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Vitamin-B12-Mangel

Vitamin-B12-Mangel
Ein Mangel an Vitamin B12 kann über eine orale Nahrungsmittelergänzung (Vitamin-B12-Tabletten) oder mit Injektionen gut behandelt werden. (03-25-12 © Miha Peroša / iStockphoto)

Vitamin-B12-Mangel (auch Hypocobalaminämie) bezeichnet einen niedrigen Spiegel von Vitamin B12 im Blut. Durch einen Mangel an Vitamin B12 kann es zu Blutarmut und neurologischen Störungen kommen.

Kurzfassung:

  • Vitamin B12 ist für die Zellteilung von Bedeutung.
  • Vitamin B12 kommt vor allem in tierischen Nahrungsmitteln vor.
  • Das Vitamin wird durch den Darm mithilfe eines bestimmten Eiweißmoleküls aufgenommen.
  • Ursachen für einen B12-Mangel sind Gastritis, Würmer, Magenoperationen, die Einnahme bestimmter Medikamente oder einseitige Ernährung.
  • Symptome eines B12-Mangels sind u.a. Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Leistungsverminderung.
  • Behandelt wird meist mit oralen Nahrungsergänzungspräparaten oder Injektionen.

Wofür braucht der Körper Vitamin B12?

Vitamin B12 (Cobalamin) ist ein essenzielles Vitamin, das der Körper nicht selbst herstellen kann und daher über die Nahrung regelmäßig zugeführt werden muss. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Blutbildung und beim Abbau von ungeradzahligen Fettsäuren (Fettsäuren mit ungerader Anzahl von Kohlenstoffatomen), die für das Nervensystem von Bedeutung sind. Kommt es vorübergehend zu einem Zufuhrstopp an Vitamin B12, kann dies der Körper in der Regel gut ausgleichen, da das Vitamin in der Leber gespeichert wird. Zu schweren Beschwerden kommt es meist erst zwei bis drei Jahre nach Ausschöpfung des körpereigenen Speichers. Dennoch können bereits bei einem leichten Defizit an Vitamin B12 im Blut erste Mangelsymptome auftreten.

+++ Mehr zum Thema: Welche Vitamine braucht der Körper? +++

Wo kommt Vitamin B12 vor?

Vitamin B12 findet sich vor allem in tierischen Nahrungsmitteln, insbesondere in der Leber, und wird auch dort gespeichert.

Die folgende Tabelle zeigt, in welchen Lebensmitteln hohe Mengen an Vitamin B12 enthalten sind:

Fleisch*

Milchprodukte*

Pflanzen*

Leber und Innereien: 60 µg

Käse: 3,1 µg

Chlorella (Alge): 100 µg

Fisch: 10 µg

Topfen: 1,0 µg

 

Fleisch: 10 µg

Milch: 0,4 µg

 

* maximaler Gehalt pro 100 g

Wie viel Vitamin B12 sollte täglich aufgenommen werden?

Der tägliche Bedarf an Vitamin B12 ist sehr gering (2–3 Mikrogramm/µg). Dennoch ist es wichtig, auf eine ausreichende Zufuhr von Vitamin B12 zu achten, da es bei einem länger bestehenden Mangel zu schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen kommen kann.

+++ Mehr zum Thema: Vitamin B 12 +++

Wie erfolgt die Aufnahme von Vitamin B12?

Die Aufnahme des Vitamins durch den Darm erfolgt nur mithilfe eines speziellen Eiweißmoleküls – dem sogenannten Intrinsic Factor bzw. intrinsischen Faktor. Dieses Eiweiß wird von bestimmten Zellen der Magenschleimhaut (Belegzellen) gebildet und bindet das Vitamin, damit es im nachfolgenden Zwölffingerdarm nicht zerstört wird.

Die tatsächliche Aufnahme des Vitamins (inklusive Eiweiß) erfolgt im letzten Abschnitt des Dünndarms (terminales Ileum). Dort wird das Vitamin über die Darmzellen, die spezielle oberflächliche Bindungsstellen besitzen, aufgenommen. Die Aufnahme von Vitamin B12 ist damit an eine funktionierende Magenschleimhaut gebunden.

+++ Mehr zum Thema: Das Verdauungssystem +++

Was sind die Ursachen eines Vitamin-B12-Mangels?

Eine chronische Entzündung der Magenschleimhaut (chronisch atrophe Gastritis), die langsam zerstört wird, sowie eine Verminderung von Zellen der Magenschleimhaut (Belegzellen) stellen die häufigste Ursache für einen Vitamin-B12-Mangel dar. Bei der chronischen Gastritis (Folge einer Autoimmunerkrankung) zerstört das Immunsystem durch Bildung von Antikörpern und Killerzellen die körpereigenen Belegzellen. Auf diese Weise kommt es zu einem Mangel des intrinsischen Faktors, wodurch das mit der Nahrung zugeführte Vitamin B12 nicht mehr aufgenommen werden kann – man spricht von einer perniziösen Anämie. Weitere mögliche Ursachen sind außerdem:

  • erhöhter Verbrauch an Vitamin B12 durch Parasiten im Darm (z.B. Würmer)
  • verminderte Zufuhr bei einseitiger vegetarischer/veganer Kost
  • nach operativer Entfernung des Magens
  • Einnahme von Medikamenten (z.B. Diabetes-Medikamente, Protonenpumpenhemmer, Antihistaminika, Antibiotika)

Was passiert bei einem Vitamin-B12-Mangel im Körper?

Ein Mangelzustand wirkt sich zunächst auf die Bildung der roten Blutkörperchen in Form einer typischen makrozytär hyperchromen Anämie aus: Dabei sind die Erythrozyten (rote Blutkörperchen) in ihrer Zahl im Blut vermindert, erscheinen zu groß (makrozytär) und enthalten pro Zelle vermehrt Hämoglobin (hyperchrom). Das bedeutet, dass nur wenige dichte rote Blutzellen sowie insgesamt zu wenig Hämoglobin im Blut vorhanden sind. Da Vitamin B12 wichtig für die Synthese der DNA (Nukleinsäure) als Träger der genetischen Information ist und die Vermehrung einer Zelle die Vermehrung der DNA voraussetzt, kommt es durch einen Vitamin-B12-Mangel zu einer Störung der Zellteilung in den sich rasch teilenden unreifen Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen im Knochenmark.

Allerdings verläuft die Bildung des Hämoglobins in den roten Blutzellen ungestört. Da sich die Zellen nun weniger oft teilen können, kommt es zur Bildung sehr großer Vorläuferzellen (Megaloblasten) und Erythrozyten (Megalozyten). Diese großen Zellen unterliegen bereits im Knochenmark einem gesteigerten Abbau (ineffektive Blutbildung).

In weiterer Folge kommt es auch zu einer Beeinträchtigung der Bildung weißer Blutzellen und Blutplättchen. Da Vitamin B12 an zahlreichen Funktionen des Körpers beteiligt ist, kann es infolge eines Mangels zur Beeinträchtigung folgender Prozesse kommen:

  • Synthese von DNA (Zellteilung, Blutbildung)
  • Energiestoffwechsel (Energieproduktion in den Mitochondrien)
  • Lipidstoffwechsel (Aufbau der Zellmembranen, Schutz der Nerven im Zentralnervensystem und Gehirn)
  • Synthese von Hormonen und Neurotransmittern
  • Entgiftung (Abbau von Giftstoffen wie Homocystein, Cyanid, Stickstoffmonoxid)

Welche Symptome treten auf?

Ein Vitamin-B12-Mangel kann zu schweren und irreversiblen Schäden des Gehirns und des Nervensystems führen. Grundsätzlich lassen sich die Symptome einer Vitamin-B12-Mangel-Anämie in zwei Kategorien unterscheiden:

  • Blutveränderungen
  • neurologische Symptome

Blutveränderungen

Bei einem leichten Mangel an Vitamin B12 liegen nicht immer erkennbare Beschwerden vor. Die Ausprägung ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Ein starker Mangel äußert sich hingegen häufig durch:

Psychische Symptome

Psychische Symptome wie mangelhafte Merkfähigkeit oder Depressionen können ebenso auftreten. Bei einigen Patienten sind die psychischen und neurologischen Symptome die ersten Hinweise auf einen Vitamin-B12-Mangel. Dazu gehören u.a.:

Neurologische Symptome

Neurologische Beschwerden äußern sich meist als Missempfindungen oder Taubheitsgefühl der Haut (z.B. Kribbeln, pelziges Gefühl), Gangunsicherheit, Koordinationsstörungen und seltener Lähmungen. Weitere Symptome können sein:

  • Erkrankungen des peripheren Nervensystems (periphere Polyneuropathie), die sich durch Kribbeln oder Taubheit in den Fingern und Zehen äußern (Parästhesien)
  • Schmerzen in Armen und Beinen
  • Muskelschwäche
  • Abschwächung der Reflexe (Hyporeflexie)
  • Störungen der Bewegungskoordination (Ataxie) mit Schwierigkeiten beim Gehen
  • rasche unwillkürliche Muskelzuckungen (Myoklonien)

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Folgende Untersuchungen werden zur Diagnose eines Vitamin-B12-Mangels eingesetzt:

  • MMA-Urintest: Bestimmung von Methylmalonsäure (MMA) im Harn
  • Nachweis des Vitamin-B12-Mangels im Blut (mit HoloTC-Parameter)
    Hinweis: Auch wenn bereits Beschwerden eines Vitamin-B12-Mangels vorliegen, kann das Blutbild noch unauffällig sein.
  • Nachweis der gestörten Aufnahme von Vitamin B12 durch den Darm mithilfe des "Schilling-Tests" (Einnahme von radioaktiv markiertem Vitamin B12, das bei Aufnahme anschließend im Harn erscheint)
  • Magenspiegelung (Gastroskopie) mit Probenentnahme (Biopsie) zum Nachweis einer chronisch atrophen Gastritis bzw. Zerstörung der Belegzellen
  • Nachweis von Antikörpern gegen Belegzellen
  • Stuhlkultur und Nachweis von Wurmeiern
  • bei Verdacht auf eine Schädigung des terminalen Ileums (Aufnahmeort) Durchführung einer Darmspiegelung (Koloskopie)

Wie wird eine Vitamin-B12-Mangel-Anämie behandelt?

Je nach Schwere der Symptomatik und Ausprägung des Mangels gibt es unterschiedliche Therapieansätze. Im Vordergrund steht die Beseitigung der Ursache, so z.B. die Behandlung eines Wurmbefalls oder eine Änderung der Ernährungsweise. Bei einer chronisch atrophen Gastritis oder einem ganz bzw. teilweise entfernten Magen muss das Vitamin B12 in die Muskulatur gespritzt werden, da Vitamin B12 bei Zufuhr über den Mund mit Tabletten nicht aufgenommen werden kann.

Grundsätzlich kann ein Vitamin-B12-Mangel über eine orale Nahrungsmittelergänzung (Vitamin-B12-Tabletten) oder mit Injektionen gut behandelt werden. Während bei leichter bis mittlerer Ausprägung des Mangels Dosen von 500–1.000 µg/Woche (oral/Tablette) ausreichen, ist bei einem starken Mangel meist eine hoch dosierte Anfangstherapie über vier Wochen mit 5.000 µg/Woche (oral/Tablette) oder über vier Wochen 1.000 µg/Woche (intramuskulär/Injektion) notwendig. Außerdem wird eine Supplementierung von Vitamin B12 bei schwangeren Vegetarierinnen und Veganerinnen empfohlen, da in dieser Zeit ein erhöhter Bedarf besteht und ein Mangel zu neurologischen Schäden beim Kind führen kann. Streng vegan Lebende müssen überdies stets Vitamin B12 in Form eines Nahrungsergänzungsmittels zuführen.

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Autoren:
,
Medizinisches Review:
Univ. Prof. Dr. Kurt Widhalm
Redaktionelle Bearbeitung:

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Hooper M: Pernicious Anaemia: The Forgotten Disease – The Causes and Consequences of Vitamin B12 Deficiency. Hammersmith Press, London 2012

Hermann W, Obeid R: Ursachen und frühzeitige Diagnostik von Vitamin-B12-Mangel. Causes and Early Diagnosis of Vitamin B12 Deficiency. Dtsch Ärztebl 2008; 105(40):680; https://www.aerzteblatt.de/archiv/61696/Ursachen-und-fruehzeitige-Diagnostik-von-Vitamin-B12-Mangel

Suttorp N et al., Harrisons Innere Medizin. 19. Auflage, ABW Wissenschaftsverlag, Berlin 2016

Herold G: Innere Medizin 2019. Köln 2018

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