Tränengangstenose (KDS)

Bei Kindern sind Tränengangstenosen meist angeboren. (RusN / iStock)

Als Dakryostenose wird eine ein- oder beidseitige Verengung des Tränen-Nasen-Ganges bezeichnet. Die Störung des Tränenabflusses kann erworben oder angeboren sein.

Während Tränengangstenosen im Erwachsenenalter meist durch Entzündungen oder Verletzungen der Tränenwege verursacht werden, sind sie bei Kindern vorwiegend das Ergebnis eines unvollständig entwickelten Tränen-Nasen-Ganges. 5–7% aller Neugeborenen sind von einer solchen angeborenen (konnatalen) Tränengangstenose betroffen.

Anatomie der Tränenwege

Die Tränenproduktion findet in der Tränendrüse statt. Sie liegt innerhalb der Augenhöhle auf Höhe des oberen, äußeren Lidrandes und sondert regelmäßig Tränenflüssigkeit ab. Der Lidschlag verteilt die Flüssigkeit gleichmäßig über die Hornhaut und sorgt so für eine stete Befeuchtung des Auges. Über die oberen und unteren Tränenpunkte im inneren Augenwinkel wird die Tränenflüssigkeit über die ableitenden Tränenkanäle schließlich in die Nase abgeleitet.

Symptome

  • Auge tränt immer (auch wenn das Kind nicht weint)
  • Überlaufen der Tränen, Tränen laufen über die Wange
  • Gelbliche Krusten auf der Lidhaut und im Lidwinkel (verklebte Augen) durch eingetrocknete Tränenflüssigkeit, Reizung der zarten Gesichtshaut
  • Schleimiger Ausfluss aus den Tränenpunkten bei Druck auf die Tränensackgegend
  • Bindehautentzündung durch sekundäre bakterielle Infektionen
  • Eindicken der Tränenflüssigkeit im Tränensack
  • Eitrige Entzündung im Tränensack durch bakterielle Infektionen

+++ Mehr zum Thema: Tränende Augen +++

Ursachen

  • Unvollständig entwickelter Tränen-Nasen-Gang

Die sogenannte „Hasner-Membran“ ist ein dünnes Häutchen, das den Übergang von den Tränenwegen zur Nase verschließt und sich in der Regel vor der Geburt oder spätestens wenige Tage danach zurückbildet. Bei 5–7% aller Neugeborenen unterbleibt diese Rückbildung, der Tränen-Nasen-Gang bleibt nach der Geburt verschlossen oder stark verengt. Dadurch können die Tränen nicht über die Nase abfließen und stauen sich zurück.

Diagnose

Nach einer gründlichen Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) erfolgt eine augenärztliche und/oder HNO-ärztliche Untersuchung. Zur weiteren Abklärung eignen sich Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen. Im Röntgen können die Abflussverhältnisse im Tränen-Nasen-Gang durch Einbringung einer Tränengangspülung mit Kontrastmittel sichtbar gemacht werden.

Therapie

Die Therapie richtet sich nach den Beschwerden und der Lokalisation des Verschlusses sowie nach dem Alter des Patienten. Vor allem bei Säuglingen muss die Therapie so schonend wie möglich erfolgen, da bereits geringste Verletzungen zu Vernarbungen im Bereich des Tränen-Nasen-Ganges führen können. Die Behandlungsmöglichkeiten folgen einem therapeutischen Stufenkonzept:

Konservative Therapie

  • Tränensackmassage

Da sich bei Kindern der Tränengang im Laufe der ersten Lebenswochen noch spontan öffnen kann, empfehlen Experten, vorerst zuzuwarten. In manchen Fällen kann eine Tränensackmassage zum Erfolg führen. Dafür wird die Tränensackgegend mit Streichbewegungen vom inneren Lidwinkel zur Nase hin mit den Fingerkuppen massiert. Durch sanften Druck auf den Tränensack soll mithilfe der gestauten Flüssigkeit versucht werden, den häutigen Verschluss zu „sprengen“. Im Idealfall wird diese Massage viermal täglich durchgeführt. Sobald der Tränen-Nasen-Gang durchgängig ist, erfolgt eine Behandlung mit adstringierenden Nasen- und Augentropfen. Sie wirken abschwellend und vermindern die Freisetzung von Schleimhautsekret im Tränengang.

  • Antibiotische Augentropfen

Bei akuten Infektionen des betroffenen Gebietes helfen antibiotische Augentropfen.

Interventionelle Therapie (gezielte Eingriffe am Gewebe)

  • Spülung der Tränenwege

Öffnet sich der Verschluss nicht von selbst oder durch Massage des Tränensackes, ist eine Spülung der ableitenden Tränenwege angezeigt. Durch den entstehenden Überdruck im Tränen-Nasen-Gang wird der häutige Verschluss eröffnet. Diese Form der Therapie dauert nur wenige Minuten und kann meist in Lokalanästhesie erfolgen; eine Allgemeinnarkose ist nur in seltenen Fällen notwendig. Eine Überdruckspülung führt in bis zu 90% der Fälle zum Erfolg.

  • Sondierung der Tränenwege

Entsteht immer noch keine Durchgängigkeit, wird versucht, mit einer kleinen Sonde den Tränengang zu öffnen. Gelegentlich ist auch das Einlegen eines Plastikröhrchens oder eines Fadens erforderlich.

  • Dakryozystorhinostomie erst bei Versagen dieser Maßnahmen (Operation nach Toti)

Eine chirurgische Behandlung wird erst nach Versagen aller anderen therapeutischen Maßnahmen durchgeführt. Bei der sogenannten Dakryozystorhinostomie (Dakryorhinostomie) wird ein Umweg (Bypass) vom Tränensack zur Nase geschaffen, durch den die Tränenflüssigkeit ablaufen kann.

Bei Erwachsenen ist die operative Behandlung oft der einzige Weg, langjährige Abflusshindernisse erfolgreich und dauerhaft zu beseitigen. Bei Kindern ist sie nur in Ausnahmefällen notwendig.

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Autoren:

Medizinisches Review:
Dr. Gabriela Valerie Seher
Redaktionelle Bearbeitung:
Nicole Kolisch

Stand der Information: September 2017

Quellen

Webseite des Klinikums rechts der Isar, Technische Universität München: Tränenwege; http://www.augenklinik.med.tum.de/node/222 (letzter Zugriff 26.09.2017)

Heichel J, Bredehorn-Mayr T, Struck HG: HNO 2016; 64(6):367-75; https://link.springer.com/article/10.1007/s00106-016-0124-z (letzter Zugriff 26.09.2017)

Endspurt Klinik: HNO, Augenheilkunde – Skript 12; https://books.google.at/books?id=bRGGAQAAQBAJ&pg=PA90&lpg=PA90&dq=dakryostenose+neonatorum&source=bl&ots=m-WuOHOtAM&sig=bAeB9xw4HqKqedEzLoWvxEa_dPE&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwi2puHj2ZLVAhWEPhQKHY5CAj44ChDoAQglMAE#v=onepage&q=dakryostenose%20neonatorum&f=false (letzter Zugriff 26.09.2017)

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