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Staphylokokken-Infektionen

Staphylokokken
Bei der Behandlung von Staphylokokkeninfektionen kommen Antibiotika zum Einsatz – Mittel der Wahl ist Penicillin. (iLexx / iStockphoto)

Staphylokokken sind kugelförmige Bakterien, die zur Normalflora von Haut und Schleimhäuten beim Menschen zählen. Es gibt jedoch auch bestimmte Staphylokokkenarten, die in der Lage sind, Infektionen auszulösen. Am häufigsten sind Staphylokokken für eitrige Hautinfektionen und Lebensmittelvergiftungen verantwortlich.

Kurzfassung:

  • Staphylokokken sind Bakterien.
  • Manche Arten können Infektionen auslösen.
  • Am bekanntesten sind Staphylococcus aureus und Staphylococcus epidermidis.
  • Die Behandlung von Staphylokokkeninfektionen kann sich schwierig gestalten, weil viele dieser Bakterien eine Resistenz gegen Antibiotika entwickelt haben (MRSA, MRSE).

 


Was sind Staphylokokken?

Staphylokokken sind unbewegliche, kugelförmige Bakterien, von denen bislang etwa 40 unterschiedliche Arten bekannt sind. Die meisten von ihnen sind harmlos (fakultativ pathogen), einige Arten jedoch können unter Umständen schwerwiegende Infektionen verursachen. Wenn das Immunsystem schwach ist (bei sehr jungen, sehr alten, geschwächten oder chronisch kranken Personen) können sich die Bakterien rasant vermehren und den Körper schädigen.

Staphylokokken wachsen am besten bei Temperaturen zwischen 30 und 37 °C. Sie sind sehr robust gegen Umwelteinflüsse und können lange auf verschiedenen Oberflächen überleben. Bei der Zubereitung von Lebensmitteln sterben die Erreger zwar ab, die von ihnen gebildeten hitzestabilen Giftstoffe (Enterotoxine) können aber die Kochtemperaturen überstehen und eine Lebensmittelvergiftung verursachen.

Da die Krankheitserreger äußerst robust sind, ist es schwer, sie unschädlich zu machen. Sie entwickeln zudem äußerst schnell eine Resistenz gegen Antibiotika, indem sie ihre genetische Struktur verändern und damit ihr Überleben sichern.

+++ Mehr zum Thema: Antibiotikaresistenz +++

Häufige Staphylokokkenarten

Zu den bekanntesten und am häufigsten vorkommenden Staphylokokkenarten zählen:

  • Staphylococcus epidermidis
  • Staphylococcus aureus

Staphylococcus epidermidis

Für gesunde Menschen ist Staphylococcus epidermidis normalerweise ungefährlich. Er ist häufig auf der menschlichen Haut zu finden und richtet in der Regel keinen Schaden an. Wenn die Haut verletzt ist, können die Bakterien aber in tiefere Hautschichten eindringen und Infektionen hervorrufen.

  • Hautinfektionen

Hierbei kommt es zu meist schwachen und lokal begrenzten Infektionen, bei denen die Bakterien nur die Haut um die Stelle infizieren, wo sie eingedrungen sind.

  • Invasive Infektionen

Die größte Gefahr des ansonsten eher harmlosen Bakteriums liegt in seiner Fähigkeit, künstliche, in den Körper eingebrachte Gegenstände wie Katheter, Drainagen, künstliche Herzklappen oder Gelenke zu besiedeln. Die daraus resultierende Infektion wird auch als „Fremdkörperinfektion“ bezeichnet und kann zum Teil lebensbedrohliche Folgen haben. Abwehrgeschwächte – und hospitalisierte – Personen sind hier besonders gefährdet.

+++ Mehr zum Thema: Krankenhauskeime +++

Staphylococcus aureus

Staphylococcus aureus besitzt potenziell krank machende Eigenschaften, jedoch längst nicht alle Personen, die mit Staphylokokken besiedelt sind, werden auch tatsächlich krank. Betroffene haben allerdings ein erhöhtes Risiko, eine Infektion zu entwickeln.

Staphylococcus aureus ist auch bei gesunden Menschen häufig auf der Haut zu finden: Das Bakterium kommt bei etwa 30% der gesunden Erwachsenen in der Nase und bei etwa 20% auf der Haut vor.

Manche Stämme von Staphylococcus aureus sind zudem in der Lage, Giftstoffe (Toxine) zu produzieren. Gelangen diese in den Organismus, können sie lebensbedrohliche Erkrankungen hervorrufen.

Zu den von S. aureus verursachten Krankheitsbildern zählen:

Wie erfolgt die Übertragung?

Alle durch Staphylokokken hervorgerufenen Hautinfektionen sind höchst ansteckend. Das Hauptreservoir für Staphylokokken ist der Mensch selbst. Vermehrte Besiedelung mit Staphylokokken wurde bei Personen, die im Gesundheitswesen arbeiten, Patienten mit großflächigen, infektiösen Hauterkrankungen, bei Diabetikern sowie Personen aus der Drogenszene festgestellt.

  • Die Übertragung erfolgt meist über Hautkontakt (v.a. über Hautwunden).
  • Indirekte Übertragung über Alltagsgegenstände oder medizinische Instrumente
  • Kontakt mit Nutztieren, die das Bakterium tragen (v.a. am Strichkanal bei Kühen)
  • Berühren und/oder Verzehren kontaminierter Lebensmittel

Bei Infektionen mit Staphylokokken beträgt die Zeitspanne bis zum Auftreten der ersten Symptome etwa 4–6 Tage. Manchmal dauert es aber auch Wochen, bis die Infektion „ausbricht“.

Bei Lebensmittelintoxikationen ist die Inkubationszeit hingegen viel kürzer: Die ersten Beschwerden treten meist innerhalb von 2–6 Stunden nach Aufnahme kontaminierter Lebensmittel auf. In den meisten Fällen ist die Erkrankung selbstlimitierend und heilt nach etwa 12 Stunden wieder aus.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Staphylokokkeninfektionen der Haut werden gewöhnlich aufgrund ihrer Erscheinungsform diagnostiziert. Über eine bakteriologische Untersuchung einer Tupferprobe der Haut können die Staphylokokken auch direkt nachgewiesen werden.

Bei systemischen Infektionen wird – um die Bakterien nachzuweisen – eine Kultur von Blut oder infizierten Körperflüssigkeiten angelegt.

Bei einer Lebensmittelvergiftung können die Staphylokokken selbst oftmals nicht sicher nachgewiesen werden. Stattdessen erfolgt der Nachweis der von den Staphylokokken gebildeten Giftstoffe (Enterotoxine).

Wie erfolgt die Therapie?

Bei der Behandlung von Staphylokokkeninfektionen kommen Antibiotika zum Einsatz – Mittel der Wahl ist Penicillin.

Manche Staphylokokken sind jedoch unempfindlich gegen bestimmte Antibiotika; sie sind in der Lage, einen Stoff zu bilden, der Penicillin unwirksam macht. In einem solchen Fall muss auf sogenannte Reserveantibiotika zurückgegriffen werden.

+++ Mehr zum Thema: Richtige Einnahme von Antibiotika +++

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Autoren:

Medizinisches Review:
Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Mohammad Manafi
Redaktionelle Bearbeitung:

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Bundesministerium für Gesundheit: Merkblatt Staphylokokkeninfektion, Stand 2012; https://www.verbrauchergesundheit.gv.at/tiere/zoonosen/Zoonose_74600_0201_2012_14_Merkblatt_Staphylokokkeninfektion.pdf?63xzp8 (letzter Zugriff am 26.11.2019)

Institut für Medizinische Mikrobiologie, Universität Zürich: Medizinische Mikrobiologie, Stand 2017; https://www.imm.uzh.ch/dam/jcr:00000000-2f28-6c82-ffff-ffffba346e14/Skript%20HS%202017.pdf (letzter Zugriff am 26.11.2019)

Robert-Koch-Institut: Staphylokokken-Erkrankungen, insbesondere Infektionen durch MRSA, Stand 05/2016; https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Staphylokokken_MRSA.html (letzter Zugriff am 26.11.2019)

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