Osteoporose bei Männern

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Osteoporose ist definiert als eine Systemerkrankung des Skeletts mit verminderter Knochenmasse und Verschlechterung der Mikroarchitektur des Knochengewebes. Daraus resultiert eine erhöhte Brüchigkeit der Knochen.

Die Osteoporose ist in erster Linie eine Erkrankung älterer und alter Menschen. Allerdings sind männliche Betroffene im Durchschnitt jünger als weibliche. Bei ihnen beginnt die Krankheit nicht selten schon vor dem 50. Lebensjahr. Auch hinsichtlich der Ursachen gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern. So leiden männliche Betroffene mehrheitlich unter einer sekundären Osteoporose. Das heißt, der Knochenschwund ist durch eine andere Erkrankung beziehungsweise deren Therapie bedingt.

Aufgrund der Angaben des aktuellen Österreichischen Osteoporoseberichts schätzt man, dass etwa 740.000 der über 50-Jährigen von Osteoporose betroffen sind; davon sind etwa 123.000 Männer. Etwa 18% der Oberschenkelhalsbrüche – eine häufige Folge von Osteoporose – erleiden hierzulande Männer. Dabei sind sie zwar nur etwa halb so alt wie Frauen, weisen jedoch ein doppelt so hohes Sterblichkeitsrisiko nach einer solchen Fraktur auf.

Gesundheitsexperten weisen daher immer wieder darauf hin, wie wichtig es ist, das Bewusstsein des Mannes für Osteoporose zu schärfen – sowohl bei den potenziell Betroffenen als auch bei den Ärzten. Denn gerade bei Männern wird die schleichend verlaufende Erkrankung oft erst spät erkannt und behandelt, was sich schlecht auf die Prognose auswirkt.

Welche Ursachen hat die Osteoporose des Mannes?

Prinzipiell unterscheidet man primäre und sekundäre Osteoporosen. Letztere lassen sich auf einen konkreten Auslöser zurückführen, also auf eine Grunderkrankung oder die Einnahme bestimmter Medikamente. Bei der primären Form hingegen sind keine krankhaften Ursachen auszumachen. Das heißt, der Knochenschwund beruht auf mehr oder minder „normalen“ Prozessen bzw. Veränderungen des menschlichen Organismus. Paradebeispiel dafür ist die postmenopausale Osteoporose der Frau, die durch einen Östrogenmangel nach den Wechseljahren bedingt ist.

Mindestens 90% aller weiblichen Osteoporose-Kranken leiden unter der primären oder – wie man auch sagt – idiopathischen Form. Bei Männern hingegen beträgt der Anteil je nach Studie nur zwischen 30 und 50%.

Hauptursache sind nach derzeitigem Kenntnisstand dabei ebenfalls Veränderungen im Hormonhaushalt. So verringert sich mit zunehmendem Alter die Produktion des männlichen Sexualhormons Testosteron – und damit auch der Spiegel von Östradiol, das aus Testosteron gebildet wird. Eine Verminderung des Östradiols bedingt in der Folge einen verstärkten Knochenabbau. Studien zeigen auch, dass bei Männern mit idiopathischer Osteoporose häufig die Werte des sogenannten „Sexual Hormone Binding Globuline“ (SHBG) erhöht sind. SHBG bindet Testosteron, verringert dessen Verfügbarkeit für die Synthese von Östradiol – und führt so wiederum zu einem Mangel dieses für einen normalen Knochenstoffwechsel wichtigen Hormons.

Mit einem Anteil von 50–60% leidet die Mehrheit der männlichen Betroffenen aber unter einer sekundären Osteoporose. Das heißt, eine andere Krankheit und/oder deren Therapie ist ursächlich für den Knochenschwund verantwortlich. Hier kommt eine Vielzahl möglicher Auslöser infrage. Zu den möglichen Ursachen für eine sekundäre Osteoporose beim Mann gehören:

Darüber hinaus gibt es Risikofaktoren, die eine Osteoporose bei Männern begünstigen. An erster Stelle zu nennen sind:

  • Bewegungsmangel
  • Rauchen
  • Niedriges Körpergewicht mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 20 oder weniger
  • Abnahme der Körpergröße um mehr als 4 cm
  • Alter über 75 Jahren
  • Immobilisation (Bettlägerigkeit oder langes Sitzen im Rollstuhl)

Welche Symptome treten auf?

Bei der Osteoporose handelt es sich um eine schleichende Erkrankung. Das heißt, gerade im Anfangsstadium verspüren die Betroffenen von dem krankheitstypischen Verlust an Knochenmasse meist nichts. Erste Anzeichen der Erkrankung können gelegentliche Rückenschmerzen oder Knochenschmerzen sein.

Osteoporotische Knochenbrüche sind bei betroffenen Männern insgesamt seltener und treten später auf als bei Frauen. Dies liegt unter anderem in der grundsätzlich höheren Knochenmasse und der Knochengeometrie begründet. So weisen beispielsweise die Wirbelkörper beim Mann einen größeren Querschnitt auf als bei der Frau, was dazu führt, dass sie stärker beanspruchbar sind und weniger leicht einbrechen.

Typische Bruchstellen bei Osteoporose sind Oberschenkelhals und Wirbelkörper. Letztere müssen sich aber nicht unbedingt durch massive Schmerzen bemerkbar machen. Oft sind es dadurch bedingte körperliche Veränderungen wie eine Größenabnahme, ein Rundrücken oder ein Spitzbauch, die auf Wirbelfrakturen hindeuten und so beim Arzt den Verdacht auf eine Osteoporose wecken. Dies gilt ganz generell für Knochenbrüche ohne äquivalentes Trauma, d.h. nach Bagatellverletzungen. So sind Rippen-, Unterarm- und Oberarmbrüche bei der Osteoporose des Mannes ebenfalls häufig.

Wie erfolgt die Diagnose von Osteoporose bei Männern?

Unklare Rückenschmerzen, Größenabnahme, Rundrückenbildung, vor allem aber Brüche (in der Fachsprache „Frakturen“) nach Bagatellverletzungen sind wichtige Hinweise auf eine Osteoporose des Mannes. Besteht der Verdacht auf die Erkrankung, sollte eine ausführliche Diagnostik erfolgen, die auch beinhaltet, mögliche Ursachen des Knochenschwundes abzuklären. Dies ist bei Männern, die mehrheitlich von der sekundären Form betroffen sind, besonders wichtig – auch im Hinblick auf die Therapie.

Am Anfang steht dabei ein ausführliches Gespräch zwischen Arzt und Patient mit Fokus auf die akuten Beschwerden und die gesundheitliche Vorgeschichte. An diese sogenannte Anamnese schließt sich eine körperliche Untersuchung an. Zur Basisdiagnostik gehört auch immer eine Messung der Knochendichte. Diese Osteodensitometrie wird meist mithilfe von Röntgenstrahlen an der Lendenwirbelsäule und am Oberschenkelknochen durchgeführt. Neben dieser DXA-Technik gibt es auch die Möglichkeit, die Knochendichte mittels Computertomographie oder Ultraschall zu messen.

Ebenfalls fester Bestandteil der Basisdiagnostik sind Laboruntersuchungen des Blutes sowie ein Röntgen der Wirbelsäule. Letzteres dient dazu, osteoporotische Wirbelkörperfrakturen nachzuweisen und anderweitige Gründe für Rückenschmerzen auszuschließen. Laboruntersuchungen des Blutes geben nicht nur Hinweise darauf, ob ein Knochenschwund vorliegt, sondern auch auf die möglichen Ursachen. Um diese dingfest zu machen, können noch verschiedenste weitere diagnostische Verfahren erforderlich werden – angefangen von speziellen Laboranalysen wie der Bestimmung des Spiegels von Testosteron und anderen Hormonen über die Knochenszintigraphie bis hin zu Kernspintomographie und Gewebeprobenentnahme (Biopsie).

Wie wird die Osteoporose des Mannes behandelt?

Handelt es sich um eine sekundäre Osteoporose, was bei Männern mehrheitlich der Fall ist, muss vor allem versucht werden, die auslösenden Ursachen so weit als möglich zu beseitigen. Das bedeutet zum Beispiel, bei Patienten mit durch langfristige Glukokortikoid-Behandlung bedingtem Knochenschwund die Medikamentendosierung möglichst niedrig zu halten – gegebenenfalls auch durch die zusätzliche Gabe anderer Medikamente, die nicht in den Knochenstoffwechsel eingreifen.

Ein grundlegendes Problem ist, dass es zwar zahlreiche nach strengen wissenschaftlichen Kriterien durchgeführte Studien zur medikamentösen Therapie der Osteoporose bei Frauen gibt, aber nur sehr wenige, die an einem rein männlichen Patientenkollektiv vorgenommen wurden. Dies hat sich zwar in den letzten Jahren etwas verändert, ist aber nach wie vor der Grund dafür, dass vergleichsweise wenige Osteoporose-Medikamente offiziell für Männer zur Anwendung zugelassen sind.

Basistherapie

Die Basistherapie ist bei Patienten beider Geschlechter gleich. Sie beinhaltet einerseits das Minimieren bzw. Ausschalten von Faktoren, die zum Knochenschwund beitragen. Das heißt beispielsweise, mit dem Rauchen aufzuhören, regelmäßig Sport zu treiben sowie sich gut und gesund zu ernähren. Eine ausreichende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D ist die zweite Säule der Basistherapie – und unbedingte Voraussetzung für die Behandlung mit anderen Osteoporose-Medikamenten.

Männern ab dem 51. Lebensjahr empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine tägliche Zufuhr von 1.000 Milligramm Kalzium, ab 65 Jahren sollten es 1.300 Milligramm pro Tag sein. Kann der Bedarf durch die normale Nahrungsaufnahme nicht gedeckt werden, was bei älteren Menschen häufig der Fall ist, muss dieses Defizit durch eine besonders kalziumreiche Ernährung oder die Gabe von Kalziumpräparaten gedeckt werden.

Gleiches gilt für Vitamin D, das für die Aufnahme von Kalzium aus dem Darm und den Einbau des Mineralstoffes in die Knochen benötigt wird. Hier empfehlen Experten bei Osteoporose-Patienten eine tägliche Dosis von bis zu 2.000 IE (Internationale Einheiten, entspricht 50 µg [Mikrogramm] Vitamin D).

Bisphosphonate

Neben Kalzium und Vitamin D werden zur medikamentösen Therapie der Osteoporose bei Männern derzeit in erster Linie Alendronat, Zoledronat und Risedronat aus der Substanzgruppe der Bisphosphonate eingesetzt. Sie alle wirken dem Knochenabbau entgegen und führen zu einer Zunahme der Knochenmineraldichte.

Studien mit Alendronat bzw. Risedronat haben gezeigt, dass diese Bisphosphonate möglicherweise das Risiko für vertebrale Frakturen senken können. Zoledronat, das nur einmal jährlich verabreicht werden muss, ist die erste Substanz, deren Wirksamkeit im Sinne einer Reduktion von Wirbelkörperbrüchen beim männlichen Geschlecht in einer wissenschaftlich adäquat gestalteten Studie nachgewiesen werden konnte.

Teriparatid

Teriparatid ist ein synthetisch hergestelltes Fragment des körpereigenen Parathormons. Dieses von den Nebenschilddrüsen hergestellte Hormon aktiviert besonders die Osteoblasten, also jene Zellen, die im Knochenstoffwechsel für den Aufbau von Knochensubstanz zuständig sind. Studien am weiblichen Geschlecht zeigen, dass Teriparatid die Knochenmasse erhöht und die Wahrscheinlichkeit von Knochenbrüchen signifikant reduziert. Teriparatid muss mithilfe einen speziellen Injektionsgeräts – einem sogenannten Pen – täglich unter die Haut gespritzt werden.

Strontiumranelat

Strontiumranelat wird anstelle von Kalzium in den Knochen eingebaut. Dadurch wird die Knochensubstanz widerstandsfähiger und Wirbelkörperbrüche treten seltener auf. Auch für Strontiumranelat gibt es eine Studie, die nur an Männern durchgeführt wurde und die die Wirksamkeit bei Osteoporose belegt.

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Autoren:

Medizinisches Review:
Univ.-Prof. Dr. Hans Peter Dimai
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag.(FH) Silvia Hecher, MSc

Aktualisiert am:
Quellen

AWMF online. Leitlinien Osteologie – Empfehlungen des Dachverbands Osteologie: Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei Erwachsenen. Letzte Überarbeitung 10/2009; www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/034-003_S3_Prophylaxe__Diagnostik_und_Therapie_der_Osteoporose_bei_Erwachsenen_lang_10-2009_12-2012.pdf

National Institutes of Health – Osteoporosis and related bone diseases national resource center: Osteoprosis in men. Jänner 2012; www.niams.nih.gov/Health_Info/bone/Osteoporosis/men.asp

Österreichischer Osteoporosebericht, August 2007

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