Gesichtsneuralgie (Trigeminusneuralgie, Gesichtsschmerzen, Gesichtsnerventzündung)

Gesichtsnerv Schmerz
Typisch für eine Trigeminusneuralgie sind Schmerzen im Gesicht. (seb_ra / iStockphoto)

Die Trigeminusneuralgie ist eine chronische Schmerzerkrankung, die vom Gesichtsnerv ausgeht und sich durch plötzlich auftretende, stechende Schmerzen im Bereich der Stirn, der Wangen oder des Kinns äußert.

Kurzfassung:

  • Die Trigeminusneuralgie ist eine chronische Schmerzerkrankung, die vom Gesichtsnerv ausgeht.
  • Typische Beschwerden sind blitzartig auftretende, stechende Schmerzen im Bereich des Gesichts.
  • Die Behandlung erfolgt medikamentös, nur in seltenen Fällen ist eine Operation notwendig.

Eine Trigeminusneuralgie tritt meist im höheren Lebensalter (etwa ab 50 Jahren) auf, Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Insgesamt handelt es sich aber um eine seltene Erkrankung: Von 100.000 Personen sind rund 40 betroffen.

Was ist eine Trigeminusneuralgie?

Als Trigeminusneuralgie werden plötzlich auftretende, stechende, elektrisierende Schmerzen im Ausbreitungsgebiet des Gesichtsnervs bezeichnet. „Nervus trigeminus“ lautet dabei die medizinische Bezeichnung für den Gesichtsnerv, der Begriff „Neuralgie“ beschreibt allgemein starke Schmerzen im Versorgungsgebiet eines Nervs.

Der Gesichtsnerv verzweigt sich in drei Hauptäste und sorgt in der jeweiligen Region für die Gefühlswahrnehmung (Sensibilität) und die motorische Versorgung der Gesichts- und Kaumuskulatur.

  1. Nervus ophthalmicus: Stirn, Stirnhöhle, Nasenrücken und Auge
  2. Nervus maxillaris: Wange, Nasenflügel, Oberkiefer, Zähne
  3. Nervus mandibularis: Unterkiefer

Am häufigsten Strahlen die Schmerzen zum zweiten oder dritten Nervenast aus, deutlich seltener zum ersten.

Welche Symptome treten auf?

  • Anfallsartig auftretende, heftige, stechende Schmerzen im Gesicht
  • In der Regel ist der Bereich eines oder mehrerer Nervenäste einer Gesichtshälfte betroffen. Die Schmerzen dauern nur wenige Sekunden (bis zwei Minuten) an, treten aber wiederholt (bis zu 100 Mal pro Tag) auf.
  • Die Schmerzepisoden treten periodisch auf: Wochen und Monate ohne Beschwerden wechseln mit Phasen häufiger Schmerzattacken ab.
  • Die Schmerzen können spontan auftreten oder durch Reize wie Kauen, Sprechen, Schlucken, Rasieren oder einen Luftzug ausgelöst werden.
  • Manchmal gleichzeitig auftretende Muskelkrämpfe und Muskelzuckungen
  • Überempfindlichkeit bei Berührung
  • MS-Patienten: häufig jüngere Menschen, Schmerzen beidseitig

Welche Ursachen hat eine Trigeminusneuralgie?

Die Ursachen einer Trigeminusneuralgie können vielfältig sein und nicht immer ist es möglich, im individuellen Fall die genaue Ursache zu ergründen.

  • Klassische Trigeminusneuralgie

In den meisten Fällen liegt der Erkrankung eine Kompression (Einengung durch Druck) des Nervs durch ein Blutgefäß im Bereich des Austritts des Gesichtsnervs am Hirnstamm zugrunde.

  • Symptomatische Trigeminusneuralgie

In selteneren Fällen wird sie durch Entzündungen, Durchblutungsstörungen, Tumore oder Gefäßmissbildungen im Kopfbereich oder durch andere Erkrankungen wie Multiple Sklerose verursacht. Zahnherde sind weniger häufig als angenommen die Ursache für die Schmerzattacken.

  • Idiopathische Trigeminusneuralgie

Manchmal lässt sich gar keine organische Ursache feststellen, in diesem Fall spricht man von einer „idiopathischen Trigeminusneuralgie“.

Wie wird eine Trigeminusneuralgie diagnostiziert?

Erste Anlaufstelle bei Gesichtsschmerzen ist meist der Allgemeinmediziner. Aufgrund des typischen Krankheitsbildes wird dieser den Patienten zur weiteren Abklärung an einen Facharzt für Neurologie überweisen.

Bei Verdacht auf eine Trigeminusneuralgie werden folgende Untersuchungen durchgeführt:

  • Neurologische Untersuchung
  • MRT zum Ausschluss symptomatischer Ursachen, wie z.B. raumfordernder Prozesse (Tumore), Entmarkungsherde, Gefäßveränderungen
  • CT der Knochenstrukturen
  • Elektroneurografie: Ausmaß der Nervenschädigung kann festgestellt werden
  • Blutuntersuchung
  • Lumbalpunktion (Entnahme und Untersuchung der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit)

In unklaren Fällen kann auch eine HNO- und/oder zahnärztliche Untersuchung angezeigt sein.

Wie wird eine Trigeminusneuralgie behandelt?

Medikamente

Allgemein ist die Behandlung mit einem einzelnen Medikament anzustreben. In manchen Fällen kann aber auch eine Kombination von Medikamenten notwendig sein. Nur wenn durch die Medikamente keine ausreichende Kontrolle der Symptome erreicht werden kann oder Nebenwirkungen auftreten, die eine medikamentöse Behandlung unmöglich machen, und wenn die Ursache anderen Verfahren wie einer Operation oder strahlentherapeutischen Maßnahmen zugänglich ist, kommen diese zur Anwendung.

Die Medikamente werden als sogenannte Prophylaxe eingesetzt mit dem Ziel, die Häufigkeit (Frequenz) wie auch die Stärke (Intensität) der Attacken zu mildern.

  • Antiepileptika

Mit sogenannten Antikonvulsiva (Arzneimittel zur Behandlung epileptischer Erkrankungen) kann in der Regel ein guter Erfolg erzielt werden. Sie können Schmerzanfällen vorbeugen, da sie auf die Erregbarkeit und Leistungsfähigkeit schmerzempfindlicher Nervenbahnen einwirken und diese dämpfen. Besonders bewährt haben sich die Wirkstoffe Carbamazepin und Oxcarbazepin. Es kommen jedoch auch zahlreiche weitere Antikonvulsiva zur Anwendung.

In der Regel wird mit einer geringen Dosis begonnen, diese kann aber bei Bedarf gesteigert werden. Die wirksame Dosierung ist individuell sehr unterschiedlich.

Besteht die Notwendigkeit des raschen Handelns, steht das Antikonvulsivum Phenytoin in Form einer Infusion zur Verfügung.

  • Muskelrelaxanzien

Zusätzlich können muskelentspannende Wirkstoffe wie Baclofen verabreicht werden. In der Regel erfolgt die Anwendung in Kombination mit Antikonvulsiva.

Schmerzmittel sind für die Behandlung einer Trigeminusneuralgie nur bedingt geeignet, da die auftretenden Schmerzattacken meist sehr kurz sind und in der Regel bei Wirkungseintritt des Medikaments bereits wieder verschwunden sind.

Operation

Ist durch die medikamentöse Behandlung keine ausreichende Schmerzlinderung zu erreichen, ist eine chirurgische Behandlung anzudenken.

  • Mikrovaskuläre Dekompression

Die mikrovaskuläre Dekompression ist die Behandlung der Wahl bei einer klassischen Trigeminusneuralgie. Ziel ist, den unter Druck stehenden Nerv zu entlasten, indem das auf ihn drückende Gefäß so präpariert wird (durch Teflonpolster oder -schlinge), dass es vom Nerv dauerhaft ferngehalten wird. Bei über 90% aller Patienten kommt es nach der Operation zu einer deutlichen Besserung bis hin zu Schmerzfreiheit (hält bei 70% der Betroffene über zehn Jahre an).

  • Ganglionäre Opioidapplikation

Bei diesem Verfahren wird im Bereich des „Nervenknotens“ (Ganglion cervicale superius) mit einer Nadel ein Opioid eingebracht. Die Erfolgsrate liegt bei bis zu 80%. Vorteile dieser Behandlung liegen in der Wiederholbarkeit des Eingriffs und der Schonung des Nervs.

  • Glycerolinfiltration

Bei Patienten, bei denen die medikamentöse Therapie versagt hat und/oder bei Patienten mit einem erhöhten Operations- oder Narkoserisiko kann die sogenannte Glycerolinfiltration versucht werden. Sie kommt ebenso bei symptomatischer Trigeminusneuralgie – wie etwa bei MS-Patienten – infrage. Dabei wird der Nerv in Lokalanästhesie durch die Wange punktiert und mit Glycerol infiltriert. Die Schmerzfasern des Nervs werden dadurch gezielt zerstört, die sensiblen Fasern hingegen geschont. Die Erfolgsrate liegt bei 70–90%.

Weitere Verfahren sind eine hitzebasierte oder eine mechanische Ausschaltung des Nervs. Die Erfolgsquoten gleichen hierbei jenen der Glycerolinfiltration.

Radiochirurgische Behandlung

Bei der radiochirurgischen Behandlung wird ein Teilbereich des betroffenen Nervenasts gezielt bestrahlt und dadurch zerstört. Die Behandlung erfolgt in einer einmaligen Sitzung. Anwendung findet diese Methode bei der klassischen oder der symptomatischen – z.B. bei Multipler Sklerose – Trigeminusneuralgie. Die Erfolgsrate liegt bei bis zu 75%. Im Unterschied zu den anderen Methoden ist zwischen Behandlung und Wirkungseintritt eine Zeitspanne von Wochen bis zu zwei Monaten zu erwarten.

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Autoren:

Medizinisches Review:
Dr. Sebastian Eppinger
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. Julia Wild

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie: Trigeminusneuralgie; https://www.dgnc.de/gesellschaft/fuer-patienten/trigeminusneuralgie/ (letzter Zugriff am 15.11.2019)

Neurologen und Psychiater im Netz: Was ist eine Trigeminusneuralgie?; https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/neurologie/erkrankungen/trigeminusneuralgie-gesichtsschmerzen/was-ist-eine-trigeminusneuralgie/ (letzter Zugriff am 15.11.2019)

Universitätsspital Bern: Trigeminusneuralgie; http://www.neurochirurgie.insel.ch/spezialgebiete-erkrankungen/neurochirurgische-erkrankungen/schmerztherapie/trigeminusneuralgie/ (letzter Zugriff am 15.11.2019)
 

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