Rheuma

Rheuma Schmerzen in den Gelenken
Schmerzhafte und geschwollene Gelenke sind das Hauptsymptom rheumatischer Erkrankungen (seb_ra / iStockphoto)

Rheuma ist der Überbegriff für eine Vielzahl von Erkrankungen, die ganz unterschiedliche Ausprägungen und Krankheitsverläufe zeigen. Eine Heilung ist derzeit noch nicht möglich. Mithilfe unterschiedlicher Behandlungsformen können die Symptome jedoch meist gut unter Kontrolle gebracht werden.

Kurzfassung:

  • Rheuma ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Sammelbegriff für über 400 verschiedene Erkrankungen, die sich vorwiegend im Bereich des Stütz- und Bewegungsapparates manifestieren.
  • Sie gehen überwiegend mit fließenden, reißenden oder ziehenden Schmerzen einher.
  • Von Rheuma sind vorwiegend ältere Personen betroffen, es erkranken aber auch Kinder und Jugendliche. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
  • Eine Heilung ist derzeit noch nicht möglich.
  • Mithilfe unterschiedlicher Behandlungsformen kann die Erkrankung jedoch unter Kontrolle gebracht werden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Rheuma als Sammelbegriff für Erkrankungen, die überwiegend am Bewegungsapparat auftreten und fast immer mit Schmerz und häufig auch mit Bewegungseinschränkung verbunden sind. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von „Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises“.

Häufigkeit

Beinahe jeder vierte Österreicher ist von Rheuma betroffen, in der Gruppe der über 55-Jährigen sind es sogar 40%. Obwohl mehrheitlich ältere Personen erkranken, macht Rheuma auch vor Kindern und Jugendlichen nicht Halt: Jährlich erkranken in Österreich mehrere Hundert Kinder aller Altersstufen, insbesondere an Arthritis und Psoriasis-Arthritis. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Einteilung der rheumatischen Erkrankungen

Rheuma kann sich in ganz unterschiedlichen Verläufen und Ausprägungen zeigen. Rheumatische Erkrankungen betreffen vorwiegend den Bewegungsapparat (Gelenke, Wirbelsäule, Muskeln, Sehnen und Schleimbeutel), sie können sich aber auch in fast allen Organen manifestieren. So gibt es beispielsweise rheumatische Augenentzündungen, Rippenfellentzündungen, Herzmuskelentzündungen sowie rheumatische Entzündungen der Nieren, des Darmes oder der Gefäße.

Rheumatische Erkrankungen lassen sich grob in vier Arten einteilen:

1. Entzündlich-rheumatische Erkrankungen

Dieser Gruppe von Erkrankungen liegt meist eine Autoimmunerkrankung zugrunde. Dabei kommt es zu einer überschießenden Reaktion des Immunsystems, bei der sich Abwehrzellen fälschlicherweise gegen körpereigenes Gewebe richten: Der Körper greift sich selbst an. Über eine Aktivierung diverser Zellen und Botenstoffe unseres Immunsystems wird eine Entzündungskaskade in Gang gesetzt. Dadurch kommt es zu einer Entzündung in den Gelenken, Muskeln, der Wirbelsäule, aber auch in inneren Organen

Rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis)

Die Fehlsteuerung des Immunsystems löst an der Innenauskleidung der Gelenke (Synovia) eine Entzündung aus, in deren Folge es zur Zerstörung des Gelenkknorpels bzw. des gesamten Gelenks kommt.

Die Gelenkentzündungen können wiederkehrend (rezidivierend) oder ständig bestehend (chronisch) auftreten. Die rheumatoide Arthritis ist die häufigste entzündliche rheumatische Erkrankung und betrifft etwa 1% der Bevölkerung.

Spondylarthritis (Entzündungen von Wirbelsäule und Gelenken)

Bei der Spondylarthritis kommt es zu Entzündungen von Wirbelsäule, Wirbelgelenken und peripheren Gelenken. Typische Ausprägungen sind:

Vaskulitiden (Entzündungen der Gefäße)

Die Entzündung befällt vorwiegend die Gefäßwand der Arterien. In der Folge werden die versorgten Organe geschädigt. Die Einteilung erfolgt je nach Befall großer, mittlerer oder kleiner Blutgefäße. Typische Ausprägungen sind:

Kollagenosen (Bindegewebserkrankungen)

In dieser Gruppe sind Krankheitsbilder zusammengefasst, bei denen unterschiedliche Organsysteme und Gelenke durch die autoimmun bedingte Entzündung in Mitleidenschaft gezogen werden:

2. Degenerative Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen

Arthrosen

Osteoarthritis: Gelenkabnützungen – verschleiß- oder altersbedingte Schäden – können prinzipiell in jedem Gelenk vorkommen, am häufigsten betroffen sind Hüfte, Knie und Fingergelenke.

Spondylosen, Spondylarthrose, Chondrose

Abnützungen an der Wirbelsäule (Spondylose), den kleinen Wirbelgelenken (Spondylarthrose) und den Bandscheiben (Chondrose, Osteochondrose)

3. Weichteilrheumatismus

Unter diesem Sammelbegriff versteht man Erkrankungen, Probleme und Beschwerden der weichen, nicht knöchernen Strukturen des Bewegungsapparates, wie Muskeln, Sehnen, Sehnenscheiden, Bänder, Schleimbeutel und Bindegewebe, die nicht entzündlich bedingt sind.

Lokalisiertes Weichteilrheuma

Schmerzen und Beschwerden treten nur an einer Stelle des Körpers auf, z.B. Tennisellbogen, Schulter-Arm-Syndrom, Probleme der Achillessehne.

Generalisiertes Weichteilrheuma

Schmerzen treten am ganzen Körper auf, z.B. Fibromyalgie.

4. Stoffwechselstörungen mit rheumatischen Beschwerden

Gicht: erhöhte Harnsäure

Chondrokalzinose: Pseudogicht durch Kalziumpyrophosphat-Kristalle

Hämochromatose: Eisenspeicherkrankheit

Osteoporose: Abnahme der Knochendichte und Störung der Mikroarchitektur des Knochens

Welche Ursachen hat Rheuma?

So unterschiedlich die Ausprägungen und Krankheitsverläufe rheumatischer Erkrankungen sind, so unterschiedlich sind auch die Ursachen. Viele Ursachen sind bis dato noch nicht restlos geklärt. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass bestimmte Faktoren – häufig auch in Kombination – als Auslöser wirken können:

  • Genetische Veranlagung: Insbesondere entzündliche Erkrankungen treten familiär gehäuft auf.
  • Störungen des Immunsystems (Autoimmunerkrankungen) sind häufig Auslöser für entzündliche Rheumaerkrankungen.
  • Bakterielle oder virale Erkrankungen
  • Überlastung von Gelenken (Übergewicht, Fehlstellungen, Spitzensport)
  • Bewegungsmangel (Muskelschwäche, Inaktivität durch Bettlägerigkeit)
  • Stoffwechselstörungen wie Diabetes oder Gicht, Nährstoffmangel

Welche Symptome treten bei Rheuma auf?

Die bei rheumatischen Erkrankungen auftretenden Beschwerden sind abhängig davon, in welcher Form sich die Erkrankung zeigt. Zu den typischen rheumatischen Symptomen zählen:

Schmerzen, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen in Gelenken

Schmerzhafte und geschwollene Gelenke sind das Hauptsymptom rheumatischer Erkrankungen. Die Schmerzen werden meist als ziehend, reißend oder fließend wahrgenommen. Typisch für Rheuma ist zudem eine Bewegungseinschränkung in den betroffenen Gelenken. Eine Gelenkssteifigkeit tritt vor allem nach längeren Ruhepausen auf, insbesondere morgens nach dem Aufstehen. Eine Besserung zeigt sich üblicherweise nach rund einer Stunde. Kalt-feuchtes Wetter kann die Symptomatik verschlimmern.

Wenn die Erkrankung fortschreitet, kommt es zu Verformungen der Gelenke und es bilden sich manchmal kleine, harte Knötchen unter der Haut. Diese Rheumaknoten sind meist unempfindlich gegenüber Druck oder Berührungen.

Unterschiedliche Gelenke betroffen

Je nach Art der Erkrankung können unterschiedliche Gelenke betroffen sein bzw. verschiedene Begleiterkrankungen auftreten.

Bei der rheumatoiden Arthritis bestehen die schmerzhaften, weichen Schwellungen der Gelenke meist über mehrere Wochen. Die Symptome treten in der Regel symmetrisch auf beiden Seiten auf.

Fingergrund- und Fingermittelgelenke, Handgelenke, Zehengrund- und Zehenmittelgelenke sind am häufigsten betroffen; seltener Schultern, Ellbogen, Knie- und Hüftgelenke. Die körperfernen Zwischenzehengelenke hingegen sind so gut wie nie betroffen.

Bei Psoriasis-Arthritis können die Beschwerden von Patient zu Patient stark variieren. Typisch sind asymmetrisch auftretende Gelenkentzündungen im Bereich der unteren Extremitäten sowie Schwellungen und Schmerzen in den Fingergelenken. Knie-, Sprung- und Zehengelenke (zudem die körperfernen Zwischenzehengelenke) sind häufig betroffen. Bei einem Teil der Betroffenen kommt es zusätzlich zu Sehnenansatzentzündungen an Ferse oder Beckenkamm und/oder zu Uveitis anterior.

Spondyloarthritis äußert sich durch Entzündung, Schwellung und Schmerz entlang der Wirbelsäule, aber auch an den Extremitäten, Fersen, Fingern oder Zehen. Außerhalb des Bewegungsapparates können folgende Krankheitsbilder hinzukommen: Uveitis anterior, Psoriasis, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa. Morbus Bechterew manifestiert sich hauptsächlich an der Wirbelsäule und führte früher oft zu einer kompletten Versteifung.

Allgemeine Erschöpfung

Auch wenn bei Rheuma primär die Gelenke beeinträchtigt sind, betrifft die entzündliche Erkrankung nach und nach den gesamten Körper. Viele Betroffene sind infolge dieser Entzündungsreaktion weniger belastbar, fühlen sich häufig schlapp und müde. Bei sehr ausgeprägter Müdigkeit sprechen Mediziner von „Fatigue“.

Verlauf

Wie sich der Verlauf einer rheumatischen Erkrankung gestaltet, ist nur schwer vorauszusagen und je nach Form und Patient unterschiedlich. In einigen Fällen treten die Beschwerden nur in einem einzelnen „Schub“ auf und verschwinden in der Folge für Jahre, ohne viele Probleme zu machen. Bei anderen Patienten kann dieselbe Erkrankung aber auch zu rasanter Gelenkzerstörung führen und durch die Beteiligung innerer Organe lebensgefährlich sein.

+++ Mehr zum Thema: Behandlung rheumatischer Erkrankungen +++

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Autoren:

Medizinisches Review:
Dr. Thomas Schwingenschlögl
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. Julia Wild

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Österreichische Gesellschaft für Rheumatologie: Leitlinien für die Praxis – Rheumatoide Arthritis, Psoriasis-Arthritis, Spondyloarthritis. Stand 2018; https://rheumatologie.at/_cms/files/doc/OeGR_Pocket_Guide_Rheuma_2018_6.pdf (letzter Zugriff am 27.03.2019)

Webseite Gesundheit.gv.at: Rheuma, was ist das? https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/koerper/rheuma/was-ist-das (letzter Zugriff am 27.03.2019)

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.: Rheumadiät; https://www.dge.de/wissenschaft/weitere-publikationen/fachinformationen/rheumadiaet/ (letzter Zugriff am 27.03.2019)

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