Online-Sprechstunde: Schuppenflechte betrifft mehr als die Haut

Psoriasis (Schuppenflechte) als Systemerkrankung
Schuppenflechte ist keine reine Hauterkrankung, sondern kann den ganzen Körper betreffen. (PAULandLARA / iStockphoto)

Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine chronische, entzündliche Erkrankung der Haut und betrifft als Systemerkrankung teilweise auch andere Organe. Stellen Sie jetzt Ihre Fragen: Unser Experte antwortet. +++ Wichtig: Bitte beachten Sie, dass nur Fragen zum Thema Schuppenflechte beantwortet werden können. Fragen zu anderen Fachbereichen können leider nicht berücksichtigt werden! +++








Wenn Sie von Schuppenflechte betroffen sind oder betroffene Angehörige im Familien- oder Freundeskreis haben, verbinden Sie mit der Krankheit vor allem eines: entzündete, juckende und manchmal sehr schmerzhafte Hautstellen an Körper, Kopfhaut oder Fingernägel. Das ist unangenehm und man fühlt sich einfach nicht wohl in seiner Haut. 

Was die Medizin aber mittlerweile auch weiß, ist, dass Schuppenflechte – abhängig von der Schwere und der Dauer der Erkrankung – häufig mit Begleiterkrankungen auftreten kann. Dazu zählen etwa: 

Grund dafür ist, dass der Auslöser der Schuppenflechte eine andauernde Entzündungsreaktion im Körper ist, die eben nicht nur auf die Haut beschränkt bleibt, sondern sich auch andere "Angriffsflächen" suchen kann.

Die gute Nachricht: Wer darüber Bescheid weiß, dass sein Risiko für bestimmte Erkrankungen höher ist, wird gemeinsam mit seinem Hautarzt genauer auf typische Anzeichen achten. So kann frühzeitig mit der passenden Therapie begonnen und die Schuppenflechte sowie mögliche Begleiterkrankungen unter Kontrolle gebracht werden.

Nutzen Sie die Chance und stellen Sie unseren Psoriasis-Experten Ihre Frage(n)! 

+++ Wichtig: Bitte beachten Sie, dass nur Fragen zum Thema Psoriasis und Begleiterkrankungen beantwortet werden können. Fragen zu anderen Fachbereichen können leider nicht berücksichtigt werden! +++

Welche Altergruppe ist gefährdet?

Frage: „Erscheinen Begleiterkrankungen von Schuppenflechte nur bis zu einem bestimmten Alter oder können im Laufe des ganzen Lebens welche/neue hinzukommen? Hintereinander? Ich habe Angst, noch andere Gesundheitsprobleme zu bekommen.“

OÄ Dr. Martina Schütz-Bergmayr: Prinzipiell können Begleiterkrankungen in jedem Alter auftreten, mit zunehmendem Alter und längerer Dauer der Erkrankung  naturgemäß häufiger.

Daher ist es sehr wichtig, dass Ihr betreuender Psoriasis-Arzt Sie regelmäßig auf die häufigsten Begleiterkrankungen untersucht, bzw. regelmäßig eine Gesundenuntersuchung beim Hausarzt durchgeführt wird.

Kokosöl

Frage: „Ich leide seit Jahren an der Schuppenflechte auf der Kopfhaut. Mein Hautarzt hat mir schon mehrmals Kortison verschrieben, dadurch wurde es zeitweise besser und ging sogar ganz weg. Habe ich allerdings damit aufgehört, hat es wieder begonnen. Nun habe ich des Öfteren schon gehört, dass Kokosöl gut dafür sei – funktioniert das?“

OÄ Dr. Martina Schütz-Bergmayr: Kokosöl kann so wie jedes andere Öl im Bereich der Kopfhaut als Pflege verwendet werden. Olivenöl wird z.B. seit langer Zeit in der Behandlung der Psoriasis in Form einer Olivenölhaube, die Nachts aufgetragen wird, eingesetzt (oft werden hier aber noch schuppenlösende Substanzen wie Salizylsäure beigefügt). Es muss einem aber klar sein, dass Kokosöl so wie andere Öle nur eine Pflege ohne Wirkstoff darstellt. Die Kopfhaut kann sich darunter beruhigen und auch abschuppen, wodurch  eine Besserung der Schuppenflechte eintreten kann; allerdings kommt es zu keiner Entzündungshemmung. Manche Patienten empfinden Kokosöl als sehr angenehm, andere wiederum schwören auf Olivenöl oder andere Produkte. Am besten wird sein, wenn Sie es selbst einmal versuchen. Bei schweren Fällen von Psoriasis ist aber die ausschließliche Behandlung mit Kokosöl oder ähnlichem nicht ausreichend.

Bleierne Müdigkeit

Frage: Ich wurde vor kurzem mit Psoriasis Arthritis diagnostiziert und warte jetzt bis die Medikamente wirken. Neben den Schmerzen fühle ich mich immer so erschöpft – bei jeder Bewegung. Als hätte ich eine Grippe. Der ganze Körper tut weh und ich muss die ganze Zeit schlafen. Egal wie viel Schlaf ich bekomme, ich bin trotzdem immer müde. Ich bin froh, dass ich eine Diagnose habe, weil ich jetzt weiß, was los ist und nicht das Gefühl habe, ich werde verrückt. Aber diese bleierne Müdigkeit ist echt frustrierend. Bleibt das so? Kann ich da etwas dagegen tun?

OÄ Dr. Martina Schütz-Bergmayr: Es gibt immer wieder Patienten, die unter Erschöpfung und ausgeprägter Müdigkeit leiden. Insofern ist Ihr Zustand zwar vergleichsweise selten, aber nicht ungewöhnlich. Bei den meisten bessern sich die Symptome im Verlauf der Therapie, doch lässt sich nicht vorhersagen, wie lange diese Beschwerden anhalten werden. Falls sich die Beschwerden nicht bessern, sollten Sie das mit Ihrem betreuenden Arzt besprechen und eine weiterführende Abklärung wäre in diesem Fall sinnvoll. Wichtig ist auch herauszufinden, ob die Müdigkeit mit eventuellen Schlafstörungen in Zusammenhang steht. Hilfreich ist auf jeden Fall möglichst viel körperliche Aktivität an der frischen Luft soweit es Ihre Schmerzen zulassen.

Arthritis nach 35 Jahren Schuppenflechte?

Frage: Ich habe seit 35 Jahren Psoriasis, ziemlich mild, nur gelegentlich Schübe, aber auch die sind eher harmlos. Aber: In letzter Zeit habe ich Gelenkschmerzen, ein paar geschwollene Finger, eine geschwollene Zehe, auch Schmerzen im Kiefergelenk. Kann das Psoriasisarthritis sein? Ich habe keine Nagelbeteiligung und bei meinem Bluttest gab es keine Werte, die auf RA hinweisen. Könnte es trotzdem sein?

OÄ Dr. Martina Schütz-Bergmayr: So wie Sie die Beschwerden beschreiben, muss man auf jeden Fall eine Psoriasisarthritis in Betracht ziehen. Psoriasisarthritis kann zu jedem Zeitpunkt der Erkrankung auftreten. Eine Nagelbeteiligung muss nicht vorliegen. Es gibt bei der Psoriasisarthritis im Vergleich zum Rheuma keine Bluttests, die die Diagnose bestätigen, im Gegenteil: Es spricht für eine Psoriasisarthritis, dass die Blutbefunde normal sind. Ich würde Ihnen auf jeden Fall eine Abklärung beim Rheumatologen empfehlen.

Mandeloperation

Frage: Guten Tag! Ich leide seit 5 Jahren an Schuppenflechte, bislang hat nichts so richtig geholfen. Jetzt hat mein Arzt gemeint, ich soll mir die Mandeln rausnehmen lassen. Ist das sinnvoll? Wie kann das helfen? 

OÄ Dr. Martina Schütz-Bergmayr: Die Theorie dahinter ist, dass wiederholte Mandelentzündungen eine der Ursachen für die Entstehung der Psoriasis sind. Früher wurden sehr häufig die Mandeln bei Psoriasis-Patienten entfernt, heute macht man es nur mehr bei wiederholten Mandelentzündungen. Wenn das bei Ihnen der Fall ist, kann es durchaus sein, dass dies zur Verbesserung Ihrer Schuppenflechte führt und nicht mehr so häufig Psoriasis-Schübe auftreten.   


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Autoren:
OÄ Dr. Martina Schütz-Bergmayr
Redaktionelle Bearbeitung:
Nicole Kolisch, Mag. Julia Wild

Stand der Information: Januar 2018

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