Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung, Entzündung der Bauchspeicheldrüse)

Heftige Bauchschmerzen sind meist die ersten Anzeichen einer Pankreatitis.
Heftige Bauchschmerzen sind meist die ersten Anzeichen einer Pankreatitis. (torwai / iStockphoto)

Eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) wird als Pankreatitis bezeichnet. Sie kann als plötzlich einsetzender Schub auftreten (akute Entzündung) oder schleichend beginnen und über einen längeren Zeitraum bestehen (chronische Entzündung).

Kurzfassung:

  • Eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse wird als Pankreatitis bezeichnet.
  • Die Bauchspeicheldrüse produziert Verdauungssäfte und Insulin.
  • Die Entzündung kann akut oder chronisch sein.
  • Übermäßiger Alkoholkonsum und Gallensteine sind die häufigsten Gründe für die Entstehung einer akuten Pankreatitis.
  • Bei der chronischen Form wird die Bauchspeicheldrüse nach und nach durch Bindegewebe ersetzt, bis sie schließlich ihre Funktion verliert.
  • Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, aber auch Fettstühle und Gewichtsverlust sind typische Anzeichen für eine Bauchspeicheldrüsenentzündung.
  • Die Behandlung richtet sich nach den Beschwerden des Patienten. 

Funktion der Bauchspeicheldrüse

Die Bauchspeicheldrüse ist ein 13 bis 18 cm langes und etwa 5 cm breites Organ, das im oberen Bereich des Bauchraumes zwischen Magen, Zwölffingerdarm und den großen Bauchgefäßen liegt. Sie produziert Verdauungsenzyme sowie Hormone – allen voran Insulin – für die Regulierung des Blutzuckerspiegels.

  • Produktion von Verdauungssäften (exokrine Funktion)

Damit die Nahrungsbestandteile ins Blut aufgenommen werden können, müssen sie zuvor aufbereitet und zersetzt werden. Die Zerlegung dieser Nahrungsbestandteile erfolgt mithilfe von Bauchspeicheldrüsenenzymen im Darm. Pro Tag werden von der Bauchspeicheldrüse etwa 1 bis 3 Liter Verdauungssäfte produziert, sie enthalten unter anderem Proteasen (eiweißspaltende Enzyme) wie Trypsin, Chemotrypsin, Esterasen (fettspaltende Enzyme) wie die Pankreaslipase, Carbohydrasen (kohlenhydratspaltende Enzyme) wie Amylase, Maltase und Nukleasen (nukleinsäurespaltende Enzyme).

  • Produktion von Insulin (endokrine Funktion)

Die Bauchspeicheldrüse produziert in den sogenannten Langerhans-Inseln das Hormon Insulin. Es ermöglicht den Übertritt des Zuckers ins Blut und reguliert so den Blutzuckerspiegel. Wird zu wenig oder kein Insulin produziert, kann der Zucker nicht in die Körperzellen gelangen und verbleibt im Blut: Das Resultat ist ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel (Diabetes)

Akute Bauchspeicheldrüsenentzündung

Risikofaktoren

  • Gallensteine
  • Übermäßiger Alkoholkonsum

Rund die Hälfte aller akuten Bauchspeicheldrüsenentzündungen wird durch Gallensteine ausgelöst, wobei nur 1% aller Patienten mit Gallensteinen auch tatsächlich eine Pankreatitis entwickelt. Blockieren Gallensteine die Abflusswege der Bauchspeicheldrüse, kommt es zu einem Rückstau der Verdauungssäfte und damit zu einer Entzündung mit Freisetzung von Verdauungsenzymen im Gewebe. Die Bauchspeicheldrüse beginnt, sich selbst zu verdauen. Auch jahrelanger übermäßiger Alkoholkonsum kann eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse auslösen.

Verlauf

85% aller akuten Bauchspeicheldrüsenentzündungen haben einen milden Verlauf und können ambulant behandelt werden. 

In 15% der Fälle hingegen kommt es zu schweren Blutungen in der Bauchspeicheldrüse bis hin zum Absterben einzelner Bereiche des Organs. Zudem besteht die Gefahr einer bakteriellen Infektion des abgestorbenen Gewebes: Sie kann auf den gesamten Organismus übergreifen und eine Blutvergiftung (Sepsis) mit anschließendem Schock oder Organversagen auslösen. Solch schwere Verläufe stellen eine lebensbedrohliche Erkrankung dar und müssen in jedem Fall stationär behandelt werden.

+++ Mehr zum Thema: Was passiert bei einer Sepsis im Körper? +++

Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung

Bei der chronischen Pankreatitis handelt es sich um eine schubweise verlaufende Erkrankung, bei der es immer wieder zu akuten Entzündungen der Bauchspeicheldrüse kommt. Das entzündete Gewebe wird nach und nach durch Bindegewebe ersetzt, wodurch die Funktion der Bauchspeicheldrüse immer mehr eingeschränkt wird. Sind große Teile zerstört, kann sie nicht mehr ausreichend Verdauungssäfte produzieren. Im weiteren Verlauf der Erkrankung verlieren auch die Langerhans-Inseln ihre Funktionsfähigkeit: Die fehlende Insulinproduktion verursacht schließlich Diabetes.

Gleichzeitig kann der bindegewebige Umbau zu Abflussbehinderungen oder Flüssigkeitsansammlungen (Zysten) im Gewebe führen.

+++ Mehr zum Thema: Anzeichen für Diabetes +++

Risikofaktoren

  • Übermäßiger Alkoholkonsum
  • Rauchen
  • Gendefekt
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Medikamente

Jahrelanger, übermäßiger Alkoholkonsum ist mit 70 bis 80% die häufigste Ursache für chronische Bauchspeicheldrüsenentzündungen. Die kritische Alkoholmenge scheint jedoch von Mensch zu Mensch unterschiedlich zu sein: So reichen bei manchen Menschen schon geringe Mengen zur Auslösung einer chronischen Entzündung.

Tritt die Erkrankung bereits im Kindesalter auf, handelt es sich in der Regel um einen Gendefekt, der die Entstehung begünstigt.

Auch Rauchen, bestimmte Stoffwechselerkrankungen und manche Medikamente gelten als Risikofaktoren. Bei rund 15% aller chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündungen kann keine erkennbare Ursache gefunden werden.

Welche Symptome treten bei einer Pankreatitis auf?

Symptome bei akuter Pankreatitis

  • Schmerzen

Akut einsetzende, heftige Schmerzen, die ihren Ausgang häufig im Bereich des Nabels haben und gürtelförmig in Richtung Rücken ausstrahlen.

Die Schmerzen entstehen einerseits durch Entzündungsprozesse im Organ, andererseits durch die Verlegung der Ausführungsgänge durch Gallensteine.

  • Übelkeit, Erbrechen

Bei chronischer Pankreatitis zusätzlich

Wie wird eine Pankreatitis diagnostiziert?

Aufgrund der häufig unspezifischen klinischen Symptome dauert es bis zur Diagnosestellung oft relativ lange. Erste Anlaufstelle beim Auftreten von Beschwerden ist meist der Hausarzt. Ergibt sich nach Erhebung der Krankengeschichte und der körperlichen Untersuchung der Verdacht auf eine Bauchspeicheldrüsenentzündung, wird in der Regel zu einem Facharzt für Gastroenterologie überwiesen.

Um die Funktionsfähigkeit der Bauchspeicheldrüse zu überprüfen, werden folgende Tests durchgeführt:

  • Blutuntersuchung: typischerweise sind die Verdauungsenzyme Lipase und Alpha-Amylase erhöht (3-fach über der Norm)
  • Messung der Stuhlelastase
  • Oraler Glukosetoleranztest zur Ermittlung der Blutzuckerwerte
  • Bauchultraschall
  • Computertomographie
  • Endoskopische retrograde Cholangiopankreatikografie (EPCP): Entfernung von Gallensteinen aus den Ausführungsgängen der Bauchspeicheldrüse mithilfe eines Endoskops.
  • Punktion der Bauchspeicheldrüse: Entnahme von Gewebe mithilfe einer dünnen Nadel bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion der Bauchspeicheldrüse.

+++ Mehr zum Thema: Behandlung der Pankreatitis +++

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Autoren:

Medizinisches Review:
Ao. Univ. Prof. Dr. med. Christoph Gasche
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. Julia Wild

Stand der Information: September 2018
Quellen

S3-Leitlinie Chronische Pankreatitis, 2016; https://www.dgvs.de/wp-content/uploads/2016/11/Leitlinie_Chron.Pank_..pdf (letzter Zugriff am 25.06.2018)

Ratgeber Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung, https://www.gastro-liga.de/fileadmin/download/Chronische_Pankreatitis_141-08-16.pdf (letzter Zugriff am 22.06.2018)

Webseite Pankreaszentrum Wien, Dr. Manfred Prager; https://www.pankreas-wien.at/krankheitsbilder/akute-pankreatitis/ (letzter Zugriff am 25.06.2018)
Clinicum, Erkrankungen des Pankreas, 2015; https://medizin-akademie.at/wp-content/uploads/2014/06/low_KONSensusCC_Pankreas2015.pdf (letzter Zugriff am 25.06.2018)

Internisten im Netz, Bauchspeicheldrüsenentzündung; https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/bauchspeicheldruesenentzuendung/was-ist-eine-bauchspeicheldruesenentzuendung.html (letzter Zugriff am 25.06.2018)

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