Matomo pixel

Was sind die Ursachen von Gelenkschmerzen? (Arthralgie)

((c)kazoka / Shutterstock)

Neben Verletzungen und häufig Überlastungen an Gelenkkapsel, Bändern, Knorpel und Knochen, gibt es folgende Ursachen für Gelenkschmerzen:

Arthrose (Gelenkverschleiß)

Die Arthrose ist primär eine nicht-entzündliche Gelenkerkrankung, die vorwiegend durch einen Abbau des Gelenkknorpels gekennzeichnet ist. Die Arthrose ist die häufigste Ursache für Gelenkschmerzen und betrifft bei den über 50-Jährigen bis zu 80 Prozent der Bevölkerung. Bevorzugt betroffen sind die Kniegelenke (Gonarthrose), die Hüfte (Coxarthrose) und die kleinen Fingergelenke (Fingerpolyarthrose, Heberdenarthrose, Bouchardarthrose). Nach langjähriger starker Überlastung der Gelenke kann es zur Gelenkabnutzung kommen. Laut derzeitigem Wissensstand führen übliche Alltags- oder Sportbelastungen aber zu keiner Gelenkabnutzung. Weitere mögliche Ursachen für die Entstehung einer Arthrose sind Spätfolgen nach Unfällen, Bänderschäden oder angeborene Fehlhaltungen und Fehlstellungender Gelenke.

Rheumatoide Arthritis

Die rheumatoide Arthritis ist eine entzündliche Systemerkrankung (=den Körper in seiner Gesamtheit betreffend) , deren Hauptmerkmal eine Gelenkentzündung ist. Das Krankheitsspektrum reicht von einer entzündlichen Gelenkschwellung bis hin zur Zerstörung der betroffenen Gelenke. In Österreich sind 0,5 bis 2 Prozent der Bevölkerung von einer chronischen Polyarthritis betroffen, die oft auch als rheumatoide Arthritis bezeichnet wird. Obwohl die Erkrankung in jedem Alter auftreten kann, gibt es einen Häufigkeitsgipfel zwischen dem 4. und dem 6. Lebensjahrzehnt. Frauen sind dreimal so häufig betroffen wie Männer. Zu den klassischen Symptomen zählen Morgensteifigkeit der Finger- und Handgelenke (länger als eine Stunde), Gelenkschwellung sowie Schwierigkeiten, eine Faust zu machen. Schmerzen alleine, die an mehreren Gelenken auftreten, sind kein klassisches Symptom.

Infektionen/bakterielle Gelenkentzündung (bakterielle Arthritis)

Bakterielle Gelenkentzündungen betreffen meist das Knie- und Hüftgelenk. Dabei können die Bakterien direkt z.B. aufgrund von Verletzungen oder auch im Rahmen einer Operation das Gelenk infizieren oder über das Blut zum Gelenk gelangen. Die klassischen Symptome sind Rötung, Schwellung, Überwärmung des Gelenkes und Fieber. Bakterielle Entzündungen von Gelenken müssen rasch, meist auch chirurgisch, behandelt werden.

Gicht

Bei der Gicht kommt es zu einer Erhöhung der Harnsäurekonzentration im Blut, wobei sich die überschüssige Harnsäure in Form von Harnsäurekristallen in verschiedenen Gelenken und Geweben ablagert. Dabei kommt es zur Rötung, Schwellung und Überwärmung des Gelenks mit starken Schmerzen. Am häufigsten betroffen ist das Großzehengrundgelenk, aber auch in anderen Gelenken kann es aufgrund eines akuten Gichtanfalls zu Schmerzen kommen. Die Harnsäurewerte im Blut können, müssen aber nicht bei einem akuten Gichtanfall erhöht sein.

Schleimbeutelentzündung

Eine Bursitis entsteht meist durch Traumen, Infektionen oder chronische Fehlbelastungen bzw. Reizungen, vor allem im Bereich des Ellbogens oder am Kniegelenk. Bursitiden treten jedoch auch im Zusammenhang mit Systemerkrankungen, wie z.B. einer rheumatoiden Arthritis, auf. Die Symptome können zu Beginn diskret sein. Der Patient verspürt nur leichte Bewegungsschmerzen und ein reibendes Gefühl im Bereich des entzündeten Schleimbeutels. Bei fortgesetzter Belastung kommt es zu verstärkten Schmerzen und es können zusätzliche Symptome wie Schwellung, Überwärmung und Ergussbildung am betreffenden Schleimbeutel auftreten.

Borreliose (Lyme-Arthritis)

Im Rahmen einer Borreliose kann es ebenfalls zu Gelenkentzündungen kommen, die durch Bakterien, die von Zecken auf den Menschen übertragen werden, ausgelöst werden. Unbehandelt sind chronische Verläufe möglich. Insgesamt ist die Borrelienarthritis aber nicht häufig. Ein positiver Borrelienbefund im Blut bedeutet meist, dass man im Laufe des Lebens mit diesen Bakterien in Kontakt gekommen ist, aber nicht automatisch, dass man an einer Borrelienarthritis leidet.

Psoriasisarthritis

Die Schuppenflechte ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, bei der es auch zur Mitbeteiligung der Gelenke kommen kann. Man spricht dann von Psoriasis-Arthritis. Meist sind dabei die Gelenke der Finger oder Zehen entzündet. Die Beweglichkeit dieser Gelenke ist schmerzhaft eingeschränkt, die Haut darüber gerötet und überwärmt. Obwohl die Gelenkentzündung bei der Mehrzahl der Patienten mit Psoriasis-Arthritis eher mild ist, sind auch schwere Verläufe mit starker Zerstörung der Gelenke möglich.

+++ Hier geht es zum Selbsttest Psoriasis-Arthritis +++

Gelenkentzündungen bei weiteren Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises

Auch bei Morbus Reiter (reaktive Arthritis) und Morbus Bechterew (Spondylarthritis) kann es zu Gelenkentzündungen kommen. Das Reiter-Syndrom ist eine Erkrankung, die durch das gemeinsame Auftreten von Gelenkentzündungen und einer Bindehautentzündung des Auges (Konjunktivitis), einer Harnröhrenentzündung sowie Hautveränderungen gekennzeichnet ist. Es tritt nach bestimmten bakteriellen Infektionen des Darmes und der Harnwege auf. Bei Morbus Bechterew ist vor allem das aus Wirbelsäule und Becken bestehende Achsenskelett betroffen, Gelenkbeteiligungen sind aber nicht selten.

Systemischer Lupus erythematodes (SLE)

Der systemische Lupus erythematodes (SLE) zählt zur Gruppe der Autoimmunerkrankungen. Dabei richten sich körpereigene Abwehrmechanismen gegen das eigene, gesunde Gewebe. Beim systemischen Lupus erythematodes kommt es zu chronischen Entzündungen an der Haut, den Gelenken, am Nervensystem und an den inneren Organen. Meist wechseln sich Phasen hoher Krankheitsaktivität mit Zeiten der Besserung ab.

Gelenkblutung bei Hämophilie

Auch Gelenkblutungen durch die Bluterkrankheit Hämophilie oder andere Gerinnungsstörungen können Ursache von Gelenkschmerzen sein.

Weitere seltene Ursachen können auch rheumatisches Fieber oder Sarkoidose sein.

++ Mehr zum Thema: Gelenkschmerzen ++

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von netdoktor.ch


Autoren:
netdoktor.at
Medizinisches Review:
Univ. Prof. Dr. med. Ronald Dorotka
Redaktionelle Bearbeitung:
netdoktor.at, netdoktor.at

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Arastéh K: Innere Medizin. Duale Reihe, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage 2013
 

 

Weitere Artikel zum Thema

zur Startseite