RS-Virus (RSV, Pneumovirus, Viruspneumonie, Respiratorisches Synzytial-Virus)

Das RS-Virus führt zu Atemwegserkrankungen
Das RS-Virus kann für Babys gefährlich werden. (Ipinchuk / iStockphoto)

Das RS-Virus führt zu Atemwegserkrankungen und kann vor allem für Säuglinge und Kleinkinder gefährlich werden.

Kurzfassung:

  • Das RS-Virus ist weltweit verbreitet und führt zu Infektionen der oberen und unteren Atemwege.
  • Es gibt jährlich (wie bei der Influenza) eine RSV-Epidemie in der kalten Jahreszeit.
  • Auch Erwachsene können an einer RSV-Infektion erkranken, für Babys und Kleinkinder ist das Virus aber wesentlich gefährlicher.
  • Das RS-Virus ist sehr ansteckend und verbreitet sich vor allem in Gemeinschaftseinrichtungen schnell.
  • Wenn Sie den Verdacht haben, dass sich Ihr Baby mit dem RS-Virus angesteckt haben könnte, sollten Sie rasch einen Arzt aufsuchen.

Beim RS-Virus (oder auch RSV) handelt es sich um das respiratorische Synzytal-Virus, das weltweit verbreitet ist und Infektionen der oberen und unteren Atemwege hervorrufen kann. Das Virus ist hochinfektiös und breitet sich daher oft epidemieartig aus. Prinzipiell können Menschen jeden Alters am RS-Virus erkranken, häufiger tritt die Erkrankung aber bei Babys und Kleinkindern auf. Vor allem bei Säuglingen aus Risikogruppen sowie bei Frühgeborenen kann die Erkrankung einen schweren Verlauf nehmen und muss dann oft stationär im Krankenhaus behandelt werden.

Welche Symptome treten beim RS-Virus auf?

In Saisonalität und Symptomatik ähneln RSV-Infektionen der Influenza. Zwischen November und April kommt es am häufigsten zu Erkrankungen. Die Symptome beim RS-Virus können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und reichen von einer einfachen Atemwegsinfektion bis zu einer schweren beatmungspflichtigen Erkrankung der unteren Atemwege. Bei einer unkomplizierten RSV-Infektion kommt es zu erkältungsähnlichen Symptomen wie:

Bei Babys kann eine Infektion mit dem RS-Virus neben den oberen Atemwegen auch die unteren Atemwege (Bronchien, Lunge) betreffen. Man spricht dann von einer sogenannten RSV-Bronchiolitis. Folgende Symptome können dabei auftreten:

  • Fieber
  • Atemnot
  • beschleunigte Atmung
  • Rasselgeräusche und Giemen beim Atmen hörbar
  • Husten mit Auswurf
  • trockene und kalte Haut
  • eingesunkene Fontanelle (bei Kindern unter 18 Monaten)
  • Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme

Die Symptome können sich innerhalb weniger Stunden stark verschlimmern und zu einem Notfall werden.

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Wie wird das RS-Virus übertragen?

Das RS-Virus gilt als hochinfektiös, es ist also sehr ansteckend. Eine Übertragung des Virus erfolgt in erster Linie durch Tröpfcheninfektion. Auch eine Übertragung durch kontaminierte Hände oder Gegenstände ist möglich. Jugendliche und Erwachsene spielen als Überträger eine große Rolle. Die Inkubationszeit beträgt 2-8 Tage. Ein Patient ist etwa 3-8 Tage ab der Infektion ansteckend.

Welche Risikofaktoren gibt es?

RSV-Infektionen betreffen alle Altersgruppen. Neugeborene und Säuglinge können in den ersten 4-6 Wochen durch während der Schwangerschaft übertragene Antikörper vor einer Erkrankung geschützt sein. Bei Frühgeborenen hingegen besteht oft kein ausreichender Schutz, darum können sie auch in den ersten Lebenswochen schwer an einer RSV-Infektion erkranken. Bei älteren Säuglingen und Kleinkindern ist eine RSV-Infektion die häufigste Ursache für Erkrankungen der unteren Atemwege und damit verbundene Krankenhausaufenthalte. Bis zum Ende des 2. Lebensjahres haben fast alle Kinder mindestens eine Infektion mit dem RS-Virus durchgemacht. Eine langfristige Immunität besteht aber nicht. RSV-Infektionen treten bei Männern und Frauen gleich häufig auf. Schwere Verläufe bei Kindern betreffen etwa doppelt so oft Jungen wie Mädchen.

Folgende Personen sind durch das RS-Virus besonders gefährdet:

  • Frühgeborene
  • Kinder mit Lungenvorerkrankungen
  • Kinder mit Herzfehlern
  • Erwachsene mit Vorerkrankungen der Lunge oder des Herzens
  • Immunsupprimierte Personen

Wann sollte ich mit meinem Kind einen Arzt aufsuchen?

Für eine Infektion der unteren Atemwege spricht vor allem, wenn der Säugling nicht mehr trinkt und schwer atmet. Ist das Kind jünger als drei Monate, sollten Sie auch bei allgemeinen Erkältungszeichen wie Schnupfen oder Husten immer einen Arzt aufsuchen.

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Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Nach einer ausführlichen Anamnese wird der Arzt das Kind körperlich untersuchen. Die Symptome und das Alter können den Hinweis auf eine Infektion mit dem RS-Virus geben. Ein Erregernachweis durch einen Nasen-Rachen-Abstrich kann die Diagnose sichern.

Wie wird das RS-Virus behandelt?

Bei einer RSV-Infektion gibt es keine ursächliche Behandlung. Die Therapie erfolgt symptomatisch durch:

  • fiebersenkende Mittel
  • Inhalationen mit einem bronchienerweiternden bzw. entzündungshemmenden Präparat
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Nasentropfen, um den Nasen-Rachen-Raum frei zu halten

Bei schwerem Verlauf können Sauerstoffgaben, Atemunterstützung oder Beatmung erforderlich werden. Eine Behandlung mit Antibiotika ist im Normalfall nicht notwendig und beeinflusst weder den Krankheitsverlauf noch die Dauer der Ansteckungsfähigkeit. Sie kann aber notwendig werden, wenn zusätzlich zur RSV-Infektion eine bakterielle Infektion auftritt.

RS-Virus: Krankheitsverlauf und Prognose

Eine RSV-Infektion dauert etwa 3-12 Tage, wobei der Husten auch länger als vier Wochen andauern kann. Eine durchgemachte RSV-Infektion schützt nicht vor einer neuerlichen Erkrankung. Eine Reinfektion ist häufig und kann in jedem Lebensalter vorkommen. Diese verläuft meist weniger schwer als die Primärinfektion. Eine häufige Komplikation ist eine akute Mittelohrentzündung (Otitis media). Als Langzeitkomplikation sind wiederkehrende Obstruktionen (Verengungen der Atemwege) und eine anhaltende Überempfindlichkeit des Bronchialsystems möglich.

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Wie kann man dem RS-Virus vorbeugen?

  • Hygienische Maßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen
  • Kinderspielzeug und kontaminierte Gegenstände reinigen
  • Menschenansammlungen vermeiden
  • Erkrankte sollten keine Gemeinschaftseinrichtungen besuchen.

Medikamentöse Vorbeugung

Für Kinder aus entsprechenden Risikogruppen, also vor allem für Frühgeborene, Kinder mit Herzfehlern oder Lungenerkrankungen, steht eine vorbeugende Medikation mit dem Präparat Palivizumab zur Verfügung. Dabei handelt es sich um Antikörper, die diesen Risikogruppen in der kalten Jahreszeit monatlich in Form einer intramuskulären Injektion verabreicht werden müssen. Die regelmäßige Gabe schützt nachweislich vor der Infektion und vor allem vor schweren Verläufen. Dieses Medikament ist sehr gut verträglich.

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Autoren:

Medizinisches Review:
Prim. MedR. Ass.-Prof. DDr. Peter Voitl, MBA
Redaktionelle Bearbeitung:
Tanja Unterberger, Bakk. phil.

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie: S2k-Leitlinie zur Prophylaxe von schweren Erkrankungen durch Respiratory Syncytial Virus (RSV) bei Risikokindern; Aktualisierung 2017/2018; https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/048-012l_S2k_Prophylaxe-von-schweren_RSV-Erkrankungen-Risikokindern-Palivizumab_2018-11.pdf (letzter Zugriff: 12.02.2019)

Robert-Koch-Institut: Respiratorische Synzytial-Virus-Infektionen (RSV); https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_RSV.html (letzter Zugriff: 12.02.2019)
 

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