Nebenhöhlenentzündung (Nasennebenhöhlenentzündung, Entzündung der Nasennebenhöhlen, Chronischer Schnupfen, Sinusitis)

Sinusitis
Bei der Nebenhöhlenentzündung treten stechende Kopfschmerzen auf. (01-15-12 © Amanda Rohde / iStockphoto)

Kurzfassung:

  • Es wird zwischen der akuten und der chronischen Sinusitis unterschieden.
  • Typische Beschwerden einer Nebenhöhlenentzündung sind stechende Kopfschmerzen sowie Druckschmerz im Bereich der Nebenhöhlen.
  • Die Diagnose wird nach einer klinischen Untersuchung gestellt.
  • Zur Behandlung der Sinusitis stehen verschiedene Methoden zur Auswahl.

Die akute Form der Sinusitis tritt meist infolge einer Erkältung mit Schnupfen auf. Die Nasennebenhöhlen sind bei fast jedem Schnupfen mitbeteiligt. In 5–10% der Fälle kommt es auch zu einer bakteriellen Sinusitis.

Was ist eine akute Nebenhöhlenentzündung?

Die Nasennebenhöhlen sind luftgefüllte Räume im Schädel, die über schmale Gänge mit der Nase verbunden sind. Zu ihnen gehören die Kieferhöhle, die Siebbeinzellen, die Stirnhöhle und die Keilbeinhöhle. Die Kieferhöhle ist am häufigsten von einer akuten Sinusitis betroffen. Sind alle Nebenhöhlen betroffen, spricht man von einer Pansinusitis.

In den Nasennebenhöhlen werden Sekret und Schleim gebildet, die normalerweise über die Gänge zur Nase abfließen können. Sind die Gänge jedoch durch einen Schnupfen oder eine Schwellung anderer Ursache verschlossen, kann nichts mehr abfließen. Es besteht dann die Gefahr eines Sekretstaus durch die bakterielle oder virale Infektion in den Nebenhöhlen.

In 90% der Fälle ist die Sinusitis viral bedingt. Die auslösenden Viren sind meist Rhino- oder Influenza-Viren. Zu den bakteriellen Auslösern gehören Streptokokken, Haemophilus influenzae B, Chlamydien und Mykoplasmen. Oft ist die Sinusitis zuerst viral und erst im Verlauf der Erkrankung siedeln sich zusätzlich auch Bakterien an (bakterielle Superinfektion).

+++ Mehr zum Thema: Schnupfen +++

Was ist eine chronische Sinusitis?

Sobald die Nebenhöhlenentzündung länger als 12 Wochen andauert, bezeichnet man sie als chronisch, was sie gleichzeitig schwieriger zu behandeln macht.

++ Mehr zum Thema: Chronische Nebenhöhlenentzündung ++

Welche Symptome verursacht eine Nebenhöhlenentzündung?

  • Stechende Kopfschmerzen, vor allem beim Bücken 
  • Druckschmerz bzw. klopfende Schmerzen im Bereich der Nebenhöhlen 
  • Fieber
  • Zahnschmerzen oder Schmerzen beim Essen 
  • Verstopfte Nase 
  • Ansammlung von Sekret und Schleim im Nasen-Rachen-Raum
  • Vermindertes Geruchsempfinden
  • Abgeschlagenheit

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Zunächst erfolgt eine gründliche Befragung (Anamnese) durch den Hausarzt bzw. den HNO-Arzt. Daran schließt eine klinische Untersuchung mit einem Nasenendoskop (Gerät, um in die Nase hineinsehen zu können) an, bei der neben den typischen Beschwerden meistens schon Eiter in der Nasenhaupthöhle festgestellt wird.

Diese sogenannte Endoskopie ist nicht schmerzhaft, kann aber ein wenig unangenehm sein. Um das zu vermeiden, kann die Nasen-Innenwand zuvor mit einem lokalen Betäubungsmittel eingesprüht werden.

Zusätzlich können folgende Untersuchungen durchgeführt werden:

  • Computertomografie (CT)
  • Volumentomografie (wie CT, nur dreidimensional)
  • Ultraschall (bei Schwangeren und Kindern sowie zur Verlaufskontrolle)
  • Abstrich aus dem mittleren Nasengang, Punktion der Kieferhöhle, um die relevanten Keime zu bestimmen (sehr selten)

Wie wird eine Nebenhöhlenentzündung behandelt?

Zur Behandlung von Sinusitis stehen drei Therapiemöglichkeiten zur Verfügung:

  • nicht-medikamentös
  • medikamentös
  • chirurgisch

Nicht-medikamentöse Behandlung

Die Sinusitis heilt in bis zu zwei Drittel der Fälle spontan aus. Um die Spontanheilung zu unterstützen und die akuten Beschwerden zu lindern, können nicht-medikamentöse Anwendungen zum Einsatz kommen. Hierzu zählen Inhalationen, z.B. mit Kamillendampf – die feuchte Wärme löst Verschleimungen und regt die Durchblutung an –, und Kopflichtbäder, wie beispielsweise die Behandlung mit Infrarotlicht, dessen trockene Wärme ebenfalls zur Verbesserung der Durchblutung und zur Beschleunigung des Entzündungsablaufs beiträgt.

Medikamente

  • Schmerzmittel wie Paracetamol, Diclofenac oder Ibuprofen sind zur Behandlung akuter Schmerzen geeignet.
  • Abschwellende Medikamente wie Xylometazolin, Pseudoephedrin oder Phenylephrin in Form von Nasentropfen oder Nasensprays unterstützen den Sekretabfluss aus den Nasennebenhöhlen.
  • Bei schwereren entzündlichen Symptomen können Kortikosteroide (Kortison) wie Mometason oder Fluticason als Nasenspray angewendet werden.
  • Antihistaminika sind nur sinnvoll bei Allergikern mit Sinusitis.

Klingen die Beschwerden nach 10 bis 14 Tagen nicht ab, verstärken sie sich oder tritt hohes Fieber auf, könnte eine bakterielle Nebenhöhlenentzündung vorliegen. Diese sollte vom Arzt mit Antibiotika behandelt werden.

Chirurgische Behandlung

Führt die medikamentöse Behandlung über Monate hinweg nicht zum Erfolg, kann ein chirurgischer Eingriff helfen. Dabei werden Polypen (gutartige Wucherungen der Schleimhaut) entfernt und die Nasennebenhöhlen erweitert.

Welche Komplikationen können auftreten?

Bricht die Entzündung aufgrund unterbliebener oder falscher Behandlung durch den Knochen durch und wandert in Richtung Gehirn, schwellen die Ober- und Unterlider der Augen an. Diese Schwellungen sind mit starken Schmerzen verbunden. In weiterer Folge kann es zu einer Meningitis, Enzephalitis, Ansammlungen von Eiter in den Hirnhautregionen, Abszessen und Thrombosen der Kopfadern kommen. Weitere Komplikationen sind Sichteinschränkungen bis hin zu irreversibler Erblindung. 

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Univ.-Prof. Dr. Andreas Temmel
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag.(FH) Silvia Hecher, MSc, Dr. med. Stefanie Sperlich, Tanja Unterberger, Bakk. phil.

Stand der medizinischen Information:
Quellen

S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde: Rhinosinusitis; AWMF-Register-Nr. 017/049 und 053-012; Stand: 07.04.2017, gültig bist 06.04.2022 unter https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/017-049_und_053-012l_S2k_Rhinosinusitis_2017-12.pdf (letzter Zugriff: 26.02.2019)

Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Nasennebenhöhlenentzündung unter https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/hno/nasenerkrankungen/sinusitis (letzter Zugriff: 26.02.2019)

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