Analkarzinom

Von , Arzt
Florian Tiefenböck

Florian Tiefenböck hat Humanmedizin an der LMU München studiert. Im März 2014 stieß er als Student zu NetDoktor und unterstützt die Redaktion seither mit medizinischen Fachbeiträgen. Nach Erhalt der ärztlichen Approbation und einer praktischen Tätigkeit in der Inneren Medizin am Uniklinikum Augsburg ist er seit Dezember 2019 festes Mitglied des NetDoktor-Teams und sichert unter anderem die medizinische Qualität der NetDoktor-Tools.

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Ein Analkarzinom ist eine seltene Krebserkrankung im Bereich des Anus oder des Analkanals. Die meisten Analkarzinome entstehen nach einer Ansteckung mit humanen Papillomviren (HPV). Betroffene leiden etwa unter Blutungen, Juckreiz und Schmerzen am After. Früh erkannt ist Analkrebs heilbar. Lesen Sie hier mehr über Symptome, Diagnose und Behandlung eines Analkarzinoms.

Person verdeckt Gesäß bei Analkarzinom

Kurzübersicht

  • Was ist ein Analkarzinom? Bösartiger Tumor im Bereich des Afterrands und des Analkanals.
  • Symptome: Meist unspezifische Symptome; möglich sind tastbare Veränderungen am oder im After, Blut im Stuhl, Juckreiz, Brennen oder Schmerzen beim Stuhlgang.
  • Ist Analkrebs heilbar? Ja, die Heilungschancen sind umso höher, je früher der Krebs erkannt und behandelt wird.
  • Häufigkeit: Seltene Krebserkrankung, an der etwa 1-2 von 100.000 Personen jährlich neu erkranken.
  • Ursachen: Das Analkarzinom entsteht in den meisten Fällen aus einer Infektion mit humanen Papillomviren (HPV) - insbesondere mit Hochrisiko-HPV-Typen 16, 18, 31 oder 33.
  • Diagnose: Unter anderem Proktoskopie, Endosonografie, aber auch Ultraschall, Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT), Positronenemissionstomografie (PET). Für eine sichere Diagnose: Biopsie.
  • Behandlung: Infrage kommen Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie. Die Wahl der optimalen Behandlung richtet sich nach der genauen Art und Ausbreitung des Tumors.

Was ist ein Analkarzinom?

Das Analkarzinom, auch Analkrebs genannt, ist eine bösartige Wucherung im Bereich des Afters. Es betrifft entweder den Afterrand (Analrandkarzinome) oder den dahinter liegenden, drei bis sechs Zentimeter langen Analkanal (Analkanalkarzinome). Auch bösartige Hautwucherungen unmittelbar um den Anus herum zählen zu den Analkarzinomen.

Häufigkeit des Analkarzinoms

Das Analkarzinom ist selten. Es stellt weniger als fünf Prozent aller Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts (gastrointestinale Malignome) dar. Jährlich erkranken etwa ein bis zwei von 100.000 Personen neu an Analkrebs.

Analkanalkarzinome kommen insgesamt etwa zwei- bis fünfmal häufiger vor als Analrandkarzinome. An Letzterem erkranken Männer etwa viermal häufiger als Frauen. Frauen hingegen entwickeln öfter Analkanalkarzinome.

Am Analkanalkarzinom erkranken Menschen durchschnittlich zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr. Das Analrandkarzinom hingegen tritt häufig in der Altersgruppe um das 55. Lebensjahr auf.

Woran erkennt man Analkrebs?

Das Analkarzinom verursacht keine spezifischen Beschwerden, die eindeutig auf die Erkrankung hinweisen. Mögliche Symptome bei Analkrebs sind:

  • tastbare Veränderungen am oder im After, z.B. knotige Verhärtungen
  • Blutungen im Analbereich
  • Blut im Stuhl
  • Juckreiz und Brennen am After
  • schlecht oder nicht heilende Wunden (Ulkus) in der Analregion
  • veränderte Stuhlgewohnheiten (z.B. Verstopfung, Durchfall)
  • Schmerzen, insbesondere beim Stuhlgang (durch Verengung des Analkanals)
  • Fremdkörpergefühl im Analbereich
  • Schwierigkeiten, den Stuhlgang zu kontrollieren (bis hin zur Stuhlinkontinenz)

Analkarzinom oder Hämorrhoiden?

Häufig missdeuten Betroffene bestehende Beschwerden und denken, dass es sich um ungefährliche Hämorrhoiden handelt. Diese vergrößerten Gefäßpolster am After verursachen durchaus gleichartige Symptome wie Juckreiz oder Blutungen.

Wenn Sie Blut im Stuhl oder am Toilettenpapier bemerken, suchen Sie am besten zeitnah einen Arzt auf. Er kann sie genauer untersuchen und feststellen, woher die Beschwerden rühren.

Metastasen bei Analkrebs

Schreitet das Analkarzinom weiter fort, können sich Krebszellen loslösen und über die Lymphbahnen etwa in nahe Lymphknoten wandern und festsetzen. Dadurch entstehen beispielsweise derbe Schwellungen in der Leiste (Lymphknotenmetastasen).

Über die Blut- und Lymphbahnen können sich die Krebszellen noch weiter im Körper ausbreiten. Von Metastasen des Analkarzinoms am häufigsten betroffen sind neben den Lymphknoten auch Leber und Lunge.

Ist Analkrebs heilbar?

Die Heilungschancen sind umso höher, je früher Ärzte das Analkarzinom feststellen und behandeln. Verglichen mit anderen Krebsleiden hat das Analkarzinom eine relativ gute Prognose.

Da es für gewöhnlich langsam wächst, hat der überwiegende Teil der Analkarzinome bei Erstdiagnose noch nicht entfernte Tochtergeschwülste (Metastasen) an anderen Orten des Körpers gebildet. Die Chancen stehen somit gut, dass sich der Tumor in den frühen Stadien heilen lässt. Bei Patienten mit lokal begrenzter Erkrankung leben nach fünf Jahren noch rund 90 Prozent (5-Jahres-Überlebensrate).

Wodurch entsteht ein Analkarzinom?

Das Analkarzinom entwickelt sich in den meisten Fällen aus einer Infektion mit humanen Papillomviren (HPV). Sie werden vor allem beim Sex übertragen und dringen in genitale Haut und Schleimhäute ein.

Besonders groß ist das Erkrankungsrisiko, nachdem man sich mit sogenannten Hochrisiko-Typen des HP-Virus (HR-HPV) angesteckt hat. Diese besitzen ein hohes onkogenes – das heißt krebsförderndes – Potenzial. In über 90 Prozent der Analkarzinome können Mediziner genetisches Material der HPV-Typen 16, 18, 31 und 33 nachweisen, überwiegend HPV 16.

Lebensstil-bedingte und weitere Risikofaktoren

Es gibt noch eine Reihe weiterer Risikofaktoren für Analkrebs. Dazu zählt beispielsweise Rauchen. Ferner gelten Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern – und insbesondere bei regelmäßigem Analsex – als Risikogruppe. Kondome schützen dabei nur bedingt vor einer HPV-Übertragung.

Ein weiterer Risikofaktor ist ein chronisch vorgeschädigter, entzündeter Analbereich – etwa durch chronische Infektionen, Fisteln oder Fissuren. Menschen, die an der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn leiden, erkranken eher an Analkrebs als Gesunde.

Auch nach einer zurückliegenden Strahlentherapie im Bereich des Beckens kann das Analkarzinom leichter entstehen.

Risikofaktor: geschwächtes Immunsystem

Ein geschwächtes Abwehrsystem begünstigt anhaltende Infektionen mit HPV: Der Körper ist nicht in der Lage, das Virus effektiv zu bekämpfen. Dies betrifft insbesondere HIV-positive Patienten und solche mit angeborener Abwehrstörung.

Allerdings zählen auch jene Patienten zur Risikogruppe, die immunsupprimierende – also das Immunsystem hemmende – Medikamente einnehmen (Immunsuppressiva). Solche Medikamente verschreiben Ärzte beispielsweise nach Organtransplantationen (bspw.: Nierentransplantation), bei Autoimmunerkrankungen (bspw.: Multiple Sklerose) oder bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen.

Untersuchungen und Diagnose

Um ein Analkarzinom festzustellen, befragt der Arzt den Patienten ausführlich und führt verschiedene Untersuchungen durch (z.B. Proktoskopie). Erster geeigneter Ansprechpartner bei Beschwerden im Analbereich ist der Hausarzt. Für weitere Untersuchungen überweist er dann an einen Facharzt für Enddarmerkrankungen, den Proktologen, oder an einen Hautarzt (Dermatologe).

Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese)

Zunächst bespricht und sammelt der Arzt alle wichtigen medizinischen Informationen in einem persönlichen Gespräch. Er fragt beispielsweise nach Beschwerden, Vor- und Grunderkrankungen. Dabei achtet er auch besonders auf Risikofaktoren wie Rauchen oder abwehrunterdrückende Medikamente (Immunsuppressiva).

Der Arzt erkundigt sich zudem nach dem Sexualleben. So unangenehm solche Fragen auch sind, versuchen Sie, offen und ehrlich zu antworten – Ärzte benötigen diese Informationen, um möglichst schnell die richtige Diagnose stellen zu können.

Körperliche und proktologische Untersuchungen

An das Gespräch schließt sich eine ausführliche körperliche Untersuchung an. Beim Analkarzinom besonders wichtig ist die Tastuntersuchung der Analregion (digital-rektale Untersuchung). Durch diese unkomplizierte Untersuchung können Ärzte viele dort wachsende Tumore entdecken. Außerdem prüft der Arzt, ob etwa Lymphknoten in der Leiste vergrößert sind.

Der Verdacht auf ein Analkarzinom lässt sich am besten durch eine proktologische Untersuchung abklären. Damit grenzt der Arzt wichtige Eigenschaften des Tumors ein, etwa Lage, Größe und Ausdehnung in benachbartes Gewebe. Typische Untersuchungen sind:

Proktoskopie: Der Arzt begutachtet den Analkanal und den unteren Mastdarms (Rektum). Auffälligkeiten aus der Tastuntersuchung kann er hiermit einsehen.

Rektoskopie und Koloskopie: Oft schließt der Arzt eine Spiegelung des Enddarmes, also des gesamten Rektums und Analkanals (Rektoskopie), oder des gesamten Dickdarms (Koloskopie) an. Damit will er vor allem weitere Tumorherde im Darm ausschließen.

Kolposkopie: Begutachtung von Scheide und Muttermund. Mit ihrer Hilfe schließt der Arzt aus, dass das Analkarzinom bereits auf die Vagina übergegriffen hat.

Anale Endosonografie: Eine nicht von außen durch die Haut, sondern von innen über den Analkanal durchgeführte Ultraschalluntersuchung (mittels dünner Ultraschallsonde). Sie ist in der Regel nicht schmerzhaft. Mit Hilfe der Ultraschallbilder erkennt der Arzt vor allem, wie weit gerade kleinere Tumore bereits in umliegendes Gewebe vorgedrungen sind und ob dortige Lymphknoten verdächtig aussehen.

High-Resolution Anoskopie (HRA): Neuere Methode mit hochauflösendem Untersuchungsmikroskop (30- bis 40-fache Vergrößerung). Nach Auftragen einer speziellen Lösung kann der Arzt bereits auffällige Veränderungen im Analkanal entdecken, die mit dem bloßen Auge (noch) nicht sichtbar sind.

Biopsie

Bei den proktologischen Untersuchungen entnimmt der Arzt sogleich Gewebeproben aus einem verdächtigen Bereich (Biopsie). Die Proben lässt er anschließend in einem speziellen Labor feingeweblich begutachten.

Gut zugängliche, bis zu zwei Zentimeter kleine Wucherungen versucht der Arzt bereits bei der Probenentnahme vollständig zu entfernen (v.a. Analrandkarzinome).

Anhand der Biopsie sichert der Arzt nicht nur ab, dass es sich tatsächlich um ein Analkarzinom handelt. Auf diese Art können Mediziner auch die genaue Gewebeart, also aus welchen Zellen sich der Analkrebs entwickelt hat, feststellen. Die meisten Analkarzinome sind sogenannte Plattenepithelkarzinome. Sie entstehen also aus den oberen Hautschichten des Analkanals.

Weitere Bildgebung

Steht die Diagnose Analkarzinom fest, veranlasst der Arzt für gewöhnlich weitere bildgebende Untersuchungen. Dazu zählt eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Beckens mitsamt Analkanal. Auf diese Weise kann er vor allem bei einer größeren Wucherung am besten beurteilen, wie weit sie sich im Weichteilgewebe ausgedehnt hat.

Eine Computertomografie (CT) des Bauches und Brustkorbs hilft dabei, entfernt liegende Tochtergeschwülste (Metastasen) aufzudecken. Um auf den Bildern krankhaftes von gesundem Gewebe leichter abgrenzen zu können, verabreichen Ärzte sowohl bei der CT als auch bei der MRT üblicherweise Kontrastmittel. Manchmal ergänzen sie zudem eine Positronen-Emissions-Tomografie (PET). Diese Untersuchung kann etwa krebsbefallene Lymphknoten zeigen, die auf den übrigen Bildern (noch) unauffällig erscheinen.

Alle Untersuchungen dienen dazu, das genaue Stadium des Analkarzinoms zu bestimmen (Staging).

Stadien des Analkarzinoms

Je nach Krankheitsfortschritt, wird das Analkarzinom in verschiedene Stadien eingeteilt. Das jeweilige Tumorstadium beeinflusst maßgeblich die Wahl der optimalen Therapie. Auch die Prognose können Ärzte daran abschätzen.

Beim Analkarzinom unterscheidet man offiziell folgende Tumorstadien:

Stadium I: Die Wucherung ist örtlich (lokal) begrenzt. Lokale oder Fernmetastasen liegen nicht vor. Der Durchmesser des Analkrebses beträgt höchstens zwei Zentimeter.

Stadium II: Der Tumor ist lokal begrenzt, aber größer als zwei Zentimeter (IIA: 2-5 cm, IIB: > 5 cm). Er ist noch nicht in benachbartes Gewebe eingewachsenen und hat auch noch nicht gestreut.

Stadium IIIA: Das Analkarzinom ist maximal fünf Zentimeter groß. Allerdings haben sich bereits Krebszellen in nahe Lymphknoten abgesetzt, z.B. in die der Leiste.

Stadium IIIB und IIIC: Der Krebsherd ist größer als fünf Zentimeter. Zudem ist er entweder in umliegende Organe (z.B. Scheide, Harnröhre) eingewachsen (IIIB) oder hat nahe Lymphknotenmetastasen gebildet (IIIC).

Stadium IV: In diesem Stadium haben sich Metastasen bereits in entfernteren Körperregionen gebildet, etwa in Leber, Lunge und Lymphknoten auch außerhalb des Beckens.

Behandlung des Analkarzinoms

Für die Therapie des Analkrebses kommen Bestrahlung, Chemotherapie und Operation infrage. Das genaue Vorgehen hängt vom Tumorstadium ab. Ziel ist es, alle Tumorzellen zu entfernen und möglichst die natürliche Analfunktion zu erhalten – das heißt, den Stuhlgang kontrollieren zu können.

In einem „Tumorboard“ oder einer „Tumorkonferenz“ entscheiden Fachärzte verschiedener Fachrichtungen (u.a. Chirurgen, Krebsspezialisten, Strahlentherapeuten), welche Therapieoption am besten geeignet ist. Dabei berücksichtigen sie auch den Patientenwunsch und dessen körperliche Verfassung. Die Lebensqualität soll auch unter der Behandlung bewahrt bleiben.

Therapie des Analkanalkarzinoms im Stadium I

In diesem Stadium erfolgt bei Analkanalkarzinomen meist eine Radiochemotherapie. Das heißt: Die Ärzte bestrahlen den Krebsherd (Radiotherapie) und geben zudem krebshemmende Mittel (Zytostatika, Chemotherapie). Diese Kombination ist für gewöhnlich wirksamer, zumal sich beide Methoden unterstützen (die Chemotherapie etwa macht das Analkarzinom empfindlicher für die Bestrahlung).

Meist setzen Ärzte dabei die sogenannte Intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT) ein. Diese Behandlungsmethode ermöglicht es den Tumor gezielter und intensiver zu bestrahlen, ohne dadurch umliegendes Gewebe unnötig zu schädigen. Ist eine Chemotherapie kaum möglich, etwa bei älteren, schwer vorerkrankten Patienten, wenden Ärzte nur die Bestrahlung an.

Für die Chemotherapie haben sich in der Praxis die Wirkstoffe Mitomycin, 5-Fluoruracil (5-FU), Cisplatin und Capecitabin bewährt. Diese Zellgifte hemmen mitunter das weitere Krebswachstum. Übrigens: Die Chemotherapie-Dosis während einer Bestrahlung ist für gewöhnlich niedriger als bei einer alleinigen Chemotherapie. Dadurch sind auch die Zytostatika-Nebenwirkungen meist geringer.

Therapie des Analrandkarzinoms im Stadium I

Bei kleinen Analrandkarzinomen hingegen entfernen Ärzte das Tumorgewebe operativ (chirurgische Exzision). Dies ist prinzipiell auch bei sehr kleinen Analkanalkarzinomen möglich. Bei ihnen bleibt die Radiochemotherapie laut aktuell gültigen Leitlinien jedoch die bessere Methode.

Therapie des Analkarzinoms im Stadium II-III

In den Stadien II und III behandeln Ärzte im Grunde beide Analkrebs-Formen gleich. Betroffene erhalten direkt eine kombinierte Radiochemotherapie. Dies stellt die effektivste Behandlungsmethode dar. Kann eine Radiochemo- oder auch alleinige Radiotherapie jedoch nicht durchgeführt werden, operieren Ärzte.

Nebenwirkungen einer Radiochemotherapie bei Analkrebs

Obwohl die kombinierte Radiochemotherapie vergleichsweise schonend ist, können Nebenwirkungen auftreten. Dazu gehören etwa Beschwerden beim Wasserlassen und Durchfälle. Außerdem kann es zu Hautentzündungen im Analbereich kommen. In der Regel sind diese Nebenwirkungen aber vorübergehend und legen sich nach Ende der fünf bis sieben Wochen dauernden Behandlung.

Therapie des Analkarzinoms im Stadium IV

Bei einem metastasierten Analkarzinom im Stadium IV ist eine Heilung kaum noch möglich. Die Ärzte der verschiedenen Fachabteilungen erarbeiten unter enger Abstimmung die verbliebenen Behandlungsoptionen.

Meist behandeln sie Analkrebs, der bereits gestreut hat, mit Zytostatika (v.a. Platin-basiert wie Cisplatin oder Carboplatin). Auch die Kombination mit einer Bestrahlung ist möglich. Liegen nur vereinzelt und operativ gut erreichbare Metastasen vor, versuchen Ärzte gegebenenfalls, diese chirurgisch zu entfernen.

Da das Analkarzinom im vierten Stadium bereits weit fortgeschritten ist, erhalten Patienten überdies Informationen zur Palliativversorgung. Sie begleitet durch die intensiven körperlichen, psychischen und spirituellen Umstände in der letzten Lebensphase.

Begleitende psychoonkologische Versorgung

Aufgrund der hohen Belastungen einer Tumortherapie besteht vielerorts die Möglichkeit einer individuellen psychoonkologischen Betreuung. Sie kann helfen, mit den seelischen und sozialen Folgen und Begleiterscheinungen besser umgehen zu können. Ihr Arzt klärt Sie über bestehende Angebote im Krankheitsfall umfassend auf.

Künstlicher Darmausgang bei Analkarzinomen

Ein künstlicher Darmausgang (Kolostoma) ist bei Analkrebs nur selten notwendig. Manchmal raten Ärzte aber dazu, um den Analkanal zu entlasten. Das Stoma kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn der Tumor den Analkanal sehr stark einengt oder anhaltende Entzündungen bestehen.

Nach abgeschlossener Therapie planen Ärzte, das Kolostoma wieder rückgängig zu machen (Rückverlagerung). Dies ist jedoch nicht immer möglich. Sprechen Sie also bereits im Vorfeld ausführlich mit Ihrem Arzt über die Notwendigkeit einer Stoma-Anlage.

Auch bei weit fortgeschrittenen, nicht mehr heilbaren Analkarzinomfällen legen Ärzte ein Kolostoma an, um die Stuhlentleerung weiterhin zu ermöglichen.

Therapiekontrolle

Die chirurgische Entfernung eines Analkarzinoms und die kombinierte Radiochemotherapie finden in einem spezialisierten Zentrum statt. Dies gewährleistet eine engmaschige Versorgung und Überwachung.

In den Wochen nach Beginn der Radiochemotherapie führen Ärzte in regelmäßigen Abständen Kontrolluntersuchungen durch (z.B. digital-rektale Untersuchung, Proktoskopie). Damit dokumentieren und bewerten sie die Behandlungsfortschritte.

Eine komplette Remission – das heißt eine vollständige Rückbildung des Tumors – bestätigt Ihr Arzt mit einer abschließenden MRT. War die Behandlung des Analkarzinoms erfolgreich, schließt sich die Nachsorge an.

Analkarzinom oder Rektumkarzinom

Die obige Behandlung bezieht sich auf Plattenepithelkarzinome des Afters. Etwa 80 Prozent der Analkarzinome gehören zu diesem Typ. Bei Krebswucherungen im Analkanal kann es sich aber beispielsweise auch um entartete Drüsengewebszellen handeln, sogenannte Adenokarzinome.

Sie stammen möglicherweise von der Schleimhaut des Mastdarms (Rektum). Dann sprechen Ärzte von einem tiefsitzenden Rektumkarzinom. Hier unterscheidet sich die Behandlung. Üblicherweise führen die Ärzte zuerst eine Radiochemotherapie durch (neoadjuvant). Dann folgt ein operativer Eingriff.

Krankheitsverlauf nach erster Therapie

In etwa 20 bis 30 Prozent der Fälle verschwindet das Analkarzinom durch die erste Behandlung nicht komplett oder es kehrt nach einiger Zeit wieder zurück (Rezidiv). Dies geschieht meist in den ersten fünf Jahren nach Ersttherapie.

Der Tumor wächst dann oft an der gleichen Stelle wie beim ersten Mal (lokoregionäres Rezidiv). Den wiederkehrenden Tumor (Rezidiv) klären Ärzte durch eine Biopsie erneut ab. Es folgen üblicherweise Untersuchung mittels MRT und PET/CT des Beckens.

Sowohl bei weiterhin bestehenden als auch bei wiederkehrenden Analkarzinomen wägen die Ärzte verschiedener Fachabteilungen erneut weitere Behandlungsmöglichkeiten ab. Meist versuchen sie, den übrigen Krebsherd beziehungsweise das Rezidiv chirurgisch zu entfernen.

Wie ausgedehnt die Chirurgen operieren hängt insbesondere davon ab, wo der Rest- oder Rezidivtumor wächst. Analrandkarzinome entfernen die Ärzte normalerweise in einem kleineren Eingriff. Bei verbliebenen Analkanalkarzinomen oder dortigen Rezidiven operieren sie hingegen ausgedehnter.

Die Chirurgen führen dann meist eine sogenannte Rektumexstirpation durch. Dabei entfernen sie den Enddarm, verschließen den Anus und legen einen dauerhaften, künstlichen Darmausgang an. Betroffene werden anschließend darin geschult, wie sie mit diesem Stoma richtig umgehen. Gegebenenfalls übernimmt die Stomaversorgung ein Pflegedienst.

Nachsorge und Rehabilitation

Nach einer erfolgreichen Therapie sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen notwendig, um ein mögliches Wiederaufflammen des Krebs frühzeitig zu erkennen. Die Nachsorge erstreckt sich beim Analkarzinom üblicherweise über fünf Jahre. Folgende Untersuchungen finden dabei statt:

  • Patientengespräch, körperliche Untersuchung und Prokto-/Rektoskopie im ersten Jahr alle drei Monate, anschließend je nach Fall viertel- bis halbjährlich
  • Magnetresonanztomografie jährlich über drei bis fünf Jahre
  • Computertomografie mindestens einmal nach sechs Monaten, wenn die Betroffenen ein Analkarzinom ab Stadium II hatten; ggf. ergänzt um eine PET-Untersuchung

Patienten können zudem eine onkologische Rehabilitation für die Zeit nach der Behandlung wahrnehmen. Dortige Trainingsmaßnahmen dienen beispielsweise dazu, mögliche körperliche Einschränkungen als Folge der Behandlung aufzufangen.

Im Bedarfsfall vermittelt Ihr Arzt zudem Kontakte zu bestehenden ambulanten Netzwerken, Selbsthilfegruppen und Pflegeinstitutionen. Sie können überdies eine intensive Beratung und Unterstützung zur beruflichen Wiedereingliederung in Anspruch nehmen.

Kann man Analkrebs vorbeugen?

Einem Analkarzinom lässt sich nur bedingt vorbeugen. Das Augenmerk liegt dabei auf Infektionen mit den sexuell übertragbaren HPV-Viren, die maßgeblich an der Entstehung der Erkrankung beteiligt sind. Das Nutzen von Kondomen verhindert Infektionen allerdings nur bedingt.

Schützen können Sie sich mit einer früh im Leben durchgeführten HPV-Impfung. Die Experten der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfehlen die Impfung für alle Kinder zwischen dem neunten und 14. Lebensjahr (am besten vor dem ersten Geschlechtsverkehr). Auch eine spätere Impfung ist grundsätzlich möglich, sprechen Sie hierfür am besten mit Ihrem Arzt.

Besonders gefährdeten Patientengruppen – also beispielsweise HIV-Infizierten oder organtransplantierten Patienten – raten Mediziner zu regelmäßigen und gegebenenfalls häufigeren Vorsorgeuntersuchungen. Fragen Sie Ihren Arzt, ob dies in Ihrem Fall sinnvoll ist.

Verzichten Sie zudem auf Rauchen. Ein gesunder Lebensstil kann generell Krebserkrankungen, wie dem Analkarzinom, vorbeugen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:

Florian Tiefenböck hat Humanmedizin an der LMU München studiert. Im März 2014 stieß er als Student zu NetDoktor und unterstützt die Redaktion seither mit medizinischen Fachbeiträgen. Nach Erhalt der ärztlichen Approbation und einer praktischen Tätigkeit in der Inneren Medizin am Uniklinikum Augsburg ist er seit Dezember 2019 festes Mitglied des NetDoktor-Teams und sichert unter anderem die medizinische Qualität der NetDoktor-Tools.

ICD-Codes:
C21
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Jay, N.: High-resolution anoscopy: Procedure and findings, in: Seminars in Colon and Rectal Surgery, Juni 2017, Volume 28, Issue 2, S. 75-80
  • Leitlinie „HIV-assoziiertes Analkarzinom“ der Deutschen, Österreichischen und Schweizer Fachgesellschaften für Hämatologie und medizinische Onkologie, Stand: Oktober 2019, unter: www.onkopedia.com (Abrufdatum: 22.07.2021)
  • Robert-Koch-Instituts (RKI): Humane Papillomviren (HPV), unter: www.rki.de (Abgerufen am 22.07.2021)
  • S3-Leitlinie Analkarzinom (Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Analkanal- und Analrandkarzinomen), Stand: Dezember 2020
  • Universitätsklinikum Erlangen: Radio-Chemo-Therapie, unter: www.strahlenklinik.uk-erlangen.de (Abrufdatum: 22.07.2021)
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