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Vorhautverengung (Phimose, Vorhautenge, Paraphimose)

Bei einer Phimose lässt sich die Vorhaut nicht über die Eichel zurückziehen. Eine Vorhautverengung ist jedoch nicht in jedem Fall ein krankhafter Zustand.

Kurzfassung:

  • Bei 96% aller neugeborenen Buben sind die Vorhaut und die Eichel fest miteinander verklebt.
  • Eine Vorhautverengung kann selbst im Schulalter noch normal sein, vorausgesetzt es treten keine Probleme auf.
  • Eine Therapie erfolgt nur dann, wenn Beschwerden vorliegen oder unmittelbar zu erwarten sind. 
  • Eine gewaltsame Trennung der Verklebungen schädigt und verletzt die Eichel sowie die Vorhaut, wodurch ernsthafte Komplikationen entstehen können.

Bis zum Abschluss der Pubertät ist eine Verengung der Vorhaut eine entwicklungsbedingte anatomische Gegebenheit, die nur selten behandelt werden muss. Krankhaft ist eine Phimose erst dann, wenn Beschwerden oder Folgeschäden auftreten.

Wie entwickelt sich die der Vorhaut?

Bei 96% aller neugeborenen Buben sind die Vorhaut und die Eichel fest miteinander verklebt. Diese natürliche Vorhautenge bietet vor allem im Windelalter einen natürlichen Schutz vor Entzündungen der Eichel. Erst Reifungsprozesse in den ersten Lebensmonaten und -jahren bewirken die Auflösung dieser Verklebungen, auch Konglutination genannt. Dieser Prozess verläuft jedoch nicht bei allen gleich, sondern vollzieht sich individuell sehr unterschiedlich.

Im Alter von 7 Jahren kann rund die Hälfte der Buben die Vorhaut weitgehend zurückstreifen, mit 10 Jahren sind es bereits zwei Drittel. Alle anderen haben entwicklungsbedingt noch eine teilweise Enge durch natürliche Verklebungen. Im Alter von 13 Jahren lässt sich die Vorhaut bei 92% aller Buben vollständig zurückziehen.

Eine Vorhautverengung kann also selbst im Schulalter noch „normal“ sein, vorausgesetzt, es treten keine Probleme, wie chronische Schmerzen, Infektionen oder Narben, auf.

Im Rahmen der entwicklungsbedingten Lösung der Verklebungen kommt es häufig zu gelblich schimmernden bis erbsengroßen Ansammlungen von Smegma und Talgdrüsensekret unter der Vorhaut (Smegma-Retentionszysten). Diese sind jedoch keimfrei und bedürfen keiner Behandlung. Allerdings können sich aus diesen Zysten spontan oder bei Manipulation recht große Mengen Talg entleeren, worauf man die Betroffenen vorbereiten sollte.

+++ Mehr zum Thema: Paraphimose +++

Was deutet auf eine nicht behandlungsbedürftige Phimose hin?

  • enge, aber narbenfreie Vorhaut, die sich nicht vollständig zurückstreifen lässt
  • Beim Versuch, die Vorhaut zurückzuziehen, stülpt sich die innere Vorhautschicht nach außen.
  • kräftiger Harnstrahl, Füllung der Vorhaut mit Harn (Ballonierung) während des Wasserlassens möglich

Eine gewaltsame Trennung dieser Verklebungen schädigt und verletzt die Eichel sowie die innere Schicht der Vorhaut, wodurch ernsthafte Komplikationen entstehen können.

Formen der Phimose

Primäre Phimose

Bildet sich die angeborene, normale Vorhautenge bis zum Abschluss der Pubertät nicht zurück, spricht man von einer primären Phimose. Sie kommt jedoch nur sehr selten vor – nur 0,6–1,5% aller Jugendlichen sind davon betroffen. Die Ursache für das Weiterbestehen der Phimose ist unbekannt.

+++ Mehr zum Thema: Männliche Pubertät +++

Sekundäre Phimose

Bei der sekundären Phimose handelt es sich um eine Vorhautenge mit Ausbildung eines narbigen Schnürrings. Sie ist Folge von lokalen Entzündungen oder gewaltsamen Versuchen, die Verklebungen zu trennen. Über die Häufigkeit von sekundären Phimosen gibt es keine Angaben.

Diagnose

Die Diagnose wird anhand der Anamnese und der klinischen Untersuchung gestellt. Wichtig ist dabei, den narbigen Schnürring von einer engen, aber narbenfreien Vorhaut zu unterscheiden.

Wie kann man für Genitalhygiene achten?

Eine physiologische Phimose bedarf gründlicher Genitalhygiene und Pflege. Es ist jedoch zunächst ausreichend, nur das äußere Genitale mit milder Seife zu reinigen. Mit zunehmendem Alter und besserer Verschiebbarkeit der Vorhaut kann diese zum Reinigen und beim Wasserlassen sanft zurückgestreift werden. Eine Säuberung „unter der Vorhaut“ ist erst dann nötig, wenn sich die Verklebungen zwischen Vorhaut und Eichel gelöst haben.

Wie wird eine Vorhautverengung behandelt?

Eine Therapie der Vorhautverengung erfolgt nur dann, wenn Beschwerden vorliegen oder unmittelbar zu erwarten sind, wie z.B.:

  • wiederkehrende eitrige Vorhautentzündungen
  • chronische Beschwerden beim Wasserlassen
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Paraphimose

Im Säuglingsalter besteht keine medizinische Notwendigkeit zur Therapie einer physiologischen Vorhautverengung – Verklebungen oder Smegma-Retentionszysten müssen nicht behandelt werden.

Die Therapie einer Phimose erfolgt zunächst durch eine lokale Behandlung mit steroidhaltigen Cremen. Erst nach erfolgloser lokaler Therapie ist eine operative Therapie angezeigt. Eine sofortige Operation ist nur bei sehr ausgeprägter Phimose sinnvoll.

Lokale Behandlung

Die konservative Behandlung einer Phimose erfolgt durch zweimal tägliches Auftragen einer steroidhaltigen Salbe für vier bis acht Wochen. Damit kann in bis zu 90% der Fälle eine Vorhautlösung erreicht werden. Bereits zwei Wochen nach Therapiebeginn wird mit dem vorsichtigen Zurückschieben der Vorhaut begonnen; Verletzungen oder Einrisse sollen jedoch unbedingt vermieden werden. Nebenwirkungen der steroidhaltigen Salbe sind nicht zu erwarten, da das behandelte Hautareal klein und die Behandlungsdauer kurz ist.

Sollte es nach Absetzen der Therapie erneut zu einer Vorhautverengung kommen, kann die lokale Therapie wiederholt werden.

Sobald es das Alter erlaubt, sollen die Buben – um psychische Folgeschäden zu minimieren – die Behandlung selbst durchführen.

Operation

Eine chirurgische Behandlung ist dann notwendig, wenn die Vorhautverengung sehr stark ausgeprägt ist oder nicht ausreichend auf eine konservative Therapie anspricht.

Im Säuglings- oder Kleinkindalter erfolgt die Operation immer in Allgemeinnarkose („Vollnarkose“) mit zusätzlicher Lokalanästhesie, bei Jugendlichen und Erwachsenen kann sie auch in Sedierung und lokaler Betäubung des Peniswurzelnervs erfolgen.

  • Komplette Entfernung der Vorhaut (radikale Zirkumzision)

Bei dieser Operationsmethode wird die Vorhaut vollständig entfernt und das Vorhautbändchen durchtrennt. Anschließend wird ein weicher Salbenverband angelegt.

  • Vorhaut erhaltende Operation

Bei dieser Technik wird nur der narbige Ring an der Vorhaut entfernt oder eingeschnitten. Die Vorhaut selbst kann zum Teil erhalten bleiben, das Risiko eines Rezidivs liegt jedoch bei bis zu 30%.

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Autoren:
, Dr. Erik Randall Huber, FEBU, FECSM
Medizinisches Review:
Priv.-Doz. DDr. Tamás Fazekas
Redaktionelle Bearbeitung:

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Journal für Urologie und Urogynäkologie (2015): Phimose – wann und wie?; http://www.kup.at/kup/pdf/13144.pdf"http://www.kup.at/kup/pdf/13144.pdf (letzter Zugriff: 12.02.2018)

S2k-Leitlinie „Phimose und Paraphimose“ (2017); http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/006-052l_S2k_Phimose-Paraphimose_2017-12_01.pdf (letzter Zugriff: 12.02.2018)

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