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Rheuma kennt kein Alter

Rheuma Alter
Rheumatische Beschwerden können auch schon in jungen Jahren auftreten. (PORNCHAI SODA / iStockphoto)

Immer noch herrscht die weitverbreitete Meinung, dass Rheuma nur alte Menschen befällt. Doch da irrt man gewaltig. Denn Rheuma kann vom Säuglings- bis ins Greisenalter auftreten.

Das Spektrum rheumatischer Leiden ist groß: Mehr als 400 verschiedene Krankheiten werden unter dem Oberbegriff "Rheuma“ zusammengefasst. Abnützungen der Gelenke und Wirbelsäule, Entzündungen mit geschwollenen Gelenken oder schmerzhafte Sehnenansätze gehören genauso zum rheumatischen Formenkreis wie Autoimmunerkrankungen oder globale Muskelschmerzen am ganzen Körper. Viele Erkrankungen haben dabei ein bevorzugtes Alter. Während ältere Menschen eher an Abnützungen und Verschleißerscheinungen leiden, treten bei jüngeren vermehrt Entzündungen und Autoimmunphänomene an Gelenken, Wirbelsäule, Muskeln und Sehnen auf. Eine rasche Diagnose und Therapie sind heute möglich und besonders wichtig, um bleibende Schäden am Bewegungsapparat abzuwenden.

+++ Mehr zum Thema: Rheuma +++

Vier Gruppen

Um sich in dem Wirrwarr rheumatischer Leiden besser zurechtzufinden, hat man die einzelnen Krankheiten in vier große Gruppen eingeteilt:

1. Entzündlich-rheumatische Erkrankungen

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie die rheumatoide Arthritis, die Psoriasisarthritis (Kombination Schuppenflechte mit Gelenksentzündung), Morbus Bechterew (schmerzhafte Entzündung der Wirbelsäule), Muskelentzündungen wie die Polymyalgia rheumatica und diverse andere Autoimmunerkrankungen wie Kollagenosen und Vaskulitiden. Diese Gruppe von Rheuma entsteht durch eine Störung des Immunsystems, das plötzlich aggressiv und überaktiv wird und sich gegen den eigenen Körper richtet.

2. Degenerative Gelenks- und Wirbelsäulenerkrankungen

Allerdings ist das Spektrum rheumatischer Leiden groß. Mehr als 400 verschiedene Krankheiten werden unter dem Oberbegriff "Rheuma“ zusammengefasst. Abnützungen der Gelenke und Wirbelsäule, Entzündungen mit geschwollenen Gelenken oder schmerzhafte Sehnenansätze gehören genauso zum rheumatischen Formenkreis wie Autoimmunerkrankungen oder globale Muskelschmerzen am ganzen Körper. Viele Erkrankungen haben dabei ein bevorzugtes Alter. Während ältere Menschen eher an Abnützungen und Verschleißerscheinungen leiden, treten bei jüngeren vermehrt Entzündungen und Autoimmunphänomene an Gelenken, Wirbelsäule, Muskeln und Sehnen auf. Eine rasche Diagnose und Therapie sind heute möglich und besonders wichtig, um bleibende Schäden am Bewegungsapparat abzuwenden.

3. Weichteilrheumatismus

Weichteilrheumatismus ist ein Überbegriff für alle jene Leiden, die unsere Weichteile wie Muskeln, Sehnen, Sehnenscheiden, Schleimbeutel und das Bindegewebe betreffen. Solche Beschwerden können nur lokal an einer Stelle auftreten wie z.B. ein Tennisellbogen oder am ganzen Körper wie die Fibromyalgie.

4. Stoffwechselstörungen mit rheumatischen Beschwerden

Dazu zählen Erkrankungen wie Gicht, Eisenspeicherkrankheit oder Osteoporose.

Rheuma bei Kindern

Rheuma bei Kindern und Jugendlichen ist leider weit verbreitet und dazu noch vielseitiger als bei Erwachsenen. Bei Gelenksentzündungen im Erwachsenenalter handelt es sich vorwiegend um die klassische rheumatoide Arthritis. Bei Kindern und Jugendlichen dagegen gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Gelenksentzündungen, die unter dem Begriff "juvenile idiopathische Arthritis“ zusammengefasst werden. Bei manchen Formen sind nur die großen Gelenke wie Knie und Sprunggelenke betroffen und keine Rheumafaktoren nachweisbar. Bei anderen Formen sind vor allem die kleinen Finger- und Zehengelenke angegriffen und Rheumafaktoren im Blut positiv. Wieder andere verursachen auch Entzündungen der Sehnen und Schleimbeutel oder treten gemeinsam mit einer Schuppenflechte auf. Und dann gibt es noch sehr schmerzhafte Entzündungen vorwiegend der Wirbelsäule, die bei Erwachsenen als Bechterew bekannt sind. Rheuma kann bereits im 1. Lebensjahr auftreten, bei Mädchen generell häufiger als bei Buben.

Rheuma bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen

In dieser Altersklasse sieht es ähnlich aus wie bei Kindern. Abnützungen treten eher selten auf und meist nur nach schweren Verletzungen oder hochgradigen Fehlstellungen, die zu einem frühzeitigen Knorpelschaden führen. Wiederum sind diverse Autoimmunerkrankungen wie Gelenks- und Wirbelsäulenentzündungen führend. Ab der Pubertät sieht man vor allem bei Burschen schmerzhafte Entzündungen der Wirbelsäule im Sinne eines Morbus Bechterews, der frühzeitig behandelt werden muss, um eine Versteifung des Rückens zu verhindern.

Rheuma bei Erwachsenen

Mit zunehmendem Alter gewinnen die Abnützungen an Einfluss und nehmen mit jeder Lebensdekade an Häufigkeit zu. Bei den Entzündungen steht die rheumatoide Arthritis an erster Stelle, gefolgt von der Psoriasisarthritis und Entzündungen der Wirbelsäule. Auch viele andere Autoimmunerkrankungen mit ganz unterschiedlichen Symptomen kommen vor.

Erwachsenen haben außerdem zunehmend Stoffwechselstörungen wie Gicht und Eisenspeicherkrankheit, die oft zu Gelenkproblemen führen.

Auch Weichteilrheumatismus ist in dieser Altersklasse im Vormarsch. Hier reicht die Palette vom Tennisellbogen, Schleimbeutelentzündungen oder Probleme der Achillessehne bis hin zum Schulter-Arm-Syndrom. Häufig finden sich Schmerzen am ganzen Körper wie die Fibromyalgie.

Rheuma bei Älteren

Wer einmal die "80“ erreicht hat, wird wohl in dem einen oder anderen Gelenk oder an der Wirbelsäule eine Abnützung haben. Ebenso nehmen Probleme an den Sehnen und Muskeln im Alter zu wie auch Stoffwechselerkrankungen.

Entzündungen treten zwar weniger häufig als bei jüngeren Personen auf, dennoch kann sich noch im hohen Alter eine rheumatoide Arthritis oder eine Schuppenflechte über Nacht manifestieren. Manche Entzündungen sind dagegen spezifisch für ältere Menschen wie z.B. die Polymyalgia rheumatica, eine äußerst schmerzhafte Muskelentzündung des Schulter- und Beckengürtels.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der Rheumaart und nach den Bedürfnissen des Einzelnen. Jeder Rheumapatient ist anders und braucht sein maßgeschneidertes Therapiekonzept.

Immuntherapie

Die Ursache der meisten Gelenksentzündungen wie der rheumatoiden Arthritis ist eine Störung unseres Immunsystems, welches plötzlich außer Kontrolle gerät. Über eine Aktivierung diverser Zellen und Botenstoffe des Immunsystems kommt es zu einer entzündlichen Reaktion, die zu den gefürchteten Entzündungen an Gelenken, Wirbelsäule und Muskeln führt. Eine rasche Diagnose und Therapie sind heute möglich und besonders wichtig, um bleibende Schäden am Bewegungsapparat abzuwenden. Wer also länger als drei Wochen an unklaren Schmerzen und Schwellungen an den Gelenken, Morgensteifigkeit, Bewegungseinschränkungen oder Kraftverlust leidet, sollte rasch einen Rheumaspezialisten aufsuchen.

Grundlage jeder Rheumatherapie ist der Einsatz sogenannter Basismittel. Diese Medikamente greifen in das ausufernde Entzündungsgeschehen in unserem Immunsystem ein und können zu einem kompletten Stillstand der Entzündung und damit aller Beschwerden führen (Remission).

Einen entscheidenden Fortschritt in der Rheumatherapie hat die Entwicklung der Biologika (biotechnologisch hergestellte Medikamente) seit dem Jahr 2000 gebracht, welche gezielt jene überaktiven Zellen und Botenstoffe unseres Immunsystems bremsen, die eben die Gelenksentzündungen hervorrufen. Biologika wirken nicht nur auf die Symptome des Rheumaleidens, sondern beeinflussen vor allem den Verlauf der Krankheit mit der Möglichkeit eines kompletten Stopps. Biologika werden entweder als Infusion verabreicht oder vom Patienten selbst subcutan (unter die Haut) gespritzt.

Seit einigen Jahren gibt es noch neuere Rheumamittel, die "Small Molecules“. Darunter versteht man eine Gruppe von Medikamenten mit kleiner Molekülmasse, die oral eingenommen werden können. Die Wirkstoffe in den Small Molecules sind so klein, dass sie durch die Zellwände in den Zellkern der Immunzellen eindringen können. Dort blockieren sie die ausufernden Kettenreaktionen der Entzündungskaskade. Die Immunzellen werden nicht mehr übermäßig aktiviert, Entzündung und klinische Symptome verbessern sich oder verschwinden.

Knorpelaufbau

Bei Arthrosen setzt man auf die Kombination von pharmakologischen und nicht-pharmakologischen Maßnahmen. Neben diversen Medikamenten (Schmerzmittel, Antirheumatika) lokal, oral und intraartikulär kommen Physiotherapie, physikalische und ergotherapeutische Maßnahmen, Hilfsmittel und chirurgische Möglichkeiten zum Einsatz.

Knorpelaufbaupräparate wie Chondroitin- und Glucosaminsulfat, Diacerein und Hyaluronsäurepräparate besitzen strukturmodifizierende Eigenschaften, die zumindest eine Schmerzreduktion und funktionelle Verbesserungen bei zugleich günstigem Nebenwirkungsprofil bewirken.

Physiotherapie

Weichteilrheuma wird in erster Linie durch physikalische Therapien wie  Packungen und Wärmeanwendungen, Ultraschall, Elektrotherapie und konsequente Heil- und Unterwassergymnastik behandelt. Eine stetige Muskelstärkung ist auch bei abgenützten und entzündeten Gelenken wichtig, da dadurch die Gelenke entlastet werden. Sport wirkt überdies entzündungshemmend.

+++ Mehr zum Thema: Wie wird Rheuma behandelt? +++

Gesunder Lebensstil hilft bei Rheuma

Unser Lifestyle trägt zum Therapieerfolg bei. Bestimmte Lebensstilfaktoren wie Rauchen, zu wenig Bewegung, schlechte Ernährung und Übergewicht spielen einerseits bei der Entstehung und Auslösung rheumatischer Entzündungen eine große Rolle und können andrerseits den Therapieerfolg deutlich reduzieren. Regelmäßig Sport und Bewegung, Gewichtsreduktion und eine gesunde kalorienreduzierte Mischkost reich an frischem Gemüse, Salaten, Kräutern und Obst in Kombination mit Fisch, Pflanzenölen und Vollkornprodukten wirken sich auf die Krankheitsaktivität und den Verlauf rheumatischer Erkrankungen äußerst positiv aus. Damit tragen wir eine gewisse Eigenverantwortung.

+++ Mehr zum Thema: Rheuma richtig behandeln und vorbeugen +++

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Autoren:
Dr. Thomas Schwingenschlögl
Redaktionelle Bearbeitung:

Aktualisiert am:

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