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Schnarchen (Rhonchopathie)

Schnarchen Ursachen Behandlung
(Ana Blazic Pavlovic-Fotolia.com)

Schnarchen stellt sowohl für die Betroffenen als auch für deren Partner oft eine große Belastung dar. Die mangelnde Schlafqualität bzw. das Schlafdefizit geht häufig mit einem hohen Leidensdruck für die Betroffenen einher und schränkt die Lebensqualität teilweise stark ein.

Kurzfassung:

  • Schnarchgeräusche können im gesamten Bereich des Rachens, selten auch im Kehlkopfbereich entstehen.
  • Die Lautstärke hält sich meist mit 17-26 Dezibel (entspricht dem Brummen eines Kühlschrankes) in Grenzen, wird ab 40 dB deutlich störend und kann Spitzen bis zu 90 dB (die Geräuschkulisse eines Lastkraftwagens) erreichen.
  • Schnarchen kann eigenständig oder als Symptom einer obstruktiven Schlafapnoe auftreten. Die obstruktive Schlafapone ist durch Atemstillstände während des Schlafes gekennzeichnet und wird zu den schlafmedizinischen Krankheiten gezählt.

Wie häufig ist Schnarchen?

Die Häufigkeit des Schnarchen ist alters- und geschlechtsabhängig: Am häufigsten sind Männer im mittleren bis höheren Lebensalter betroffen – Schätzungen zufolge 20-46%. Bei Frauen im entsprechenden Alter beläuft sich die Schätzung auf 8-25%, wobei Schnarchen bei Frauen gehäuft nach der Menopause auftritt.

Wie entsteht Schnarchen?

Das Schnarchen entsteht

  • einerseits durch Engstellen der oberen Atemwege, die etwa durch eine verkrümmte Nasenscheidewand, vergrößerte Rachen- oder Gaumenmandeln, Polypen bzw. Schnupfen oder Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) entstehen;
  • andererseits durch die Entspannung der Muskulatur im Rachenraum während des Schlafes.

Anatomisch findet sich bei „Schnarchern“ sehr häufig ein Schleimhautüberschuss im Bereich des weichen Gaumens oder Rachens, eine sehr große Zunge sowie Fetteinlagerungen im Unterhautfettgewebe.

Zu den Faktoren, die das Schnarchen begünstigen, zählen weiters:

  • Übergewicht
  • Alkohol und fettige Mahlzeiten vor dem Schlafengehen
  • Nikotin
  • Rückenlage beim Schlafen
  • Erschlaffung des Nasen-Rachen-Raumes
  • Schleimhautschwellungen durch Allergien
  • Bissfehlstellungen
  • Einnahme von Antihistaminika (antiallergisch wirksame Medikamente)
  • Einnahme von Tranquilizern/Hypnotika

Primäres (einfaches) Schnarchen

Beim einfachen Schnarchen bleibt der Luftstrom im Rachen bestehen: Rachen- und Gaumengewebe kollabieren nicht komplett, sondern vibrieren nur.

Von einfachem Schnarchen spricht man, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

  • atmungsabhängige, akustische Phänomene im Schlaf, meistens beim Einatmen
  • keine Schlafstörungen, die auf das Schnarchen zurückgeführt werden können
  • kein gleichzeitiges Auftreten von Atemstörungen

Apnoisches Schnarchen

Beim apnoischen Schnarchen entsteht im Gegensatz zum primären Schnarchen ein zeitweise kompletter Verschluss des Rachenraumes, sodass es zu einer Atempause kommt. Um ein Ersticken zu verhindern, führt die verminderte Sauerstoffzufuhr im Gehirn zu einer Weckreaktion (Arousal).

Diese Reaktion ist lebenswichtig, verursacht aber eine Schlafstörung. Der Patient ist somit oft unausgeschlafen und sowohl körperlich als auch psychisch erschöpft. Die Schlafapnoe kann durch die Sauerstoffunterversorgung auch Auswirkungen auf Herz und Hirn haben.

Wie wird Schnarchen diagnostiziert?

Zuerst sollte mit dem Arzt, der auf dem Gebiet der Schlafmedizin spezialisiert ist, ein ausführliches Gespräch geführt werden. Dabei werden häufig auch schlafmedizinische Fragebögen und ein Schlaftagebuch zu Hilfe gezogen, um eine möglichst objektive Diagnose zu gewährleisten.

Punkte, die dabei abgeklärt werden müssen:

  • zeitlicher Verlauf der Beschwerden
  • BMI (Body-Mass-Index)
  • Alkoholkonsum
  • Nikotinkonsum
  • Nasenatmungsbehinderungen (Symptom: morgendliche Mundtrockenheit)
  • allgemeine Atembeschwerden
  • Tagesmüdigkeit
  • Ein- und Durchschlafstörungen
  • Erfassung anderer Krankheiten, insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Lungenerkrankungen

Für die Entscheidungsfindung bei der Auswahl der Behandlung sowie zur Abschätzung operativer Risiken, falls ein chirurgischer Eingriff notwendig ist, wird zusätzlich eine klinische Untersuchung durchgeführt, die Folgendes beinhaltet:

  • eine endoskopische Untersuchung von Nase, Kehlkopf und Rachen
  • die Erfassung des Zahnstatus sowie eventueller Bissfehlstellungen

Wenn der Verdacht auf eine obstruktive Schlafapnoe besteht, müssen weitere Untersuchungen im Schlaflabor veranlasst werden.

Wie kann Schnarchen therapiert werden?

Bei manchen Menschen reicht eine Umstellung der Lebensgewohnheiten aus, um sich des Schnarchens zu entledigen. Dazu zählen regelmäßige Bewegung, die Vermeidung von Alkohol und schwerem Essen spätabends und ein ausreichendes Lüften vor dem Schlafengehen. Wer raucht und es schafft, sich von der Nikotinsucht zu befreien, wird zusätzlich oft auch das Schnarchen los.

Änderungen des Lebensstils

Eine der erfolgsträchtigsten Möglichkeiten, das Schnarchen zu reduzieren, ist eine Gewichtsabnahme. So bringt bereits die Reduktion des Körpergewichts um zehn Prozent bei der Hälfte aller Betroffenen eine deutliche Abnahme des Schnarchens. Weitere Lebensstilfaktoren, die das Schnarchen reduzieren oder zum Verschwinden bringen können, sind:

  • Vermeidung von abendlichem Alkoholkonsum
  • mit dem Rauchen aufhören
  • Vermeidung von Schlaf- und Beruhigungsmitteln

  • keine schweren Mahlzeiten vor dem Zubettgehen
  • Einhaltung eines regelmäßigen Schlaf- und Wachrhythmus
  • ausreichende Lüftung des Schlafraumes vor dem Zubettgehen

  • Vermeidung von Rückenlage
  • kühle Schlafzimmertemperatur
  • täglich mindestens 30 Minuten Bewegung

Apparative Verfahren

Unter apparativen Verfahren ist beim Schnarchen die Behandlung mit kleinen oder größeren Geräten zu verstehen, die die Luftzufuhr erhöhen.

Unterkieferprotrusionsschiene (Schnarchschiene)

Die Schnarchschiene bewirkt eine Erweiterung des Rachens und ist bei normalgewichtigen Personen mit ausreichendem Unterkiefervorschub und intaktem Zahnstatus für eine Besserung des Schnarchens einsetzbar. Zu empfehlen ist die Zusammenarbeit mit einem geschulten Zahnmediziner, da der Zahnstatus regelmäßig überprüft werden muss.

Schnarchspange (Velumount)

Die Schnarchspange ist ein Instrument zur Schienung des weichen Gaumens, das individuell angepasst wird, damit der Gaumen nicht vibrieren kann.

Beatmungstherapie (Continous Positive Airway Pressure, CPAP)

Die Beatmungstherapie wird in erster Linie bei der Therapie der obstruktiven Schlafapnoe eingesetzt. Sie zeigt zwar eine hohe Erfolgsquote bei der Beseitigung des Schnarchens, kommt aber rein dafür aus Kostengründen und wegen der aufwändigen Apparatur kaum zum Einsatz.

Naseneingangsdilatatoren (Instrumente zur Erweiterung des Naseneingangs)

Naseneingangsdilatatoren sind kleine Nasenbügel, die den Naseneingang erweitern. Sie können den Effekt einer Nasenoperation simulieren und so bei der Entscheidung für einen möglichen Eingriff hilfreich sein. Letzteres trifft übrigens auch auf abschwellende Nasensprays zu, die allerdings wegen ihrer schleimhautschädigenden Wirkung für eine Dauertherapie nicht geeignet sind.

Operative Verfahren

Abhängig von der Diagnose gibt es unterschiedliche operative Verfahren um die Nasenatmung zu verbessern oder den Rachen zu erweitern.

++ Mehr zum Thema: Operative Verfahren zur Schnarchtherapie ++

Prognose

Eine entsprechende Nachsorge zur Überprüfung des Therapieerfolges, zur Qualitätssicherung und gegebenenfalls zur Planung weiterer Maßnahmen ist unumgänglich. Ein neuerliches Auftreten bzw. eine Verstärkung der Schnarchgeräusche ist grundsätzlich bei allen Therapiemethoden möglich. Ist dies der Fall, wird die schlafmedizinische Untersuchung meist erneut durchgeführt, um eine mögliche Entwicklung zu einer schlafbezogenen Atmungsstörung erkennen zu können.

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Autoren:

Medizinisches Review:
Univ.-Prof. Dr. Andreas Temmel
Redaktionelle Bearbeitung:
,

Stand der medizinischen Information:
Quellen

AWMF-Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie: Diagnostik und Therapie des Schnarchens des Erwachsenen, 2010

Österreichische Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, https://schlafmedizin.at/de/ (Stand Februar 2011)

Österreichische Gesellschaft für Pneumologie, www.ogp.at (Stand Juni 2012)

American Academy of Sleep Medicine: International classification of sleep disorders. 2nd ed.: Diagnostic and coding manual. Westchester, Illinois: American Academy of Sleep Medicine, 2005

Enright PL et al: Prevalence and correlates of snoring and observed apneas in 5,201 older adults. Sleep 1996;19:531-8

Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie, www.hno.org (Stand Juni 2012)

American Sleep Association, www.sleepassociation.org (Stand Februar 2011)

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