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Windpocken (Varizellen, Varicellen, Feuchtblattern, Schafblattern, Varizella-Zoster-Virus, Varizella-Zoster)

Windpocken juckender Ausschlag
Windpocken können, einmal überwunden, eine weitere Infektionen mit Gürtelrose auslösen. (09-19-11 © AnaDiana / iStockphoto)

Windpocken bezeichnen eine virale Erkrankung, die durch das Varicella-Zoster-Virus (VZV) meist schon im Kindesalter ausgelöst wird und sich durch einen großflächigen Hautausschlag bemerkbar macht.

Kurzfassung:

  • Windpocken werden vom Varicella-Zoster-Virus verursacht.
  • Windpocken sind hoch ansteckend, manifestieren sich auf der Haut als juckender Ausschlag mit späterer Bläschenbildung und klingen meist innerhalb von 7–10 Tagen ab.
  • Die Ansteckung erfolgt über Schmier- oder Tröpfcheninfektion.
  • Für immungeschwächte und ältere Personen besteht ein erhöhtes Risiko für einen schwereren Verlauf.
  • Einmal überwunden, ist man lebenslang immun. Das Virus verbleibt jedoch im Körper und kann bei Immunschwäche reaktiviert werden.
  • Eine Schutzimpfung für Kleinkinder, Jugendliche und Schwangere ohne Antikörper wird empfohlen.

 


Was sind Windpocken?

Bei den Windpocken handelt es sich um eine hoch ansteckende virale Infektionskrankheit. Viele Menschen erkranken bereits in der Kindheit daran. Wer einmal die Windpocken hatte, ist in der Regel ein Leben lang gegen diese Krankheit immun. Allerdings verbleiben die Viren im Körper und können bei eingeschränkter Immunabwehr wieder reaktiviert werden.

Am häufigsten treten Windpocken zwischen dem 3. und 10. Lebensjahr auf. In der Regel verläuft die Krankheit bei Kindern gutartig und dauert zwischen sieben und zehn Tagen.

Windpocken auf einen Blick:
Erreger: Varicella-Zoster-Virus
Ansteckung: Schmier- und Tröpfcheninfektion
Inkubationszeit: etwa 2 Wochen
Dauer: 7 bis 10 Tage
Symptome: Fieber, Abgeschlagenheit, Hautausschlag, Juckreiz
Behandlung: fiebersenkende Medikamente, juckreizstillende Salben und Umschläge
Sonstiges: Menschen, die einmal Windpocken hatten, sind immun

Welche Symptome treten bei Windpocken auf?

Das klassische Krankheitsbild ist ein juckender Hautausschlag mit rötlichen Knötchen, die sich in wasserklare Bläschen verwandeln und schließlich verkrusten. Normalerweise breitet sich der Hautausschlag in den ersten ein bis drei Tagen aus und beginnt nach fünf bis sieben Tagen zu verkrusten. Fieber kann, muss aber nicht vorhanden sein.

Typisch für Windpocken ist ein Hautausschlag, der an einen "Sternenhimmel“ erinnert. Dieses Aussehen unterscheidet die Windpocken deutlich von einer Herpes-Zoster-Infektion, bei der Bläschen mit ähnlichem Aussehen, jedoch in Gruppen (sog. uniformes Exanthem) auf gerötetem Grund zu finden sind.

+++ Mehr zum Thema: Gürtelrose +++

Bei Erwachsenen, Schwangeren, Neugeborenen und immungeschwächten Personen können Windpocken zu schweren Komplikationen führen.

Zu den möglichen Symptomen gehören:

  • Fieber
  • Erythem (Rötung der Haut)
  • Pusteln (kleine, mit Eiter gefüllte Bläschen)
  • mit klarer Flüssigkeit gefüllte Bläschen
  • verkrustete Bläschen
  • Juckreiz
  • Abgeschlagenheit
  • Fehlempfindungen
  • Taubheit

+++ Mehr zum Thema: Fieber bei Kindern +++

Wie werden Windpocken übertragen?

Windpocken sind hoch ansteckend. Die Ansteckungsfähigkeit beginnt ein bis zwei Tage vor dem Auftreten der ersten Bläschen und endet mit dem vollständigen Verkrusten aller Bläschen.

Die Infektion erfolgt über Kontakt (Schmierinfektion), aber auch über Sprechen, Niesen und Husten (Tröpfcheninfektion). Noch im Umkreis von mehreren Metern, wie beispielsweise bei einem gemeinsamen Aufenthalt in einem Raum, kann eine Ansteckung erfolgen. Eine saisonale Häufung wird im Winter und im Frühjahr beobachtet.

+++ Mehr zum Thema: Wie Viren und Bakterien es schaffen, in unseren Körper zu gelangen +++

Wie ist der Verlauf der Windpocken?

  • Erste Anzeichen vor dem eigentlichen Krankheitsbeginn sind Unwohlsein sowie Kopf- und Gliederschmerzen.
  • Ein bis zwei Tage später treten vereinzelt rote Flecken auf, die sich in mit klarer Flüssigkeit gefüllte Bläschen verwandeln.
  • Die Bläschen erscheinen zuerst am Rumpf und im Gesicht, breiten sich dann schubweise auf Arme und Beine, die Schleimhäute (Mund, Bindehäute, Genitalien) und die behaarte Kopfhaut aus.
  • Zu Beginn der Erkrankung treten ständig neue Schübe des Ausschlags auf.
  • So sind zeitgleich alle Stadien der Hautveränderungen an verschiedenen Stellen des Körpers zu sehen.
  • Die Bläschen beginnen stark zu jucken und es kann sich für einige Tage Fieber entwickeln.
  • Im Anschluss verkrusten die Bläschen langsam.
  • Die Ansteckungsgefahr ist mit dem Verkrusten des letzten Bläschens vorüber, nach ein bis zwei Tagen fallen die Krusten ab.
  • Über einen Zeitraum von einigen Wochen bleiben anschließend helle Flecken zurück, die schlussendlich aber verschwinden.

+++ Mehr zum Thema: Übersicht Kinderkrankheiten +++

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Der Arzt stellt die Diagnose aufgrund der typischen Hautveränderungen und der Krankengeschichte. Wenn Sie mit Ihrem Kind zum Arzt gehen, ist es wichtig, die Praxis bereits vorab über den Windpockenverdacht zu informieren! Dies dient der Information der dortigen Mitarbeiter und des Arztes, um eine Ansteckung anderer sowie die Verbreitung des Virus zu verhindern.

Bei unklarem Befund kann das Virus direkt aus den Bläschen, der Augenflüssigkeit oder dem Blut mittels Abstrich nachgewiesen werden.

+++ Mehr zum Thema: Windpocken und Gürtelrose in der Schwangerschaft +++

Wie werden Windpocken behandelt?

Aufgrund des üblicherweise milderen Verlaufs im Kindesalter wird der Hautausschlag vorzugsweise mit juckreizstillenden, kühlenden Lotionen und Umschlägen behandelt. Bei starkem Juckreiz können Antiallergika hilfreich sein, bei Fieber fiebersenkende Medikamente. Nur in schweren Fällen oder bei möglichen Komplikationen (z.B. bei Immunsuppression oder Krebserkrankungen) wird auf antivirale Arzneistoffe zurückgegriffen.

Im Erwachsenenalter hingegen verlaufen Windpocken oft schmerzhaft und können häufiger zu unerwünschten Symptomen und/oder Folgeerscheinungen führen. Dementsprechend wird mit zunehmendem Lebensalter öfter von Anfang an zusätzlich mit antiviralen Medikamenten behandelt.

Sonderfall: Windpocken in der Schwangerschaft

Frauen mit Kinderwunsch, bei denen im Zuge einer Blutuntersuchung keine Antikörper gegen Varizellen gefunden werden, wird eine Impfung bis zu einem Monat vor Eintritt der Schwangerschaft empfohlen. Während der Schwangerschaft sollte diese Lebendimpfung nicht verabreicht werden.

Steckt sich eine Frau während der Schwangerschaft erstmals mit Windpocken an, kann das Virus über die Plazenta auf das ungeborene Kind übertragen werden. In 1–2% der Fälle kann eine Erstinfektion innerhalb der ersten 20 Schwangerschaftswochen zu Fehlbildungen beim Fötus führen. Das sogenannte Varizellen-Syndrom führt zu Entwicklungsstörungen der Extremitäten und des Gehirns, zu Hautveränderungen und niedrigem Geburtsgewicht.

Bei Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft in Kontakt mit dem Virus waren, können entsprechende Antikörper mittels Blutuntersuchung bestimmt werden. Sie haben in der Regel genügend Antikörper gegen das Virus, sodass es zu keiner erneuten Infektion kommen kann. Über die Muttermilch erhalten Säuglinge diese Antikörper von der Mutter und sind dadurch in ersten Lebenswochen vor einer Infektion geschützt.

+++ Mehr zum Thema: Impfungen im ersten Lebensjahr +++

Erwachsenenimpfung

Die Impfung wird allen nicht immunen Erwachsenen (keine Impfung und anamnestisch keine Varizellen oder bei serologischer Testung kein Nachweis spezifischer Antikörper) empfohlen, im Besonderen allen Frauen im gebärfähigen Alter.

Ungeimpfte Schwangere ohne nachweisbare Immunität bis zur 23. Schwangerschaftswoche (SSW) sollten zum Schutz des Feten möglichst innerhalb von 72–96 Stunden Varicella-Zoster-Immunglobulin (VZIG) erhalten. Sollte ein Immunitätsnachweis nicht innerhalb von 24 Stunden möglich und eine Varizellenanamnese nicht erhebbar sein, sollte die Verabreichung des VZIG sofort erfolgen.

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Prim. MedR. Ass.-Prof. DDr. Peter Voitl, MBA, Univ.-Prof. Dr. med. Florian Thalhammer
Redaktionelle Bearbeitung:
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Stand der medizinischen Information:
Quellen

Gross GE, Eisert L, Doerr HW et al., S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Zoster und der Postzosterneuralgie. GMS Infect Dis 2020; 8:Doc01

https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Varizellen.html#doc2374554bodyText1
http://www.keinemasern.at/download/Impfplan2016.pdf

 

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