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Rotlauf (Wundrose, Erysipel)

Wundrose
Rotlauf ist in den meisten Fällen eine "Blickdiagnose". (Kateryna Kukota / iStockphoto)

Der Rotlauf (Erysipel) ist eine plötzlich auftretende, bakterielle Entzündung der oberen Hautschichten, die das Lymphgewebe miteinbezieht.

Kurzfassung:

  • Rotlauf ist eine Hautentzündung, die durch Bakterien verursacht wird.
  • Die Entzündung äußert sich durch eine schmerzhafte, flächenhaft fortschreitende Hautrötung.
  • Die Behandlung erfolgt mittels Antibiotikum, wobei Infusionen effektiver wirken als Tabletten.
  • Unbehandelt kann Rotlauf eine Blutvergiftung auslösen oder tiefere Schichten bis zum Knochen befallen.

 


Was ist Rotlauf?

(ttsz / iStockphoto)

Rotlauf (Erysipel oder Wundrose) ist eine akute bakterielle Infektion der oberen Hautschichten (Dermis) unter Einbeziehung des lymphatischen Gewebes. Die am häufigsten betroffenen Stellen sind der Unterschenkel und das Gesicht, wobei auch jede andere Körperregion betroffen sein kann.

Verursacht wird der Rotlauf von Bakterien, meist von Streptokokken der Gruppe A, die durch kleine Hautverletzungen in den Körper eindringen. Folgende Bakterien können Rotlauf verursachen:

Wie entsteht Rotlauf?

Die Bakterien gelangen über kleine Eintrittspforten in den Körper, wie:

  • Verletzungen
  • Insektenstiche
  • oberflächliche Hautkratzer
  • Verletzungen durch Maniküre oder Pediküre
  • Mundwinkeleinrisse
  • Fußpilz

Im Anschluss gelangen die Bakterien in die regionalen Lymphknoten. Dort werden sie von den Abwehrzellen (Lymphozyten) des Körpers bekämpft und es entstehen massive Entzündungsreaktionen (teils schmerzhafte Lymphknotenvergrößerungen).

Der Rotlauf kann in jedem Lebensalter vorkommen, ist jedoch bei Kindern sowie älteren Menschen am häufigsten. Bestimmte Erkrankungen begünstigen die Entstehung eines Rotlaufs. Hierzu zählen:

  • arterielle oder venöse Zirkulationsstörungen
  • Diabetes
  • Alkoholismus
  • Störungen der Hautbarriere
  • chronische Lymphödeme oder Lymphstau z.B. nach Operationen
  • Übergewicht
  • geschwächtes Immunsystem (z.B. durch eine HIV-Infektion, Medikamente)

Welche Symptome treten bei Rotlauf auf?

Typisch für den Rotlauf ist ein plötzlicher Beginn. Beim "klassischen“ Rotlauf entsteht eine oberflächliche, flammenartige Hautrötung, die stark schmerzt und flächenhaft fortschreitet. Die Hautareale und Lymphknoten nahe der betroffenen Hautstelle sind oft geschwollen. Die typischen Veränderungen werden als Calor (Überwärmung), Dolor (Schmerz), Rubor (Rötung) und Tumor (Schwellung) bezeichnet. Weitere Charakteristika des Rotlaufs sind:

  • akute, übererwärmte und rötliche Verfärbung der Haut
  • zum Teil sehr schmerzhaft
  • hellrote, glänzende Oberfläche
  • scharf begrenzte Ränder
  • zungenförmige Ausläufer

Oft findet sich in der Mitte dieser Rötung die sogenannte Eintrittspforte, eine kleine Verletzung, durch die die Erreger in die Haut gelangt sind. Da der Rotlauf eine schwere Infektionskrankheit darstellt, führt er auch häufig zu systemischen Reaktionen:

Wie wird Rotlauf diagnostiziert?

Die Diagnose des Rotlaufs wird meist "klinisch“ gestellt, d.h. der Arzt erkennt die Krankheit durch das typische Erscheinungsbild („Blickdiagnose“). Ein Erregernachweis mittels Hautabstrich ist nur selten erfolgreich und wird aus diesem Grund auch nicht routinemäßig durchgeführt.

Eine Blutuntersuchung gibt weiteren Aufschluss. Besonders relevante Parameter sind:

  • Erhöhung der Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG)
  • Erhöhung der weißen Blutkörperchen (Leukozytose)
  • Erhöhung des C-reaktiven Proteins (CRP)

Außerdem sollte der Rotlauf von folgenden Erkrankungen abgegrenzt werden:

  • allergische Kontaktallergie
  • Stauungsdermatitis
  • oberflächliche Venenentzündungen
  • Schweinerotlauf (Erysipeloid), eine dem Rotlauf ähnliche Hauterkrankung, die von Schweinen und anderen Tieren auf den Menschen übertragen wird (Schlachthofarbeiter, Bauern oder Fischer sind besonders gefährdet)
  • nekrotisierende Fasziitis, eine innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen potenziell tödlich verlaufende Form

Wie wird Rotlauf behandelt?

An Rotlauf erkrankte Menschen werden mit einem Antibiotikum über einen Zeitraum von mindestens 14 Tagen behandelt. Infusionen sind dabei wirkungsvoller und daher Tabletten vorzuziehen. Bei einer Penicillinallergie können auch Clindamycin oder Makrolid-Antibiotika verschrieben werden.

Gleichzeitig erfolgt stets eine Behandlung der Eintrittspforte, um eine erneute Infektion dieser Stelle auszuschließen. Bettruhe und eventuell auch eine Hochlagerung und Ruhigstellung der betroffenen Körperregion (z.B. Bein) können hilfreich sein. Lokal werden zusätzlich entzündungshemmende und abschwellende Salben angewendet. Bei starken Schmerzen kommen entzündungshemmende und fiebersenkende Schmerzmittel zum Einsatz.

Bei frühzeitiger Diagnose und ansonsten gesunden Patienten kann der Rotlauf zu Hause auskuriert werden. Ein Spitalsaufenthalt kann jedoch notwendig werden bei:

  • Komplikationen
  • fortgeschrittenen Zuständen mit fehlendem Ansprechen
  • älteren Patienten
  • Vorliegen schwerer Begleiterkrankungen
  • Gefahr einer tiefen Beinvenenthrombose

+++ Mehr zum Thema: Antibiotika richtig einnehmen +++

Komplizierter Rotlauf

Bei vorhandener Immunschwäche oder Durchblutungsstörungen kann es zu einem schwereren Verlauf des Rotlaufs kommen. Neben Bläschenbildung auf der entzündeten Haut können auch Einblutungen in die Haut entstehen. Bei fortschreitender Entzündung der Lymphbahnen kann sich auf der Haut ein roter Streifen bilden (Lymphangitis).

Wird das Erysipel nicht rechtzeitig erkannt und mit Antibiotika behandelt, kann sich die Entzündung auf das Unterhautgewebe ausdehnen und zu einer lebensgefährlichen Erkrankung, der nekrotisierenden Fasziitis, weiterentwickeln. Aus diesem Grund werden komplizierte Verläufe stets mit Antibiotika-Infusionen behandelt.

Prognose und mögliche Komplikationen von Rotlauf

Der Rotlauf ist eine schwerwiegende Erkrankung, die bei fehlender Therapie – wie oben beschrieben – zu einer Sepsis (Blutvergiftung) und damit zu einer potenziell lebensbedrohlichen Krankheit führen kann. Nach verabreichter Therapie klingt das Fieber in der Regel nach 3–4 Tagen ab. Die lokalen Krankheitszeichen brauchen jedoch länger, im Schnitt 8–12 Tage, um sich zurückzubilden.

Ein häufiges Problem des Rotlaufs sind Rezidive, also ein Wiederaufkeimen der Erkrankung. Dies führt zu bleibenden Schäden des Gewebes, wie bleibende Schwellung (sog. Elephantiasis, eine abnorme Vergrößerung eines Körperteils durch Lymphödeme), Bewegungseinschränkung bis hin zur Bildung von Geschwüren auf der Haut sowie Infektion des Knochens (Osteomyelitis). Sollte dieser Zustand auf Antibiotika nicht mehr ansprechen, kann auch eine Amputation der betroffenen Region erforderlich werden. Bei Patienten, die an einem rezidivierenden Rotlauf leiden, kann eine langfristige, vorbeugende Antibiotikatherapie erforderlich werden (Rezidivprophylaxe).

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Univ. Prof. Dr. Ichiro Okamoto
Redaktionelle Bearbeitung:
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Stand der medizinischen Information:
Quellen

Bonnetblanc JM, Bédane C. Erysipelas: recognition and management. Am J Clin Dermatol 2003; 4(3):157-63

Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e.V. (PEG): S2k-Leitlinie „Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen“, Stand 2019

Bläckberg A, Trell K, Rasmussen M. Erysipelas, a large retrospective study of aetiology and clinical presentation. BMC Infect Dis 2015; 15:402. Published 2015 Sep 30; DOI: 10.1186/s12879-015-1134-2

Antiinfektiva – Behandlung von Infektionen. Initiative Arznei und Vernunft, Pharmig - Verband der pharmazeutischen Industrie Österreich, 2. Auflage, Dezember 2010 

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