Nesselausschlag (Nesselsucht, Urtikaria)

Juckender Hautausschlag, Nesselausschlag
"Nesselausschlag" ist also eher ein Oberbegriff für eine Gruppe von Krankheiten, die gleichartig aussehen und sich gleichartig anfühlen, und keine exakte Diagnose. (12-06-10 © Levent Konuk / iStockphoto)

Kurzfassung:

  • Hautveränderungen können am ganzen Körper einzeln oder in größeren Ansammlungen auftreten. Sie können "wandern", d.h. die Ausbreitung kann sich innerhalb von Stunden verändern.
  • Nesselausschlag ist der Überbegriff für eine Reihe von Hautveränderungen mit gleichartigem Krankheitsverlauf, Aussehen und Symptomen.
  • Die Ursachen sind oftmals unbekannt. Als mögliche Ursachen für die Entstehung eines Nesselausschlags werden Allergien, Infektionen, Medikamente, aber auch (ganz selten) eine Autoallergie gegen sich selbst genannt.

Informationen auf dieser Seite:

Die Quaddeln – so werden die einzelnen Hautveränderungen beim Nesselausschlag genannt – können nur an wenigen Stellen, aber auch am gesamten Körper auftreten und wenige Millimeter bis mehrere Zentimeter groß werden. Außerdem können diese Quaddeln für sich allein stehen, aber auch zu größeren Flächen "zusammenfließen".

In manchen Fällen verschwinden die einzelnen Quaddeln innerhalb von wenigen bis zu 24 Stunden, kommen aber an anderen (oder möglicherweise auch den gleichen) Stellen wieder, bis die Erkrankung folgenlos abgeklungen ist. Dies kann Tage, allerdings auch Monate oder sogar Jahre dauern – je nachdem, welche Form des Nesselausschlags vorliegt.

"Nesselausschlag" ist keine exakte Diagnose, sondern ein Oberbegriff für eine Gruppe von Krankheiten, die gleichartig aussehen und sich gleichartig anfühlen. Es handelt sich dabei um eine der häufigsten Hautkrankheiten. Etwa jede fünfte Person ist mindestens einmal im Leben davon betroffen. Dabei ist es nicht nur lästig und subjektiv störend, es kann auch zu einer Schwellung der Lippen und der Zunge kommen, die sich dann im gesamten Gesicht und im Hals ausbreiten kann (Angioödem). Letzteres kann durch die Verlegung der Atemwege zum Ersticken führen.

Symptome eines Nesselausschlags

Juckende Quaddeln bei Nesselausschlag
Abb.:Beispiel für Quaddeln unterschiedlicher Größe. Die meisten Quaddeln sind von einer Rötung der Haut umgeben (sogenanntes Reflexerythem). (© Jürgen Fälchle - Fotolia.com)
Brennender Hautausschlag bei Nesselsucht
(© Jürgen Fälchle - Fotolia.com)

Der Nesselausschlag kann durch eine Vielzahl von Reizen ausgelöst werden, die von außen oder innen kommen können. Manche dieser Reize basieren auf einer Allergie, andere sind eher durch Entzündungen, z.B. bei oder nach Infekten, wiederum andere durch physikalische Effekte (Kälte, Wärme, Druck, Anstrengung) hervorgerufen. In vielen Fällen bleibt die konkrete Ursache allerdings ungeklärt, vor allem, wenn es sich um die chronische Form der Urtikaria (Dauer länger als sechs Wochen) handelt. Hier muss man von einer sogenannten Autoallergie ausgehen, bei der der Körper gegen körpereigene Stoffe aktiv wird.

Die im Körper des Patienten ausgelösten Vorgänge, die zum Nesselausschlag führen, sind ungeachtet des Auslösers jedoch weitgehend gleich:
Aus Abwehrzellen des Immunsystems, den Mastzellen, werden Botenstoffe, sogenannte Mediatoren wie Histamin oder PAF (Plättchen-aktivierender Faktor), freigesetzt. Diese erweitern die Blutgefäße der Haut und machen sie anschließend durchlässig für die Blutflüssigkeit. Diese Flüssigkeit tritt dann in die Haut aus, sammelt sich lokal an und führt zu dem sichtbaren Ausschlag (Quaddeln).

In jedem Fall finden sich drei charakteristische Symptome der Quaddeln:

  • Spontane Schwellung der Haut (Millimeter bis Zentimeter), umgeben von einer Rötung
  • Juckreiz oder Brennen an den Stellen der Schwellung
  • Die Quaddeln verschwinden innerhalb von maximal 24 Stunden, ohne irgendwelche Spuren oder Schäden zu hinterlassen (können danach allerdings erneut auftreten).

Was verursacht Nesselausschlag?

Die Zahl der möglichen Urtikaria-Auslöser ist sehr groß, was die Suche nach dem konkreten Auslöser beim einzelnen Patienten oft auch sehr schwierig macht. Die nachfolgend aufgeführten Auslöser stellen eine Auswahl dar und sind nicht nach Häufigkeit gereiht:

  • Allergene (v.a. Nahrungsmittel wie Nüsse, Meeresfrüchte, Schalentiere)
  • Infektionen (Viren, Parasiten oder Bakterien)
  • Innere Erkrankungen (Schilddrüsenfehlfunktion bei Autoimmunthyreopathien, Autoimmunkrankheiten, rheumatische Krankheiten, selten auch Krebs der inneren Organe)
  • Insektengifte (Bienengift, Wespengift, Hornissengift, manchmal auch Stechmücke)
  • Physikalische Einwirkungen (Kälte, Wärme, Sonnenlicht, Wasser, Schweiß, Druck)
  • Medikamente (Antibiotika, ACE-Hemmer, Schmerzmittel)
  • Allergie gegen körpereigene Stoffe (Autoallergie)

Wie wird Nesselsucht diagnostiziert?

Wenn die Haut juckt und Quaddeln bildet, ist die Diagnose in der Regel eindeutig, sodass sie ohne weitere Untersuchungen gestellt werden kann.

Hat der Patient zum Zeitpunkt des Arzttermins gerade keine Quaddeln, hilft eine gute Schilderung des typischen klinischen Bildes zur Diagnosestellung. Ideal wäre es, ein Foto der betroffenen Stellen beim Arztbesuch mitzunehmen. In jedem Fall wird sich eine exakte Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) anschließen, um mögliche Ursachen eingrenzen und eine gezielte weitere Diagnostik durchführen zu können.

  • Wichtig für den Arzt ist zum einen, ob die einzelnen (!) Quaddeln innerhalb von 24 Stunden folgenlos verschwinden, denn es gibt auch Krankheiten, die zwar Quaddeln aufweisen, aber kein Nesselausschlag sind. Hierzu gehört etwa die Urtikaria-Vaskulitis oder das urtikarielle Anfangsstadium des bullösen Pemphigoids, die zur Abklärung eine Hautbiopsie erfordern.
  • Weiters zu erfragen ist die Dauer der Beschwerden insgesamt, wodurch eine akute von einer chronischen Urtikaria unterschieden werden kann. Liegen die ersten Beschwerden weniger als sechs Wochen zurück, ist eine akute Form gegeben. Bestehen die Beschwerden hingegen länger als sechs Wochen, liegt eine chronische Form vor.
  • Des Weiteren werden offensichtliche Auslöser erfragt (Insektenstiche, Infekte, Nahrungsmittelaufnahme), die der Patient auch meist selbst schon verdächtigt.
Diagnose Nesselausschlag

Sollte sich der Verdacht auf eine akute Urtikaria ergeben, wird nur in Ausnahmefällen eine weitergehende Untersuchung notwendig sein. Diese Ausnahmen sind quaddelnde Reaktionen auf Insektengifte (Biene, Wespe, Hornisse), Arzneimittel (Antibiotika wie Penicilline, Schmerzmittel) oder Nahrungsmittel. In diesen Fällen sollten sich allergologische Testverfahren (IgE-Bestimmung im Blut, Hauttests wie der Prick-Test) anschließen.

Liegt allerdings ein chronischer Nesselausschlag vor, wird der Arzt zuerst die Frage nach physikalischen Auslösern zu beantworten suchen. Dafür wird er den sogenannten Dermographismus testen, d.h. er wird mit einem Glas- oder Holzspatel mit Druck z.B. über die Rückenhaut streichen. Damit kann eine sehr häufige Form des Nesselausschlags, die Urticaria factitia, diagnostiziert werden.

Ferner wird untersucht, ob Kälte, Wärme oder Anstrengung die Quaddelbildung provozieren können. 

+++ Eine Diagnosehilfe finden Sie hier +++

Wie wird ein Nesselausschlag behandelt?

Sowohl bei der akuten als auch der chronischen Nesselsucht besteht die Behandlung in erster Linie darin, den oder die möglichen Auslöser zu finden und so gut wie möglich zu meiden.

Diagnose Nesselsucht

Medikamente gegen Nesselausschlag

Sind Medikamente ursächlich, müssen diese durch den Arzt (!) abgesetzt und durch geeignete Präparate ersetzt werden. Sind Allergien, wie z.B. gegen Insektengifte (Biene, Wespe, Hornisse), ursächlich, kann eventuell eine spezifische Immuntherapie notwendig werden.

Im Zentrum der medikamentösen Therapie stehen Antihistaminika, die den Juckreiz unterbinden und das Auftreten neuer Quaddeln (weitgehend) vermeiden helfen. Die Wahl wird zumeist auf ein Antihistaminikum der zweiten Generation fallen, da diese neueren Präparate die geringsten Nebenwirkungen aufweisen – sie führen weniger häufig zu Abgeschlagenheit und Müdigkeit.

Für die Behandlung der chronischen Nesselsucht wird ein Ablauf aus drei Stufen empfohlen: Zuerst wird ein Antihistaminikum, das keine müde machenden Auswirkungen hat (nicht sedierend) eingesetzt. Stellt sich kein Therapieerfolg ein, kann als zweiter Schritt die Dosis bis auf das Vierfache gesteigert werden. Weiters kann eine kurzfristige Therapie mit Kortison erwogen werden. Die Behandlung mit Kortison ist nur in Ausnahmefällen eine Option, etwa wenn die Atemwege des Patienten angeschwollen sind. Der behandelnde Arzt kann sich auch für ein anderes Antihistaminikum entscheiden.

Gelingt es dadurch in zwei bis sechs Wochen nicht, die Symptome der chronisch spontanen Urtikaria zu beherrschen, wird eine Therapieumstellung auf Omalizumab empfohlen. Mit Omalizumab kommt es zwar nicht zur Heilung der Nesselsucht, aber die Symptome können unterdrückt werden, solange die chronische spontane Urtikaria aktiv ist. Somit können sich die Symptome bis hin zur Beschwerdefreiheit des Patienten reduzieren. Wenn nach sechs Monaten keine Besserung eintritt, kann eine Therapieumstellung auf Ciclosporin erfolgen.

+++ Mehr zum Thema: Behandlung der Urtikaria +++

Ernährung anpassen

Bei einer spontanen Urtikaria kann es auch hilfreich sein, Nahrungsmittel zu meiden, die reich an Histamin, dem wichtigen Botenstoff der Nesselsucht, sind. Zu diesen Nahrungsmitteln gehören Fischprodukte, Meeresfrüchte, abgelagerter Käse, Sauerkraut, Tomaten und Wein, um eine wichtige kleine Auswahl zu nennen. Außerdem wird empfohlen, auf Alkohol zu verzichten.

Wie ist die Prognose?

Die Prognose für die akute Form des Nesselausschlags ist ausgezeichnet, da dieser selbstlimitiert ist. Sollte er allergisch bedingt sein, ist die Prognose ebenfalls sehr gut, wenn die Auslöser vermeidbar sind bzw. eine spezifische Immuntherapie durchgeführt werden kann (Insektengifte).

Bei der chronischen Form sind rund 50% der Patienten nach sechs Monaten ebenfalls beschwerdefrei, allerdings leiden etwa 10% noch viele Jahre später an immer wiederkehrenden Quaddeln. Hier muss der Einsatz von Antihistaminen bzw. Omalizumab der Beschwerdedauer entsprechend angepasst werden.

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von netdoktor.ch


Autoren:

Medizinisches Review:
Univ. Prof. Dr. Ichiro Okamoto
Redaktionelle Bearbeitung:
Dr. med. Stefanie Sperlich, Philip Pfleger, Tanja Unterberger, Bakk. phil.

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Webseite der American Academy of Allergy Asthma & Immunology (AAAAI): Skin Allergy Overview; http://www.aaaai.org/conditions-and-treatments/allergies/skin-allergy.aspx (letzter Zugriff: 23.05.2019)

Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Nesselausschlag; https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/haut-haare-naegel/nesselsucht (letzter Zugriff: 23.05.2019)

Zuberbier T et al., Allergy 2018 Jan 15; DOI: 10.1111/all.13397
 

Weitere Artikel zum Thema

Die Psoriasis-Arthritis ist eine häufige Rheuma-Erkrankung, bei der es neben Veränderungen der Haut auch zu Entzündungen an Gelenken, Sehnen und der …

Die Psoriasis ist eine chronische, entzündliche Erkrankung der Haut und betrifft teilweise auch andere Organe, z.B. die Gelenke.

Neben einer erblichen Anlage ("genetische Disposition") sind zusätzliche Auslösefaktoren (Trigger) entscheidend für das Auftreten bzw. für eine …

Hautpflege