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Chronische Niereninsuffizienz (Chronisches Nierenversagen, Chronische Nierenkrankheit)

Niereninsuffizienz chronisch
Bei der chronischen Niereninsuffizienz lässt die Leistungsfähigkeit der Nieren über Jahre hinweg nach. (HYWARDS / iStockphoto)

Die chronische Niereninsuffizienz (CKD – chronic kidney disease) ist definiert als eine länger als drei Monate andauernde, strukturelle oder funktionelle Einschränkung der Nieren mit/ohne Einschränkung der Ausscheidungsrate bzw. eine länger als drei Monate andauernde verminderte Ausscheidungsrate mit/ohne strukturelle oder funktionelle Nierenschäden.

Kurzfassung:

  • Die häufigsten Ursachen für eine chronische Niereninsuffizienz sind heute die Spätfolgen einer Zuckererkrankung (Diabetes), gefolgt von Bluthochdruck (Hypertonie).
  • Auch seltene Erkrankungen wie Autoimmunerkrankungen oder Medikamente können zu einer chronischen Niereninsuffizienz führen.
  • Die chronische Niereninsuffizienz verläuft in mehreren Stadien.
  • Eine Behandlung zielt darauf ab, ein weiteres Fortschreiten der Nierenschädigung durch Behandlung der ursächlichen Erkrankung zu verhindern bzw. zu verlangsamen oder eine zusätzliche Schädigung durch bestimmte Substanzen zu vermeiden.

 


Allgemeines zur chronischen Niereninsuffizienz

Die Nieren erfüllen in unserem Organismus viele Funktionen:

  • Entgiftung: Entfernung bestimmter Abfallprodukte des Stoffwechsels (sogenannte harnpflichtige Substanzen) aus dem Körper; diese werden in den Nieren aus dem Blut herausgefiltert und mit dem Urin ausgeschieden.
  • Regulation des Blutdrucks
  • Regulation des Flüssigkeitshaushalts
  • Kontrolle über Elektrolyte (Natrium, Kalium, Phosphat, Kalzium) und Säure-Base-Haushalt (pH-Wert des Blutes)
  • Herstellung des Hormons Erythropoetin, das die Bildung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) im Knochenmark steuert

Direkte Schäden an der Niere (u.a. Vernarbungen nach Entzündungen, Gefäßschäden durch Diabetes oder Hypertonie) oder die Einschränkung der Ausscheidungsrate (glomeruläre Filtrationsrate) werden in der Mehrzahl der Fälle durch Krankheiten verursacht. Auch die häufige Einnahme bestimmter Schmerzmittel (NSAR) kann direkte Schäden verursachen. Allerdings nimmt die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) auch mit zunehmendem Alter oftmals ab, sodass die Häufigkeit einer chronischen Niereninsuffizienz im Laufe des Lebens zunimmt.

Untersuchungen zeigen, dass etwa 10% der Bevölkerung über 18 Jahren eine chronische Niereninsuffizienz (CKD) entwickeln. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Weitere Risikofaktoren für die Entwicklung einer CKD sind:

  • Übergewicht
  • Auftreten bestimmter Erkrankung im familiären Umfeld (positive familiäre Anamnese), wie z.B. genetische Nierenerkrankungen (erbliche Zystennieren)
  • zu wenig Flüssigkeitszufuhr
  • Hyperurikämie (vermehrte Harnsäureausscheidung)
  • Prostatavergrößerung beim Mann
  • oftmalige Harnwegsinfekte (v.a. Frauen)

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Welche Ursachen hat die chronische Niereninsuffizienz?

Die wichtigsten Ursachen einer chronischen Niereninsuffizienz sind:

  • Zuckerkrankheit (Diabetes)

Bei Diabetes schädigt der ständig erhöhte Blutzuckerspiegel langfristig die Kapillargefäße in den Glomeruli (Nierenkörperchen), den kleinsten Filtereinheiten der Nieren. Das daraus resultierende Krankheitsbild wird als "diabetische Nephropathie“ bezeichnet und geht ohne entsprechende Behandlung und Selbstdisziplin in eine chronische Niereninsuffizienz über.

+++ Mehr zum Thema: Diabetische Nephropathie +++

  • Bluthochdruck (Hypertonie)

Auch ein hoher Blutdruck verursacht Schäden an den Nierenkörperchen und kann so zu einer chronischen Niereninsuffizienz führen. Hinzu kommt, dass bei nachlassender Nierenfunktion verstärkt blutdrucksteigernde Botenstoffe gebildet werden. Nierenschwäche und Bluthochdruck verstärken einander also gegenseitig.

+++ Mehr zum Thema: Wie entsteht Bluthochdruck? +++

  • Entzündungen der Glomeruli (Glomerulonephritis)

Ein häufiger Auslöser für Niereninsuffizienz sind Entzündungen der Nierenkörperchen/Nierenkapillargefäße. Zu den weiteren möglichen Ursachen gehören chronische Nieren- und Nierenbeckenentzündungen, Systemerkrankungen (Autoimmunerkrankungen) wie beispielsweise Lupus erythematodes oder Granulomatose mit Polyangiitis (früher Morbus Wegener).

  • Zufuhr schädlicher (toxischer) Substanzen

Die dauerhafte Einnahme großer Mengen bestimmter Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) oder oftmaliges Erhalten von Kontrastmittel bei Röntgenuntersuchungen kann eine chronische Niereninsuffizienz verursachen, weil der Blutfluss der Niere reduziert wird.

+++ Mehr zum Thema: Schmerzmittel +++

Stadien der chronischen Niereninsuffizienz

Die chronische Niereninsuffizienz wird in 5 Stadien eingeteilt:

Stadium 1 (eGFR > 90 ml/min)

Im Stadium 1 der CKD haben Betroffene (noch) keine Beschwerden. Im Labor kann mittels spezieller Ausscheidungsprodukte im Urin (Albumin) jedoch eine Schädigung der Nieren nachgewiesen werden, die GFR ist meist normal oder erhöht.

Stadium 2 (eGFR 60–90 ml/min)

Im Stadium 2 ist der Kreatininspiegel (Maß für die Nierenfunktion) im Blut durch den Abfall der GFR bereits erhöht. Noch können die Nieren ihre Aufgaben aber in ausreichendem Maß erfüllen. Symptome betreffen deshalb in der Regel die zugrunde liegende Erkrankung (z.B. Schwindel bei Bluthochdruck).

Stadium 3 (a = eGFR 45–60 ml/min; b = eGFR 30–45 ml/min)

Schreitet der Funktionsverlust der Nieren weiter fort, kann es durch eine von den Nieren ausgelöste Blutarmut (renale Anämie) zu Leistungsschwäche und Abgeschlagenheit kommen. Das erstmalige Auftreten von Symptomen führt die Betroffenen schließlich zum Arzt, weshalb die chronische Niereninsuffizienz oft erst im Stadium 3 diagnostiziert wird.

Stadium 4 (eGFR 15–30 ml/min)

Im vierten Stadium (schwere Niereninsuffizienz) ist die GFR bereits stark eingeschränkt, Beschwerden wie Ödeme, Knochenschmerzen, Übelkeit und Muskelkrämpfe können hinzukommen.

Stadium 5 (eGFR > 15 ml/min)

Unterschreitet die GFR einen Wert von etwa 15 ml/min, spricht man von einer terminalen Niereninsuffizienz (terminales Nierenversagen). Eine eventuell nachlassende Ausscheidung von Flüssigkeit verstärkt Ödeme (auch Wasser in der Lunge) weiter und es kann zu einem urämischen Koma (harnpflichtige Substanzen können nicht mehr ausgeschieden werden) sowie zu einem gefährlichen Anstieg von Kalium im Blut (Herzrhythmusstörungen bis zum Herzstillstand) kommen. In diesem Stadium beginnt häufig eine Dialysebehandlung.

Welche Symptome treten bei chronischer Niereninsuffizienz auf?

In den ersten drei Stadien der CKD ist ein symptomloser Verlauf möglich. Je weiter die Niereninsuffizienz fortschreitet, desto mehr Beschwerden treten auf. Diese umfassen:

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Diagnose der chronischen Niereninsuffizienz

  • Blutuntersuchung
    Zur Diagnosestellung wird die Nierenfunktion anhand des GFR-Werts bestimmt. Oft schließt daran eine ausführliche Blutuntersuchung an, um Elektrolytentgleisungen sowie Säure-Basen-Verschiebungen festzustellen.
  • Harnuntersuchung
    Hinzu kommt die Messung von Albumin und Proteinen im ausgeschiedenen Harn (Hinweis auf Nierenschäden).
  • Bildgebung (Ultraschall, nuklearmedizinische Untersuchung)
  • Urologische Untersuchung
  • Gewebeprobe (Biopsie )
    Manchmal ist die Entnahme einer Gewebeprobe notwendig, um eine eindeutige Diagnose stellen zu können (mittels Ultraschall- oder CT-geführter Nadel).

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Behandlung der chronischen Niereninsuffizienz

Die Therapie verfolgt im Allgemeinen folgende Ziele:

  • Verzögerung bzw. Verhinderung des Fortschreitens der CKD
  • Auswirkungen und Folgeerkrankungen der Nierenschwäche so gering wie möglich zu halten
  • Behandlung von Begleiterkrankungen

Hinzu kommt je nach Beschwerdebild die symptomatische Therapie:

  • Patienten mit einer Anämie erhalten Medikamente, die die Bildung von roten Blutkörperchen anregen.
  • Störungen des Knochenstoffwechsels lassen sich durch die Gabe von Vitamin D oder Hormonen beeinflussen.
  • Lipidsenkende Medikamente wirken Herz-Kreislauf-Erkrankungen entgegen.
  • Auch die richtige Ernährung spielt bei chronisch niereninsuffizienten Patienten eine wichtige Rolle (z.B. Eiweißgehalt der Nahrung anpassen, Kalium und Phosphat reduzieren).

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Autoren:
,
Medizinisches Review:
Dr. Gernot Paul
Redaktionelle Bearbeitung:
,

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Karow T, Lang-Roth R: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie. 25. Aufl., 2017 (letzter Zugriff am 18.10.2020)

Geisslinger G, Menzel S, Gudermann T, Hinz B, Ruth P: Mutschler Arzneimittelwirkungen: Pharmakologie, klinische Pharmakologie, Toxikologie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Aufl., 2020 (letzter Zugriff am 18.10.2020)

Deutsche Gesellschaft für Allgemeine und Familienmedizin (DEGAM): S3-Leitlinie „Versorgung von Patienten mit chronischer nicht-dialysepflichtiger Nierenerkrankung in der Hausarztpraxis“, 2020 (letzter Zugriff am 18.10.2020)

Schwarzenberger G: Fortbildung Niereninsuffizienz. Der Mediziner 10/2007
Medizinische Universität Wien. AKH-Consilium: Niereninsuffizienz, chronische
Levin, A et al: Guidelines for the management of chronic kidney disease. CMAJ 179(11), 18. November 2008
Herild G: Innere Medizin 2008

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