Windpocken (Varizellen, Varicellen, Feuchtblattern, Schafblattern, Varizella-Zoster-Virus, Varizella-Zoster)

Windpocken juckender Ausschlag
Windpocken-Ausschlag auf dem Rücken eines Knaben. (09-19-11 © AnaDiana / iStockphoto)

Windpocken werden durch ein Virus (Varizella-Zoster-Virus) verursacht, das hochgradig ansteckend ist. Das Virus verursacht als Erstinfektion die Windpocken und bei einer erneuten Infektion oder als eine Sonderform des Wiederauftretens (als so genanntes endogenes Rezidiv) die Gürtelrose (Herpes zoster).

Bei den Windpocken handelt es sich um eine hoch ansteckende Infektionskrankheit. Die meisten Menschen erkranken bereits in der Kindheit daran. Wer einmal die Windpocken hatte, ist in der Regel ein Leben lang gegen diese Krankheit immun (95% der Erwachsenen). Häufig ist eine Erkrankung zwischen dem dritten und zehnten Lebensjahr. In der Regel verläuft die Krankheit bei Kindern gutartig, sie dauert zwischen sieben und zehn Tage.

Windpocken auf einen Blick:
Erreger: Varizeller-Zoster-Virus
Ansteckung: Schmier- bzw. Tröpfcheninfektion
Inkubationszeit: ca. 2 Wochen
Dauer: ca. 7 bis 10 Tage
Symptome: Fieber, Abgeschlagenheit, Hautausschlag, Bläschen
Behandlung: Juckreizstillende Salben, Fiebersenkende Medikamente
Sonstiges: Menschen, die einmal Windpocken hatten, sind immun

Das klassische Krankheitsbild ist ein juckender Hautausschlag mit rötlichen Knötchen, die sich in wasserklare Bläschen umwandeln und schließlich verkrusten, sowie Fieber. Bei Erwachsenen, Schwangeren, Neugeborenen und immungeschwächten Personen können Windpocken zu schweren Komplikationen führen. 

++ Mehr zum Thema: Behandlung von Windpocken ++

Wie werden Windpocken übertragen?

Windpocken sind hoch ansteckend. Die Ansteckungsfähigkeit beginnt 1-2 Tage vor dem Auftreten der ersten Bläschen und endet mit dem vollständigen Verkrusten aller Bläschen.

Die Infektion erfolgt über Kontakt (Schmierinfektion), aber auch über Sprechen, Niesen und Husten (Tröpfcheninfektion). Eine große Ansteckungsgefahr ist auch über die Luft gegeben. Noch im Umkreis von mehreren Metern, wie zum Beispiel bei einem gemeinsamen Aufenthalt in einem Raum, kann eine Ansteckung erfolgen. Weil die Krankheit gewissermaßen „mit dem Wind“ übertragen werden kann,  kam sie zu ihrem Namen „Windpocken“. Eine saisonale Häufung wird im Winter und im Frühjahr beobachtet. 

Wie ist der Verlauf der Windpocken?

Erste Anzeichen vor dem eigentlichen Krankheitsbeginn sind Unwohlsein, Kopf- und Gliederschmerzen. Ein bis zwei Tage später treten vereinzelte rote Flecken auf, die sich in mit klarer Flüssigkeit gefüllte Bläschen verwandeln.

Die Bläschen erscheinen zuerst am Rumpf und im Gesicht, breiten sich dann schubweise auf Arme und Beine, die Schleimhäute (Mund, Bindehäute, Genitalien) und die behaarte Kopfhaut aus. Zu Beginn der Erkrankung treten ständig neue Schübe des Ausschlages auf. So sind zeitgleich alle Stadien der Hautveränderungen an verschiedenen Stellen des Körpers zu sehen. Der Anblick erinnert an einen „Sternenhimmel“.

Die Bläschen beginnen stark zu jucken, dazu kommt Fieber (selten über 39°Celsius) für 3-5 Tage. Innerhalb der nächsten Tage verkrusten die Bläschen langsam. Die Ansteckungsgefahr ist mit dem Verkrusten des letzten Bläschens vorüber.

Nach ein bis zwei Tagen fallen die Krusten ab. Über einen Zeitraum von einigen Wochen bleiben helle Flecken zurück, die dann aber verschwinden. Der Schweregrad ist meist abhängig vom Alter: Kleiner Kinder bilden weniger Bläschen aus als Erwachsene. Sonst gesunde Kinder haben einen meist gutartigen Verlauf, auch die Bläschen heilen ohne Narben ab. Erwachsene erkranken schwerer und haben häufiger Komplikationen.

Wem wird die Impfung empfohlen?

Die beste Vorbeugung gegen Windpocken ist die aktive Immunisierung (Impfung). Sie verhindert in 70-90% eine Erkrankung. Nicht geimpfte Personen sollen den Kontakt mit  Erkrankten vermeiden.

Seit 2005 wird die Impfung für alle ungeimpften 9-17-jährigen ohne Anzeichen einer durchgemachten Windpockeninfektion empfohlen, da ab diesem Alter ein erhöhtes Risiko für Komplikationen besteht.

Bei Kleinkindern erfolgt die erste Impfung im Alter von 11 bis 14 Monaten, die zweite sollte im Abstand von mindestens 4-6 Wochen gegeben werden, jedenfalls vor dem Eintritt in eine Betreuungseinrichtung (wie zB. Kindergarten). Die Impfung ist jedoch nicht im kostenfreien Impfprogramm enthalten, kann jedoch mit Masern, Mumps Röteln gemeinsam verabreicht werden.

Frauen mit Kinderwunsch, die noch keinen Kontakt mit dem Erreger hatten,  wird ebenfalls eine Impfung empfohlen. Ausgeschlossen von einer Impfung sind Patienten mit geschwächtem Immunsystem, Neugeborene und Schwangere.

Verwandtschaft mit Gürtelrose, Fieberblasen und Dreitagefieber

Windpocken werden durch ein Virus (Varizella-Zoster-Virus) aus der Familie der  Herpesviren verursacht, das hochgradig ansteckend ist. Es ist verwandt mit dem Dreitagefieber und den ebenso Herpesvirus-bedingten Fieberblasen. Das Virus verursacht als Erstinfektion die Windpocken und als Sonderform bei Reaktivierung die Gürtelrose (Herpes zoster). Wer einmal Windpocken hatte, kann trotzdem später eine Gürtelrose bekommen. An Gürtelrose Erkrankte wiederum können andere Personen mit dem Varizella-Zoster-Virus anstecken, so dass diese an Windpocken erkranken. Die Inkubationszeit beträgt 12-21 Tage.

Weil Windpocken meist harmloser verlaufen, je jünger die Kinder sind, veranstalten manche Eltern ungeimpfter Kinder „Windpocken-Partys“. Die meisten Mediziner jedoch lehnen diese Form der absichtlichen Ansteckung rigoros ab.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Der Arzt stellt die Diagnose aufgrund der typischen Hautveränderungen und der Krankengeschichte. Wenn sie mit ihrem Kind zum Arzt gehen, ist es wichtig, die Praxis bereits vorab über den Windpockenverdacht zu informieren! Das Kind wird dann in einem abgesonderten Bereich warten, damit es keine anderen Patienten ansteckt.

Varizellen in der Schwangerschaft

Frauen mit Kinderwunsch, bei denen bei einer Blutuntersuchung keine Antikörper gegen Varizellen festgestellt werden, wird eine Impfung bis zu einem Monat vor Eintritt der Schwangerschaft empfohlen. Während der Schwangerschaft darf die Impfung nicht verabreicht werden.

Steckt sich eine Frau während der Schwangerschaft erstmals mit Windpocken an, kann das Virus über die Plazenta auf das ungeborene Kind übertragen werden.  In 1-2% der Fälle kann eine Erstinfektion innerhalb der ersten 20 Schwangerschaftswochen zu Fehlbildungen beim Fötus führen. Das so genannte Varizellensyndrom führt zu Entwicklungsstörungen der Extremitäten und des Gehirns, zu Hautveränderungen und zu niedrigem Geburtsgewicht.

Bei Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft in Kontakt mit dem Virus in Kontakt waren, können entsprechende Antikörper mittels Blutuntersuchung bestimmt werden. Sie haben in der Regel genügend Antikörper gegen das Virus, sodass es nicht zu einer erneuten Infektion kommen kann. Über die Muttermilch erhalten Säuglinge „maternale“ Antikörper, die in den ersten Lebenswochen vor einer Infektion schützen.

 

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Autoren:

Medizinisches Review:
Prim. Univ.-Lektor DDr. Peter Voitl
Redaktionelle Bearbeitung:
Nicole Kolisch

Stand der Information: Juni 2015
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