr darüber, wie ein SIRS beziehungsweise eine Sepsis diagnostiziert wird im Beitrag Blutvergiftung.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Martina Feichter
Autoren:
Dr. med. Fabian Dupont
Dr. med.  Fabian Dupont

Fabian Dupont ist freier Autor in der NetDoktor-Medizinredaktion. Der Humanmediziner ist bereits für wissenschaftliche Arbeiten unter anderem Belgien, Spanien, Ruanda, die USA, Großbritannien, Südafrika, Neuseeland und die Schweiz. Schwerpunkt seiner Doktorarbeit war die Tropen-Neurologie, sein besonderes Interesse gilt aber der internationalen Gesundheitswissenschaft (Public Health) und der verständlichen Vermittlung medizinischer Sachverhalte.

Dr. rer. nat. Monique Amey-Özel
Dr.  Monique Amey-Özel

Dr. Monique Amey-Özel hat Biologie an der Universität Bonn studiert und in den Neurowissenschaften promoviert. Sie war mehrere Jahre in der Forschung und als Lehrbeauftragte u.a. im Fach Anatomie an medizinischen Ausbildungseinrichtungen tätig. Sie beriet als Pharmareferentin Ärzte in verschiedenen Indikationen und ist nun als Medizinredakteurin verantwortlich für die Erstellung medizinischer Texte sowohl für Fachkreise als auch interessierte Laien.

ICD-Codes:
R65
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
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