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Morbus Parkinson (Morbus Parkinson, Schüttellähmung, Paralysis agitans, Parkinson Krankheit)

Parkinson Hände zittern
Parkinson beginnt meist schleichend, die Veränderungen werden von den Betroffenen vielfach gar nicht wahrgenommen. (06-28-08 © Jeff Strickler / iStockphoto)

Morbus Parkinson ist eine langsam fortschreitende, degenerative Erkrankung des Nervensystems und des Gehirns, die durch den kontinuierlichen Verlust bestimmter Nervenzellen gekennzeichnet ist.

Kurzfassung:

  • In den meisten Fällen gibt es keinen spezifischen Auslöser für Morbus Parkinson.
  • Die ersten Anzeichen von Morbus Parkinson werden meist nicht sofort wahrgenommen, da sich die Erkrankung schleichend entwickelt.
  • Muskelschmerzen, eingeschränkte Mimik, Zittern und eine leise, monotone Sprache sind typische Symptome.
  • Die Diagnose wird anhand der Symptome und Beschwerden gestellt.
  • Morbus Parkinson ist nicht heilbar, die Therapien zielen auf die Erhaltung bzw. Verbesserung der Lebensqualität ab.

 


Informationen auf dieser Seite:

Die Parkinson-Krankheit, benannt nach dem englischen Arzt James Parkinson, der diese 1817 erstmals beschrieb, ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung weltweit (nach Morbus Alzheimer). Neurodegenerativ bedeutet, dass Nervenzellen im Verlauf der Krankheit absterben und verloren gehen. Morbus Parkinson tritt mit zunehmendem Alter häufiger auf, etwa 4% der über 85-Jährigen sind betroffen. Männer erkranken etwas häufiger als Frauen. 

+++ Mehr zum Thema: Leben mit Parkinson +++

Wie entsteht die Parkinson-Krankheit?

Morbus Parkinson entsteht durch den langsam voranschreitenden Untergang von Dopamin-produzierenden (dopaminergen) Nervenzellen in verschiedenen Gehirnregionen. Bei Dopamin handelt es sich um einen Botenstoff (Neurotransmitter), der bei der Feinabstimmung und Koordination von Bewegungsabläufen eine wichtige Rolle spielt. Er ist auch verantwortlich für Mimik, Gestik sowie alle unwillkürlich ablaufenden Bewegungen und hat zudem eine zentrale Bedeutung im Belohnungssystem.

Ein Großteil des Dopamins wird in der Substantia nigra – einem speziellen Teil des Mittelhirns – produziert. Diese geht bei Parkinson nach und nach verloren, wodurch früher oder später die typischen Symptome entstehen, jedoch erst nachdem mehr als die Hälfte der Dopamin-produzierenden Zellen verloren gegangen sind.

Zwischen den ersten, oft sehr unspezifischen Frühzeichen der Erkrankung und ihrer vollen Ausprägung vergehen daher oft einige Jahre.

+++ Mehr zum Thema: Anzeichen für Parkinson +++

Welche Ursachen hat die Parkinson-Krankheit?

Idiopathisches Parkinson-Syndrom

In 70–80% der Fälle gibt es keinen erkennbaren Auslöser für die Erkrankung. Ärzte sprechen in diesem Fall vom "idiopathischen Parkinson-Syndrom“: Die Erkrankung kann nicht auf andere krankhafte Mechanismen zurückgeführt werden. Beim idiopathischen Parkinson-Syndrom können grundsätzlich 4 Verläufe unterschieden werden:

  • Akinetisch-rigider Typ (Tremor fehlt oder ist nur minimal ausgeprägt)
  • Äquivalenz-Typ (Tremor, Rigor und Akinese sind gleich stark ausgeprägt)
  • Tremordominanz-Typ (Tremor steht im Vordergrund)
  • Monosymptomatischer Typ (Zittern nur in Ruhesituationen)

Sekundäres Parkinson-Syndrom

Ein dem Morbus Parkinson sehr ähnliches Erkrankungsbild mit bekannter Ursache wird als "sekundäres Parkinson-Syndrom“ bezeichnet. Sekundär deshalb, weil andere krankhafte Prozesse für die typischen Veränderungen verantwortlich sind. Das Krankheitsbild entsteht in diesem Fall also als Folge anderer, primärer Erkrankungen. Zu diesen zählen:

  • Gefäßverkalkungen (Atherosklerose) im Gehirn
  • Entzündungen
  • Vergiftungen (z.B. mit Kohlenmonoxid oder Mangan)
  • Hirntumore oder traumatische Hirnschädigungen
  • Medikamente

Darüber hinaus gibt es auch genetische, also vererbte Formen des Morbus Parkinson. Diese fallen dadurch auf, dass die Erkrankung oft in relativ jungem Lebensalter auftreten kann.

Welche Symptome treten bei der Parkinson-Krankheit auf?

Die Krankheit beginnt meist schleichend, die Veränderungen werden von den Betroffenen vielfach gar nicht wahrgenommen. In vielen Fällen sind Muskelschmerzen das erste Symptom. Auch ein Verlust oder eine Verminderung des Geruchssinns als erste Auffälligkeit ist häufig. Folgende Beschwerden gehören zu den sogenannten Kardinalsymptomen:

  • Akinese (Bewegungsarmut bis hin zur Bewegungslosigkeit)
  • Tremor (unwillkürliches Zittern der Muskeln)
  • Rigor (Muskelstarre und Muskelsteifheit)
  • posturale Instabilität (mangelnde Stabilität der aufrechten Körperhaltung)

Außerdem können noch weitere unspezifische Begleitsymptome vorhanden sein:

Die eingeschränkte Fähigkeit, sich zu bewegen, führt zusätzlich zu einem kleinschrittigen, schlurfenden Gang mit fehlendem Mitschwingen der Arme, einer leisen, monotonen Sprache und Problemen beim Schlucken.

+++ Mehr zum Thema: Parkinson Fatique +++

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Die Diagnose wird vom Facharzt für Neurologie gestellt. Zunächst erfolgt eine ausführliche Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte), dann eine umfangreiche neurologische Untersuchung.

Da es keine messbaren Parameter im Blut oder in anderen Körperflüssigkeiten gibt, mit denen die Diagnose eindeutig gestellt werden könnte, ist vor allem das klinische Bild wichtig. Beim Auftreten von einem oder mehreren der typischen Symptome wie Bewegungsarmut, Steifigkeit, Ruhe- und/oder Haltetremor und Haltungsinstabilität (schlechteres Gleichgewicht) sowie bei gutem Ansprechen auf eine Behandlung mit L-DOPA ist ein Morbus Parkinson sehr wahrscheinlich.

Oft beginnen die Symptome einseitig und breiten sich dann aus. Das weitere Voranschreiten ist oft relativ langsam.

Wichtig ist auch, auf Warnhinweise zu achten, die für andere Ursachen der Beschwerden hinweisend sein könnten.

Mittels Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) lassen sich mögliche Erkrankungen, die ein sekundäres Parkinson-Syndrom verursachen können, sowie seltenere Parkinson-Formen ausschließen.

Bei diagnostischen Unklarheiten besteht die Möglichkeit, mithilfe der DAT-SPECT-Untersuchung (Dopamin-Aufnahme-Transporter – Single-Photon Emissions-Computertomografie) einen Mangel an Dopamin-produzierenden Zellen im Gehirn nachzuweisen. Die Diagnose kann zudem durch die probeweise hoch dosierte Verabreichung der Dopamin-Vorstufe L-DOPA unter Beobachtung im Krankenhaus bestätigt werden (L-DOPA-Test).

Drei Monate nach der Erstdiagnose werden die klinischen Kriterien nochmals überprüft und im Anschluss daran mindestens einmal jährlich Kontrolluntersuchungen durchgeführt.

+++ Mehr zum Thema: Parkinson – Ratschläge für Angehörige +++

Wie wird die Parkinson-Krankheit behandelt?

Morbus Parkinson ist nach derzeitigem Wissensstand nicht heilbar, lässt sich jedoch durch die lebenslange Einnahme von Medikamenten sehr gut beherrschen. Dank der mittlerweile zur Verfügung stehenden Therapien kann eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität erzielt werden. Zum Einsatz kommen:

  • L-DOPA mit einem Decarboxylase-Hemmer (verhindert den Abbau von L-DOPA)
  • Dopaminagonisten (wirken an Dopaminrezeptoren)
  • MAO-B-Hemmer (hemmen die Monoaminoxidase-B)
  • COMT-Hemmer (hemmen das Enzym Catechol-O-Methyltransferase)
  • NMDA-Agonisten (wirken an N-Methyl-D-Aspartat-Rezeptoren)
  • Anticholinergika (blockieren die Wirkung von Acetylcholin)

Bei jüngeren Patienten, unzureichendem Therapieerfolg oder nicht akzeptablen Nebenwirkungen der Medikation besteht auch die Möglichkeit einer tiefen Hirnstimulation.

Grundsätzlich sind bei Parkinson sehr individuelle Behandlungsstrategien notwendig, da die Krankheit verschiedene Ausprägungen zeigt und mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten fortschreitet. Auch das Alter der betreffenden Patienten sowie berufliche und soziale Verhältnisse müssen bei der Therapieplanung berücksichtigt werden.

Physiotherapie sowie medizinisches Kraft- und Ausdauertraining sind wesentlich, um Gangsicherheit und Gleichgewicht zu verbessern. Logopädisches Sprachtraining und logopädische Schlucktherapie sowie künstlerische Therapieformen (Musik, Tanz, Theater) können unterstützend zur Anwendung kommen. Regelmäßige Rehabilitationsaufenthalte sind in den meisten Fällen zu empfehlen.

+++ Mehr zum Thema: Logopädie bei Parkinson +++

Ziele einer erfolgreichen Behandlung sind:

  • Unterdrückung der Symptome
  • Erhalt der Mobilität mit möglichst geringer Sturzgefahr
  • Erhalt der Selbstständigkeit
  • Verhinderung der Pflegebedürftigkeit
  • Steigerung der Lebensqualität
  • Erhalt der Berufsfähigkeit
  • Vermeidung von Begleiterkrankungen
  • Vermeidung von unerwünschten Nebenwirkungen

+++ Mehr zum Thema: Parkinson – nicht heilbar, aber gut behandelbar +++

Was können Sie selbst tun?

Ein aktiver Lebensstil beugt neurodegenerativen Krankheiten grundsätzlich vor. Er kann Morbus Parkinson allerdings nicht verhindern, wenn eine Veranlagung dazu besteht und Auslöser zum Ausbruch führen. Der Verlauf ist aber deutlich besser und es stehen mehr Ressourcen für die Physiotherapie zur Verfügung. Überanstrengungen sollten vermieden werden.

Gleiches gilt für die Diätberatung und eine ausgewogene Ernährung. Betroffene essen und trinken oftmals zu wenig, weil es ihnen an Geschicklichkeit mangelt, sie langsam sind oder sich vor häufigem Wasserlassen fürchten. Vielseitige, ballaststoff- und nährstoffreiche Kost sowie reichlich Flüssigkeit, in kleinen Portionen aufgenommen, sind allerdings wichtig.

Aufgrund von möglichen Wirkungsveränderungen sollte L-DOPA nicht gleichzeitig mit eiweißreichen Speisen eingenommen werden. Besonders wichtig ist die Einnahme auf möglichst leeren Magen, weil die Passagezeit dadurch verkürzt wird und der Wirkstoff rascher den Ort der Aufnahme im Dünndarm erreicht. Ein gleichmäßiger Tagesrhythmus und die regelmäßige Einnahme der Medikamente zu immer den gleichen Zeitpunkten helfen Wirkungsschwankungen vorzubeugen.

Patienten, aber auch deren Angehörigen wird die Mitgliedschaft in Selbsthilfegruppen empfohlen. Es ist nicht notwendig, ständig an Treffen teilzunehmen, aber es gibt eine Fülle an Angeboten – von Bewegungstherapie, Schwimmen, Tanzen, Trommeln und Singen bis hin zu Vorträgen zu diversen Themen und gesellschaftlichen Zusammenkünften.

Bei rechtzeitiger Diagnose, guter medikamentöser Einstellung und einer umfangreichen medizinischen Begleitung ist die Lebenserwartung von Menschen mit Parkinson nahezu identisch mit jener von Menschen ohne Parkinson.

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Prim. Dr. Dieter Volc, Dr. med. Michael Stingl
Redaktionelle Bearbeitung:
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Stand der medizinischen Information:
Quellen

 Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): S3-Leitlinie „Idiopathisches Parkinson-Syndrom“, 2016

Geisslinger G, Menzel S, Gudermann T, Hinz B, Ruth P: Mutschler Arzneimittelwirkungen: Pharmakologie, klinische Pharmakologie, Toxikologie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Aufl., 2020

Karow T, Lang-Roth R: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie. 25. Aufl., 2017

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