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Schlaganfall (Apoplexie, Hirnschlag, Gehirnschlag, zerebraler Insult, apoplektischer Insult, Apoplexia cerebri, Ictus apoplecticus)

Ein Mann liegt im MRI Scanner
Patient bei Untersuchung: Der ischämische Schlaganfall wird durch den Verschluss eines oder mehrerer Blutgefäße im Gehirn verursacht (12-20-05 © Brad Wieland / iStockphoto)

Ein Schlaganfall ist die Folge einer plötzlichen Durchblutungsstörung oder Blutung im Gehirn. Durch diese Vorgänge erhalten Nervenzellen im Gehirn zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe und gehen zu Grunde. Dies kann zu einem anhaltenden Ausfall von Funktionen des Zentralnervensystems und zu Symptomen wie Sprachstörungen und Lähmungen führen.

Kurzfassung:

  •  Das Schlaganfallrisiko steigt mit dem Alter.
  • Man unterscheidet zwei Arten von Schlaganfall.
  • Anzeichen für einen Schlaganfall sind Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühle und Sprachstörungen.
  • Zur Vorbeugung sollten Risikofaktoren vermieden werden.

Jährlich erleiden in Österreich etwa 20.000 Menschen einen Schlaganfall; das bedeutet, dass es im Durchschnitt alle sechs Minuten zu einem Schlaganfall kommt. Die Schlaganfall-Sterblichkeit ist in den vergangenen Jahren zwar drastisch gesunken, Schlaganfälle stehen in der Todesursachen-Statistik weltweit trotzdem an zweiter Stelle und gehören in den Industrienationen zu den häufigsten Ursachen für Invalidität im höheren Lebensalter.

Das Risiko für einen Schlaganfall steigt mit zunehmendem Lebensalter deutlich an, etwa 50% aller Schlaganfälle ereignen sich in der Altersgruppe der über 75-Jährigen. Aber auch junge Menschen können einen Schlaganfall erleiden. Schätzungen zufolge sind etwa 5% aller Betroffenen unter 40 Jahre alt.

Welche Ursachen hat ein Schlaganfall?

Man unterscheidet beim Schlaganfall zwei Formen: den ischämischen Schlaganfall, der durch einen Gefäßverschluss entsteht (80% der Fälle), und den hämorrhagischen Schlaganfall, der durch eine Hirnblutung entsteht (20% der Fälle). Mehrere verschiedene Faktoren können zu einem Gefäßverschluss oder einer Hirnblutung führen.

Ursachen des ischämischen Schlaganfalls

Der ischämische Schlaganfall entsteht durch den Verschluss eines Blutgefäßes im Gehirn. Dabei kommt es zu einer Minderversorgung mit Blut und Sauerstoff. Das betroffene Gewebe stirbt ab und es bildet sich eine Narbe, ähnlich wie beim Herzinfarkt. Daher wird der ischämische Schlaganfall auch Hirninfarkt genannt.

++ Mehr zum Thema: Ischämischer Schlaganfall ++

Ursachen des hämorrhagischen Schlaganfalls

Ein hämorrhagischer Schlaganfall entsteht meist durch das Zerplatzen eines Gefäßes. Das vom jeweiligen Gefäß versorgte Gebiet erhält nicht mehr ausreichen sauerstoffreiches Blut und zusätzlich drückt das austretende Blut auf die Nervenzellen.

++ Mehr zum Thema: Hämorrhagischer Schlaganfall ++

Welche Symptome ruft ein Schlaganfall hervor?

Die Symptome eines Schlaganfalls sind darin begründet, dass Teile des Gehirns aufgrund des Sauerstoffmangels ihre Funktion einstellen und absterben. Zu welchen neurologischen Ausfallserscheinungen es dadurch kommt und wie ausgeprägt diese sind, hängt davon ab, welche Hirnregionen betroffen sind und welches Ausmaß die Schädigung hat.

In den meisten Fällen kommt es zu

  • Lähmungserscheinungen
  • Störungen des Berührungsempfindens (Taubheitsgefühle), die in der Regel auf eine Körperhälfte beschränkt sind

Weitere Symptome eines Schlaganfalls sind

  • Sprachstörungen
  • Sehstörungen
  • Schluckstörungen
  • Schwindel
  • Verwirrtheit
  • in schweren Fällen auch Bewusstseinsstörungen
  • bis hin zur Bewusstlosigkeit

Charakteristisch ist, dass die Krankheitszeichen plötzlich einsetzen – gleichsam mit einem Schlag.

Wenngleich beide Schlaganfall-Typen Kopfschmerzen verursachen können, treten diese doch vor allem beim hämorrhagischen Infarkt auf. Reißt ein Gefäß im Bereich der das Gehirn umgebenden Spinnenhaut (Subarachnoidalblutung), haben die Betroffenen fast immer rasende Kopfschmerzen und Nackensteife, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit.

Allgemein kommt es durch einen Schlaganfall häufig zu Übelkeit und Erbrechen. Eine immer wieder auftretende Komplikation ist das nachfolgende Einatmen von Erbrochenem. Das führt zu einer Schädigung von Lungengewebe, die oft eine Lungenentzündung nach sich zieht.

Wie erkennt man einen Schlaganfall?

Jeder Schlaganfall ist ein dringender medizinischer Notfall. "Ein Problem ist allerdings, dass immer noch zu wenige Menschen in der Lage sind, die Symptome eines Schlaganfalls richtig zu erkennen. Deshalb geht oft wertvolle Zeit verloren", warnt Univ.-Prof. Dr. Franz Fazekas, Vorstand der Universitätsklinik für Neurologie, MedUni Graz.

"Für Schlaganfall-Patienten kann das fatal sein. Je länger ein Gerinnsel die Blutversorgung bestimmter Gehirnregionen blockiert, desto mehr Areale werden geschädigt oder gehen unwiederbringlich verloren."

Der FAST-Test

Anhand des sogenannten FAST-Tests lassen sich Frühsymptome erkennen. Der Test ist für jedermann leicht durchführbar.

FAST steht dabei für:

  • Face (Gesicht)
  • Arms (Arme)
  • Speech (Sprache)
  • Time (Zeit)

Was es damit auf sich hat, erklärt Dr. Ludwig Kaspar, medizinischer Leitdoktor von netdoktor.at, im Video:

Video Ludwig Kaspar: FAST (netdoktor.at)

Sollten Sie die Vermutung haben, dass jemand in Ihrer Nähe einen Schlaganfall erlitten hat, dann bitten Sie ihn um drei Dinge: Die betroffene Person soll lächeln, gleichzeitig beide Arme heben und dabei die Handflächen nach oben halten und einen einfachen Satz nachsprechen. Hat die Person bei einer dieser Aufgaben Probleme diese auszuführen, gilt es so schnell wie möglich den Notarzt zu rufen.

In nachfolgendem Video erfahren Sie weitere Hinweise, wie man einen Schlaganfall erkennt:

In nachfolgendem Video erklären wir Ihnen, wie Sie einen Schlaganfall erkennen:

Schlaganfall erkennen (netdoktor.at)

Welche Symptomatik definiert einen Schlaganfall?

Laut Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) handelt es sich erst dann um einen Schlaganfall, wenn die Symptome mindestens 24 Stunden anhalten. Bilden sich die neurologischen Ausfallserscheinungen innerhalb dieser Zeit wieder vollständig zurück, spricht man von einer transitorischen (also vorübergehenden) ischämischen Attacke (TIA).

Nach neuesten Erkenntnissen kann aber auch eine TIA zu einer nachweisbaren Schädigung von Hirngewebe führen. Daher wird dieser Begriff von einigen Fachgesellschaften nicht mehr verwendet; sie bezeichnen auch die vorübergehende Sauerstoffmangelversorgung des Hirngewebes als "ischämischen Schlaganfall".

In 40% der Fälle gehen dem eigentlichen Schlaganfall diese kürzeren Episoden mit ähnlicher Symptomatik voraus. So kann es zu kurzzeitigen Sprachstörungen, Gedächtnisverlusten und Missempfindungen bis hin zu kurzen Lähmungserscheinungen kommen. Die "typische TIA" dauert auch nur fünf bis zehn Minuten.

Eine transitorische ischämische Attacke ist oft Zeichen eines in nächster Zeit drohenden "vollständigen" ischämischen Schlaganfalls und muss daher wie der Insult immer als medizinischer Notfall betrachtet werden – auch wenn die Symptome bereits nach wenigen Minuten wieder verschwinden. Das heißt, die Betroffenen sollten so schnell wie möglich in ein Spital gebracht werden, am besten mit dem Notarzt.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Bei Verdacht auf einen Schlaganfall sollte man schnellstmöglich in ein Krankenhaus. Dort erkundigt sich der Arzt nach den Symptomen, Vorerkrankungen und Risikofaktoren. Weitere Untersuchungen wie Duplex-Sonographie, Computertomographie oder Magnetresonanztomographie werden umgehend durchgeführt.

Blutdruckmessung

Da ein Schlaganfall durch einen erhöhten Blutdruck entstehen kann, es aber auch im Rahmen des Schlaganfalls zu einem Anstieg des Blutdrucks kommen kann, wird sowohl während der Erstuntersuchung eine Blutdruckmessung durchgeführt als auch eine Langzeit-Blutdruckmessung vorgenommen, um Schwankungen des Blutdrucks im Tagesverlauf feststellen zu können.

Blutuntersuchung

Bei jedem Schlaganfall-Patienten wird eine Laboranalyse des Blutes durchgeführt. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Parametern, die die Blutgerinnung beeinflussen. Aber auch Werte wie der Blutzucker und die Elektrolyte werden bestimmt.

Duplex-Sonographie der hirnversorgenden Gefäße

Zur Routinediagnostik bei Verdacht auf einen ischämischen Schlaganfall gehört eine Duplex-Sonographie der Arterien im Hals- und Nackenbereich. Mit diesem Ultraschallverfahren lässt sich nachweisen, ob und wie stark diese Blutgefäße eingeengt sind, zum Beispiel durch Arteriosklerose. Die sogenannte transkranielle Doppler-Sonographie erlaubt zudem, die Hirngefäße innerhalb des Schädelknochens zu beurteilen.

Computertomographie

In den meisten Fällen wird danach eine Computertomographie (CT) des Kopfes vorgenommen. Dieses bildgebende Verfahren ermöglicht zum einen, geschädigte Hirnareale sichtbar zu machen. Zum anderen erlaubt die Schädel-CT auch, zwischen einer Hirnblutung und einem ischämischen Schlaganfall zu unterscheiden, was im Hinblick auf die weitere Therapie große Bedeutung hat.

MRT

Vor allem in spezialisierten Zentren wird anstatt oder ergänzend zu einer Computertomographie immer häufiger eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt. Bei der akuten Ischämie wird das MRT dem CT vorgezogen, wenn es schnell zur Verfügung steht. Es liefert noch präzisere Aussagen über Ort, Ausmaß und Ursache des Schlaganfalls, erfordert aber mehr Zeit als das CT sowie eine gewisse Erfahrung bei der Auswertung der Ergebnisse.

Im Gegensatz zur Computertomographie arbeitet die Magnetresonanztomographie nicht mit Röntgenstrahlen, sondern mit magnetischen Wellen. Das bedeutet, dass MRT-Untersuchungen keine Strahlenbelastung für den Patienten darstellen. Unter manchen Umständen kann eine MRT nicht durchgeführt werden, etwa wenn die betroffene Person einen bestimmten Herzschrittmacher trägt.

Je länger ein Schlaganfall nicht behandelt wird, umso mehr Hirngewebe geht zu Grunde ("Time is Brain" – "Zeit ist Gehirn").

Elektrokardiogramm (EKG)

Um eine eventuelle Herzrhythmusstörung festzustellen, wird ein Elektrokardiogramm (EKG) geschrieben. Allerdings werden bei einer normalen EKG-Untersuchung die Herzschläge nur für die Dauer von einigen Sekunden aufgezeichnet, weshalb nicht dauerhaft vorhandene Herzrhythmusstörungen, etwa ein sogenanntes paroxysmales (temporäres) Vorhofflimmern, leicht übersehen werden können. Aus diesem Grund gehört ein Langzeit-EKG zur Routinediagnostik beim ischämischen Schlaganfall.

Pulsoxymetrie

Bei diesem Verfahren wird der Sauerstoffgehalt des Blutes mit einem Clip am Finger gemessen.

Ultraschall des Herzens

Eine Ultraschalluntersuchung des Herzens erlaubt, Veränderungen des Organs festzustellen, die die Entstehung von Blutgerinnseln begünstigen – etwa Funktionsstörungen der Herzklappen. Auch gefährliche Blutgerinnsel in den Herzhöhlen können durch die Echokardiographie sichtbar gemacht werden.

Steht die entsprechende Technik zur Verfügung, kann die Diagnostik durch eine Röntgendarstellung der Hirngefäße (digitale Subtraktionsangiographie) oder eine CT-Angiographie und eine Hirndurchblutungs-(„Perfusions“-)Messung ergänzt werden. Diese liefern Informationen darüber, welches Blutgefäß verschlossen ist und in welchem Ausmaß das Hirngewebe von der Minderdurchblutung betroffen ist.

Ob weitere Untersuchungen, wie etwa ein EEG, notwendig sind, richtet sich nach dem individuellen Beschwerdebild des Betroffenen und muss von Fall zu Fall entschieden werden.

++ Mehr zum Thema: Schlaganfall - Behandlung & Rehabilitation ++

In nachfolgendem Video erklären wir Ihnen, wie Sie einen Schlaganfall erkennen:

Schlaganfall erkennen (netdoktor.at)

Wie kann man einem Schlaganfall vorbeugen?

Die beste Schlaganfallvorsorge besteht darin, vermeidbare Risikofaktoren zu minimieren oder ganz zu vermeiden. Durch eine gesunde Lebensweise lässt sich dabei schon viel erreichen. Dazu gehören etwa:

  • regelmäßige Bewegung und Sport
  • eine ausgewogene, gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse sowie einem eher geringen Anteil an tierischen Fetten
  • Verzicht aufs Rauchen
  • Normalisierung des Körpergewichts
  • Alkohol reduzieren
  • Vermeiden von übermäßigem Stress

Hoher Blutdruck, bestimmte Fettstoffwechselstörungen und Diabetes mellitus sind Erkrankungen, die eine Arteriosklerose und damit einen ischämischen Schlaganfall begünstigen, und sollten daher unbedingt ärztlich behandelt werden. Dasselbe gilt für das relativ häufige Vorhofflimmern, das über eine Embolie einen Schlaganfall auslösen kann.

Beim Vorhofflimmern ist eine sogenannte komplette Blutverdünnung notwendig; das Schlaganfall-Rezidivrisiko - also das Risiko, dass ein erneuter Schlaganfall auftritt – kann damit um bis zu 70% gesenkt werden. Dabei kommen Vitamin-K-Antagonisten und seit Kurzem auch die „neuen oralen Antikoagulanzien“ wie Dabigatran oder Rivaroxaban zum Einsatz.

Studien zufolge kann eine Operation, die Verengungen in der Halsschlagader beseitigt (Karotisthrombendarteriektomie), das Risiko schwerer Schlaganfälle bei bestimmten Patientengruppen reduzieren, wenn sie innerhalb von zwei Wochen nach einer TIA erfolgt.

Da Menschen nach einem ischämischen Schlaganfall ein erhöhtes Risiko für einen erneuten Schlaganfall aufweisen, werden sie in der Regel mit blutverdünnenden Medikamenten behandelt, um einem weiteren Schlaganfall vorzubeugen. Mit sogenannten Blutplättchen-Hemmern kann das Risiko um 30–40% gesenkt werden.

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Stand der medizinischen Information:
Quellen

AWMF online: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Schlaganfall (letzte Überprüfung: Oktober 2009)

AWMF online: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Schlaganfallgesellschaft. Akuttherapie des ischämischen Schlaganfalls. Aktualisierte Version, Mai 2009

Patienten-Leitlinie des Berufsverbands Deutscher Neurologen (BDN) und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Vorbeugung des Schlaganfalls (letzte Überarbeitung 2007)

Willeit J et al: Positionspapier der Österreichischen Gesellschaft für Schlaganfallforschung. Akutmanagement und Sekundärprävention des Schlaganfalls. NeuroLogisch, Suppl. 2009

The European Stroke Organisation (ESO) Executive Committee and the ESO Writing Committee: Guidelines for the Management of Ischaemic Stroke an Transient Ischaemic Attack. 2008

Homepage der Österreichischen Gesellschaft für Schlaganfallforschung; www.schlaganfall-info.at (Zugriff im April 2012)

Furlan AJ et al: CLOSURE I Investigators. Closure or medical therapy for cryptogenic stroke with patent foramen ovale. N Engl J Med, 2012 Mar 15; 366(11): 991-9

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