Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Eine Patientin wird mit dem Ultraschallgerät an der Schilddrüse untersucht.
Ultraschall-Untersuchung der Schilddrüse: Das von der Hirnanhangsdrüse ausgeschüttete Hormon TSH ist der empfindlichste Parameter zur Beurteilung der Schilddrüsenfunktion. (Africa Studio / Fotolia.com)

Bei einer Hypothyreose werden die von der Schilddrüse produzierten Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) in zu geringem Ausmaß hergestellt. Als Folge dieser Mangelversorgung des Körpers mit Schilddrüsenhormonen laufen verschiedene Stoffwechselprozesse verlangsamt ab. Körperliche und geistige Leistungsfähigkeit zeigen sich u.a. vermindert.

Schilddrüsenerkrankungen gehören zu den häufigsten hormonellen Erkrankungen: Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge leiden 0,5 bis 1,2 Prozent der Bevölkerung an Erkrankungen, die zu einer Hypothyreose führen, Frauen sehr viel öfter als Männer. Mit zunehmendem Lebensalter steigt die Erkrankungsrate an.

Wo liegt die Schilddrüse, und welche Funktion hat sie?

Die in der medizinischen Fachsprache auch als Glandula thyroidea bezeichnete Hormondrüse liegt unterhalb des Kehlkopfs direkt vor und an den Seitenflächen der Luftröhre. Die Form der bei Erwachsenen rund zehn Zentimeter breiten Schilddrüse wird gerne mit der eines Schmetterlings verglichen oder als "H-förmig" beschrieben.

Hauptaufgabe der Schilddrüse ist die Produktion der Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Diese Botenstoffe haben Einfluss auf zahlreiche Stoffwechselprozesse sowie auf Wachstum und Entwicklung. Bestimmte Zellen in der Schilddrüse (Thyreozyten) bilden vor allem das Hormon T4 und lagern es in kleinen Bläschen in der Schilddrüse, den Schilddrüsenfollikeln, ab. Aus den Schilddrüsenfollikeln werden die Hormone später ins Blut abgegeben.

Am besten wird der Bedarf an Schilddrüsenhormonen durch die Bestimmung des Steuerungshormons TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon) wiedergegeben. Die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) reguliert durch das TSH die Ausschüttung der Schilddrüsenhormone ins Blut. Ein Anstieg des TSH-Wertes im Blut ist das erste Zeichen einer Schilddrüsenunterfunktion.

So funktioniert dieser komplizierte Regulationsmechanismus im Detail:

  • Registriert das Gehirn, dass vermehrt Bedarf an Schilddrüsenhormon besteht, produziert der im Zwischenhirn liegende Hypothalamus den Botenstoff TSH.
  • Dieses Hormon gelangt über das Blut in die Hirnanhangsdrüse und regt die Hypophysenzellen zur Bildung und Ausschüttung des Hormons TSH an.
  • In weiterer Folge gelangt TSH über die Blutbahn zu den Zellen der Schilddrüse, fördert das Wachstum der Schilddrüsenzellen und regt diese Zellen an, T3 und T4 zu produzieren und ins Blut abzugeben.
  • Ist der vermehrte Bedarf an Schilddrüsenhormon wieder ausgeglichen, wird die weitere Ausschüttung von TSH wieder gedrosselt.

Bei gesunden Menschen hält dieser "thyreotrope Regelkreis" den Blutspiegel von T3 und T4 innerhalb eines bestimmten Normbereichs. Medizinerinnen und Mediziner sprechen dann von einer "euthyreoten Stoffwechsellage", was "regelrechte Schilddrüsenfunktion" bedeutet.

Produziert die Schilddrüse allerdings weniger T4 und T3, als der Körper benötigt, liegt eine Schilddrüsenunterfunktion oder Hypothyreose vor. Eine Überversorgung des Körpers mit T3 und T4 wird als Schilddrüsenüberfunktion oder Hyperthyreose bezeichnet.

Subklinische (latente) und manifeste Hypothyreose

Das von der Hirnanhangsdrüse ausgeschüttete Hormon TSH ist der empfindlichste Parameter zur Beurteilung der Schilddrüsenfunktion. Als erstes Zeichen einer Schilddrüsenunterfunktion steigt der TSH-Spiegel im Blut an - man bezeichnet dies als "subklinische" oder "latente" Unterfunktion. Kann die Schilddrüse trotzdem nicht genügend Hormon produzieren, kommt es in der Folge zu einem Abfall von T4 und später auch von T3 - man spricht dann von einer "manifesten Schilddrüsenunterfunktion".

Der obere Grenzwert des TSH wird in den letzten Jahren vermehrt diskutiert. Insbesondere bei Frauen, die eine Schwangerschaft planen, sollte der TSH Wert unter 2.5 µU/ml liegen, da eine ausreichende Versorgung des Körpers mit Schilddrüsenhormon wichtig für den Verlauf einer eventuellen Schwangerschaft ist.

Was sind die Ursachen einer Hypothyreose?

Eine Hypothyreose kann unterschiedliche Erkrankungen als Ursache haben. Grundsätzlich werden die seltenen angeborenen von den wesentlich häufigeren erworbenen Formen der Unterfunktion unterschieden.

++ Mehr zum Thema: Ursachen einer Hypothreose ++

Wie äußert sich die Schilddrüsenunterfunktion?

Bei einer Hypothyreose laufen zahlreiche Organfunktionen und Stoffwechselprozesse, die von Schilddrüsenhormonen beeinflusst werden, verlangsamt ab. Welche der zahlreichen möglichen Beschwerden die Betroffenen entwickeln, ist individuell unterschiedlich und hängt nicht nur von der Ausprägung des Hormonmangels, sondern auch von der genetischen Prädisposition ab.

Zu den möglichen Symptomen einer Hypothyreose gehören:

Gerade bei älteren Menschen sind uncharakteristische Beschwerden wie verminderte Leistungsfähigkeit, Gedächtnisstörungen und Empfindlichkeit gegenüber Kälte oftmals die einzigen Anzeichen einer Unterfunktion. Weil diese Beschwerden häufig als "Alterserscheinungen" abgetan werden, wird die Altershypothyreose vielfach nicht erkannt.

++ Mehr zum Thema: Diagnose Hypothyreose ++

Wie wird eine Hypothyreose behandelt?

Bei der Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion erhalten die Patienten meistens die fehlenden Hormone in Form von Tabletten zugeführt.

++ Mehr zum Thema: Schilddrüsenunterfunktion Behandlung ++

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Autoren:

Medizinisches Review:
Prim. Univ.Doz. Prof. Dr. Alois Kroiss
Redaktionelle Bearbeitung:
Dr. med. Matthias Thalhammer, Thomas Auinger, Mag. (FH) Silvia Hecher, MSc, Tanja Unterberger (2016)

Stand der Information: Juni 2016

Quellen

Georg Zettinig, Wolfgang Buchinger: Schilddrüse - Kurz und Bündig. Verlag Krause und Pachernegg, 2. Auflage 2010
Leitlinien der Arbeitsgruppe Schilddrüse und Nuklearmedizin der Österr. Gesellschaft für Nuklearmedizin auf www.hormon.org
Diagnostic laboratory guideline for assessment of functional disorders and diseases of the thyroid gland. Wien Klin Wochenschr. 2008;120(11-12):370-82.
Schilddrüsen Konsens Wien-Niederösterreich (organisiert von der Fachgruppe Nuklearmedizin): Autoimmunthyreoditis
Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin e. V.: Leitlinie zur Schilddrüsendiagnostik. Stand 2003
Bernhard Kleine und Winfried G. Rossmanith: Hormone und Hormonsystem: Lehrbuch der Endokrinologie. Springer Verlag, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage 2009
Gerd Herold: Innere Medizin 2008

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