Unterarmbruch (Unterarmfraktur)

Elle und Speiche gebrochen
Die Therapie bei einem Unterarmbruch richtet sich nach der Lokalisation und dem Schweregrad sowie der Weichteilsituation und der Knochenqualität. (GCammarata / iStockphoto)

Der Unterarm besteht aus zwei Knochen: Elle (Ulna) und Speiche (Radius). Die Elle liegt auf der Seite des kleinen Fingers, die Speiche auf der Daumenseite. Bei einem Unterarmbruch sind beide Knochen gebrochen.

Kurzfassung:

  • Der Unterarm besteht aus Elle und Speiche. Bei einem kompletten Unterarmbruch sind beide Unterarmknochen gebrochen.
  • Ein Unterarmbruch entsteht durch Gewalteinwirkung, z.B. durch einen Sturz auf die Hand.
  • Symptome eines Unterarmbruchs sind Schmerzen, Schwellung und manchmal auch eine sichtbare Fehlstellung.
  • Ein Unterarmbruch kann konservativ oder operativ behandelt werden.

Welche Ursachen hat ein Unterarmbruch?

Die Ursache für einen Unterarmbruch ist meist Gewalteinwirkung. Der Bruch (Fraktur) entsteht beispielsweise bei einem Sturz auf die Hand oder durch direkte Verletzung bei einem Unfall. Frakturen können "unverschoben" sein, aber auch deutliche Fehlstellungen aufweisen. Ist ein gelenkbildender Teil des Knochens in den Bruch miteinbezogen, spricht man von einem Gelenksbruch.

Was sind die Anzeichen eines Unterarmbruchs?

Auffällige Anzeichen für einen Unterarmbruch sind:

  • Schmerzen
  • Schwellung
  • möglicherweise eine sichtbare Fehlstellung
  • schmerzhafte Bewegung / deutliche Bewegungseinschränkung

In den meisten Fällen lässt sich der Arm nicht mehr benutzen. Bewegen sich die Bruchstücke, dann ist ein Knirschen im Bereich der Bruchstelle hör- und fühlbar. Nicht selten handelt es sich bei diesen Brüchen um sogenannte offene Brüche, die einer besonderen Behandlung bedürfen.

Als Erste-Hilfe-Maßnahme sollte der Bruch mit einer Schiene ruhiggestellt und zusätzlich Eis angelegt werden; ein Schmerzmittel kann verabreicht werden. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, dass die Schmerzen tolerabel sind und die Schwellung im Griff gehalten werden kann. Im Falle einer offenen Fraktur sollte die offene Wunde mit einer speziellen Schutzfolie verklebt und frühzeitig ein Antibiotikum verabreicht werden.

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Wie wird eine Unterarmfraktur diagnostiziert?

Ein Bruch lässt sich in den meisten Fällen durch eine Röntgenuntersuchung – vor allem, wenn die Frakturen nicht unverschoben sind – diagnostizieren. Es werden stets mindestens zwei Aufnahmen aus unterschiedlichen Richtungen angefertigt, um den Bruch hinsichtlich der Fehlstellung, der Anzahl der Fragmente und einer möglichen Gelenkbeteiligung sicher einordnen zu können. Sind immer noch keine sicheren Zeichen einer frischen knöchernen Verletzung im Röntgen zu sehen, können sogenannte Drehaufnahmen helfen, die Fraktur darzustellen. Weitere Untersuchungen wie Computertomografie (CT) oder Kernspintomografie (MRT) sind nur in Ausnahmefällen nötig.

Wie wird ein Unterarmbruch behandelt?

Die Therapie richtet sich nach der Lokalisation und dem Schweregrad des Unterarmbruchs sowie der Weichteilsituation und der Knochenqualität.

  • Brüche im Schaftbereich des Unterarms werden bei Erwachsenen in der Regel immer operiert, Brüche am Handgelenk nur bei starker Verschiebung. Bei dem Eingriff werden beide Knochen über zwei etwa 15 cm lange Hautschnitte eingerichtet (reponiert) und mittels Platten und Schrauben fixiert. Eine Gipsbehandlung ist in diesen Fällen manchmal nur kurzzeitig notwendig.
  • Körperferne Unterarmbrüche können oft konservativ behandelt werden. Dabei wird der Bruch eingerichtet und mit einem Gipsverband über mehrere Wochen ruhiggestellt, bis die Bruchstelle verheilt ist.
  • Weisen die Handgelenksbrüche mehrere Gelenksfrakturanteile auf, zeigen sie eine deutliche Dislokation oder ist ein deutliches Repositionshindernis zu sehen, ist eine operative Therapie in den meisten Fällen unumgänglich. In der Regel wird hierbei beugeseitig am Handgelenk, nachdem die Fraktur eingerichtet wurde, eine anatomische Speichenplatte angelegt. Zusätzlich können Bohrdrähte verwendet werden. Bei schlechter Weichteilsituation kommt ein sogenannter Fixateur externe ("äußerer Spanner") zum Einsatz, der es erlaubt, mithilfe der über die Haut hinausstehenden langen Schrauben die Fraktur in einer guten Stellung zu halten.

Im körperfernen Unterarmbereich dauert die Knochenheilung 4–6 Wochen, im Schaftbereich 12–15 Wochen. Die Heilung lässt sich anhand von Röntgenaufnahmen verfolgen. Diese Bilder zeigen, ob sich der Bruch erneut verschoben hat (sekundäre Dislokation). In seltenen Fällen kann es zu Druckstellen im Gips, Durchblutungsstörungen und Nervenschädigungen kommen.

Bei Kindern findet sich häufig eine sogenannte Grünholzfraktur. Dies ist ein unvollständiger Biegungsbruch, bei dem die kräftige, elastische, den Knochen umhüllende Knochenhaut (Periost) erhalten bleibt und nur das Knochengewebe bricht. Bei dieser Verletzung reicht meist eine Ruhigstellung von 2–3 Wochen.

Nachdem der Bruch ausgeheilt ist, kann langsam wieder mit Sport begonnen werden. Krankengymnastik, insbesondere Ergotherapie, hilft dabei, die Beweglichkeit der Gelenke wiederherzustellen und die Unterarmmuskulatur zu trainieren.

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Prognose bei einem Unterarmbruch

Bei einem Unterarmbruch hängt die Prognose von der Lokalisation und dem Schweregrad des Bruches ab. Sind die Brüche nur gering verschoben und nur wenige Trümmer entstanden, erreicht man im Regelfall ein sehr gutes Ergebnis. Daneben ist die Anwendung einer korrekten Operationstechnik im Hinblick auf das Endresultat mitentscheidend. Auch bei schwereren Bruchformen ist das Langzeitergebnis – unter anderem durch kontinuierliche Übungsbehandlung – in der Regel gut.

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Autoren:
,
Medizinisches Review:
Priv.-Doz.Dr. Harald K. Widhalm
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. Julia Wild

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Engelhardt, Hintermann, Segesser: GOTS-Manual Sporttraumatologie

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie: Unterarmschaftfrakturen im Kindesalter. AWMF-Reg.Nr. 006/062; gültig bis 29.04.2021; https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/006-062l_S1_Unterarmschaftfraktur-2016-05-verlaengert.pdf

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie: Distale Radiusfraktur. AWMF-Reg.Nr. 012-15; gültig bis 09.02.2019; https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/012-015l_S2e_Distale_Radiusfraktur_2015-02-abgelaufen.pdf

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