Bartholinitis

Von , Medizinredakteurin und Biologin
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Als Bartholinitis bezeichnen Mediziner die bakterielle Entzündung des Ausführungsganges einer der beiden Bartholin-Drüsen. Diese Geschlechtsdrüsen liegen neben dem Scheideneingang. Sehr oft entsteht die Entzündung als Folge einer Bartholin-Zyste (Bartholinische Zyste). Umgekehrt kann die Bartholinitis aber auch die Ursache für eine solche Zyste sein. Infiziert sich die Zyste, entsteht ein Bartholin-Abszess. Lesen Sie hier mehr über die Ursachen, Symptome und Behandlung der Bartholinitis!

Eine Frau hält ihre Hände vor ihr Genital.

Kurzübersicht

  • Symptome: Meist einseitige Rötung und Schwellung im unteren Bereich der Schamlippen bzw. des Scheideneingangs, zunehmende Vorwölbung der Schamlippe, Druckempfindlichkeit, Schmerzen beim Sitzen und Gehen, eingeschränktes Allgemeinbefinden
  • Behandlung: Sitzbäder, Schmerzmittel, bei Abszessen, die sich nicht entleeren, chirurgische Öffnung und Anlegen einer Drainage, antibiotische Therapie bei wiederkehrenden Bartholin-Abszessen, keine Behandlung bei symptomloser Bartholin-Zyste
  • Ursachen und Risikofaktoren:Verschluss der Ausführungsgänge der Bartholindrüsen (z.B. infolge von Geburtsverletzungen, Episiotomie, andere Genitalverletzungen), Infektion des gestauten Sekrets mit Bakterien, Infektion einer vorhandenen Bartholin-Zyste, selten: Folge einer Infektion mit sexuell übertragbaren Krankheiten (Chlamydien, Tripper)
  • Untersuchung und Diagnose:Der Arzt erkennt die Bartholinitis anhand der Beschwerden und aufgrund des typischen Aussehens. Unter Umständen erfolgt eine Bestimmung des Erregers aus dem Sekret der entzündeten Drüse und der Ausschluss von Geschlechtskrankheiten.
  • Krankheitsverlauf und Prognose: Selten Bildung von Fisteln (Verbindungsgänge) zwischen Enddarm und Scheide oder Ausführungsgang der Drüse und dem Enddarm, nach chirurgischer Versorgung Blutungen, Infektion, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, bei unzureichender Behandlung Risiko von erneutem Auftreten der Krankheit
  • Vorbeugen: Keine spezielle Massnahme zur Prävention bekannt, Tragen von bequemen, nicht zu eng sitzenden Hosen, Anwendung von Kondomen zum Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten

Bartholinitis: Symptome

Die Bartholinitis löst eine (meist einseitige) Rötung und Schwellung im unteren Drittel einer der kleinen und grossen Schamlippen aus. Diese Schwellung kann die Grösse eines Hühnereis oder sogar Tennisballs erreichen und ist sehr (druck-)schmerzhaft. Auch beim Sitzen oder Gehen klagen viele Patientinnen über Schmerzen. Geschlechtsverkehr ist schmerzhaft oder aufgrund der Schmerzen nicht möglich. Manchmal tritt Fieber auf, und betroffene Frauen fühlen sich matt und abgeschlagen.

Bartholinitis: Behandlung

Eine Bartholinitis heilt nur selten von allein aus. Es ist auch nicht ratsam, eine Bartholinitis selbst zu behandeln. Damit sich die Beschwerden schnell bessern, ist es wichtig, dass die Behandlung einer Bartholinitis und eines Bartholin-Abszesses durch einen Arzt erfolgt.

Bartholinitis: Konservative Behandlung

Stellt der Arzt fest, dass das Sekret aus der entzündeten Bartholindrüse abfliesst, reicht im Allgemeinen eine konservative Behandlung (also ohne Operation) aus. Zum Einsatz kommen entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente, zum Einnehmen und in Form von Salben. Auch mit Sitzbädern, zum Beispiel mit Kamillenextrakt als Hausmittel, können Sie eine leichte Bartholinitis auf Anweisung Ihres Arztes zu Hause selbst behandeln. Manchmal ist auch Wärme (etwa Rotlicht-Bestrahlung) hilfreich: Sie führt dazu, dass sich der Entzündungsherd vom gesunden Gewebe abkapselt.

Eine Behandlung mit Antibiotika ist vor allem dann angezeigt, wenn die Bartholinitis durch Gonokokken – die Erreger der Geschlechtskrankheit Tripper (Gonorrhoe) – ausgelöst wurde.

Bartholinitis: Operative Behandlung

Eine chirurgische Behandlung ist notwendig bei einer Bartholinitis im fortgeschrittenen Stadium, also wenn die Entzündung zu einer Eiteransammlung (Bartholin-Abszess) oder einer Zyste geführt hat, die Beschwerden verursacht. In der Regel ist bei einer Bartholinitis eine OP erforderlich, wenn das Sekret, beziehungsweise der Eiter nicht abfliesst. Um eine Entleerung zu ermöglichen, schneidet der Arzt den Ausführungsgang auf. Damit der Eiter fortwährend abfliesst, legt er einen Katheter ein. Dieser Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung. In manchen Fällen führt der Arzt auch eine sogenannte Marsupialisation durch: Dabei eröffnet er den Ausführungsgang und vernäht die Gangwände mit den Hauträndern. So wird der Drüsengang offengehalten, und der Inhalt fliesst ungehindert ab. Dieser Eingriff erfolgt unter Vollnarkose.

Wenn die Bartholinitis trotz Behandlung immer wiederkehrt, wird meist die gesamte Drüse entfernt (Exstirpation).

Bartholinitis: Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursache einer Bartholinitis ist meist ein eingeengter oder verschlossener Ausführungsgang der Bartholindrüse. Staut sich das Sekret, besteht die Möglichkeit, dass sich eine Zyste bildet. Diese muss jedoch zunächst keine Beschwerden hervorrufen. Infiziert sich das gestaute Sekret jedoch mit Bakterien, kommt es zur Entzündung der Bartholindrüse. Meist ist nur eine der beiden Drüsen davon betroffen. Zu den beteiligten Bakterien zählen auch solche, die natürlicherweise im oder auf dem menschlichen Körper vorkommen. Dazu gehören zum Beispiel Escherichia coli (im Darm) und Staphylococcus aureus (auf der Haut). Gelegentlich sind krankmachende (pathogene) Bakterien die Auslöser einer Bartholinitis, so etwa bestimmte Erreger von Geschlechtskrankheiten: Chlamydien und Gonokokken (Neisseria gonorrhoeae; Erreger der Gonorrhoe = Tripper).

In den meisten Fällen entsteht die Bartholinitis auf der Basis einer Bartholin-Zyste. Dabei ist die betroffene Bartholin-Drüse durch einen Stau des Drüsensekrets angeschwollen, aber zunächst nicht entzündet. Im gestauten Sekret vermehren sich Bakterien gut, was dann zu einer Entzündung führt.

Seltener entwickelt sich eine Bartholinitis auf direktem Wege durch Infektion mit krankmachenden Bakterien, die aus dem Scheidenvorhof in den Ausführungsgang einer Bartholin-Drüse eingedrungen sind.

Bartholinitis: Beschreibung

Bei der Bartholinitis ist der Ausführungsgang einer der beiden Bartholin-Drüsen (Glandulae vestibulares majores) entzündet – die Drüse selbst ist nur selten betroffen.

Die Bartholin-Drüsen sind erbsengrosse Geschlechtsdrüsen neben dem Scheideneingang. Beim Geschlechtsverkehr sondern sie ein klares, helles Sekret ab, das den Scheidenvorhof befeuchtet und so die Reibung beim Eindringen verringert. Die Ausführungsgänge der beiden Drüsen münden auf der Innenseite der kleinen Schamlippen nach aussen.

Die Bartholinitis ist der häufigste Grund für eine Schwellung im Schambereich. Sie tritt bei erwachsenen Frauen jeden Alters auf, entwickelt sich aber besonders bei sexuell aktiven Frauen im Alter zwischen 20 und 29 Jahren. Etwa zwei bis drei von 100 Frauen entwickeln einmal im Laufe des Lebens eine Bartholinitis.

Bartholinitis: Untersuchung und Diagnose

Bei einer Schwellung im Bereich der Scham ist es ratsam, Ihren Frauenarzt aufzusuchen. Er findet heraus, ob tatsächlich eine Bartholinitis dahintersteckt. Zuerst wird Sie der Arzt ausführlich zu Ihren Symptomen und der Krankheitsgeschichte befragen (Anamnese). Mögliche Fragen dabei sind:

  • Unter welchen Beschwerden leiden Sie?
  • Wann haben Sie die Schwellung festgestellt?
  • Hatten Sie früher schon einmal eine solche Schwellung beziehungsweise eine nachgewiesene Bartholinitis?

Anschliessend wird der Arzt die Schwellung untersuchen. Dabei geht er vorsichtig vor, weil die Schwellung bei einer Bartholinitis sehr schmerzhaft ist. Die Begutachtung und Untersuchung reichen zusammen mit der Anamnese meist aus, um die Diagnose Bartholinitis zu stellen.

Besteht der Verdacht, dass die Entzündung durch Gonokokken oder Chlamydien verursacht wird, entnimmt der Arzt einen Abstrich vom Bereich der Scheide und der Harnröhre, um ihn im Labor auf diese Keime untersuchen zu lassen.

Bartholinitis: Krankheitsverlauf und Prognose

Schwillt das Gewebe der entzündeten Drüse immer weiter an, besteht die Gefahr, dass der Ausführungsgang der betroffenen Bartholin-Drüse sich verschliesst. Das von der Drüse weiterhin produzierte Sekret fliesst dann nicht mehr ab. Befinden sich Bakterien im Sekret, bildet sich Eiter und sammelt sich im verlegten Ausführungsgang an. Mediziner sprechen dann von einem Empyem. In selteneren Fällen kommt es zur eitrigen Einschmelzung des umliegenden Gewebes: Es bildet sich ein neuer Hohlraum, in welchem sich der Eiter ansammelt. Dann liegt ein bartholinischer Abszess vor.

Bei immer wiederkehrender Bartholinitis entwickelt sich unter Umständen als Endzustand eine Bartholin-Zyste (Bartholinische Zyste). Das Risiko, dass eine Bartholinitis immer wieder auftritt, besteht vor allem dann, wenn keine ausreichende Behandlung erfolgt ist.

Bartholinitis: Vorbeugen

Es gibt keine spezielle Massnahme, um einer Bartholinitis vorzubeugen. Das Tragen von bequemer, nicht zu eng sitzender Wäsche und Hosen ist jedoch vorteilhaft für ein gesundes Hautklima im Genitalbereich. Um zu verhindern, dass die Entzündung der Bartholindrüse sich verschlimmert, ist es sinnvoll, bei Verdacht möglichst früh einen Arzt zu konsultieren. Durch eine angemessene Behandlung lässt sich ausserdem das Risiko senken, dass die Bartholinitis erneut auftritt.

Seltener sind Erreger von Geschlechtskrankheiten wie Tripper oder Chlamydien an der Entstehung der Bartholinitis beteiligt. Die Anwendung von Kondomen senkt das Ansteckungsrisiko für sexuell übetragbare Krankheiten drastisch. Regelmässige Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt tragen zudem dazu bei, eventuell unbemerkte Infektionen oder Erkrankungen festzustellen und frühzeitig zu behandeln.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

ICD-Codes:
N75
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Buchta, M. et al.: Das zweite StEx: Basiswissen Klinische Medizin für Examen und Praxis, Springer-Verlag, 2. Auflage, 2013
  • Janni., W., Hancke, K. et al.: Facharztwissen Gynäkologie. Urban & Fischer. 2. Auflage, 2017
  • Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2008
  • Löseke, A. & Skibbe, X.: Gynäkologie und Geburtshilfe für Pflegeberufe, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Petersen, E.-P.: Infektionen in Gynäkologie und Geburtshilfe, Georg Thieme Verlag, 5. Auflage, 2011
  • Weyerstahl, T. & Stauber, M.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2013
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