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Scheideninfektion

Frau mit Scheideninfektion
Scheideninfektion (zynkevych / iStock)

Über Scheideninfektionen wird nicht gerne gesprochen, zumindest nicht laut. Dabei ist die sogenannte bakterielle Vaginose (verursacht durch Bakterien) und die vaginale Candidose (ausgelöst durch Pilze) weit verbreitet.

Kurzfassung:

  •  Auslöser von Scheideninfektionen sind Bakterien, Pilze, Viren oder Einzeller, auch Mischinfektionen sind möglich.
  • Typische Symptome sind: Juckreiz, Brennen, vaginaler Ausfluss, Rötung, Schwellung und Schmerzen.
  • Die Ursache liegt meist in einer gestörten Vaginalflora durch Rückgang der schützenden Laktobazillen.
  • Scheideninfektionen sind zumeist gut behandelbar. 

Tatsächlich sind ca. 70% der Frauen regelmäßig von Infektionen im Intimbereich betroffen: unangenehmes Brennen, quälender Juckreiz oder ein übelriechender Ausfluss sind meist keine Anzeichen mangelnder Hygiene, sondern oft ein deutlicher Hinweis auf eine Scheideninfektion.

Welche Erreger verursachen eine Scheideninfektion?

Scheideninfektionen werden hauptsächlich durch Bakterien (40-50% der Fälle) oder Pilze (20-25%) ausgelöst, seltener finden sich Viren oder Einzeller (z.B. Trichomonaden). Doch nicht immer ist nur eine einzige Erregerart für das Krankheitsbild verantwortlich: Häufig spricht man von einer Mischinfektion (Bakterien und Pilze sind beispielsweise gleichzeitig zu finden).

+++ Mehr zum Thema: Welche Erreger verursachen eine Scheideninfektion? +++

Alles im Gleichgewicht?

Die natürliche Scheidenflora der gesunden Frau besteht aus einer Vielzahl unterschiedlicher Bakterienstämme und ist ein wichtiger Schutzschild vor unangenehmen Infektionen. Zahlreiche Laktobazillen, die nach ihrem Entdecker auch als „Döderlein-Bakterien“ bezeichnet werden, sorgen für ein leicht saures Milieu in der Scheide (pH 3,8 - 4,5), in dem sich krankmachende Keime nur schwer vermehren können.

Das vaginale Gleichgewicht kann jedoch durch eine Vielzahl von körpereigenen und äußeren Faktoren gestört werden:

  • Stress, psychische Belastungen
  • hormonelle Veränderungen (z.B. Schwangerschaft, Wechseljahre)
  • ein geschwächtes Immunsystem
  • hormonelle Verhütungsmittel (z.B. Pille)
  • Antibiotika Einnahme
  • chronische Grunderkrankungen (z.B. Diabetes)
  • übertriebene bzw. falsche oder mangelhafte Intimhygiene
  • ungeschützter Geschlechtsverkehr

All diese Faktoren können die Balance des natürlichen Scheidenmilieus leicht zum Kippen bringen: wichtige Laktobazillen werden dann reduziert und in Folge können sich unerwünschte Mikroorganismen ansiedeln und ungehindert vermehren.

Symptome einer Scheideninfektion

Die klinischen Symptome einer Scheideninfektion sind sehr vielseitig und können je nach Erreger und abhängig vom weiblichen Immun- bzw. Hormonstatus unterschiedlich ausgeprägt sein, einander ähneln oder sogar gänzlich fehlen. Bei Bakterien- und Pilzinfektionen ist besondere Vorsicht geboten, da sie – ohne fachärztliche Abklärung – häufig verwechselt werden.

Typische Anzeichen:

  • unangenehmer (vermehrter) vaginaler Ausfluss
  • Juckreiz und Brennen im Intimbereich
  • Rötung und Schwellung der Scheidenhaut
  • Schmerzen beim Toilettengang / Geschlechtsverkehr
  • leichte Blutungen

Vaginaler Ausfluss

Grundsätzlich gilt: Ein vaginaler Ausfluss ist völlig normal und an sich noch kein Anlass zur Sorge. Er unterliegt hormonellen Schwankungen und setzt in der Regel vor der Pubertät ein und dauert bis zu den Wechseljahren. Im Falle einer Scheideninfektion ändern sich meist Konsistenz und Farbe des Ausflusses, nicht selten auch dessen Geruch. Aus diesem Grund ermöglicht die Beschaffenheit des Ausflusses häufig bereits erste Rückschlüsse auf die Art des verursachenden Erregers.

Für eine bakterielle Vaginose ist ein fischartig-übelriechender, gelb-grünlicher Ausfluss charakteristisch. Einen ähnlichen Befund kann jedoch auch eine Trichomonaden-Infektion ergeben, wobei hier meist auch eine schaumige Konsistenz auffällig ist.

Pilzinfektionen der Scheide zeigen sich in den meisten Fällen durch einen weißlichen Belag im Bereich der Schamlippen und der Scheidenwand und dickflüssigen Ausfluss.

Diagnose

Die klinischen Symptome einer Scheideninfektion sind vielseitig und können je nach Erreger sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Für eine sichere Diagnose ist eine gründliche gynäkologische Untersuchung durch den Facharzt / der Fachärztin erforderlich: Es erfolgt ein unkomplizierter Abstrich aus der Vagina, der dann mikroskopisch untersucht werden kann. Dadurch lassen sich die meisten Bakterien oder Pilze nachweisen. Bei wiederkehrenden oder unklaren Fällen wird der Abstrich in ein mikrobiologisches Labor geschickt, wo dann der exakte Erreger (Bakterien, Pilze, Viren oder Einzeller) identifiziert werden kann. Erst dann kann eine spezifische Therapie eingeleitet werden.

Achtung: Oftmals falsche Selbstdiagnose "Pilzinfektion“

Obwohl die bakterielle Vaginose die mit Abstand häufigste Störung der natürlichen Scheidenflora darstellt, wird gerade die Therapie des Vaginalpilzes breit beworben. Betroffene Frauen schätzen die Ursache ihrer Infektion folglich oftmals falsch ein: Eine Studie hat gezeigt, dass nur etwa ein Drittel der Frauen, die ein rezeptfreies Apothekenprodukt zur Therapie einer Pilzinfektion kauften, auch tatsächlich die richtige Selbstdiagnose gestellt hatten! Das heißt die Mehrheit hätte sich mit einem unzureichend geeigneten Produkt selbst behandelt.

Wichtig: Die Therapie einer Scheideninfektion richtet sich immer nach dem verursachenden Erreger! Wird die Infektion von mehreren Keimen (z.B. Bakterien und Pilze) gleichermaßen hervorgerufen, dann müssen unbedingt alle Komponenten behandelt werden, um die Ursache gänzlich und nachhaltig zu beseitigen.

Gezielte Hilfe bei Scheideninfektionen

Scheideninfektionen sind mit Medikamenten, die gegen einzelne Erreger wirken in der Regel gut therapierbar (Antibiotika gegen Bakterien, Antimykotika gegen Pilze, Virostatika gegen Viren). Antiseptische Wirkstoffe (z.B. Octenidin) wirken gegen ein breites Erregerspektrum, beseitigen Pilze und Bakterien gleichzeitig, und stellen damit einen Vorteil auch bei sogenannten Mischinfektionen dar.

Achtung: Ein unnötiger und / oder fehlerhafter Einsatz von Antibiotika und Antimykotika birgt das Risiko einer Resistenzentwicklung der beteiligten Erreger, welche einen nachhaltigen Therapieerfolg nochmals deutlich erschwert. Daher sollte stets darauf geachtet werden, verordnete Antibiotika und Antimykotika immer genau nach Anweisung des behandelnden Arztes einnehmen. Ferner erhöht eine Antibiotikaeinnahme meist das Risiko für eine nachfolgende Pilzinfektion in der Scheide.

+++ Mehr zum Thema: Therapie bei Scheideninfektionen +++

Schwangerschaft: Erhöhtes Risiko für Scheideninfektionen

Besonders während der Schwangerschaft ist die Scheidenflora durch die hormonelle Veränderung besonders anfällig für Infektionen. Hier ist absolute Achtsamkeit geboten: Scheideninfektionen erhöhen das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen enorm! Unbehandelt kann vor allem eine bakteriell bedingte vaginale Infektion Richtung Gebärmutter aufsteigen und schlimmstenfalls vorzeitige Wehen, einen zu frühen Blasensprung und so eine Frühgeburt oder Fehlgeburt verursachen. Bei einer vorliegenden vaginalen Candidose können Pilze zudem im Verlauf einer Spontangeburt auf die Haut des Neugeborenen übertragen werden und bei diesem Krankheiten wie Mundsoor und Windeldermatitis verursachen. Eine rechtzeitige und effektive Therapie von Scheideninfektionen ist somit während der Schwangerschaft besonders wichtig und erfordert eine sorgfältige Auswahl eines geeigneten Wirkstoffes, um unerwünschte Nebenwirkungen sowohl für die Mutter als auch ihr Ungeborenes auszuschließen.

Es wird empfohlen, bereits bei den ersten Anzeichen einer Scheideninfektion in der Schwangerschaft einen Facharzt / eine Fachärztin für Gynäkologie aufzusuchen.

Partnerbehandlung ist sinnvoll!

Der Sexualpartner kann Überträger von Keimen sein, ohne selbst Anzeichen einer Infektion zu zeigen. Um lästige „Ping-Pong-Effekte“ zu vermeiden, kann durch die einfache Mitbehandlung des Partners das Risiko einer erneuten Infektion verringert werden.

+++ Mehr zum Thema: Therapie bei Scheideninfektionen +++

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Autoren:
, Dr. Christine Chung, MPH
Redaktionelle Bearbeitung:
,

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Palmeira-de-Oliveira et al., 2015

Ferris et al., 2002

Deutsche Apotheker Zeitung: Vaginalinfektionen – Wissenswertes zu Behandlung und Prophylaxe, 2013; https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2013/daz-46-2013/vaginalinfektionen (letzter Zugriff 12.12.2017)

https://www.pfizer.at/fileadmin/content/Content/04_Presse/04.5_Publikationen_und_Broschueren/Pfizer_Austria_Gynaekologie_Vaginal_Gesund.pdf (letzter Zugriff 07.12.2017)
Journal für Gynäkologische Endokrinologie, 2013; http://www.kup.at/kup/pdf/11938.pdf (letzter Zugriff 12.12.2017)

Leitlinie Vulvovaginalkandidose, 2013; http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-072l_S2k_Vulvovaginalkandidose_2013-verlaengert.pdf (letzter Zugriff 12.12.2017)

Pharmazeutische Zeitung online: Vaginalflora in Aufruhr; https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=30817 (letzter Zugriff 12.12.2017)
Leitlinien zur Therapie der klassischen Geschlechtskrankheiten, 2009; http://www.oegstd.at/res/std3_gl.pdf (letzter Zugriff 12.12.2017)

Ärztezeitung: Sexuell übertragbare Erkrankungen, 2017; http://www.aerztezeitung.at/fileadmin/PDF/2017_Verlinkungen/State_Sexuell_uebertragbare_Infektionen.pdf (letzter Zugriff 12.12.2017)

Apotheken Umschau, 2016; https://www.apotheken-umschau.de/Geschlechtskrankheiten/Feigwarzen-Therapie-11622_5.html (letzter Zugriff 12.12.2017)
 
 

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