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Rachenentzündung (Pharyngitis, Halsentzündung)

Pharyngitis
Ein Arzt sieht einem blonden Mädchen in den Hals. (02-12-11 © Goodluz / iStockphoto)

Mit dem Begriff Rachentzündung (Pharyngitis) bzw. Halsentzündung wird eine Entzündung der Rachenschleimhäute bezeichnet.

Kurzfassung:

  • Eine Pharyngitis wird meist durch Viren, gelegentlich auch durch Bakterien ausgelöst.
  • Der Verlauf kann akut oder chronisch sein, wobei eine akute Pharyngitis in eine chronische Form übergehen kann.
  • Hauptsymptome einer Pharyngitis sind Halsschmerzen und Schluckbeschwerden.
  • Der Arzt untersucht den Rachen, um eine Diagnose zu stellen.
  • Während bei einer viralen Infektion nur sogenannte Antiphlogistika eingesetzt werden, werden bei einer bakteriellen Infektion Antibiotika verordnet.

Was ist eine Pharyngitis?

Hauptsymptom der Erkrankung sind Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und Husten. Ein Brennen im Mund-Rachen-Raum, Heiserkeit sowie leichtes Krankheitsgefühl können ebenfalls auftreten. Der Blick in den Spiegel verrät eine sichtbare Rötung des Rachenraumes. Verursacht wird die Infektion in den meisten Fällen durch Erkältungsviren (u.a. Rhinoviren, Adenoviren oder respiratorische Synzytial-Viren).

Gelegentlich sind Bakterien die Auslöser einer Pharyngitis (z.B. Streptokokken, Pneumokokken oder Haemophilus influenzae). Eine häufige Sonderform der akuten Pharyngitis ist die Seitenstrangangina, bei der auch die lymphatischen Gewebe an der seitlichen Rachenhinterwand – die Seitenstränge – betroffen sind.

Zu unterscheiden ist die Pharyngitis von der Mandelentzündung (Tonsillitis).

Prinzipiell kann eine Pharyngitis in jedem Lebensalter auftreten, tatsächlich sind Kinder aber häufiger betroffen als Erwachsene.

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Wie entsteht eine Pharyngitis?

Grundsätzlich wird zwischen einer akuten und einer chronischen Pharyngitis unterschieden.

Akute Pharyngitis

Akute Rachenentzündungen können durch eine Vielzahl von Mikroorganismen ausgelöst werden. Häufigste Ursache sind typische Erkältungsviren, darunter Adeno-, Rhino-, respiratorische Synzytial- oder Coronaviren.

Auf der durch die Virusinfektion vorgeschädigten Schleimhaut können sich Bakterien leichter vermehren und die Beschwerden verschlimmern. Man spricht dann von einer sekundären bakteriellen Infektion. Häufiger Auslöser einer solchen sekundären bakteriellen Infektion sind A-Streptokokken. Während bei Erwachsenen nur ungefähr 10% der Halsentzündungen durch A-Streptokokken verursacht werden, ist die Rate bei Kindern mit 15–40% deutlich höher.

Die Infektion wird von Mensch zu Mensch über Speichel oder Nasensekret, also durch Tröpfcheninfektion beim Sprechen oder Niesen, übertragen. Vor allem die viralen Erreger sind hoch ansteckend, was erklärt, warum oft mehrere Familienmitglieder oder eine halbe Schulklasse gleichzeitig unter einer Pharyngitis leiden.

Eine Halsentzündung kann man grundsätzlich das ganze Jahr über bekommen, in den Wintermonaten erreicht die Krankheit allerdings ihren Höhepunkt. Wesentlichen Anteil daran haben die feuchtigkeitsarme, kalte Winterluft sowie die trockene Heizungsluft in den Innenräumen. Die Schleimhäute trocknen aus und werden dadurch weniger widerstandsfähig, was es den Viren erleichtert, Eintrittspforten in den Körper zu finden.

Chronische Halsentzündung

Neben den akuten gibt es auch chronische Halsentzündungen, zu diesen kommt es allerdings deutlich seltener. Manche Menschen zeigen eine angeborene Funktionsstörung der Rachenschleimhaut, die zu einem ständigen Kratzen im Hals führt. Mögliche Ursachen sind außerdem chronische Reizungen durch Zigarettenrauch oder Chemikalien. Bei Frauen geht die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren manchmal mit einer Austrocknung der Schleimhäute einher, was eine chronische Pharyngitis nach sich ziehen kann.

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Welche Symptome treten auf?

Die Symptome einer Rachenentzündung umfassen:

  • Kratzen und Brennen im Hals
  • Halsschmerzen
  • Rötung der Rachenschleimhaut
  • Schluckbeschwerden
  • Husten
  • Fieber
  • allgemeines Schwächegefühl

Erstes Zeichen einer Pharyngitis ist oft ein trockenes Gefühl im Hals, beispielsweise ein Kratzen oder Brennen, welches das Schlucken erschwert und häufiges Räuspern notwendig macht. Kurz darauf entstehen Halsschmerzen, die sich beim Schlucken in der Regel noch verstärken. Diese Schmerzen können so heftig werden, dass auch das Sprechen schmerzt. Im Gegensatz zur Laryngitis (Kehlkopfentzündung) bleibt bei einer Pharyngitis die Stimme erhalten. Häufig kommt es zu erhöhter Temperatur (unter 38,5 °C). Meist ist der gesamte Atemtrakt betroffen, weshalb neben den Halsschmerzen auch Schnupfen oder Husten auftritt.

Wenn Bakterien die Entzündung verursachen, sind die Symptome stärker ausgeprägt und es kommt häufig zu hohem Fieber (über 38,5 °C).

Eine Seitenstrangangina kann noch zusätzliche Beschwerden verursachen, da die am Ausgang der Ohrtrompete liegenden Seitenstränge anschwellen und den Verbindungsgang zwischen Rachenraum und Mittelohr verschließen. Ohrenschmerzen: Welche Ursachen gibt es? und eine Mittelohrentzündung können die Folge sein.

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Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Die charakteristischen Beschwerden liefern dem Arzt bereits einen ersten Anhaltspunkt für die Diagnose. Anschließend erfolgt eine Untersuchung des Rachens und bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion ein Abstrich des Rachens zur Bestimmung des Erregertyps.

  • Untersuchung des Rachens

Damit der Arzt an den "Ort des Geschehens“ blicken kann, drückt er die Zunge des Patienten mit einem Spatel nach unten. Gerötet und angeschwollen ist die Rachenhinterwand bei allen Formen der Halsentzündung. Bei bakteriellen Infektionen lassen sich oftmals gelblich-weiße, stecknadelkopfgroße, mit Eiter gefüllte Erhebungen, sogenannte Stippchen, erkennen, die auch zu Belägen zusammenfließen können.

  • Abstrich des Erregertyps

Vermutet der Arzt eine bakterielle Pharyngitis, entnimmt er mithilfe eines Wattestäbchens einen Abstrich von der Rachenschleimhaut, aus dem im Labor dann der Erregertyp identifiziert wird. Für einige Infektionen gibt es Abstrich-Schnelltests (Streptokokken, RSV, Influenza, COVID-19, ...), für andere wie die infektiöse Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber), die ein der Pharyngitis ähnliches Krankheitsbild verursacht, kann ein Schnelltest mittels Fingerstich (ein kleiner Stich in die Fingerkuppe zur Blutentnahme) durchgeführt werden.

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Wie wird eine Pharyngitis behandelt?

85% aller Pharyngitis-Patienten sind nach einer Woche wieder symptomfrei. In dieser Zeit sollten sich die Betroffenen aber schonen, um die Krankheit auch wirklich auszukurieren. Am besten, man bleibt ein paar Tage im Bett, auf jeden Fall aber zu Hause, und erholt sich.

Schmerzlinderung

Um die Schmerzen zu lindern, genügen je nach Schwere manchmal desinfizierende (u.a. Chlorhexidin, Hexetidin, Cetrimoniumbromid) und/oder entzündungshemmende (z.B. Flurbiprofen) Lutschtabletten oder Lösungen zum Gurgeln. Reicht das nicht aus, helfen Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol. Für die kleineren Patienten gibt es je nach Vorliebe auch Säfte und Zäpfchen, die zudem eine bessere Dosiergenauigkeit anhand des Körpergewichts möglich machen.

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Antibiotika

Bakterielle Halsentzündungen werden vor allem bei Streptokokken-Infektionen mit Antibiotika behandelt. Dadurch lässt sich ein rheumatisches Fieber mit all seinen schwerwiegenden Folgen vermeiden. Wichtig ist, die Antibiotika so lange einzunehmen, wie vom Arzt verordnet, selbst wenn die Schmerzen bereits abgeklungen sind. Meist dauert die Antibiotikatherapie zehn Tage.

+++ Mehr zum Thema: Richtige Einnahme von Antibiotika +++

Hausmittel 

Im Laufe der Zeit haben sich zahlreiche Hausmittel in der Behandlung einer akuten Rachenentzündung bewährt. Hierzu zählen:

  • Halswickel und lokale Wärmeanwendungen
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Befeuchtung der Rachenschleimhäute
  • Befeuchtung der Raumluft
  • Zubereitungen mit Salbei, Kamille, Schafgarbe, Thymian oder Spitzwegerich
  • ätherische Öle zum Inhalieren
  • Erkältungsbäder
  • Vermeidung von reizenden Speisen und Getränken
  • Rauchen reduzieren
  • Einnahme von Zink zur Stärkung der Abwehrkräfte
  • weiches Essen bei Schluckbeschwerden

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Verlauf der Pharyngitis

Eine virale Pharyngitis lässt sich nicht ursächlich behandeln. Die symptomatische Therapie mit befeuchtenden Lutschtabletten, schmerzstillenden Medikamenten oder Hausmitteln lindert die Beschwerden jedoch effektiv und trägt dazu bei, dass das allgemeine Krankheitsgefühl nicht allzu stark wahrgenommen wird.

Bakteriell bedingte Halsentzündungen benötigen eine antibiotische Behandlung, um Folgeerscheinungen zu verhindern. Ihr Verlauf ist normalerweise länger als jener einer viralen Pharyngitis. Gerade wenn die Beschwerden sehr stark sind und hohes Fieber hinzukommt, ist es deshalb sinnvoll, einen Arzt aufzusuchen. Das gilt insbesondere auch für Kinder, bei denen Streptokokken-Infektionen sehr viel häufiger auftreten als bei Erwachsenen.

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Univ.-Prof. Dr. Andreas Temmel
Redaktionelle Bearbeitung:
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Stand der medizinischen Information:
Quellen

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