Traumatische Zahnschäden (Zahntrauma)

Zahnunfall
Bei vielen Zahnunfällen kann der Zahnarzt helfen. (g-stockstudio / iStockphoto)

Zahnunfälle können unterschiedliche Folgen haben: Der Zahn kann abgebrochen, ausgeschlagen oder gelockert sein. Nach jedem Zahntrauma sollte umgehend ein Zahnarzt aufgesucht werden.


Zahn abgebrochen – was tun?

Als Zahntrauma (dentales Trauma) bezeichnet man eine akute mechanische Verletzung von Zähnen. Bei einem Zahntrauma ist es in erster Linie wichtig, Ruhe zu bewahren. Auch vollständig herausgebrochene Zähne sind nicht automatisch verloren. Essenziell für den Zahnerhalt sind rasches Handeln und die richtige Lagerung bis zur Replantation des Zahnteiles.

Herausgebrochene Zähne sollten nicht länger als 20 bis 30 Minuten im Trockenen sein. Halten Sie diese Zähne feucht, indem Sie sie für kurze Zeit in kalte H-Milch (max. 1-2 Stunden) oder in isotone Kochsalzlösung (max. 30 Minuten) legen. Sollte dies nicht möglich sein, nehmen Sie den Zahn einfach in den Mund und suchen Sie so schnell wie möglich einen Zahnarzt auf. Die beste Möglichkeit für die Aufbewahrung und den Transport von herausgeschlagenen Zähnen oder Zahnteilen ist die "Zahnrettungsbox", die in Apotheken erhältlich ist. In dieser speziellen Nährstofflösung können Zähne 24 Stunden aufbewahrt werden, damit die Heilungsaussichten trotzdem gewahrt bleiben.

 Das Vorgehen ist bei Milchzähnen anders als bei bleibenden Zähnen.

Zähne können bei einem Zahnunfall auf unterschiedliche Weise zu Schaden kommen:

  • Der Zahn ist abgebrochen.

Bei einem abgebrochenen Zahn sollte der abgebrochene Teil gesucht und eingesammelt werden. Halten Sie das Zahnstück feucht. Der Zahnarzt kann die Bruchstücke manchmal wieder am Zahn befestigen.

  • Der Zahn ist ausgeschlagen.

Auch ein ausgeschlagener Zahn ist noch nicht verloren. Fassen Sie den Zahn nicht an der empfindlichen Wurzel, sondern an der Krone an und reinigen Sie ihn nicht. Halten Sie den Zahn feucht und suchen Sie so rasch wie möglich einen Zahnarzt auf. Ist der Zahn nicht auffindbar, könnte er auch in den Kiefer geschlagen sein. Ein Röntgenbild gibt Aufschluss darüber, ob der Zahn im Kiefer steckt oder ausgeschlagen wurde.

  • Der Zahn ist locker.

Sitzt der Zahn nach einem starken Schlag locker oder ist verschoben, sollten Sie diesen nicht selbst bewegen, auch wenn er beim Zubeißen stört. Suchen Sie einen Zahnarzt auf. Dieser wird den Zahn in seine normale Position bringen und eventuell schienen. Wenn Milchzähne sehr stark gelockert sind, sollten sie noch am Unfallort entfernt werden, da sie verschluckt oder eingeatmet werden können (Erstickungsgefahr).

  • Die Zähne sehen unbeschädigt aus.

Die Zähne oder der Kiefer haben einen starken Schlag abbekommen, sehen aber unbeschädigt aus. Fragen Sie Ihren Zahnarzt um Rat. Dieser kann ausschließen, dass zum Beispiel eine Zahnwurzel abgebrochen wurde, und mögliche Folgeschäden verhindern. Manchmal sterben die Zahnnerven erst Jahre nach einem Trauma ab und führen zu Entzündungen und Zahnverfärbungen.

Was passiert beim Zahnarzt?

Nach einer ausführlichen Anamnese (Erhebnung der Krankengeschichte) wird der Zahnarzt den Patienten untersuchen.  Dabei wird die gesamte Mundhöhle genauestens inspiziert. Bei Verdacht auf ein dentales Trauma kann eine bildgebende Diagnostik erfolgen. Bei unklarer Verletzungsursache oder Fremdverschulden muss der Zahnarzt (aus versicherungsrechtlichen Gründen)  eine polizeiliche Verletzungsanzeige machen.

Was kann ein Arzt bei Zahnschäden machen?

  • Milchzähne setzt man im Normalfall nicht wieder ein.
  • Vollständig herausgebrochene Schneidezähne können meistens problemlos wieder eingesetzt werden. Ist ein Teil der Wurzel abgebrochen, so sucht Ihr Zahnarzt mit einer Röntgenaufnahme nach den Wurzelresten im Kiefer.
  • Vielleicht sind die Zähne nicht ganz herausgebrochen, sondern sitzen nur schief. In diesem Fall kann der Zahnarzt bei einer rasch erfolgenden Behandlung die Zähne retten,  indem er sie an die gesunden festsitzenden Zähne schient.
  • Bedenken Sie, dass der Erfolg jeder Behandlung einerseits von einem frühestmöglichen Transport zum Zahnarzt oder zur Klinik, anderseits von der richtigen Aufbewahrung der Zähne abhängig ist.

+++ Mehr zum Thema: Zahnschmerzen +++

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Autoren:
Dr. Wolfgang Fürschuß (Erstautor: 2004),
Medizinisches Review:
DDr. Wolfgang Schlossarek
Redaktionelle Bearbeitung:
Tanja Unterberger, Bakk. phil.

Stand der medizinischen Information:
Quellen

S2k-Leitlinie: Therapie des dentalen Traumas bleibender Zähne. AWMF-Registernummer: 083-004; Stand Mai 2015, gültig bis Mai 2019; http://www.dgzmk.de/uploads/tx_szdgzmkdocuments/traumalang.pdf (letzter Zugriff: 15.01.2018)

Bundesverband der Kinderzahnärzte: Zahn ausgeschlagen – was tun? http://www.kinderzahnaerzte.de/zahn_ausgeschlagen___was_tun_.html (letzter Zugriff: 15.01.2018)
 

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