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Quecksilbervergiftung

Quecksilber mercury Vergiftung
Das Schwermetall Quecksilber bildet bei Raumtemperatur kleine Tröpfchen. (videophoto / iStockphoto)

Als Quecksilbervergiftung, auch Merkurialismus genannt, wird eine Vergiftung mit dem für den Menschen gifitgen Schwermetall Quecksilber bezeichnet.

Kurzfassung:

  • Bei einer Quecksilbervergiftung handelt es sich um eine Vergiftung mit dem Schwermetall Quecksilber.
  • Es gibt viele potentielle Quellen für eine Vergiftung. Meistens wird Quecksilber jedoch über die Nahrung zugeführt.
  • Bei einer Vergiftung wird zwischen einer akuten und einer chronischen Quecksilbervergiftung unterschieden.
  • Die Symptome bei akuten und chronischen Vergiftungen sind unterschiedlich stark ausgeprägt.
  • Eine Quecksilbervergiftung lässt sich mithilfe einer Blutuntersuchung feststellen.
  • In der Schwangerschaft und Stillzeit sollten aufgrund einer möglichen Quecksilbervergiftung nur bestimmte Fischarten gegessen werden.

Man unterscheidet zwischen einer akuten und einer chronischen Quecksilbervergiftung. Bei der akuten Vergiftung wird innerhalb kurzer Zeit eine größere Menge des giftigen Metalls aufgenommen. Bei der chronischen erfolgt die Aufnahme oft über Wochen bis Monate und kann lange Zeit unbemerkt bleiben.

Woher kommt zu viel Quecksilber im Körper?

Es gibt viele Möglichkeiten dem Körper unbewusst Quecksilber zuzuführen.

Häufige Vergiftungsquellen

Zu den häufigeren Quellen gehören heutzutage:

  • verunreinigte Industrieabwässer
  • industrielle Abfälle

Das darin enthaltene Quecksilber gelangt so in das Grundwasser und in weiterer Folge in Flüsse, Seen und das Meer. Winzig kleine Mikroben nehmen das Quecksilber dann auf. Diese Mikroben sind der unterste Teil der natürlichen Nahrungskette an dessen Ende wiederum der Mensch steht. Vor allem große Raubfische sind oftmals stark mit Quecksilber belastet. Dazu gehören:

  • Thunfisch
  • Haie
  • Schwertfisch 

Eine weitere Quelle von Quecksilber sind:

  • Pesizide
  • Fungizide
  • Saatbeizmittel

Auch auf diesem Weg gelangt das Quecksilber in den Boden und damit in das Grundwasser. In geringen Mengen findet sich das Schwermetall ebenso in Energiesparlampen, Batterien, Porzellanfarben und Kosmetikartikeln.

+++ Mehr zum Thema: Richtiger Umgang mit Lebensmitteln +++

Seltene Vergiftungsquellen 

Ausgetretenes flüssiges Quecksilber aus Thermometern, Blutdruckmessgeräten und Manometern wird mittlerweile durch ungiftige Ersatzstoffe (Galinstan) ersetzt. Dennoch können alte Produkte eine mögliche Gefahrenquelle darstellen. Giftige Dämpfe bei der Herstellung und die Zubereitung von Amalgamfüllungen in Zahnarztpraxen können auf die Dauer ebenfalls Vergiftungen hervorrufen.

Wie äußert sich eine Quecksilbervergiftung?

Der Verlauf einer Quecksilbervergiftung kann sehr unterschiedlich verlaufen und hängt in erster Linie von der Menge ab, welche aufgenommen wurde. Dabei wird zwischen einer akuten und einer chronischen Vergiftung mit Quecksilber unterschieden.

Akute Vergiftung

Meist führt die Aufnahme von Quecksilberchlorid oder die Inhalation giftiger Dämpfe durch Bruch eines alten Thermometers zu akuten Vergiftungserscheinungen. Wird Quecksilber geschluckt oder inhaliert reagiert der Körper mit Übelkeit und Erbrechen, etwas verzögert mit Durchfall, um das giftige Metall rasch wieder loszuwerden. Auf diese Weise nicht ausgeschiedenes Quecksilber wird resorbiert und lagert sich vorwiegend im Zentralnervensystem (ZNS), der Niere und der Leber ab.

Es kommt zu Unruhe, Nervosität, Zittern und Krämpfen. Ein zu Beginn häufiger Harndrang schlägt später ins Gegenteil um und kann dann gänzlich ausbleiben. Obwohl die Nervenzellen im ZNS und die Tubuluszellen der Niere am schwersten von einer Vergiftung betroffen sind, kann es auch zu starkem Husten und einer Pneumonie kommen.

Chronische Vergiftung

Eine chronische Quecksilbervergiftung kann sehr lange Zeit unbemerkt bleiben, wenn immer nur kleine Mengen zugeführt werden. Wird eine gewisse Schwelle überschritten reagiert der Körper mit vermehrten Speichelfluss, einer Stomatitis und dem Lockerwerden von Zähnen. Manchmal kann ein bläulich-violetter "Quecksilbersaum" am Zahnfleich entdeckt werden.

Die Aufnahme ins zentrale Nervensystem geht auf die Dauer mit Stirnkopfschmerzen, Zittern, Schlaflosigkeit und Sprachstörungen einher. Bei länger dauernder Vergiftung können sich depressive Stimmungslage, Unruhe und Gewichtsverlust dazugesellen, Eine Sonderform stellen hellbraune bis dunkelrotbraune Quecksilberablagerungen in der vorderen Augenlinsenkapsel dar, welche als Mercuria lentis bezeichnet und einfach vom Augenarzt festgestellt werden können.

+++ Mehr zum Thema: Neurologische Erkrankung +++

Welche Symptome und Anzeichen hat eine Quecksilbervergiftung?

  • Atemschwierigkeiten
  • Müdigkeit, Konzentrationsprobleme
  • Gastrointestinale Störungen
  • Hautreaktionen
  • Netzhautentzündungen
  • Nierenschäden
  • Zahnlockerung
  • Vermehrter Speichelfluss

Im Verlauf kann es zu einer Schädigung des Nervensystems kommen:

Diagnose und Behandlung einer Quecksilbervergiftung

Akute Quecksilbervergiftungen lassen sich fast immer aufgrund des Unfallherganges feststellen. Es erfolgt eine rasche intensivmedizinische Behandlung und die stationäre Aufnahme im Krankenhaus. Chronische Vergiftungen können meist ambulant behandelt und mithilfe einer Blutuntersuchung nachgewiesen werden.

Wird eine Belastung mit dem Schwermetall Quecksilber diagnostiziert, erfolgt in der Regel eine Ausleitungstherapie. Diese kann bei guter Nierenfunktion mit Chelatbildnern (Dimercaptopropansulfonsäure, EDTA oder Penicillamin) erfolgen, alternativ mit N-Acetylcystein oder anderen schwefelhaltigen Verbindungen.

+++ Mehr zum Thema: Entgiftung +++

 Schwangerschaft und Stillzeit

Es ist bekannt, dass die Schwangerschaft und Stillzeit sowohl für die Mutter als auch ihr Kind eine sehr kritische Zeit darstellen, insbesondere in Bezug auf Schwermetalle wie Quecksilber. Für die zukünftige Gesundheit des Kindes ist es empfehlenswert wenn die werdende Mutter mindestens 2x pro Woche Fisch isst. Viele Fische können jedoch höhere Mengen Quecksilber enthalten. Nachfolgend werden einige Fischarten aufgezählt, die nur gering belastet sind und problemlos verzehrt werden können.

  • Forelle, Saibling, Karpfen, Lachs, Alaska-Seelachs, Sprotten, Sardinen und Hering sind mit durchschnittlich 10-40 Mikrogramm/kg gering belastet.
  • Meeresfrüchte wie Garnelen, Tintenfische und Muscheln sind mit 18-24 Mikrogramm/kg ebenfalls gering belastet.
  • Zander, Dorsch, Kabeljau, Makrelen, Sardellen, Schollen, Goldbrassen, Doraden, Heilbutt und Wolfsbarsch liegen mit durchschnittlich 45-100 Mikrogramm/kg im mittleren Bereich und sollten nur gelegentlich auf den Tisch kommen.
  • Thunfisch, Schnapper, Schwertfisch und Butterfisch haben deutlich höhere Werte. Auf diese Fischarten sollte während der Schwangerschaft und Stillzeit verzichtet werden.

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Redaktionelle Bearbeitung:

Aktualisiert am:
Quellen

 Geisslinger G, Menzel S, Gudermann T, Hinz B and Ruth P. Mutschler Arzneimittelwirkungen: Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Aufl., 2020

Östereichische Agentur für Ernährungssicherheit (AGES): Aufnahme von Quecksilber über Lebensmittel, Stand: 03/2016; https://www.ages.at/download/0/0/3e6c533f097b9ae6c289c68e4f9a16f5388862b0/fileadmin/AGES2015/Themen/R%C3%BCckst%C3%A4nde_Kontaminanten_Dateien/AGES_BERICHT_Aufnahme_von_Quecksilber_ueber_Lebensmittel_2_BF.PDF (letzter Zugriff am 05.07.2020)

Biesalski HK. Vitamine, Spurenelemente und Minerale: Indikation, Diagnostik, Therapie. Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart, 2. Aufl., 2019

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