Nachlese Sprechstunde: Akne inversa

Akne inversa kann auch bakterielle  Ursachen haben.
Bei Hidradenitis suppurativa kommt es zunächst zu einer Entzündung der Haarfollikel und ihrer Umgebung. (man_at_mouse / iStockphoto)

Hidradenitis suppurativa (HS), auch bekannt als Akne inversa, ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung. Unsere Expertinnen haben echte Patientenfragen zum Thema Psoriasis und Begleiterkrankungen beantwortet.

Kurzfassung:


Die gewöhnliche Akne (Akne vulgaris) und Acne inversa sind zwei unterschiedliche Krankheiten mit verschiedenen Ursachen und abweichendem Erscheinungsbild. Akne vulgaris tritt typischerweise während der Pubertät auf; die Hormonumstellung in dieser Lebensphase dürfte bei der Entstehung eine Rolle spielen. Bei Acne inversa (Acne Inversa, AI, oder auch Hidradenitis suppurativa genannt) entgleist das Immunsystem und es kommt zu einer Entzündung der Schweißdrüsen und Haarfolikel. Schmerzhafte, entzündliche (eitrige) Abszesse können dann die Folge sein. Erste Anzeichen einer Acne inversa zeigen sich zumeist erstmals im jungen Erwachsenenalter.

Wir haben Ihre Fragen von 1. April bis 31. September 2018 im Wochentakt gesammelt, unsere Expertinnen haben diese im Anschluss beantwortet.

Entzündung durch selbsteröffneten Abszess 

Frage: Ich habe zum zweiten Mal einen AI-Schub unter den Achseln. Ich konnte nicht anders und habe an einem der Abszesse herumgedrückt. Jetzt ist die Haut rundherum blau und stark geschwollen. Was soll ich machen?

Dr. Theresa Stockinger: Eine Manipulation an den Akne inversa Läsionen sollte unbedingt vermieden werden. Je nach Ausprägung und Beschwerden sollten Sie den Abszess einem Arzt zeigen. Er entscheidet, ob derzeit eine medikamentöse Therapie oder eine Eröffnung des Abszesses notwendig ist.

Prinzipiell eignet sich als Lokaltherapie bei beginnenden Abszessen eine Mischung aus einer Hälfte Zugsalbe und einer Hälfte desinfizierendem Povidon-Jod-Wundgel. Diese sollte zweimal täglich auf das entsprechende Areal aufgetragen und mit einem Pflaster versorgt werden. Eine Abszesseröffnung sollte nie selbst, sondern immer durch einen Arzt erfolgen.

Geruch aus dem Entzündungsherd

Frage: Guten Tag. Ich habe AI, leider schon lange und schwer, mit Fistelgängen unter der rechten Achsel. Mein Hauptproblem: Eine der Beulen sondert im Moment eine extrem riechende Flüssigkeit ab ( Ich überlege auch deshalb generell operieren zu gehen) Was kann ich gegen den Geruch tun und warum kommt der überhaupt? Ich habe das Gefühl das geht durch die Kleidung durch und andere merken es. Danke für Ihre Hilfe.

Dr. Theresa Stockinger: Der üble Geruch des Sekrets entsteht durch einer bakteriellen Besiedelung der Akne inversa Läsionen. Gegen die Besiedelung wirken z.B. eine zweimal tägliche Reinigung der Achseln mit desinfizierender Waschlotion oder desinfiziernden Lösungen, sowie eine Behandlung mit lokalen antibiotischen Cremes. Außerdem kann man saugende Kompression einlegen, die je nach Menge des Sekrets mehrmals am Tag gewechselt werden müssen. Bei starker Ausprägung der Akne inversa Veränderungen kommen in weiterer Folge auch eine Therapie mit Antibiotika, Biologika oder auch eine Operation in Frage. 

Hautpflege bei Akne inversa

Frage: Hallo. Ich bin AI-Patient und frage mich, ob ich überhaupt normale Hautpflegemittel (Duschgel etc.) verwenden sollte? Ist Naturkosmetik für mich besser oder sollte ich gar keine Seife o.Ä. verwenden?

Dr. Christine Messeritsch-Fanta: Grundsätzlich können Sie schon Produkte zur Reinigung verwenden, bei irritierter Haut werden sogenannte Syndets besser als herkömmliche Seife vertragen. Sie sind pH-neutral und beeinträchtigen nicht den physiologischen pH-Wert der Haut. Somit wird der vor Austrocknung und Keimen schützende Säureschutzmantel geschont.

Vor allem bei stark entzündlichen Schüben können auch medizinische antibakterielle Waschlösungen verwendet werden. Natürlich können Sie auch zertifizierte Naturkosmetikprodukte anwenden, allerdings sollte man im Auge behalten, dass auch diese Produkte manchmal Allergien und Hautreizungen verursachen können. In jedem Fall ist es wichtig, nach der Reinigung gut mit klarem Wasser nachzuspülen.

Pille und Akne inversa

Frage: Ich habe seit 3,5 Jahren AI und bisher immer nur mit Kondomen verhütet. Seit einem Monat nehme ich die Pille und habe gleich nach zwei Wochen einen Schub unter der rechten Achsel bekommen. Kann das mit der Hormonumstellung zusammenhängen?! Soll ich die Pille besser wieder absetzen oder was anderes nehmen?

Dr. Christine Messeritsch-Fanta: Der Einfluss hormoneller Faktoren bei der AI ist noch nicht eindeutig geklärt. Eine Verschlechterung durch die Pille zu Beginn der hormonellen Umstellung ist möglich, sollte aber vorübergehend sein. Bei manchen Patientinnen kann der Einsatz bestimmter Hormonpräparate aber sogar eine Verbesserung der AI bewirken. Allerdings ist nicht jede Pille in der Zusammensetzung gleich, daher sollten Sie  mit Ihrem Gynäkologen abklären, ob auch eine sogenannte antiandrogene Pille für Sie in Frage kommt. 

Alternative Heilmethoden?

Frage: Meine AI beschäftigt mich seit ich 23 (jetzt bin ich 36) bin, mal mit mehr, mal mit weniger Schüben. Eine OP unter der Achsel hatte ich schon, Medikamente waren bis jetzt nur mäßig erfolgreich. Gibt es etwas aus der Komplementärmedizin, das unterstützend helfen könnte? Ich suche zur Zeit nach jedem Strohhalm.

Dr. Christine Messeritsch-Fanta: Die alternative Medizin, darunter die Homöopathie und die TCM, bieten Therapien zur Akne inversa an. Es gibt immer wieder Patienten, die über sehr gute Erfahrungen mit diesen Therapien berichten. Allerdings sind dies Einzelberichte ohne Wirksamkeitsnachweis. Trotzdem sollte man diese Behandlungen nicht kategorisch ausschließen. Wichtig ist, sie als Ergänzung zu sehen und mögliche Grenzen zu erkennen.

Viele Patienten bemerken eine Verschlechterung der Akne inversa in Stresssituationen. In dieser Hinsicht kann auch ein Entspannungsverfahren zur Stressbewältigung (z.B. autogenes Training) hilfreich sein. 

Unsicher wegen Rasur

Frage: Ich habe vor kurzem die Diagnose Akne inversa erhalten und habe jetzt ein Problem: Meine Herde sind unter der Achsel und ich traue mich nicht zu rasieren. Wie kann ich meine Achselhaare entfernen, ohne die Infektion noch schlimmer zu machen?

Dr. Christine Messeritsch-Fanta: Gerade die Rasur stellt leider oft ein Problem dar, da sowohl Nass- als auch Trockenrasur zu winzigen Verletzungen der Haut führen, durch die Bakterien leichter eindringen können,  was die Entzündungen verschlechtert. Daher ist es ratsam, wenn möglich, auf das Rasieren zu verzichten.

Da bei der AI die Entzündung im Haarfollikel eine wesentliche Rolle spielt, haben Studien gezeigt, dass es bei manchen Patienten durch eine Laser-gestützte Enthaarung neben dem positiven Effekt, dass die Haare entfernt werden, auch zu einer Besserung der entzündlichen Beschwerden kommen kann. Ob eine Laser-Haarentfernung für Sie sinnvoll ist,  sollte vorab mit Ihrem behandelnden Dermatologen besprochen werden.

Krebs wegen Akne inversa?

Frage: Ich habe seit Jahren Akne inversa und habe nun erstmals davon gehört, dass dadurch das Krebsrisiko erhöht ist. Stimmt das? Und kann ich da etwas dagegen tun, um das Risiko zu senken?

Dr. Christine Messeritsch-Fanta: Es kann – wenn auch sehr selten vor allem bei bereits länger bestehender AI zum Auftreten eines Plattenepithelkarzinoms in den betroffenen Regionen kommen. Man nimmt an, dass die chronische Entzündung diese Entwicklung begünstigt. Die Karzinome treten vorwiegend im Analbereich, seltener im Genitalbereich auf. Leider werden sie oft aufgrund der bestehenden entzündlichen Veränderungen spät erkannt. Wenn man daher ungewöhnliche Wucherungen im Bereich der AI-Regionen bemerkt, sollte man seinen betreuenden Hautarzt aufsuchen, der dann gegebenenfalls eine Biopsie entnehmen wird.  Da Rauchen nicht nur als "Katalysator" der AI gesehen werden kann,  sondern auch ein wesentlicher Risikofaktor für bestimmte Krebsarten ist, kann der Verzicht auf das Rauchen Ihren Gesundheitszustand allgemein verbessern.

Manuka-Honig zur Wundheilung

Frage: Ich bin 33 (w) und leide seit 5 Jahren unter AI. In zwei Wochen soll ich nun operiert werden und zwar an der Leiste. Die Medikamente haben nämlich leider nichts gebracht- Jetzt habe ich gelesen, dass Manuka-Honig so toll für die Wundheilung sein soll. Stimmt das und kann ich den Honig tatsächlich einfach auf die Wunde auftragen? Irgendwie kann ich das nicht glauben. Vielen Dank!

Dr. Christine Messeritsch-Fanta: Honig kann die Heilung mancher Wunden unterstützen. Was exakt in Wunden passiert, die mit Honig behandelt werden, ist noch nicht eindeutig geklärt, er scheint aber die Wunde zu schützen, zu reinigen und die Wundheilung anzuregen. Honig enthält zudem Inhaltsstoffe, die gegen verschiedene Keime wirken.  Vor allem Manuka-Honig, ein Honig aus Neuseeland bzw. Australien, scheint eine besonders gute antibakterielle Wirkung zu haben.  Zur Wundbehandlung wird der Honig noch speziell medizinisch aufgearbeitet (sterilisiert und filtriert) und ist erst dann als Medizinprodukt für die Behandlung von Wunden zugelassen. Sprechen Sie aber noch vor Anwendung mit Ihrem behandelnden Arzt, ob der medizinische Honig für Ihre Wunden geeignet ist.


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Autoren:
Dr. Karin Jahn-Bassler, Leitende OÄ Dr. Nina S. Häring, Dr. med. Christine Messeritsch-Fanta,
Redaktionelle Bearbeitung:
Nicole Kolisch, Mag. Julia Wild

Stand der Information: Juli 2018

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