Atemwegserkrankungen

Zu den Atemwegserkrankungen gehören alle Krankheitsbilder der Atmungsorgane und der Atemwege. Ärzte unterscheiden Atemwegserkrankungen nach ihrem zeitlichen Verlauf, nach ihrer Ursache oder nach dem Ort der Schädigung. In der Regel betreffen Atemwegserkrankungen nur bestimmte Teile der Luftwege – etwa bei Schnupfen, Bronchitis, Mandelentzündung oder auch bei einer Lungenentzündung. Welche Atemwegserkrankungen es noch gibt, wie sie diagnostiziert und wie sie behandelt werden, lesen Sie hier.

Unter Atemwegserkrankungen fassen Ärzte alle Krankheiten zusammen, die die oberen und unteren Atemwege betreffen. In der Regel handelt es sich um Entzündungen des Nasen-Rachenraums, der Nasennebenhöhlen, der Luftröhre, der Bronchien oder des Lungengewebes.

Atemwegserkrankungen von A bis Z

Akute und chronische Atemwegserkrankungen

Ärzte teilen Atemwegserkrankungen nach ihrem zeitlichen Verlauf in akute Atemwegserkrankungen und in chronische Atemwegserkrankungen ein.

Zu den akuten Atemwegserkrankungen zählen einfache Erkältungen, Schnupfen, eine Bronchitis oder etwa Rachen- oder Mandelentzündungen. Diese Erkrankungen werden in der Regel durch Bakterien oder Viren ausgelöst. In vielen Fällen verlaufen sie mild und heilen meist innerhalb von einer bis zwei Wochen aus.

Heilen akute Atemwegserkrankungen nicht vollständig aus, können sie in chronisch werden. Die Genesung ist dann meist äußerst langwierig – in manchen Fällen bleibt die Erkrankung sogar bestehen. Chronische Atemwegserkrankungen gehen oft mit Gewebeschäden und bleibenden Funktionseinschränkungen einher.

Obstruktive und restriktive Erkrankungen

Liegt eine Verengung oder sogar ein Verschluss der Atemwege vor, sprechen Ärzte von obstruktiven Atemwegserkrankungen. Das heißt, die Luft kann nur erschwert ein- oder ausgeatmet werden, da der Luftstrom gestört ist. Solche sogenannten Ventilationsstörungen reichen von milden Ausprägungen wie beim Schnarchen, hin zu schwereren Krankheitsbildern wie der Schlafapnoe (gestörte Einatmung), dem Asthma (gestörte Ausatmung) oder der fortschreitenden Lungenkrankheit COPD.

Bleibt der Verschluss über einen längeren Zeitraum bestehen, kann das mit einer „Überblähung“ der Lungenbläschen einhergehen (Lungenemphysem), was den Gasaustausch in der Lunge erschwert und das Lungengewebe nachhaltig schädigt. 

Als restriktive Atemwegserkrankungen bezeichnen Ärzte all jene Erkrankungen, die mit einer eingeschränkten Dehnbarkeit der Lunge oder des Brustkorbs einhergehen – dadurch ist meist die Gesamtkapazität – also das Gesamtvolumen – der Lunge deutlich vermindert. 

Auch bei restriktiven Atemwegserkrankungen können Lungengewebeveränderungen auftreten, die den Luftaustausch in den Lungenbläschen erschweren.

Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege

Ärzte unterscheiden Atemwegserkrankungen zudem entsprechend des Ortes der Schädigung. Dabei unterteilen sie den menschlichen Atemtrakt wie folgt:

Obere Atemwege: Darunter versteht man die Nase und Nasengänge, die Nasennebenhöhlen sowie den gesamten Rachenraum.

Untere Atemwege: Sie umfassen den Kehlkopf, die Luftröhre, die Bronchien sowie die Lunge selbst.

Durch eine Atemwegserkrankung – insbesondere der unteren Atemwege – kann der lebensnotwendige Gasaustausch an den Lungenbläschen empfindlich gestört sein. Diese Fähigkeit zum Austausch von Gasen in den Lungenbläschen (Alveolen) ist der Prozess im Körper, der das Blut mit Sauerstoff „auflädt“ und Kohlenstoffdioxid aus dem Blut abgibt.

Entzündungen der Atemwege sind häufige Ursachen

Entzündungen sind die häufigsten Ursachen für Atemwegserkrankungen. Die Gründe dafür können vielfältig sein: 

Infektionen: Bestimmte Krankheitserreger besiedeln Teile des Atemtrakts und stören damit die Atemfunktion. Je nach Schwere der meist akut verlaufenden Atemwegserkrankung sind sie in der Regel vorübergehend. Beispiele können eine akute Bronchitis, eine Pneumokokken-Infektion (Lungenentzündung) wie auch eine Influenza (Grippe) sein. Schwere Verläufe treten meist bei Keuchhusten (Pertussis), Diphtherie, Pseudokrupp oder bei der chronisch verlaufenden Tuberkulose auf.

Lungengewebeveränderungen: Das Lungengewebe kann sich als Folge einer Lungenentzündung (Pneumonie) verändern. Nach einer (großflächigen) Lungenentzündung wird ein Teil des Lungengewebes durch Bindegewebe ersetzt (Lungenfibrose). In seltenen Fällen können Pneumonien auch die Bildung von Aussackungen an den Bronchialästen befördern (Bronchiektasen). Bronchiektasen stören dann die Selbstreinigungsmechanismen der Lunge und münden ihrerseits in wiederkehrenden lokalen Infektionen. 

Auch die Ablagerung bestimmter anorganischer Verbindungen schädigt die natürliche Struktur der Lunge nachhaltig (Staublunge). Dies können etwa bestimmte mineralische oder metallische Feinstaubpartikel sein – etwa Asbest, Quarzstaub wie auch Antimon-, Zinn- oder Eisenstaub. Auch das (längerfristige, regelmäßige) Inhalieren von Zigarettenrauch belastet die Lunge und führt bei unverändert stark ausgeprägten Rauchverhalten meist zu verschiedenen chronischen Krankheitsbildern – etwa zum umgangssprachlich bezeichneten „Raucherhusten“ bis hin zur chronischen Bronchitis und schließlich in die nicht mehr umkehrbare COPD.

Kontakt mit Allergenen: Auch allergieauslösende Stoffe können bei einer entsprechenden Überempfindlichkeit (Allergie) Entzündungen der Atemwege hervorrufen. Pollenflug oder Hausstaub reizen bei Betroffenen die Atemwege, so dass sich in manchen Fällen ein allergisch bedingtes Asthma oder – etwa bei häufiger Einatmung von Schimmel, Vogelfedern oder Holzstaub – eine allergische Alveolitis ausbilden können. Als weitere (chemische) Reizstoffe gelten Feinstäube, (bodennahes) Ozon oder verschiedene Stickoxide.

Genetisch-bedingte Atemwegserkrankungen: Hier handelt es sich um angeborene Krankheiten, die auch der Gruppe der Erbkrankheiten zugerechnet werden. Ein prominentes Beispiel ist die Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose (zystische Fibrose). Betroffene produzieren Atemwegssekrete, die zähflüssiger sind, als es bei gesunden Personen der Fall ist. Dadurch setzen sich diese Sekrete zunehmend in den Bronchien fest und können vom Körper nicht ausgeschieden („abgehustet“) werden. Dadurch steigt unter anderem die Gefahr von Lungenentzündungen und weiteren Infekten stark an.

Weitere Ursachen für Atemwegsstörungen

Neben den entzündlichen Erkrankungen des Respirationstrakts gibt es andere Ursachen für Atemwegserkrankungen. So zum Beispiel neurologische Störungen, die das Atemzentrum im Gehirn beeinträchtigen. Ärzte sprechen dann von neuromuskulären Ventilationsstörungen. Sie können als Begleiterscheinung eines Guillain-Barré-Syndroms oder auch als Folge einer Myasthenia gravis auftreten. 

Eine (vorübergehende) Fehlfunktion des Atemzentrums kann jedoch auch auf einem Mangel an Mineralstoffen beruhen – beispielsweise bei einem dauerhaft gesenkten Phosphatspiegel (Hypophosphatämie) oder einem anhaltenden Magnesiummangel.

Symptome von Atemwegserkrankungen

Atemwegserkrankungen können sich durch vielfältige Symptome äußern. Häufig treten folgende Beschwerden auf:

Diagnose von Atemwegserkrankungen

Bei einem Verdacht auf eine Atemwegserkrankung ist ein HNO-Arzt oder ein Pneumologe in der Regel der erste Ansprechpartner. Dabei erkundigt sich Ihr Arzt nach dem Zeitpunkt des Symptombeginns, der Intensität und Häufigkeit Ihrer Beschwerden und klärt mögliche bereits bestehende Erkrankungen ab.

Nach dieser Anamnese folgt eine körperliche Untersuchung. In vielen Fällen hören Ärzte Ihre Atemwege mit dem Stethoskop ab (Auskultation). Damit ist es möglich charakteristische Geräusche beim Ein- und Ausatmen zu ermitteln, die Ihrem Arzt wichtige Hinweise auf die vorliegende Erkrankung liefern – etwa Rasselgeräusche oder tiefes Brummen. Auch kann es sein, dass Ihr Arzt Ihren Brustkorb (Thorax) beklopft (Perkussion) und abtastet (Palpation).

Zudem ist es möglich, dass Ihr Arzt einen Abstrich aus Ihrem Nasen-Rachenraum nimmt, um diese Probe im Labor untersuchen zu lassen. Gegebenenfalls nimmt Ihr Arzt auch eine Blutprobe.

Zur verfeinerten Diagnostik setzen Ärzte sogenannte bildgebende Verfahren ein. Sie fertigen beispielsweise ein Röntgenbild an oder führen eine Computertomografie (CT) – alternativ eine Magnetresonanztomografie (MRT) – durch.

Daneben prüfen sie die Funktions- und Leistungsfähigkeit Ihrer Lunge, etwa mit der Spirometrie. Dabei atmen Sie als Patient bei geschlossener Nase durch den Mund kräftig ein und aus. Dabei messen Ärzte die Atemgeschwindigkeit und das durch Ihren Atem bewegte Luftvolumen. Ähnlich der Spirometrie, kann mit der sogenannten Spiroergometrie Ihre Lungenfunktion unter körperlicher Belastung ermittelt werden. Weitere Verfahren sind die Peak-Flow-Messung oder die Pulsoximetrie.

Behandlung von Atemwegserkrankungen

Die jeweilige Therapie von Atemwegserkrankungen hängt von der vorliegenden Erkrankung ab. Behandlungsoptionen decken dabei ein breites Spektrum ab und reichen von der Gabe spezieller Medikamente, zum Training bestimmter Atemtechniken hin zur intensivmedizinischen künstlichen Beatmung.

Antibiotika gegen bakterielle Infektionen

Krankheiten, die eine Folge bakterieller Infekte sind, können mit der Gabe von Antibiotika behandelt werden. Ärzte verschreiben bei Lungenentzündungen, die durch eine Pneumokokken-Infektion ausgelöst wurden in der Regel Penicillin oder verwandte Wirkstoffe. Pneumonien, die durch andere Bakterienstämme – etwa Chlamydien, Mykoplasmen oder Legionellen – hervorgerufen wurden, können mit Makrolid-Antibiotika wie Erythromycin behandelt werden. Das Bakterium Haemophilus influenzae Typ b (Hib) – als weiteres Beispiel –, ist mit Ampicillin oder Amoxicillin erfolgreich behandelbar.

Virostatika gegen virale Infektionen

Bei viralen Atemwegserkrankungen hingegen haben Antibiotika keine Wirkung. In solchen Fällen stehen Ärzten für schwerwiegende Infekte sogenannte Virostatika zur Verfügung. Sie unterbinden die Vermehrung von Viren im Körper.

Beispiele hierfür sind etwa Amantadin, Aciclovir, Lopinavir oder Oseltamivir. Ärzte setzen diese Wirkstoffe jedoch selten ein. Oft ist die Wirksamkeit von Virostatika begrenzt – und ihre Gabe mit Nebenwirkungen verbunden.

Weitere Wirkstoffe bei Atemwegserkrankungen

Bildet sich im Zuge der Atemwegserkrankung eine größere Menge zähen Schleims, kann eine Behandlung mit schleimlösenden beziehungsweise auswurffördernden Medikamenten – sogenannten Sekretolytika (Bspw.: Acetylcystein, Bromhexin, Ambroxol, Guaifenesin) – sinnvoll sein. 

Bei sehr starkem, trockenem Husten können Ärzte „Hustenstiller“ – so genannte Antitussiva – verschreiben. Dabei handelt es sich unter anderem um die Wirkstoffe Codein oder Dextromethorphan

Atemtherapie und Beatmung

Patienten mit bestehendem Asthma oder einer COPD können zudem von einer Atemtherapie profitieren. Sie umfasst dabei Übungen und Techniken, die die Atmung erleichtern und eine bewusste Körperwahrnehmung fördern. 

Sinkt durch eine Atemwegserkrankung die Sauerstoffsättigung eines Patienten ab, kann dessen Atmung unterstützt werden. Ärzte setzen zunächst Sauerstoff ein, der mittels einer sogenannten Nasenbrille, Nasenmaske oder Nasensonde zugeführt wird. Ziel dieses nicht-invasiven Verfahrens ist es, die Atemluft eines Patienten mit reinem Sauerstoff anzureichern.

Einen Sonderfall stellt das sogenannte CPAP-Verfahren (continous postive airway pressure) dar. Es findet beispielsweise bei der Behandlung des Schlafapnoe-Syndroms Anwendung. Eine abgedichtete Atemmaske unterstützt dabei die Atmung betroffener Patienten, indem stets ein leicht erhöhter Luftdruck in den Atemwegen – sowohl beim Ein- als auch beim Ausatmen – gewährleistet wird. Dies soll insbesondere beim Ausatmen sicherstellen, dass sich die Atemwege nicht „verschließen“.

Können Patienten in gravierenden Fällen nicht mehr eigenständig atmen, so müssen Ärzte im Ernstfall eine Intubation und künstliche Beatmung einsetzen (invasive Beatmung). Der Patient wird künstlich über einen Schlauch in der Luftröhre beatmet. Dieser Schlauch hält die Atemwege offen und stellt so die Sauerstoffversorgung in Notfallsituationen sicher.

Wie kann ich Atemwegserkrankungen aktiv vorbeugen?

Ein großer Teil der infektbedingten Atemwegserkrankungen tritt saisonal auf. Häufig setzt mit der kalten und nassen Jahreszeit auch die „Erkältungssaison“ ein. In dieser Zeit kann das Immunsystem leicht geschwächt sein. Außerdem halten sich die meisten Menschen dann in geschlossenen Räumen auf. Krankheitserreger finden dort ideale Bedingungen, sich zu verbreiten.

Schweren infektbedingten Atemwegserkrankungen beugen Sie am wirkungsvollsten mit einer Impfung gegen den jeweiligen Erreger vor. 

Auch das Tragen einer FFP2-Maske gilt als wirksamer Schutz vor Infektionskrankheiten. FFP2-Masken verringern das Risiko einer Tröpfchen- oder Aerosolinfektion deutlich. Ob jedoch FFP2-Masken auch nach der Coronapandemie im öffentlichen Raum gesellschaftlich akzeptiert sind, wird sich zeigen.

Auf Hygiene achten

Darüber hinaus sollten Sie auf eine ausreichende Hygiene achten. Das Berühren von Türklinken oder Haltegriffen in der U-Bahn, im Kaufhaus oder am Arbeitsplatz kann eine Übertragung durch sogenannte Schmierinfektion begünstigen. 
Halten Sie deshalb Ihre Hände vom Gesicht fern und waschen Sie sich Ihre Hände nachdem Sie im öffentlichen Raum unterwegs waren. 

Bewegung und gesunde Ernährung stärken das Immunsystem

Um das Immunsystem zu stärken, sollten Sie für ausreichend Bewegung sorgen und regelmäßig Sport betreiben. Der bewusste Rauchverzicht schont zudem Ihr Lungengewebe und ermöglicht es Ihrer Lunge sich gegen Erreger besser zu schützen.

Ergänzend sollten Sie sich ausgewogen ernähren. Das heißt, Sie sollten für eine abwechslungsreiche, vitaminhaltige Ernährung sorgen, die Ihren Körper leistungsfähig und gesund hält.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:

Maximilian Reindl studierte Chemie und Biochemie an der LMU in München und ist seit Dezember 2020 Mitglied der NetDoktor-Redaktion. Er arbeitet sich für Sie in medizinisch-naturwissenschaftliche und gesundheitspolitische Themen ein, um diese gut verständlich und nachvollziehbar aufzubereiten.

Quellen:
  • Bundesamt für Gesundheit – Abteilung Prävention nichtübertragbarer Krankheiten der schweizerischen Eidgenossenschaft – zu chronischen Atemwegserkrankungen, unter: www.bag.admin.ch (Abgerufen am 05.07.2021)
  • Deutsche Patientenliga Atemwegserkrankungen – DPLA e.V. zu Atemwegserkrankungen, unter: www.pat-liga.de (Abgerufen am 05.07.2021)
  • Informationsmaterial der Deutschen Atemwegsliga e.V., unter: www.atemwegsliga.de (Abgerufen am 05.07.2021)
  • Informationsmaterial der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V., unter: www.pneumologie.de (Abgerufen am 05.07.2021)
  • Lungenärzte im Netz zu Lungenkrankheiten, unter: www.lungenaerzte-im-netz.de (Abgerufen am 05.07.2021)
  • Portal: MSD Manuals zu Lunge- und Atemwegserkrankungen, unter: www.msdmanuals.com (Abgerufen am 05.07.2021)
  • Trudzinski et al.: Endspurt Klinik – Blut, Blutbildung, Atemsystem. Georg Thieme Verlag Stuttgart. 3. Auflage 2021