HIV-Test

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Mareike Müller

Mareike Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

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Mit einem HIV-Test lässt sich feststellen, ob sich jemand mit dem HI-Virus (HIV) – dem Erreger von AIDS – infiziert hat. Für den Test nehmen Ärzte Blut ab. Den Test bieten beispielsweise Haus- oder Frauenärzte, Gesundheitsämter oder AIDS-Beratungsstellen an. Wichtig für ein aussagekräftiges Ergebnis ist der Zeitpunkt der Untersuchung. Lesen Sie hier alles Wichtige zum Thema HIV-Test!

HIV-Test

Wie funktioniert ein HIV-Test?

Ein HIV-Test ist eine Blutuntersuchung, die dazu dient, eine HIV-Infektion zu bestätigen oder auszuschliessen. Oft ist umgangssprachlich auch die Rede vom AIDS-Test. Da der Test aber den Erreger, also das HI-Virus, nachweist, ist der Begriff HIV-Test korrekter.

Normalerweise suchen Ärzte nicht direkt nach dem HI-Virus im Blut, sondern nach den Zellen, die das Immunsystem als Reaktion darauf produziert. Damit handelt es sich um ein sogenanntes indirektes Testverfahren, durch das sich die HIV-Infektion bestätigen lässt oder nicht. Für eine sichere Diagnose von HIV werden zwei Tests gemacht: ein Antikörper- und ein Antigen-Test.

Erster Test auf Antikörper

Im ersten Test lassen Ärzte das Blut des Patienten auf Antikörper gegen das HI-Virus untersuchen. Der Körper beginnt zwei bis zehn Wochen nach der Ansteckung mit der Bildung solcher Antikörper. Ganz sicher sind sie jedoch erst nach drei Monaten im Blut feststellbar. Liegen Antikörper gegen das HI-Virus vor, spricht man von einem positiven Test-Ergebnis.

Aufgrund des Zeitfensters zwischen Ansteckung und Bildung der Antikörper macht ein negativer Test nur eine Aussage über die vergangenen drei Monaten. HIV-negativ bedeutet also nicht, dass sich eine frische Infektion ausschliessen lässt.

Zweiter Test auf Antigene

Nach einem positiven Test-Ergebnis im ersten Nachweis lassen Ärzte zur Bestätigung einen zweiten Test durchführen. Hier erfolgt der Nachweis von Antigenen des Virus im Blut des Patienten. Antigene sind Eiweiss-Strukturen des Virus, gegen die sich die Antikörper richten. Liegt tatsächlich eine HIV-Infektion vor, zeigt der Test sechs Wochen nach der Ansteckung ein positives Ergebnis.

Nur wenn bei einem Patienten beide Tests positiv sind, gilt er als HIV-positiv. Bis das Test-Ergebnis fertig ist, vergehen in der Regel ein paar Tage.

HIV-Test mittels PCR

Manchmal sind die Tests auf Antikörper und Antigene nicht eindeutig. In diesen Einzelfällen lassen Ärzte die HIV-Infektion im Labor direkt im Blut nachweisen. Dies ist über spezielle Erbgut-Bestandteile des Virus möglich, die Ärzte als Nuklein-Säuren (HIV-RNA) bezeichnen. Die Suche nach diesem viralen Erbgut erfolgt mittels HIV-PCR-Test.

PCR steht für Polymerase-Ketten-Reaktion. Bei diesem Verfahren erfolgt zunächst eine Vervielfältigung der Nuklein-Säuren und anschliessend schlüsselt man sie nach ihren Eigenschaften auf.

Diese HIV-RNA ist bereits früh nach der Ansteckung im Blut nachweisbar. Frühestens lässt sich der Test zehn Tage nach der möglichen HIV-Infektion durchführen. Ärzte wenden dieses Verfahren zum Beispiel bei unklaren Test-Ergebnissen oder beim Verdacht auf eine akute Infektion an, wie beispielsweise bei neugeborenen Kindern HIV-positiver Mütter.

HIV-Selbsttest für zu Hause

Es sind auch HIV-Tests für zu Hause erhältlich. Der Vorteil ist, dass sie unkompliziert und anonym durchführbar sind. Das senkt in vielen Fällen die Hemmschwelle für solche Tests. Sie sind zudem ebenso aussagekräftig wie ein Test beim Arzt. Man benötigt dafür nur etwas Blut aus dem Finger, das man in den Test-Apparat gibt. Das Ergebnis erhält man in wenigen Minuten.

Ein Nachteil des Verfahrens ist, dass vorab keine persönliche Beratung stattfindet. Im Falle eines positiven Test-Ergebnisses ist keine unmittelbare professionelle Betreuung vor Ort. Fällt Ihr Testergebnis positiv aus, suchen Sie Ihren Hausarzt oder eine AIDS-Beratungsstelle auf, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Mit einem positiven Selbsttest-Ergebnis ist die Diagnose HIV noch nicht gestellt, es ist zwingend erforderlich, dass weitere Tests zur Bestätigung durch einen Arzt erfolgen. Zudem gibt es häufig falsche positive Ergebnisse bei den HIV-Selbsttests. Auch hier gilt: Antikörper auf HIV sind erst nach etwa drei Monaten im Blut nachweisbar, ein negativer Test ist entsprechend ebenfalls erst dann aussagekräftig.

Wo und zu welchen Kosten ist ein HIV-Test möglich?

Wenn Sie befürchten, sich zum Beispiel durch ungeschützten Geschlechtsverkehr oder ein geplatztes Kondom bei jemandem mit HIV angesteckt zu haben, ist es wichtig sich testen zu lassen. Auch wenn Sie und Ihr Partner beschliessen, künftig ohne Kondome Sex zu haben, empfiehlt sich vorher für beide ein HIV-Test.

Die richtigen Anlaufstellen, um einen HIV-Test durchführen zu lassen sind dann:

  • Gesundheitsämter
  • AIDS-Beratungsstellen
  • Hausärzte
  • Verschiedene Fachärzte wie zum Beispiel Frauenärzte (Gynäkologen)

Ärzte in Praxen lassen die HIV-Antikörper/Antigen-Tests meist über ein Labor durchführen. Dort erfolgt die Untersuchung der abgenommenen Blutproben. Dieser HIV-Test im Labor schliesst eine Infektion erst sechs Wochen nach der vermuteten Ansteckung aus. Liegt ein begründeter Verdacht auf eine HIV-Infektion vor, übernimmt die Krankenkasse in der Regel die Kosten.

Auch Gesundheitsämter oder AIDS-Beratungsstellen bieten den HIV-Test im Labor an, meist aber auch einen Schnelltest. Das Ergebnis des Schnelltest ist meist innerhalb von Minuten oder wenigen Stunden verfügbar. Oft sind die HIV-Tests dort kostenfrei oder für einen kleineren Geldbetrag erhältlich.

Daneben gibt es auch die Möglichkeit sich einen Selbsttest in der Apotheke, im Drogeriemarkt oder auch online zu besorgen. Auch hier liegt das Ergebnis schon nach wenigen Minuten vor. Die Kosten dieser Art von HIV-Test bewegen sich im Schnitt um die 30 Schweizer Franken.

Auch anonym möglich

Beim Gesundheitsamt oder bei AIDS-Beratungsstellen ist der HIV-Test anonym möglich. Da Ärzte jedoch verpflichtet sind, die Ergebnisse aller Untersuchungen in der Patienten-Akte zu dokumentieren, ist ein anonymer HIV-Test beim Haus- oder Facharzt nicht möglich.

In vielen europäischen Ländern zählt HIV zu den meldepflichtigen Erkrankungen, allerdings erfolgt diese Meldung anonym, teils in einer verschlüsselten Weise. Auf diese Weise erhalten Länder einen Überblick über die Verbreitung der Krankheit.

Wann ist ein HIV-Test sinnvoll?

Befürchtet man, sich zu einem bestimmten Zeitpunkt angesteckt zu haben, ist ein Test erst drei Wochen nach diesem Ereignis sinnvoll. Denn frühestens dann haben sich Antikörper gebildet. Der Körper benötigt etwa zwei bis zehn Wochen um Antikörper gegen das HI-Virus zu produzieren und erst dann sind sie im Blut nachweisbar.

Haben Sie begründeten Verdacht sich mit HIV angesteckt zu haben, suchen Sie auch vor Ablauf dieser drei Wochen nach der Ansteckung einen Arzt oder eine Beratungsstelle auf. So erhalten Sie alle wichtigen Informationen und die Unterstützung, die Sie in dieser Situation benötigen.

Blutspende als HIV-Test nutzen?

HIV-Test-Verfahren werden in Europa etwa seit 1985 routinemässig vor einer Blutspende angewendet. Dadurch lässt sich in der Regel vermeiden, dass sich Menschen über eine Blut-Transfusion mit dem HI-Virus infizieren.

Trotzdem ist es nicht ratsam, die Blutspende als regelmässigen HIV-Test zu nutzen, da sich eine HIV-Infektion grundsätzlich erst einige Zeit nach der Ansteckung nachweisen. Daneben ist der Test bei der Blutspende nicht anonym und falls er positiv ist, ist eine professionelle Beratung und Betreuung nicht gegeben.

Aus diesem Grund ist es empfehlenswerter, dies direkt bei entsprechenden geschulten Stellen, beispielsweise beim Gesundheitsamt oder AIDS-Beratungsstellen, durchführen zu lassen. HIV-Test und AIDS-Beratung sind dort anonym und in der Regel auch kostenlos.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Gerhard Dobler
Autor:
Mareike Müller
Mareike Müller

Mareike Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

ICD-Codes:
Z21B23B22B24
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Mehr Wissen über HIV und AIDS (2019/2020), unter: shop.bzga.de (Abrufdatum: 17.03.2022)
  • Deutsche Aidshilfe: HIV-Test, unter: www.aidshilfe.de (Abrufdatum: 01.02.2022)
  • Europäische Kommission: HIV/AIDS, unter: www.europa.eu (Abrufdatum: 01.02.2022)
  • Herold G.: Innere Medizin. Oette M.: HIV/AIDS. Selbstverlag. 1. Auflage 2022
  • Hof, H. & Dörries, R.: Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie, Georg Thieme Verlag, 6. unveränderte Auflage 2017
  • Schweizerisches Bundesamt für Gesundheit BAG: Fragen und Antworten zum HIV-Test zur Eigenanwendung («HIV-Selbsttest»), Stand März 2019, unter: www.bag.admin.ch (Abrufdatum: 17.03.2022)
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