Adipositas-Kur

Von , Masterstudium in Psychologie
Aktualisiert am
Julia Dobmeier

Julia Dobmeier absolviert derzeit ihr Masterstudium in Klinischer Psychologie. Schon seit Beginn ihres Studiums interessiert sie sich besonders für die Behandlung und Erforschung psychischer Erkrankungen. Dabei motiviert sie insbesondere der Gedanke, Betroffenen durch leicht verständliche Wissensvermittlung eine höhere Lebensqualität zu ermöglichen.

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Eine Adipositas-Kur erfolgt in der Regel in einer Reha-Klinik oder einer speziellen Adipositas-Klinik. Das Ziel des Aufenthalts besteht darin, grundlegend und nachhaltig den Lebensstil zu verändern, um abwechslungsreiche Ernährung und ausreichend Bewegung fest in den Alltag zu integrieren. Eine Adipositas-Kur muss zusammen mit einem Arzt beantragt werden. Erfahren Sie hier, welche Voraussetzungen für eine Kur erfüllt sein müssen und was bei einem Antrag zu beachten ist.

Übergewichtige Frau auf dem Laufband

Was ist eine Adipositas-Kur und was sind ihre Ziele?

„Kur“ ist im Grunde ein veralteter Begriff für medizinische Massnahmen, die zur Vorbeugung von oder zur Rehabilitation („Reha“) nach Erkrankungen dienen. Die offiziellen Bezeichnungen für die Kur lauten demnach Vorsorgeleistung und Rehabilitation, auch der Begriff Heilverfahren ist gebräuchlich.

Vorsorgeleistungen sind Gesundheitsdienstleistungen, welche die Entstehung einer Erkrankung verhindern sollen. Rehabilitationsleistungen hingegen dienen dazu, die negativen Folgen einer bereits bestehenden Erkrankung abzumildern und Folgeschäden abzuwenden. Alle wichtigen Informationen zu den gesetzlichen Rahmenbedingungen von „Kuren“ findet man im Sozialgesetzbuch V und VI. In diesen Gesetzestexten ist exakt festgelegt, welche Ziele eine Kur verfolgt und welche Bedingungen für die Inanspruchnahme erfüllt sein müssen.

Eine Kur dauert in der Regel drei Wochen. Eine Verlängerung ist bei Bedarf in Einzelfällen auf Antrag möglich. Im Rahmen einer Adipositas-Kur absolvieren Teilnehmer meist ein multimodales Therapiekonzept: Dazu gehören sehr häufig Methoden der Psychosomatik und der Verhaltenstherapie. Das sind Methoden, die auf die Wechselwirkungen zwischen Psyche und Körper eingehen. Zusätzlich erlernen Teilnehmer einen grundlegend anderen Umgang mit Nahrungsmitteln.

Praktische Übungen wie gemeinsames Kochen und Sport gehören bei vielen Adipositas-Kliniken daher zum Grundkonzept. Im Mittelpunkt der Adipositas-Kur steht nicht, dass die Teilnehmer mit einer Diät kurzfristig an Gewicht verlieren. Vielmehr liegt der Schwerpunkt darin, falsche Lebens- und Essgewohnheiten gemeinsam aufzudecken und durch neu erlernte Verhaltensweisen zu ersetzen. Die Angebote und der konkrete Ablauf einer Adipositas-Kur unterscheiden sich je nach Adipositas-Klinik.

Eine Adipositas-Kur machen vor allem Menschen, die bereits ein starkes Übergewicht haben, entsprechend adipös sind und bei denen bisherige konservative Therapien erfolglos waren. Es handelt sich bei einer Adipositas-Kur in der Regel um eine Rehabilitationsmassnahme. Nicht in allen Adipositas-Fällen liegen bereits Folgeerkrankungen vor. Zu den Therapiezielen gehören daher neben der Gewichtsreduktion auch:

  • Schweren Folgeerkrankungen vorbeugen und das Risiko dafür vermindern
  • Das Sterberisiko zu minimieren
  • Den allgemeinen Gesundheitszustand und die Lebensqualität verbessern

Wer bezahlt die Adipositas-Kur?

Für gesetzlich Versicherte gilt: Die Kostenträger für eine Adipositas-Kur sind entweder die Krankenkasse oder die Gesetzliche Rentenversicherung. Für Berufstätige, die in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, ist in der Regel die Rentenversicherung für die Bewilligung und Kostenübernahme einer Adipositas-Kur zuständig. Für Menschen im Rentenalter ist es hingegen meist die Krankenkasse. Welcher Kostenträger im Einzelfall zuständig ist, hängt vom individuellen Fall ab. Hierzu erteilen die Beratungsstellen der Rentenversicherung und Krankenkassen sowie der Hausarzt Auskünfte. Bei privat Krankenversicherten hängt es vom jeweiligen Versicherungsvertrag ab, ob und in welchem Umfang die Kosten für eine Adipositas-Kur übernommen werden. Auskünfte erhalten Versicherte direkt bei ihrer privaten Versicherung.

Ambulant oder stationär?

Eine Kur kommt grundsätzlich dann infrage, wenn die üblichen ambulanten ärztlichen Massnahmen zur Vorsorge oder Behandlung einer Erkrankung nicht ausreichend sind. Viele Vorsorge- und Rehabilitationsmassnahmen werden sowohl ambulant als auch stationär angeboten. Im ambulanten Rahmen finden die Massnahmen meist wohnortnah statt. Die Kosten für Übernachtung und Verpflegung werden dann nicht übernommen. Bei einer stationären Adipositas-Kur sind die Teilnehmer für einen bestimmten Zeitraum (meist drei Wochen) in der entsprechenden Adipositas-Kurklinik.

In den letzten Jahren sind die Kostenträger für Kuren (Rentenversicherung, Krankenkassen) dazu übergegangen, vor allem ambulante Vorsorge- und Rehabilitationsmassnahmen zu fördern. Stationäre Massnahmen hingegen werden zunehmend häufiger abgelehnt. Ambulante Massnahmen sind für die Kostenträger meist deutlich günstiger. Gerade zur Behandlung der Adipositas ist eine stationäre Kur in aller Regel allerdings deutlich effektiver, als eine ambulante.

Mutter- oder Vater-Kind-Kur bei Adipositas

Adipositas-Kuren gibt es sowohl für Erwachsene als auch für Kinder und Jugendliche. Es handelt sich bei den Massnahmen für Kinder und Jugendliche jedoch nicht um sogenannte Mutter- beziehungsweise Vater-Kind-Kuren. Dies sind spezielle Therapien und Reha-Massnahmen, die der psychischen sowie körperlichen (psychosomatischen) Versorgung von Mutter oder Vater dienen, wobei das Kind in die Therapie mit einbezogen ist. Sie richten sich an Elternteile, die unter gesundheitlichen Problemen wie beispielsweise Adipositas leiden, die familiäre Ursachen haben oder sich auf das Familienleben auswirken. So gehören Ernährungsberatungen zu den Leistungen, um gemeinsam mit dem Kind beispielsweise abzunehmen und eine gesündere Ernährungsweise zu entwickeln.

Eine Adipositas-Kur beantragen

Eine Adipositas-Kur muss beim Kostenträger beantragt werden, ehe dieser sie bei Vorliegen der erforderlichen Voraussetzungen bewilligt. Zunächst sollte man sich informieren, ob die eigene Krankenkasse oder die Rentenversicherung der richtige Empfänger für diesen Antrag ist. Vom Kostenträger erhält man dann die Antragsunterlagen. Diese füllt man gemeinsam mit einem antragsberechtigten Arzt aus. Antragsberechtigt bedeutet, dass der Arzt bestimmte Anforderungen erfüllen muss, damit er Anträge (zum Beispiel für eine Adipositas-Kur) einreichen darf. In der Regel ist der richtige Ansprechpartner für einen Kurantrag der Hausarzt.

Im Antrag muss der Arzt schriftlich begründen, weshalb er eine ambulante oder stationäre Adipositas-Kur aus medizinischer Sicht für dringend erforderlich hält. Die ausgefüllten Antragsunterlagen reichen Sie anschliessend beim zuständigen Kostenträger ein. Meist werden die Antragsunterlagen von dort an den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) weitergeleitet, der dazu eine Stellungnahme abgibt. Basierend auf der Einschätzung des MDK, erhalten Sie nach etwa zwei bis sechs Wochen einen Bescheid. Der Bescheid enthält die Entscheidung des Kostenträgers, ob er die Adipositas-Kur genehmigt oder ablehnt.

Bei einer Genehmigung haben Sie vier Monate Zeit, die Kur anzutreten. Tun Sie das nicht, verfällt der Anspruch. Meistens gibt der Kostenträger die Einrichtung (Adipositas-Klinik, Adipositas-Kurklinik) vor, in der die Behandlung stattfinden soll. Bei einigen Krankenkassen erhalten Sie eine Auswahl möglicher Vertragspartner, unter denen Sie auswählen dürfen. In manchen Fällen ist die Angabe eines Wunschortes möglich. Meistens erhalten Antragssteller kurz nach dem Genehmigungsbescheid Post von der Kurklinik mit Informationen zum weiteren Ablauf.

Welche Voraussetzungen müssen für eine Kur erfüllt sein?

Sowohl beim ersten Antrag als auch beim Widerspruch müssen die formalen Voraussetzungen in jedem Fall sehr genau eingehalten werden. Dazu gehören in erster Linie vollständige Antragsunterlagen. Ausserdem gilt es zu beachten, dass eine ambulante Kur nur alle drei Jahre, eine stationäre Kur nur alle vier Jahre beantragt werden darf. Es gibt jedoch Ausnahmesituationen wie eine stark gefährdete Arbeitsfähigkeit, in denen Betroffene auch früher eine neue Reha beantragen dürfen. Zudem sollten Antragsteller seit mindestens sechs Kalendermonaten pflichtversichert sein und in die Rentenversicherung eingezahlt haben.

Je nach Kostenträger sind mitunter Ausschlusskriterien zu beachten. So bekommen beispielsweise Rentner oder Beamte eine Reha nicht durch die Deutsche Rentenversicherung bezahlt.

Im Falle einer Ablehnung des Adipositas-Kurantrages haben Sie die Möglichkeit, schriftlich Widerspruch einzulegen. Wichtig hierbei ist, dass Sie die eingeräumte Frist dafür einhalten (in der Regel 28 Tage ab Eingang des Bescheids). Vielfach haben zunächst abgelehnte Anträge auf eine Adipositas-Kur beim zweiten Anlauf Erfolg.

Wird auch der Widerspruch abgelehnt, ist manchmal der Gang vor das Sozialgericht notwendig, um den Anspruch auf eine Kur durchzusetzen. Dabei vergehen in Einzelfällen mehrere Jahre bis zu einer endgültigen Entscheidung. Antragssteller sollten sich daher bereits vor dem ersten Antrag intensiv mit der Thematik auseinandersetzen und sich ausführlich über den Ablauf des Antrages auf eine Adipositas-Kur informieren.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Christiane Fux
Autor:
Julia Dobmeier
Julia Dobmeier

Julia Dobmeier absolviert derzeit ihr Masterstudium in Klinischer Psychologie. Schon seit Beginn ihres Studiums interessiert sie sich besonders für die Behandlung und Erforschung psychischer Erkrankungen. Dabei motiviert sie insbesondere der Gedanke, Betroffenen durch leicht verständliche Wissensvermittlung eine höhere Lebensqualität zu ermöglichen.

ICD-Codes:
E66E65
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
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