Zyklusstörungen (Regelbeschwerden, Blutungsstörungen)

Abweichungen vom normalen Zyklus können unterschiedliche Ursachen haben.
Zyklusstörungen können entweder das Intervall zwischen den Blutungen oder die Blutungsstärke betreffen. (Srisakorn / iStockphoto)

Die normale, regelmäßige Menstruation wird als Eumenorrhö bezeichnet, Abweichungen davon gelten als Zyklusstörungen.

Kurzfassung:

  • Als Zyklus wird der Zeitraum vom ersten Tag der Regelblutung bis zum letzten Tag vor der nächsten Blutung bezeichnet. 
  • Ein Zyklus dauert im Durchschnitt 28 Tage, aber auch Zykluslängen zwischen 25 und 35 Tagen gelten als normal.
  • Die normale, regelmäßige Menstruation wird als Eumenorrhö bezeichnet, Abweichungen davon gelten als Zyklusstörungen. 
  • Änderungen des Intervalls: Amenorrhö, Oligomenorrhö, Polymenorrhö
  • Änderungen der Blutungsstärke: Hypo- und Hypermenorrhö, Menorrhagie und Metrorrhagie

Normaler Zyklus

Als Zyklus wird der Zeitraum vom ersten Tag der Regelblutung bis zum letzten Tag vor der nächsten Blutung bezeichnet. Er wird durch ein fein reguliertes Zusammenspiel von Hormonen gesteuert. Ein Zyklus dauert im Durchschnitt 28 Tage, aber auch Zykluslängen zwischen 25 und 35 Tagen gelten als normal. Während der normalen Monatsblutung gehen rund 40–50 ml Blut ab.

Individuelle Schwankungen in der Zykluslänge, aber auch in der Intensität der Blutung sind in der Regel kein Grund zur Beunruhigung. Der Grund dafür liegt in natürlichen Hormonschwankungen, die jede Frau im Laufe ihres Lebens durchmacht. So kann es etwa vom Beginn der ersten Monatsblutung an zwei bis drei Monate dauern, bis sich ein regelmäßiger Zyklus einstellt. Bei Frauen vor den Wechseljahren ist die Abnahme der Eierstockaktivität häufig ein Grund für Zyklusschwankungen.

Insgesamt sollte der Abstand zwischen zwei Blutungen sowie deren Intensität aber bei jeder Frau relativ konstant sein.

Was sind Zyklusstörungen?

Die normale, regelmäßige Menstruation wird als Eumenorrhö bezeichnet, Abweichungen davon gelten als Zyklusstörungen. Sie können entweder das Intervall zwischen den Blutungen oder die Blutungsstärke betreffen.

Ursachen für Zyklusstörungen

Zyklusstörungen können eine Vielzahl von Ursachen haben:

  • Organische Ursachen: Myome, Krebserkrankungen der Gebärmutter, Polypen der Gebärmutterschleimhaut, Endometriose, übermäßiges Wachstum der Gebärmutterschleimhaut (Hyperplasie des Endometriums)
  • Hormonelle Ursachen: fehlender Eisprung (Anovulation), vermehrte Produktion von Östrogenen, zu hoher Prolaktinspiegel, Schilddrüsenfunktionsstörungen, PCO-Syndrom
  • Störung der Blutgerinnung: Thrombozytopenie, erhöhte Fibrinolyse, Von-Willebrand-Erkrankung
  • Medikamente: Östrogene, Heparin, Cumarin, Tamoxifen
  • Psychische Belastungen
  • Allgemeinerkrankungen
  • Ernährungsgewohnheiten
  • Leistungssport
  • Spirale
  • Pilleneinnahme

Wann ist ein Arztbesuch notwendig?

Eine Kontrolle beim Gynäkologen ist angezeigt, wenn folgende Probleme auftreten:

  • Plötzlich und ohne erkennbare Ursache ausbleibende Monatsblutung
  • Sehr starke Blutung
  • Blutungsdauer länger als 8–10 Tage
  • Blutungen außerhalb der „regulären“ Menstruation
  • Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr
  • Brauner, blutiger oder fleischfarbener Ausfluss

Einteilung der Zyklusstörungen

Amenorrhö (Ausbleiben der Regelblutung)

Amenorrhö bezeichnet das Ausbleiben der Menstruation.

  • Primäre Amenorrhö

Hat die Monatsblutung nach Vollendung des 16. Lebensjahres noch nicht eingesetzt, spricht man von primärer Amenorrhö. Ihr liegen meist körperliche Ursachen wie Chromosomendefekte, anatomische Besonderheiten oder Fehlbildungen der weiblichen Geschlechtsorgane zugrunde. In manchen Fällen kann die primäre Amenorrhö auch hormonell bedingt sein.

  • Sekundäre Amenorrhö

Von sekundärer Amenorrhö spricht man, wenn die Regelblutung schon einmal stattgefunden hat, dann aber – für die Dauer von mindestens drei Monaten – wieder ausbleibt. Die Ursachen können körperlich, aber auch psychisch bedingt sein.

Die häufigste Ursache für das Ausbleiben der Menstruation ist eine Schwangerschaft (inklusive Stillzeit). Bei Frauen mittleren Alters weist eine ausbleibende Regelblutung meist auf den Beginn der Wechseljahre hin. Weitere Ursachen können Hormonstörungen, Stoffwechselerkrankungen oder schwere Allgemeinerkrankungen sein.

Bleibt die Regelblutung aus, können auch starke Gewichtsveränderungen dahinterstecken, denn das Hormonsystem reagiert sehr empfindlich auf Schwankungen des Körpergewichts. Zur Aufrechterhaltung des weiblichen Zyklus wird eine Körperfettmasse von mindestens 17–18% benötigt: Bei starker Gewichtsabnahme, wie etwa durch eine Diät oder eine Essstörung, kann es daher zum Ausbleiben der Menstruation kommen. Umgekehrt kann auch starkes Übergewicht in Verbindung mit Stoffwechselerkrankungen eine sekundäre Amenorrhö verursachen.

Eine sekundäre Amenorrhö kann auch psychische Ursachen haben: Oftmals bringen große psychische Belastungen, einschneidende Ereignisse oder Stress die hormonelle Steuerung aus dem Takt. Auch bei Frauen, die sich körperlich viel zumuten (beispielsweise beim Leistungssport), kann es zum Ausbleiben der Monatsblutung kommen.

  • Post-Pill-Amenorrhö (Ausbleiben der Regelblutung nach Absetzen der Pille)

Bleibt die Blutung nach längerer Einnahme der Antibabypille aus, ist dies meist ein Zeichen für eine andere Zyklusstörung, die durch die Pilleneinnahme nur kaschiert wurde. Das Ausbleiben der Regelblutung ist dann normalerweise nicht durch die Pille selbst bedingt.

Die Dreimonatsspritze kann den Eisprung bis zu eineinhalb Jahre unterdrücken. Aufgrund ihrer hohen Dosis und der langen Halbwertszeit ist ein längeres Ausbleiben der Blutung nach dem Absetzen ganz normal.

+++ Mehr zum Thema: Amenorrhoe +++

Oligomenorrhö (seltene Regelblutung)

Beträgt der Abstand zwischen zwei Regelblutungen zwischen 35 und 45 Tagen, spricht man von Oligomenorrhö. Sie geht meist mit einer abgeschwächten Blutung einher. Oligomenorrhö tritt häufig auf und ist meist hormonell bedingt.

Mögliche Ursachen:

  • Hormonelle Schwankungen nach der ersten Monatsblutung und vor den Wechseljahren
  • Hormonelle Störungen: Überproduktion von Prolaktin oder von männlichen Geschlechtshormonen, Schilddrüsenfunktionsstörungen
  • Funktionsstörungen der Eierstöcke
  • PCO-Syndrom
  • Ausgeprägter Stress
  • Essstörungen
  • Stoffwechselkrankheiten
  • Magersucht
  • Allgemeinerkrankungen

+++ Mehr zum Thema: Oligomenorrhoe +++

Polymenorrhö (zu häufige Regelblutung)

Liegt der Abstand zwischen den Regelblutungen dauerhaft unter 25 Tagen, spricht man von Polymenorrhö. Sie tritt häufig bei jungen Mädchen sowie bei Frauen vor den Wechseljahren auf. Die Ursache liegt meist in einer Funktionsstörung der Eierstöcke.  

+++ Mehr zum Thema: Polymenorrhoe +++

Hypomenorrhö (schwache Regelblutung)

Eine stark abgeschwächte Regelblutung wird als Hypomenorrhö bezeichnet. Die Blutung ist leicht und meist nur von kurzer Dauer, der Blutverlust liegt insgesamt unter 10 ml. Hypomenorrhö ist häufig ein Zeichen für die nachlassende Eierstockfunktion in der Zeit der Wechseljahre: Die Östrogenproduktion durch die Eierstöcke lässt nach, wodurch die Gebärmutterschleimhaut weniger stark aufgebaut wird und damit in der Blutungsphase weniger abblutet.

Menorrhagie (verlängerte Regelblutung)

Bei Menorrhagie dauert die Blutung bei normaler Zykluslänge länger als 7 Tage. Am häufigsten wird eine verlängerte Regelblutung durch eine intrauterin (in der Gebärmutter) liegende Kupferspirale zur Verhütung verursacht. Menorrhagie kann aber in seltenen Fällen auch ein Zeichen einer bestehenden Gerinnungsstörung sein oder auf einen Tumor in der Gebärmutter – der das Zusammenziehen der Gebärmutter verhindert – hinweisen.

Metrorrhagie (Zwischenblutungen)

Bei Metrorrhagie handelt es sich um eine länger andauernde Blutung außerhalb des normalen Zyklus. Ein „normaler“ Zyklus ist häufig gar nicht mehr erkennbar. Als Ursache kommen meist Hormonstörungen infrage, vor allem bei jüngeren Mädchen. Lang andauernde Blutungen können jedoch auch in Verbindung mit Gebärmuttermyomen, Schleimhautpolypen oder bösartigen Erkrankungen stehen.

Dysmenorrhö (schmerzhafte Menstruation, „Regelschmerzen“)

Als Dysmenorrhö werden besonders schmerzhafte Regelblutungen bezeichnet.

+++ Mehr zum Thema: Regelschmerzen +++

Diagnose

Blutungsstörungen gehören zu den häufigsten gynäkologischen Problemen. Oberstes Ziel der Diagnostik ist es, organische Ursachen auszuschließen.

Am Beginn steht eine ausführliche Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Damit sich der Arzt ein gutes Bild der Problematik machen kann, ist es hilfreich, über mehrere Monate einen Zykluskalender (Aufzeichnungen über Frequenz und Stärke der Blutungen) zu führen. Anschließend erfolgt eine genaue gynäkologische Untersuchung. Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung können organische Ursachen erkannt oder eben ausgeschlossen werden. Hormonell bedingte Zyklusstörungen können mit Labortests erfasst werden.

Behandlung

Die Behandlung von Zyklusstörungen richtet sich stets nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei Hormonstörungen gleichen entsprechende Hormongaben das hormonelle Ungleichgewicht aus. Sind Medikamente die Ursache der Zyklusstörung, können diese vom Arzt gegen andere Wirkstoffe ausgetauscht werden. In manchen Fällen ist eine Operation nötig, um Zyklusstörungen zu beheben.

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Autoren:

Medizinisches Review:
Dr. med. Eva Lehner-Rothe
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. Julia Wild

Stand der medizinischen Information:
Quellen

 Journal für Klinische Endokrinologie und Stoffwechsel: Amenorrhö, Stand 2013; https://www.kup.at/kup/pdf/11662.pdf (letzter Zugriff am 05.12.2018)

MSD Manual: Amenorrhö; https://www.msdmanuals.com/de/profi/gyn%C3%A4kologie-und-geburtshilfe/menstruationsst%C3%B6rungen/amenorrh%C3%B6 (letzter Zugriff am 05.12.2018)

Gynecology Guide; https://www.gynecology-guide.com/gynaekologie/zyklusstoerungen/ (letzter Zugriff am 05.12.2018)

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