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Struma (Kropf, Schilddrüsenvergrößerung)

Knoten im Hals, Kropf, Struma, Symptome
Oft verursacht eine Struma bzw. ein Kropf keine oder nur geringe Beschwerden. (skynesher / iStockphoto)

Bei einer Struma – auch Kropf genannt – handelt es sich um eine Vergrößerung der Schilddrüse bzw. um eine Schilddrüsenschwellung. Diese wächst entweder diffus (gleichmäßig verteilt) oder als Knoten an der Schilddrüse.

Kurzfassung:

  •  Ein Kropf bzw. eine Struma ist eine Vergrößerung der Schilddrüse bzw. eine Schilddrüsenschwellung.
  • Der Kropf gehört zu den häufigsten Erkrankungen der Schilddrüse.
  • Je nachdem, wie stark die Schilddrüse vergrößert ist, wird die Struma in unterschiedliche Strumagrade eingeteilt.
  • Der ernährungsbedingte Jodmangel ist die mengenmäßig häufigste Ursache für das Entstehen eines Kropfes, kann aber auch andere Ursachen haben.
  • Bei einem Kropf können an der entsprechenden Stelle am Hals Symptome auftreten wie Engegefühl im Hals, Atemnot, Heiserkeit oder Schluckbeschwerden.
  • Zur Behandlung einer Struma stehen unterschiedliche Therapieformen zur Verfügung. Dazu gehören: Medikamente, Radiojodtherapie, Operation. 

Die Struma gehört zu den häufigsten Erkrankungen der Schilddrüse. Die Schilddrüsenfunktion ist bei Auftreten einer Struma in den meisten Fällen normal (sog. euthyreotes Knotenstruma). Die Kombination eines Kropfes mit einer Schilddrüsenunterfunktion oder -überfunktion ist jedoch möglich.

+++ Mehr zum Thema: Schilddrüsenunterfunktion +++

Je nachdem, wie stark die Schilddrüse vergrößert ist, wird die Struma laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) in unterschiedliche Strumagrade eingeteilt:

Grad

Eigenschaften

Grad 0

  • nur im Ultraschall feststellbar

Grad 1

  • tastbare Schilddrüsenvergrößerung

Grad 1a

  • tastbare Vergrößerung, bei Rückwärtsneigung des Kopfes jedoch nicht sichtbar

Grad 1b

  • tastbare Vergrößerung, bei Rückwärtsneigung des Kopfes sichtbar

Grad 2

  • tastbare Vergrößerung, bei normaler Kopfhaltung sichtbar

Grad 3

  • tastbare und stark sichtbare Vergrößerung der Schilddrüse mit lokalen Komplikationen (z.B. Einschränkung der Atmung)

Meist wächst eine Struma am Hals, sie kann allerdings auch hinter dem Brustbein im Brustkorb (retrosternale Struma), hinter der Luftröhre oder unter der Zunge auftreten, wodurch sie nicht immer sichtbar ist. Je nachdem, ob eine Struma in Kombination mit Knoten oder anderen Gewebsveränderungen einhergeht, wird sie in eine Struma diffusa oder Struma nodosa unterschieden.

Welche Formen der euthyreoten Struma gibt es?

Struma diffusa (diffuse Schilddrüsenvergrößerung)

Bei einer Struma diffusa bzw. einer diffusen Schilddrüsenvergrößerung ist die gesamte Schilddrüse gleichmäßig betroffen. Es kommt jedoch zu keiner zusätzlichen Knotenbildung an der Schilddrüse. Das Schilddrüsenvolumen, das mittels Ultraschall gemessen werden kann, beträgt bei erwachsenen Männern mehr als 25 ml und bei erwachsenen Frauen mehr als 18 ml.

Struma diffusa
Szintigramm einer diffus vergrößerten Schilddrüse ()

Struma nodosa (Schilddrüsenknoten)

Diese Form der Schilddrüsenvergrößerung tritt vor allem bei älteren Menschen auf. Einzelne oder mehrere in der Schilddrüse gelegene Knoten sind tastbar oder bei entsprechender Größe auch sichtbar. In den meisten Fällen treten bei einer Struma nodosa mehrere Knoten nebeneinander auf. Es kann jedoch auch vorkommen, dass nur ein einzelner Knoten (Struma uninodosa) vorliegt oder die gesamte Schilddrüse mit Knoten übersät ist (Struma multinodosa).

  • Bei sogenannten "heißen Knoten" werden vermehrt Schilddrüsenhormone ausgeschüttet. Es kommt häufig zu einer Schilddrüsenüberfunktion.
  • In "warmen Knoten" werden ungefähr gleich viele Hormone produziert wie im restlichen Schilddrüsengewebe.
  • In "kalten Knoten" (z.B. Zysten) wird nahezu kein Schilddrüsenhormon produziert.

Außerdem wird die Struma unterschieden nach:

Lage

  • Eutope Struma: normale anatomische Lage
  • Dystope Struma: Struma im Brustkorb (retrosternal), hinter der Luftröhre oder unter der Zunge

Funktion

  • Euthyreote Struma: normale Schilddrüsenhormonwerte
  • Hypothyreote Struma: bei Schilddrüsenunterfunktion
  • Hyperthyreote oder toxische Struma: bei Schilddrüsenüberfunktion

Auftreten

  • Endemische Struma: wenn mehr als 10% der Bevölkerung betroffen sind
  • Sporadische Struma: sonstig auftretende Struma

Klassifikation von Tumoren (Dignität)

  • Struma maligna: Struma mit bösartigem Tumor (v.a. Schilddrüsenkarzinom)
  • Blande Struma: nicht entzündliche, gutartige Schilddrüsenvergrößerung bei normaler (euthyreoter) Stoffwechsellage der Schilddrüse

Eine Struma, die nach Therapie erneut auftritt, wird Rezidivstruma genannt.

Ursachen der Struma 

Die Struma zählt zu den häufigsten Erkrankungen der Schilddrüse weltweit. Der ernährungsbedingte Jodmangel ist dabei die mengenmäßig häufigste Ursache für das Entstehen eines Kropfes (ca. 90% der Fälle). Dabei versucht der Körper, den Jodmangel und die dadurch entstehende hormonelle Unterversorgung durch eine Vermehrung der hormonproduzierenden Schilddrüsenzellen auszugleichen. In weiterer Folge kommt es zu einem Zellwachstum in der Schilddrüse und so zu deren Vergrößerung.

Wenn in Jodmangelgebieten die Kropfhäufigkeit 10% der Gesamtbevölkerung übersteigt, spricht man, wie bereits erwähnt, von einer sogenannten endemischen Struma. Da jedoch in Österreich seit den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts eine obligatorische Jodprophylaxe durch Jodierung des Speisesalzes durchgeführt wird, sind Jodmangelstrumen heute eine Seltenheit.

Andere Gründe für ein Kropfwachstum sind:

  • sehr selten vorkommende Schilddrüsenhormonsynthesestörungen
  • Behandlung mit kropfbildenden Substanzen, die mit der Schilddrüsenhormonbildung in Wechselwirkung treten (z.B. Thyreostatika)
  • bösartiges Wachstum (z.B. Schilddrüsenkrebs)

​​+++ Mehr zum Thema: Schilddrüsenkrebs +++

Welche Symptome können bei einem Kropf auftreten?

Eine geringe Vergrößerung der Schilddrüse verursacht häufig keine oder nur wenig Beschwerden. Es können jedoch an der entsprechenden Stelle am Hals Symptome auftreten wie:

Besteht zusätzlich noch eine Schilddrüsenfunktionsstörung, dann können auch die Beschwerden einer Unterfunktion (Hypothyreose) oder einer Überfunktion (Hyperthyreose) auftreten.

Was kann man selbst tun?

Um die Entstehung eines Kropfes zu verhindern, ist es wichtig, darauf zu achten, dass mit der Nahrung ausreichend Jod aufgenommen wird. Verwenden Sie daher jodiertes Speisesalz mit einer Jodzugabe von 20 mg Kaliumjodid pro Kilogramm Speisesalz. In Lebensabschnitten mit erhöhtem Jodbedarf – wie etwa Schwangerschaft oder Stillzeit – sollten Sie zusätzlich regelmäßig Gerichte mit vermehrtem Jodgehalt, wie etwa Meeresfisch oder jodhaltiges Mineralwasser, zu sich nehmen.

+++ Mehr zum Thema: Richtig essen in der Schwangerschaft +++

Haben Sie einen Knoten am Hals entdeckt oder treten bei Ihnen die oben beschriebenen Beschwerden auf, sollten Sie möglichst rasch Ihren Arzt aufsuchen. Vor allem ältere Menschen sollten sich außerdem regelmäßig von ihrem Arzt untersuchen lassen, um eine beginnende Struma frühzeitig erkennen und behandeln zu können.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Struma kalter Knoten
Szintigramm : kalterKnoten im linken Schilddrüsenlappen (Kreis) ()
Kropf heißer Knoten
Szintigramm : heißer Knoten im linken Schilddrüsenlappen (Kreis) ()

Zur Abklärung eines Kropfes werden zunächst eine körperliche Untersuchung (u.a. Abtasten der Schilddrüse) und eine Blutabnahme zur Schilddrüsenfunktionsbestimmung (Messung der Schilddrüsenhormone und Autoantikörper T3, T4, TSH, TRAK, Tg-AK, TPO-AK) durchgeführt. Bei Auftreten von Knoten oder Verdacht auf ein Schilddrüsenkarzinom werden außerdem eine Szintigrafie (bildgebendes nuklearmedizinisches Untersuchungsverfahren) und eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse vorgenommen. Bei der Szintigrafie kann festgestellt werden, ob es sich um einen "heißen Knoten" mit vermehrter oder um einen "kalten Knoten" mit fehlender Hormonproduktion handelt.

Nach Vorliegen dieser Ergebnisse kann entschieden werden, ob zusätzlich eine Punktion (Gewebsentnahme durch Einstich mit einer Hohlnadel) des Knotens erforderlich ist. Durch Verwenden einer ganz dünnen Nadel ist diese Untersuchung kaum schmerzhaft und etwa mit einer Blutabnahme vergleichbar. Die auf diese Weise erhaltenen Zellen werden unter dem Mikroskop untersucht und beurteilt. So kann in den meisten Fällen eine Unterscheidung zwischen harmlosen (gutartigen) und möglicherweise bösartigen Knoten getroffen werden. In manchen Fällen, etwa bei einem Strumawachstum bis in den Brustkorb, ist zur genauen Diagnose meist eine Computertomografie (CT) oder eine Kernspintomografie (MRT) notwendig.

Wie kann ein Struma behandelt werden?

Grundsätzlich stehen zur Behandlung einer Struma folgende Therapieformen zur Verfügung:

  • Medikamente (Schilddrüsenhormone und/oder Jod)
  • Radiojodtherapie (örtliche Bestrahlung der Schilddrüse durch radioaktive Jodmoleküle)
  • Operation (v.a. bei Verdacht auf bösartige Gewebsveränderungen)

Welche dieser drei Therapieformen die beste ist, muss bei jedem Patienten individuell nach Vorliegen aller Untersuchungsergebnisse entschieden werden.

Besteht der Verdacht auf bösartige Veränderungen oder ist der Kropf so groß, dass die Luftröhre eingeengt wird bzw. der Blutrückfluss zum Herzen behindert ist, muss die Struma operiert werden. Nach der Operation ist es meist erforderlich, Schilddrüsenhormonpräparate einzunehmen, um die Gefahr eines neuerlichen Strumawachstums zu minimieren.

Bei normaler oder erniedrigter Schilddrüsenfunktion und fehlenden Hinweisen auf Krebswachstum kann eine medikamentöse Therapie mit Schilddrüsenhormonen eingeleitet werden.

Eine zusätzlich vorliegende Schilddrüsenüberfunktion wird je nach Notwendigkeit mittels Thyreostatika, Radiojodtherapie oder Operation therapiert.

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Autoren:
Dr. Wolfgang Buchinger,
Medizinisches Review:
Prim. Univ.Doz. Prof. Dr. Alois Kroiss
Redaktionelle Bearbeitung:

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Bilder: © Schilddrüsenambulanz, Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Graz-Eggenberg

AWMF-Leitlinie "Operative Therapie benigner Schilddrüsenerkrankungen" (gültig bis Oktober 2020); https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/088-007l_S2k_operative_Therapie_benigner_Schilddr%C3%BCsenerkrankungen_2015-10-verlaengert.pdf

Hotze LA, Schumm-Draeger PM: Schilddrüsenkrankheiten – Diagnose und Therapie. BMV, Berlin 2003

Braun J et al.: Basislehrbuch Innere Medizin,. Urban & Fischer, 6. Auflage, 2017

Kuwert T: Schilddrüse. In: Kuwert T, Grünwald F, Haberkorn U, Krause T (Hrsg.): Nuklearmedizin. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2008

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