Spondylarthrose

Von , Ärztin
und , M.Sc. Biochemie und Medizinstudentin
Aktualisiert am
Dr. med. R. Schwarz

Dr. Schwarz studierte Medizin in Würzburg, wo sie auch ihre Promotion abschloss. Nach sehr vielseitigen Aufgaben während der medizinischen praktischen Ausbildung (PJ) u.a. in der Inneren Medizin und Chirurgie ist sie nun als Fachärztin für Radiologie tätig.

Maria Franz

Maria Franz ist seit 2020 freie Autorin der NetDoktor-Redaktion. Nach Abschluss eines Masterstudiums in Biochemie studiert sie derzeit Humanmedizin in München. Mit Ihrer Arbeit bei NetDoktor möchte sie ihr eigenes großes Interesse an medizinischen Themen auch bei den Lesern wecken.

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Bei einer Spondylarthrose verschleissen die kleinen Wirbelgelenke. Sie tritt altersbedingt bei fast jedem Menschen auf und verursacht in vielen Fällen Rückenschmerzen. Verschwinden diese nicht von selbst, lassen sie sich mit konservativen Massnahmen gut behandeln. Äusserst selten ist eine Operation notwendig. Lesen Sie hier mehr über die Spondylarthrose.

Spondylarthrose ist ein Gelenkverschleiß der Wirbelgelenke.

Kurzübersicht

  • Ursachen und Risikofaktoren: Altersbedingter Verschleiss; Überlastung durch Sport, schwere körperliche Arbeit oder Übergewicht erhöhen Risiko
  • Symptome: Nicht genau lokalisierbarer Rückenschmerz, oft stärker im Lauf des Tages und bei Belastung; Morgen-Steifigkeit der Wirbelsäule, Ausstrahlen in Beine oder Nacken möglich
  • Diagnosen: Krankengeschichte, körperliche Untersuchung, eventuell Röntgen, Magnetresonanz- oder Computertomografie (MRT oder CT)
  • Behandlung: Schmerzmittel, Krankengymnastik, Rückentraining. Unter Umständen Verödung der Nerven oder Operation
  • Prognose: Nachhaltige Therapie lindert oft Symptome, besonders Schmerz; selten bleiben Schmerzen chronisch
  • Vorbeugung: Ausgewogene regelmässige Bewegung beugt Rücken-Problemen zum Teil vor; schonende Arbeits-Techniken vermeiden eventuell berufsbedingte Erkrankungen

Was ist eine Spondylarthrose?

Bei der Spondylarthrose handelt es sich um eine Arthrose – also einen Gelenk-Verschleiss – in der Wirbelsäule. Der Begriff Spondylarthrose leitet sich von den griechischen Wörtern "Spondylos" für Wirbel und "Arthros" für Gelenk ab.

Die kleinen Wirbelgelenke (Facetten-Gelenke) nutzen sich dabei ab und verlieren ihre natürliche Struktur. Die Spondylarthrose heisst daher auch Facetten-Syndrom. Meistens gibt es für die Spondylarthrose keinen konkreten Auslöser: Die Wirbelgelenke "altern" durch die dauerhafte natürliche Belastung.

Von einer aktivierten Spondylarthrose spricht man, wenn zum Verschleiss der Gelenke eine Entzündung (Arthritis) hinzukommt.

Häufigkeit

Degenerative Veränderungen wie bei einer Spondylarthrose sind praktisch unumgänglich, wenn man älter wird. Bereits mit 40 Jahren ist jeder zweite Einwohner in Deutschland davon betroffen. Mit 60 Jahren zeigt das Röntgenbild bei etwa 90 Prozent der Menschen Alters-Erscheinungen in der Wirbelsäule. Allerdings leidet nicht jeder Mensch mit auffälligem Röntgenbild unter Beschwerden.

Fast 60 Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben hin und wieder Rückenschmerzen wegen einer Spondylarthrose. Ältere Menschen, Nicht-Sportler, Frauen und Raucher sind häufiger betroffen. Oft treten die Schmerzen nur vorübergehend auf. Manchmal setzen sie plötzlich ein und lassen dann langsam wieder nach. Seltener bleiben die Schmerzen chronisch bestehen.

Spondylarthrose kombiniert mit weiteren Alters-Erscheinungen

Prinzipiell altert jedes Element des Bewegungs-Apparats. Meistens sind auch mehrere Elemente an der Arthrose im Rücken beteiligt. Das schwerwiegendste Problem gibt der Erkrankung den Namen. So gibt es neben der Spondylarthrose noch die Chondrose, die Osteo-Chondrose und die Spondylose. Diese verschiedenen Formen von degenerativer Veränderung in der Wirbelsäule lassen sich meistens nicht klar voneinander trennen. Bei einem "Arthrose-Rücken" gehen sie oft in einander über und bedingen sich gegenseitig.

Chondrose: Verlieren die Bandscheiben einen Teil ihrer Flüssigkeit, sind sie weniger elastisch. Die Wirbelsäule wird instabiler. Dadurch werden die Bandscheiben bei jeder Erschütterung stärker belastet. Sie bekommen Risse und Lücken und sind dann später oft schliesslich vollständig zerstört. Diese sogenannte Chondrosis intervertebralis trägt einen Teil zum "Arthrose-Rücken" bei.

Osteo-Chondrose: Wenn die Bandscheiben ihre Funktion als Stossdämpfer verschleissbedingt nicht mehr erfüllen, übertragen sie die Belastung auf die knöchernen Wirbel. Diese verschleissen ebenfalls und bilden einen Kalk-Saum (Sklerose) unter der Knorpelfläche – Experten nennen diese Erscheinung eine Osteo-Chondrose.

Spondylose: Um die reduzierte Stabilität der Wirbelsäule zu kompensieren, bilden sich knöcherne Ausziehungen aussen an den Wirbelknochen (Spondylophyten). Das nennen Ärzte eine Spondylose. Spondylophyten überbrücken manchmal den Spalt zwischen zwei benachbarten Wirbeln auch komplett. Oft verformt sich die Wirbelsäule dabei und versteift (Spondylosis deformans).

Wo kann eine Spondylarthrose auftreten?

Eine Spondylarthrose ist im gesamten Bereich der Wirbelsäule möglich. Man unterscheidet den am häufigsten betroffenen Lendenwirbel-Bereich (LWS, Lendenwirbelsäule), den Bereich der Halswirbelsäule (HWS) und den der Brustwirbelsäule (BWS). Entsprechend spricht man von einer lumbalen (LWS), zervikalen (HWS) oder thorakalen (BWS) Spondylarthrose (oder auch Facetten-Syndrom).

Ein Verschleiss der Wirbelgelenke ist dabei nicht nur an einer Stelle (einem Segment) der Wirbelsäule, sondern auch an mehreren gleichzeitig möglich (multisegmentale Spondylarthrose).

Ist man mit einer Spondylarthrose berufsunfähig?

Pauschal lässt sich nicht sagen, ob oder wie lange man mit einer Spondylarthrose berufsunfähig oder gar schwerbehindert ist. Das ist vom einzelnen Fall, der Schwere der Symptome sowie der jeweiligen beruflichen Tätigkeit abhängig.

Unter bestimmten Bedingungen – besonders bei schwerer körperlicher Arbeit – ist eine Anerkennung als Berufskrankheit möglich. Unter Umständen sind dann auch bestimmte berufliche Tätigkeiten nicht in der gewohnten Form möglich.

Mit entsprechender Behandlung muss man in der Regel nicht mit einer Schwerbehinderung rechnen. Das ist nur in Einzelfällen und sehr selten notwendig, wenn eine Spondylarthrose chronisch mit anhaltenden Schmerzen bestehen bleibt.

Erster Ansprechpartner für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ist Ihr Hausarzt oder Orthopäde.

Ursachen und Risikofaktoren

Viele ältere Menschen erkranken irgendwann an einer Spondylarthrose, da ihre Wirbelgelenke mit der Zeit abgenutzt sind. Darüber hinaus gibt es noch weitere Ursachen für eine Spondylarthrose.

Sie entsteht etwa, wenn die Wirbelsäule stark belastet wird, etwa bei bestimmten Sportarten oder Berufen. Friseure oder Kindergärtner erkranken manchmal an einer Spondylarthrose in der Halswirbelsäule, da sie ihren Kopf oft senken müssen. Übergewicht wiederum belastet besonders die Lendenwirbelsäule.

Eine Skoliose, ein Hohlkreuz (lumbale Hyperlordose), ein Bandscheiben-Vorfall und rheumatische Erkrankungen sind weitere mögliche Ursachen.

Symptome

Die Wirbelgelenke liegen in enger Nachbarschaft zu Nerven, die im Rückenmarks-Kanal im Inneren der Wirbelsäule verlaufen. Wird der Rückenmarks-Kanal durch eine Spondylarthrose verengt, sind Beschwerden möglich.

Meistens äussern sie sich in Form von Rückenschmerzen, die an einzelnen Stellen am Rücken (lokalisiert) auftreten oder in das Gesäss und die Beine ausstrahlen. Die Schmerzen nehmen üblicherweise zu, wenn sich Betroffene nach hinten beugen sowie bei Belastung und zeitlich im Laufe des Tages. Viele Patienten berichten auch von Morgen-Steifigkeit der Wirbelsäule.

Betroffene empfinden oftmals auch ein unangenehmes Kribbeln. Diese Beschwerden verschwinden in der Regel mit der Zeit oder wenn der Patient sich nicht bewegt. Im Extremfall ist es möglich, dass durch die Spondylarthrose verursachte Nervenschäden sogar zu Lähmungen führen.

Zusätzlich macht eine Spondylarthrose die Wirbelsäule oft unbeweglicher. Betroffene haben Schwierigkeiten, sich zu bücken oder zur Seite zu neigen. In der Regel ist die Lendenwirbelsäule (LWS) am stärksten von der Arthrose betroffen. Halswirbelsäule (HWS) und Brustwirbelsäule (BWS) müssen weniger Belastungen standhalten und entwickeln daher nicht so schnell eine Spondylarthrose.

HWS-Arthrosen führen oft zu Nackenschmerzen, die auch gelegentlich in die Arme ausstrahlen.

Mehr über die allgemeinen Symptome von Arthrose lesen Sie im Beitrag Arthrose-Symptome.

Diagnose

Um eine Wirbelgelenks-Arthrose festzustellen, befragt der Arzt den Patienten, untersucht ihn und veranlasst bildgebende Verfahren wie Röntgen. Manchmal spritzt der Arzt ein Betäubungsmittel um jene Gelenke, an denen er eine Spondylarthrose vermutet. Hilft diese sogenannte Facetten-Blockade gegen den Schmerz, spricht das stark für einen dortigen Verschleiss.

Mehr zur Diagnose eines Gelenk-Verschleisses lesen Sie im Beitrag Arthrose.

Behandlung

Der Arzt behandelt die Spondylarthrose in der Regel zunächst konservativ, zum Beispiel mit Medikamenten (Schmerzmittel, Muskel-Relaxantien), Ergo- und Physio-Therapie. Auch manuelle Therapien wie die Triggerpunkt-Behandlung lindern oft die Beschwerden.

Darüber hinaus helfen Spritzen, die schmerzstillende Mittel enthalten. Oft handelt es sich um ein lokales Betäubungsmittel, gegebenenfalls kombiniert mit "Kortison".

Bei anhaltenden Schmerzen greifen Ärzte auch zu Verfahren, die jene Nerven ausschalten, die für das Schmerz-Empfinden verantwortlich sind. Hierfür wenden sie beispielsweise Radiowellen an. Durch die erzeugte Wärme gehen die Nerven zugrunde. Diese sogenannte Radiofrequenz-Therapie (auch Radiofrequenz-Neurotomie) ist wissenschaftlich am besten untersucht.

Mehr zur konservativen Therapie bei Gelenk-Verschleiss erfahren Sie im Beitrag Arthrose.

Wenn Wirbel gebrochen sind oder Körperteile gelähmt sind, muss der Patient rasch operiert werden. Eine Operation kommt auch in Betracht, wenn die konservative Therapie die Beschwerden nicht ausreichend zu lindern vermag. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der operativen Spondylarthrose-Therapie:

Dekompression

Im Rahmen einer Laminektomie entfernt der Arzt einzelne Knochenstücke des Wirbels. Das ist wichtig, wenn knöcherne Strukturen den Rückenmarks-Kanal und Öffnungen einengen, durch die Nerven verlaufen. Eingeklemmte Nerven werden so wieder entlastet.

Eingriffe ohne Fusion

Um eine instabile Wirbelsäule zu festigen, ist es möglich, dass der Arzt sogenannte Pedikel-Schrauben in mehrere Wirbel einbringt. Das ist vor allem sinnvoll, wenn Patienten Schmerzen beim Bewegen haben. Die Schrauben haben einen speziellen Aufsatz und lassen sich über einen Stab miteinander verbinden. So bringen sie die Wirbel in die richtige Position. Damit die Wirbelgelenke dennoch beweglich bleiben, verwendet der Arzt einen beweglichen Stab. So stabilisiert er die Wirbelsäule, schränkt aber ihre Funktion nicht ein.

Wirbelkörper-Fusion

Auch durch eine Fusions-Operation stabilisiert der Arzt die Wirbelsäule. Allerdings verbindet er die Wirbel dabei starr miteinander. Dazu befestigt er zum Beispiel die Pedikel-Schrauben an einem unbeweglichen Stab. So werden die Wirbel an der korrekten Position festgehalten.

Ausserdem lässt sich eine zerstörte Bandscheibe durch ein sogenanntes Cage (englisch: Käfig) ersetzen. Das ist ein kleines Körbchen aus Metall, Kunststoff oder Keramik. In manchen Fällen "baut" der Arzt auch körpereigenes Knochen-Material in die Wirbelsäule "ein". Mit der Zeit wächst es in die Wirbel ein und verbindet sie fest miteinander.

Die Wirbelsäule stabilisiert sich an den operierten Stellen und eingeklemmte Nerven bekommen wieder mehr Raum. Allerdings machen diese Behandlungen die Wirbelsäule auch steif. Sie kommen deshalb meist nur bei einer weit fortgeschrittenen Spondylarthrose infrage.

Krankheitsverlauf und Prognose

Oft lässt sich bei der Spondylarthrose durch eine konsequente Therapie eine nachhaltige Linderung des Schmerzes erreichen. Dies und eine gute Lebensqualität sind Hauptziele der Behandlung.

Wichtig ist dafür vor allem der Aufbau der stabilisierenden Muskulatur. Physio-Therapie bietet dazu eine Anleitung zur Selbsthilfe.

Wie lange man eventuell arbeitsunfähig ist oder ob man trotz der Schmerzen arbeitsfähig ist, hängt von den individuellen Symptomen und der entsprechenden Behandlung ab. Allgemeine Aussagen lassen sich dazu nicht treffen.

Vorbeugen

Altersbedingtem Verschleiss lässt sich nur in einem gewissen Rahmen vorbeugen. Hilfreich ist es etwa, Übergewicht und einseitige Belastungen zu vermeiden.

Regelmässige ausgewogene Bewegung durch Sport, bei dem der Rücken gestärkt wird, ist eine gut Vorbeugung gegen Spondylarthrose und viele andere Rücken-Erkrankungen.

Wer etwa beim Tragen schwerer Lasten und schwerer körperlicher Arbeit entlastende und gelenkschonende Techniken und Hilfsmittel nutzt beugt damit oft berufsbedingter Erkrankung und Arbeitsausfall vor.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autoren:
Dr. med. R. Schwarz
Dr. med.  R. Schwarz

Dr. Schwarz studierte Medizin in Würzburg, wo sie auch ihre Promotion abschloss. Nach sehr vielseitigen Aufgaben während der medizinischen praktischen Ausbildung (PJ) u.a. in der Inneren Medizin und Chirurgie ist sie nun als Fachärztin für Radiologie tätig.

Maria Franz
Maria Franz

Maria Franz ist seit 2020 freie Autorin der NetDoktor-Redaktion. Nach Abschluss eines Masterstudiums in Biochemie studiert sie derzeit Humanmedizin in München. Mit Ihrer Arbeit bei NetDoktor möchte sie ihr eigenes großes Interesse an medizinischen Themen auch bei den Lesern wecken.

ICD-Codes:
M47
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
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