Wiesengräserdermatitis (Phototoxische Pflanzendermatitis, Wiesengräserdermatitis, Berloque Dermatitis, Margarita Burn, Photokontaktdermatitis)

(Martina Berg / Fotolia.com)

Die Phytophotodermatitis, auch Wiesengräserdermatitis genannt, wird durch eine chemische Reaktion auf der Haut verursacht. Bestimmte Substanzen (z.B. Furocumarine), die in manchen Pflanzen enthalten sind, machen die Haut an den betroffenen Stellen extrem empfindlich für UV-Strahlung. Wird also die betroffene Stelle Sonnenlicht ausgesetzt, kann nach rund 24 Stunden ein typischer Ausschlag mit einer bizarren Konfiguration entstehen, der leicht mit Brandblasen zu verwechseln ist.

Auslöser können nicht nur Wiesengräser (z.B. Wiesen-Bärenklau) sein, sondern auch Gemüse- und Gartenpflanzen (z.B. Petersilie, Pastinake). Den Spitznamen „Margarita Burn“ trägt die Phytophotodermatitis aufgrund der Häufung unter Barkeepern in Hotels in Urlaubsregionen: Auch Zitrusfrüchte wie Limetten, die häufig für Cocktails ausgepresst werden, können dieselbe Wirkung auf die Haut haben.

Welche Symptome treten bei der Wiesengräserdermatitis auf?

Kleine Brandblase rechts, links daneben die typische, bräunliche Hyperpigmentierung
Rechts eine kleine Brandblase, links die typisch bräunliche Hyperpigmentierung (salajean / Fotolia.com)

Da eine phototoxische Hautreaktion nur durch den Kontakt mit Sonnenlicht entstehen kann, sind meist Arme, Beine oder Hände betroffen. Nach dem Kontakt mit der auslösenden Pflanze, z.B. bei Gartenarbeiten, einem Waldspaziergang oder beim Zitronenpressen, bildet sich nach Sonnenexposition mit ein bis vier Tagen Verzögerung ein entzündlicher Hautausschlag. Dieser äußert sich durch:

  • Hautrötungen mit Bläschen- und Blasenbildung an den Kontaktstellen (kann z.B. bei Streifkontakt mit einer Pflanze streifen- oder strichartig über die Haut verteilt sein)
  • starker Juckreiz
  • Schwellung
  • brennender Schmerz
  • Verfärbung der Haut (Hyperpigmentierung)

Der Höhepunkt der Blasenbildung ist meist mit dem dritten Tag erreicht – danach beginnt die Haut langsam abzuheilen. Die Läsionen sind in der Regel nach zwei bis vier Wochen komplett abgeheilt. Dabei entsteht jedoch häufig eine Hyperpigmentierung (Hautverfärbung), die auch deutlich länger bestehen bleiben kann. Bei nur schwacher Sonnenexposition kann die Blasenbildung komplett wegfallen und nach ein bis zwei Wochen direkt eine solche Hyperpigmentierung auftreten.

Welche Pflanzen verursachen eine Wiesengräserdermatitis?

Besonders Rautengewächse und Pflanzen aus der Familie der Doldenblütler können eine Phytophotodermatitis auslösen. Zu den Pflanzen, die zu phototoxischen Reaktionen führen können, gehören u.a.:

  • Petersilie
  • Koriander
  • Weinraute
  • Feigenbaum und -früchte
  • Pastinake
  • Möhre
  • Sellerie
  • Aschwurz
  • Wiesenkerbel
  • Riesen- und Wiesen-Bärenklau
  • Bergamotte
  • Limette
  • Zitrone
  • Grapefruit
  • Bitterorange

Einige dieser Pflanzen werden auch in Likören, Gewürzen oder Parfüms verarbeitet und können auf diesem Weg ebenfalls eine phototoxische Reaktion auslösen.

Wie wird die Wiesengräserdermatitis behandelt?

Eine schwere Phytophotodermatitis sollte wie eine Verbrennung zweiten Grades von einem Facharzt für Dermatologie behandelt werden. Größere Blasen können in manchen Fällen punktiert, gereinigt und desinfiziert werden. Wundauflagen schützen offene Blasen vor dem Eindringen von Keimen und anderen Erregern. Rötungen und Hautirritationen werden wie ein Sonnenbrand mit milden, kühlenden Hautpflegemitteln (z.B. Dexpanthenol) behandelt. Liegen mittlere bis starke Entzündungen und Schmerzen vor, kommen lokale Glukokortikoide und schmerzlindernde nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAR) wie Ibuprofen zum Einsatz.

+++ Mehr zum Thema: Behandlung bei Verbrennungen +++

Wie kann ich einer Phytophotodermatitis vorbeugen?

Um einer Phytophotodermatitis vorzubeugen, reicht es normalerweise, direkt nach dem Kontakt mit der Pflanze die betroffenen Hautstellen gründlich mit Wasser und gegebenenfalls mit Seife zu waschen. Ist das nicht innerhalb von ca. 30 Minuten möglich, sollte die Haut an den Kontaktstellen in den nächsten zwei bis drei Tagen vor Sonnenlicht geschützt werden. Beim Gemüseernten oder bei der Unkrautvernichtung empfehlen sich Gartenhandschuhe. Bei Spaziergängen, etwa an Waldrändern, kann sicherheitshalber der direkte Hautkontakt mit Pflanzen vermieden werden, die dem Bärenklau ähnlich sehen.

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Autoren:

Medizinisches Review:
DDr. Martin Torzicky

Stand der Information: Mai 2017

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