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Pneumothorax

Pneumothorax
Luft kann entweder über die Bronchien (von innen) oder über Verletzungen (von außen) eindringen. (33karen33 / iStockphoto)

Als Pneumothorax bezeichnet man eine abnormale Ansammlung von Luft im Pleuraspalt, also zwischen Lungenfell und Rippenfell.

Kurzfassung:

  • Gelangt Luft in den ansonsten luftleeren Pleuraspalt, spricht man von einem Pneumothorax.
  • Luft kann entweder über die Bronchien (von innen) oder über Verletzungen (von außen) eindringen.
  • Typische Symptome sind Atemnot, Druckgefühl und einseitige Schmerzen.
  • Ärztliche Untersuchungen werden mit bildgebenden Verfahren kombiniert, um die Diagnose zu stellen.
  • Ob und welche Therapie notwendig ist, hängt von mehreren Faktoren ab.

Was ist ein Pneumothorax?

Bei einem Pneumothorax (griech.: „pneumo“ = Luft und „thorax“ = Brust) gelangt Luft in den ansonsten luftleeren Raum des Pleuraspalts. Die Pleura (Brustfell) ist eine glatte Haut, welche die Lunge (Lungenfell) und das Innere der Brusthöhle (Rippenfell) überzieht. Der Raum zwischen den beiden Häuten wird Pleuraspalt oder Pleuraraum genannt. Normalerweise hält der Pleuraspalt die Lungenflügel beweglich und ermöglicht deren Ausdehnung beim Einatmen. In dieser schmalen Körperhöhle herrscht ein Unterdruck, wodurch die elastische Lunge im Brustkorb ausgedehnt und belüftet bleibt. Gelangt jedoch Luft in diesen Spalt, wird die Ausdehnung eines oder beider Lungenflügel behindert und es kommt zu Atemproblemen.

Ein Pneumothorax ist fast immer ein plötzlich auftretendes und potenziell lebensbedrohliches Krankheitsbild. Die Symptome sind äußerst variabel und reichen von leichten bis hin zu starken Beschwerden – je nachdem, wie viel Luft in den Pleuraspalt gelangt. Starke Beschwerden können in der Folge auch das Herz-Kreislauf-System in Mitleidenschaft ziehen.

Die Häufigkeit liegt in Deutschland bei etwa 10.000 Fällen pro Jahr. Umgerechnet auf Österreich kann hierzulande von rund 1.000 Fällen pro Jahr ausgegangen werden. Männer sind etwa sechsmal öfter betroffen als Frauen.

+++ Mehr zum Thema: Atemnot +++

Wie entsteht ein Pneumothorax?

Das Eindringen von Luft in den Pleuraspalt kann grundsätzlich auf zwei verschiedenen Wegen erfolgen:

  • Luft gelangt über die Bronchien in den Pleuraspalt.
  • Luft gelangt über eine Verletzung von außen in den Pleuraspalt.

+++ Mehr zum Thema: Lungenödem +++

Primärer Pneumothorax

In folgenden Fällen spricht man von einem primären spontanen Pneumothorax (PSP):

  • Auftreten ohne vorausgegangene Thoraxintervention (z.B. Operation, Drainage)
  • ohne äußere Verletzung (u.a. Stich- und Schussverletzungen)
  • vor dem 45. Lebensjahr
  • keine zugrunde liegende Lungenerkrankung
  • unauffällige Gegenseite im Lungenröntgen

Als Ursache werden sogenannte "Blebs“ (kleine, luftgefüllte Läsionen unter der Pleuraoberfläche) und eine gesteigerte Porosität der pleuralen Schicht vermutet, welche diese anfälliger für Risse und Rupturen macht. Auch Rauchen fördert über ein entzündliches Geschehen und eine Verengung der Atemwege das Risiko für die Entstehung eines Pneumothorax.

Risikofaktoren für einen primären Pneumothorax:

  • junge männliche Erwachsene
  • Körpergröße > 1,93 m
  • dünner, schlanker Körperbau
  • Raucher
  • α1-Antitrypsinmangel

Sekundärer Pneumothorax

Ein sekundärer spontaner Pneumothorax (SSP) ist gefährlicher als ein primärer und erfordert eine genaue ärztliche Abklärung.

  • Auftreten nach vorausgegangener Thoraxintervention
  • mit äußerer Verletzung (traumatischer Pneumothorax)
  • zugrunde liegende Lungenerkrankung
  • Entstehung unabhängig von körperlicher Anstrengung
  • Sonderfall Spannungspneumothorax (lebensbedrohlich)

Die Unterteilung in primären und sekundären Pneumothorax ist essenziell für eine schnell einsetzende Diagnostik und Therapie und sollte so rasch wie möglich erfolgen.

Risikofaktoren für einen sekundären Pneumothorax:

+++ Mehr zum Thema: Atemwegserkrankung +++

Traumatischer Pneumothorax

Ein traumatischer Pneumothorax ist auf ein akutes Trauma zurückzuführen. In den meisten Fällen ist eine intensivmedizinische Behandlung unumgänglich:

  • Rippenbrüche
  • Stichverletzung
  • Schussverletzung
  • Quetschung
  • Barotrauma (z.B. nach dem Tauchen)
  • andersartige direkte oder indirekte Verletzung

Sonderform: Spannungspneumothorax

Ein Spannungspneumothorax ist eine besondere, stets lebensbedrohliche Form des Pneumothorax. Die eingedrungene Luft kann bei einem Spannungspneumothorax nicht mehr entweichen, da beim Ausatmen die ursächliche Verletzung durch ein Art Ventilmechanismus zugedrückt wird. Luftvolumen und Druck steigen immer weiter an und schieben das Mittelfell (senkrecht verlaufender Geweberaum in der Brusthöhle) in die entgegengesetzte Richtung.

Dadurch wird zum einen der eigentlich gesunde Lungenflügel ebenfalls in seiner Funktion beeinträchtigt, zum anderen wird die Hohlvene zusammengedrückt (komprimiert) und der Blutfluss zum Herzen gedrosselt. Das abnehmende Schlagvolumen im Herzen bewirkt in der Folge einen reflektorischen Anstieg des Herzschlags (Tachykardie) und der Atmung (Hyperventilation).

Ein Spannungspneumothorax tritt vor allem

  • in klinischen Situationen (z.B. Beatmung),
  • bei der Reanimation (Herz-Lungen-Massage),
  • nach einem Trauma sowie
  • bei Menschen mit vorbestehender Lungenerkrankung auf.

Welche Symptome treten bei einem Pneumothorax auf?

Typische Symptome für einen Pneumothorax sind:

  • Atemnot
  • Druckgefühl
  • Schmerzen (oft einseitig)
  • Zyanose (Blaufärbung der Haut)
  • Blutdruckabfall
  • Tachykardie (Herzrasen, > 100 Schläge pro Minute)

Wie wird die Diagnose Pneumothorax gestellt?

Für die Diagnose stehen verschiedene Untersuchungsmöglichkeiten zur Verfügung. Dazu gehören:

  • Inspektion des Brustkorbs (Verbreiterung/Vorwölbung der Zwischenrippenräume)
  • Abhören mit dem Stethoskop (abgeschwächtes Atemgeräusch)
  • Abklopfen des Brustkorbs (hohler, lauter Klopfschall)
  • Thoraxröntgen (stehend, seitlich, evtl. liegend, nach dem Ausatmen)
  • Ultraschall
  • Computertomografie (CT)

Ist die Diagnose gesichert, müssen verkomplizierende Faktoren ausgeschlossen werden, wie etwa:

  • Weichteilemphysem (ungewöhnliches Auftreten von Luft in Fett-, Muskel- oder Bindegewebe)
  • Hämatopneumothorax (zusätzliches Eindringen von Blut in den Pleuraspalt)
  • schwere Begleiterkrankungen
  • blutverdünnende Medikamente
  • thorakale Operationen in der Vergangenheit
  • Pneumothorax-Rezidiv

+++ Mehr zum Thema: Lungenfunktionsprüfung +++

Wie wird ein Pneumothorax behandelt?

Die Therapie eines Pneumothorax ist abhängig von:

  • der Schwere der Symptome
  • einer zugrunde liegenden Lungenerkrankung
  • der Größe des Pneumothorax in bildgebenden Untersuchungen
  • sich langsam entwickelnder oder plötzlicher Pneumothorax

Kleinere Luftansammlungen beim PSP sind nicht unbedingt behandlungsbedürftig, weil der Körper grundsätzlich selbst in der Lage ist, die überschüssige Luft zu entfernen (selbstlimitierend). Dennoch sind sicherheitshalber eine kurzfristige Beobachtung und Röntgenverlaufskontrolle indiziert.

Beim SSP ist ein Krankenhausaufenthalt meist unumgänglich. Dort kann gegebenenfalls die Gabe von Sauerstoff erfolgen und bei Bedarf das Entweichen von Luft über das Einbringen einer dünnen Hohlnadel unterstützt werden (Nadelaspiration). Offene Wunden müssen zuvor luftdicht verschlossen werden.

Bei größeren Luftansammlungen, einem Spannungspneumothorax oder fehlendem Ansprechen auf die Nadelaspiration greift man auf die sogenannte Thoraxdrainage zurück. Hierbei wird minimalinvasiv eine Drainage mit einem Ventil eingebracht, die zwar das Entweichen der eingeschlossenen Luft ermöglicht, das eingebaute Ventil jedoch das Eindringen von Luft verhindert. Durch spezielle Drainagen (z.B. Bülau-Drainage) kann auch das Abfließen von Blut (beim Hämatopneumothorax) oder Sekreten ermöglicht werden.

Ultima Ratio bei fehlendem Ansprechen ist eine chirurgische Intervention (Thorakoskopie), die heutzutage fast ausschließlich als VATS-Eingriff erfolgt. VATS (video-assisted thoracoscopic surgery) steht für videoassistierte Chirurgie und führt im Vergleich zur offenen Thorakoskopie zu kürzeren Krankhausaufenthalten und einer kleineren Narbe, da bei der VATS das Endoskop über einen sehr kleinen Schnitt eingeführt wird.

+++ Mehr zum Thema: Thorakoskopie +++

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Autoren:

Medizinisches Review:
Dr. Marcel Rowhani
Redaktionelle Bearbeitung:

Stand der medizinischen Information:
Quellen

 Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie (DGT): S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie von Spontanpneumothorax und postinterventionellem Pneumothorax“, Stand 2018 (letzter Zugriff am 15.11.20)

Baumann MH, Noppen M. Pneumothorax. Respirology 2004; 9(2):157-64

Leigh-Smith S, Harris T. Tension pneumothorax – time for a re-think? Emerg Med J 2005; 22(1):8-16

Zarogoulidis P, Kioumis I, Pitsiou G et al., Pneumothorax – from definition to diagnosis and treatment. J Thorac Dis 2014; 6(Suppl. 4):S372-S376

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