Benigne Prostatahyperplasie (Prostatavergrößerung)

Probleme beim Wasserlassen können ein erster Hinweis auf eine vergrößerte Prostata (Benigne Prostatahyperplasie) sein.
Probleme beim Wasserlassen können ein erster Hinweis auf eine vergrößerte Prostata sein. (Jan-Otto / iStockphoto)

Bei der benignen Prostatahyperplasie (kurz: BPH) handelt es sich um eine gutartige Vergrößerung der männlichen Vorsteherdrüse (Prostata). Probleme beim Wasserlassen und andere Störungen der Blasenfunktion können erste Hinweise auf eine vergrößerte Prostata sein.

Normalerweise hat die Prostata in etwa die Form und Größe einer Kastanie. Das zum männlichen Uro-Genitaltrakt gehörende Organ liegt unterhalb der Harnblase und umschließt ringförmig den dort beginnenden Harnleiter bis zum Beckenboden. Von der Prostata wird ein Teil der Samenflüssigkeit produziert, die bei der Ejakulation ausgestoßen wird. Außerdem sorgen ihre Muskelzellen bei der Ejakulation dafür, dass die Samenflüssigkeit mit dem nötigen Schwung durch die Harnröhre nach außen gelangt.

Wie häufig kommt es zu einer Prostatavergrößerung?

Bemerkbar macht sich eine gutartige Vergrößerung der Prostata in erster Linie durch Probleme beim Wasserlassen. Mittlerweile wird in Fachkreisen bevorzugt der Überbegriff "benignes Prostata-Syndrom" verwendet, der Prostatavergrößerung, dadurch entstehende Reizsymptome und die resultierenden Blasenfunktionsstörungen zusammenfasst.Die benigne Prostatahyperplasie kann man durchaus als Volkskrankheit bezeichnen. So lässt sich in den westlichen Industrienationen bei etwa der Hälfte der über 60-jährigen Männer eine BPH nachweisen. Bei den über 80-Jährigen beträgt die Rate um die 90 Prozent. Die Zahlen machen deutlich, dass die Erkrankungswahrscheinlichkeit mit zunehmendem Alter steigt. Allerdings ist die BPH nur bei etwa 20 Prozent der Betroffenen so ausgeprägt, dass sie einer Therapie bedarf.

Die genauen Ursachen der BPH sind bislang noch nicht geklärt. Der bedeutsamste Risikofaktor ist sicherlich das Alter.

Welche Beschwerden macht eine benigne Prostatahyperplasie?

Links: normale Prostata; Rechts: vergrößerte Prostata
Links: normale Prostata; Rechts: vergrößerte Prostata (ttsz / iStockphoto)

Abschwächung des Harnstrahls: Erstes Symptom der Erkrankung ist oft eine Abschwächung des Harnstrahls.Die Symptome der benignen Prostatahyperplasie entstehen, weil die Harnröhre durch die vergrößerte Vorsteherdrüse zunehmend eingeengt wird. Die Folgen sind Probleme beim Wasserlassen und andere Störungen der Blasenfunktion. Je nach Ausprägung der Beschwerden kann es zu folgenden Problemen kommen:

  • Verzögerte Blasenentleerung: Daneben ist der Beginn der Blasenentleerung verzögert, das heißt, es dauert beim Toilettengang länger, bis Urin austritt und auch bis das Wasserlassen beendet ist. Um die Blase vollständig zu leeren, sind mehrere Versuche nötig, oft unter starker Zuhilfenahme der Bauchmuskeln.
  • Nachtröpfeln und häufiger Harndrang (Pollakisurie): Auch ein Nachtröpfeln des Urins ist in diesem sogenannten Reizstadium typisch, hinzu können auffällig häufiges Urinieren und ein plötzlicher, starker Harndrang kommen.
  • Restharngefühl: In weiterer Folge kann die Blase nicht mehr vollständig entleert werden, wodurch es zu einem Restharngefühl kommt.
  • Nächtlicher Harndrang (Nykturie): Fortwährender Harndrang und häufiges Wasserlassen auch während der Nacht sind die charakteristischen Symptome.
  • Harnwegsinfekte: Wenn zudem ständig Urin in der Blase bleibt, erleichtert das Krankheitskeimen, sich dort anzusiedeln und zu vermehren. Dadurch erhöht sich das Risiko für einen Harnwegsinfekt oder eine Blasenentzündung. Auch die Bildung von Blasensteinen wird durch den Restharn begünstigt.

Die BHP lässt sich zudem in folgende drei Stadien einteilen:

  • Stadium I: Dieses Stadium wird auch als Reizstadium bezeichnet und äußert sich durch Symptome wie einen abgeschwächten Harnstrahl, Nachträufeln, häufiges und auch nächtliches Wasserlassen. Eine Restharnbildung fehlt in diesem Stadium jedoch.
  • Stadium II: Im zweiten Stadium kommt es zu einer Verstärkung der Symptome. Die Restharnmenge beträgt zwischen 50 und 100 ml. Die funktionelle Blasenkapazität nimmt gleichzeitig ab.
  • Stadium III: In diesem Stadium sind ein Harnverhalt und eine Überlaufblase, bei der er zu einem unfreiwilligen Abgang von Harn kommt, typische Beschwerden. Zudem kann es zu einer zunehmenden verminderten Nierenfunktion und anderen Beeinträchtigungen der Niere kommen.

+++ Mehr zum Thema: 7 Prostata-Fakten für Anfänger +++

Welche Risiken bestehen bei einer Prostatavergrößerung?

Ohne Behandlung kann die Funktionsstörung im Bereich von Blase und Prostata weiter fortschreiten und zu schwerwiegenden Folgeerscheinungen führen. Setzt sich die Stauung des Urins bis in die Nieren fort, drohen dauerhafte Nierenschäden bis hin zum Nierenversagen. Häufig kommt es auch zu einer Überlaufinkontinenz: Hier kommt es zu einem unfreiwilligen Abgang von Harn, da quasi jeder von der Niere in die Blase fließende Tropfen Harn die Blase zum Überlaufen bringt.
Eine weitere mögliche Komplikation ist der Harnverhalt oder die Harnsperre, bei der überhaupt kein Urin mehr entlassen werden kann. Die Folge ist, dass sich die Blase immer mehr dehnt, was enorme Schmerzen verursacht. Ein Harnverhalt ist ein medizinischer Notfall und muss sofort behandelt werden.

+++ Mehr zum Thema: Prostatakrebs +++

Wie wird die Prostatahyperplasie diagnostiziert?

Die Schilderung der Symptome gibt dem Arzt bereits wichtige Hinweise auf eine benigne Prostatahyperplasie. Im Gespräch mit dem Patienten wird er besonderes Augenmerk darauf richten, wie ausgeprägt die Beschwerden sind und wie sehr sie die Lebensqualität beeinträchtigen. An das Anamnese-Gespräch schließt sich die körperliche Untersuchung an. Dazu gehören:

Digitale rektale Untersuchung

Diese beinhaltet immer eine digitale rektale Untersuchung, bei der die Vorsteherdrüse im Mastdarm mit dem Finger abgetastet wird. So kann der Arzt beurteilen, ob das Organ vergrößert, verhärtet oder schmerzhaft ist.

Laboruntersuchung

Teil der Basisdiagnostik ist zudem eine Laboruntersuchung des Urins und meist auch des Bluts. Um eine bösartige Veränderung nicht zu übersehen, wird das sogenannte prostataspezifische Antigen (PSA) bestimmt. PSA ist ein wichtiger Marker des Prostatakarzinoms.

Uroflowmetrie

Mit einer Uroflowmetrie lassen sich die Stärke und Geschwindigkeit des Harnstrahls messen und so beurteilen, ob eine Blasenentleerungsstörung vorliegt.

Ultraschall

Restharn kann durch eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) der Blase nachgewiesen werden. Auch die Sonographie der Prostata selbst sowie des oberen Harntrakts – also von Harnleiter und Nieren – gehört zur Standarddiagnostik bei Verdacht auf eine BHP.

Biopsie

Sollte nach der Beurteilung all dieser Untersuchungsergebnisse der geringste Verdacht bestehen, dass es sich um eine bösartige Veränderung der Prostata handelt, muss eine Biopsie vorgenommen werden. Dabei werden mit einer dünnen Nadel Gewebeproben aus der Vorsteherdrüse entnommen und im Labor untersucht. Dieses Verfahren erlaubt eine sichere Unterscheidung zwischen einer benignen Prostatahyperplasie und Prostatakrebs.

+++ Weiter zu: Behandlung der benigne Prostatahyperplasie +++

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von netdoktor.at


Autoren:
,
Medizinisches Review:
PD Dr. Anton Ponholzer, Facharzt für Urologie und Andrologie

Stand der Information: Februar 2018

Quellen

 AWMF-Leitlinie: Therapie des Benignen Prostatasyndroms (BPS). 2014 http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/043-035l_S2e_Therapie_benignes_Prostatatasyndrom_2014_11.pdf (zuletzt abgerufen: 08.02.2018)

Ulrike Zwergel, Jürgen Sökeland: Benigne Prostatahyperplasie: Grundlagen und Therapie. Springer Verlag, 1999

Brunett & Wein: Benign prostatic hyperplasia in primary care: what you need to know.
In: J Urol 175, Nr. 3 Pt 2, S. S19–24, 2006

Weitere Artikel zum Thema

Frage: Mein Mann bekommt Medikamente gegen seine vergrößerte Prostata. Die helfen aber nicht gegen seinen ständigen Drang zur Toilette zu müssen und …

zur Antwort

zur Behandlung