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Migräne

Frauen leiden öfter an Migräne
Die Migräne ist eine neurobiologische Funktionsstörung. Wie es zu dieser Erkrankung kommt, ist bis dato noch nicht geklärt. (fizkes / iStockphoto)

Migräne gehört zu den häufigsten Arten von Kopfschmerzen. Mehr als 10% der Österreicher sind davon betroffen.

Kurzfassung:

  • Migräne unterscheidet sich von anderen Kopfschmerzformen anhand der lang andauernden Migräneanfälle.
  • Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt.
  • Fest steht, dass die Migräne eine neurobiologische Funktionsstörung ist und erbliche Faktoren eine Rolle spielen.
  • Hauptanzeichen für eine Migräne sind anfallsartige Kopfschmerzen, die in unregelmäßigen Abständen auftreten.
  • Bei der Behandlung steht die Linderung der Symptome im Vordergrund.

Zu den Hauptmerkmalen der Migräne zählen anfallsartige Kopfschmerzen, die in unregelmäßigen Abständen wiederkehren. Im Gegensatz zum Spannungskopfschmerz, bei dem die Schmerzen als dumpf beschrieben werden und meist beidseitig auftreten, sind die Schmerzen bei Migräne oft halbseitig begrenzt und pulsierend. Zusätzlich können Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit, Geräusch- oder Geruchsempfindlichkeit auftreten.

10 bis 30% der Betroffenen haben vor einem Migräneanfall eine sogenannte "Aura". Diese Wahrnehmungsstörungen deuten auf einen bald auftretenden Migräne-Anfall hin.

Frauen (20%) sind mehr als doppelt so oft betroffen wie Männer (8%). Die Mehrheit der Frauen erleidet bereits zwischen dem 12. und 16. Lebensjahr die erste Migräneattacke – oft mit Beginn der Regelblutung. Bei Männern beginnt die Krankheit meist erst zwischen dem 16. und 20. Lebensjahr. Im Alter von 35 bis 45 Jahren erreicht die Migräne hinsichtlich Häufigkeit und Schweregrad der Anfälle meist ihren Höhepunkt.

Insbesondere dann können die Kopfschmerzen so heftig und quälend sein, dass viele Betroffene während eines Anfalls kaum noch oder gar nicht mehr in der Lage sind, ihrem Beruf oder alltäglichen Tätigkeiten nachzugehen. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als ihren normalen Tagesablauf zu unterbrechen und sich in einen ruhigen, abgedunkelten Raum zurückzuziehen, denn körperliche Aktivität, Lärm und Licht verschlimmern die Beschwerden oft.

Dies macht deutlich, dass es sich insbesondere bei der schweren Migräne um eine Erkrankung handelt, die sehr belastend ist und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann. Hinzu kommt oft die Furcht vor der nächsten Attacke – ein Stressfaktor, der wiederum selbst einen Migräneanfall auslösen bzw. dessen Ausprägung verstärken kann.

Wie entsteht eine Migräne?

Bei der Migräne handelt es sich um eine neurobiologische Funktionsstörung. Die genauen Ursachen der Erkrankung und die Prozesse, die bei einer Attacke im Gehirn ablaufen, sind noch nicht vollständig geklärt, es gibt aber inzwischen einige Theorien dazu.

So konnte mit bildgebenden Verfahren gezeigt werden, dass bestimmte Bereiche im Hirnstamm und im Mittelhirn bei Menschen mit Migräne aktiver und stärker durchblutet sind als bei Gesunden. Wie heute viele Wissenschafter meinen, ist die gesteigerte Aktivität in diesem "Migräne-Zentrum" ein Hinweis oder gar die Ursache dafür, dass die Betroffenen auf innere und äußere Reize besonders empfindlich reagieren. Durch die Hyperaktivität kommt es zu einer Art Entzündung des Hirngewebes und der Hirnhäute, welche die Schmerzsensibilität erhöht und selbst Schmerzimpulse verursacht.

Involviert in diese Vorgänge sind offenbar auch bestimmte Botenstoffe des Gehirns, insbesondere das sogenannte Serotonin. So können während einer Migräneattacke im Blut erhöhte Spiegel dieses Neurotransmitters nachgewiesen werden. Inzwischen überholt ist hingegen die Theorie, die Anfälle würden durch einen verringerten Blutfluss im Gehirn ausgelöst.

Warum tritt Migräne familiär gehäuft auf?

Dass die Erkrankung familiär gehäuft auftritt, belegt, dass erbliche Faktoren bei der Entstehung eine Rolle spielen. Als alleinige Ursache genügen sie jedoch nicht. Es ist vielmehr so, dass die Gene mit anderen inneren und äußeren "Umständen" zusammenwirken müssen. Diese sogenannten Trigger (Auslöser) können bei Menschen mit bestehender erblicher Veranlagung eine Migräne begünstigen und einen Anfall auslösen. Zu den Triggerfaktoren gehören zum Beispiel:

  • Schwankungen im Hormonhaushalt, bedingt durch den weiblichen Zyklus oder durch die Einnahme von Hormonpräparaten
  • körperlicher und psychischer Stress, wobei Migräne oft erst in der Entspannungsphase auftritt
  • starke Emotionen wie ausgeprägte Angst, große Freude oder tiefe Trauer
  • Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Nikotin, Alkohol und – wenn auch sehr selten – bestimmte Nahrungsmittel, etwa manche Käsesorten oder Rotwein
  • Unterzuckerung und Hungerzustände, beispielsweise weil eine Mahlzeit ausgelassen wurde
  • Umweltreize wie Lärm, Gerüche oder (flackerndes) Licht
  • Witterungen wie Föhn oder Kälte

Etwa 90% der Migränekranken berichten, dass ihre Attacken von einem oder mehreren dieser Trigger ausgelöst werden.

Welche Symptome treten bei einer Migräne auf?

Typisch für Migräne sind in unregelmäßigen Abständen wiederkehrende, anfallsartige Kopfschmerzen. Nach der Definition der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft dauern diese Attacken zwischen 4 und 72 Stunden an. Die Art des Schmerzes beschreiben die Betroffenen mit Worten wie pulsierend, pochend und stechend.

Wichtig ist auch die Unterscheidung der Migräne von anderen Kopfschmerzarten wie Spannungskopfschmerz und Medikamentenkopfschmerz. Folgende Tabelle zeigt die Unterschiede auf:

  Migräne Spannungs-Kopfschmerz Medikamenten-Kopfschmerz
Kopfbereich meist einseitig, selten beidseitig ganzer Kopf, Hinterkopf, Scheitelregion, Stirn ganzer Kopf, meist beidseitig
Dauer 4–72 Stunden halbe Stunde bis mehrere Tage Dauerschmerz
Häufigkeit 1–6 Mal pro Monat gelegentlich bis täglich Dauerschmerz
Stärke stark leicht bis mittel mittel bis stark
Schmerztyp pochend, hämmernd, pulsierend dumpf, drückend dumpf, bohrend, stechend
Begleit- erscheinungen Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärm­empfindlichkeit manchmal leichte Licht- oder Lärm­empfindlichkeit und Appetitlosigkeit leichte Übelkeit und Lichtscheu
Auslöser Alkohol, Stress, Hormon­schwankungen, Wochenende zunächst Stress oder Wetterwechsel, später ohne Auslöser ständige Einnahme von Schmerzmitteln
Sonstiges während eines Anfalls: Aufsuchen ruhiger und dunkler Räume   Angst vor neuem Kopfschmerz führt zur dauerhaften Medikamenteneinnahme – Teufelskreis entwickelt sich
Migräne Merkmale Symptome
Quelle: Patientenleitlinien.de der Universität Witten/Herdecke ()

In den meisten Fällen sind die Schmerzen einseitig, können aber innerhalb eines Anfalls oder von Attacke zu Attacke die Seite wechseln. Nur etwa jeder dritte Migränekranke empfindet gleichzeitig auf beiden Seiten Schmerzen. Bei körperlicher Betätigung und Stress nimmt die Intensität zu. Zum quälenden Schmerz gesellt sich fast immer Appetitlosigkeit. Weitere häufige Begleiterscheinungen sind:

  • Übelkeit (80%)
  • Erbrechen (40–50%)
  • Lärmempfindlichkeit (50%)
  • Lichtscheu (60%)
  • Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Gerüchen (10%)

Prinzipiell lässt sich eine Migräne in drei bzw. vier Phasen einteilen, die allerdings keineswegs immer auftreten müssen. Die erste ist die sogenannte Prodromalphase. So "spüren" nicht wenige Patienten bereits einen Tag vor dem nächsten Migräneanfall, dass sich die Attacke ankündigt. Welche Vorzeichen das sind, ist individuell sehr unterschiedlich. Manche Patienten sind ungewöhnlich müde, gereizt oder leicht depressiv. Manche leiden unter Verstopfung oder haben Heißhunger, insbesondere auf Süßigkeiten. Bei anderen sind Hochstimmung und das Gefühl, besonders leistungsfähig zu sein, die Vorzeichen des Anfalls.

Bei der klassischen Migräne folgt dann die Aura. Darunter versteht man Warnzeichen, die der Kopfschmerzattacke unmittelbar vorausgehen. Typisch sind verschiedenste neurologische Ausfallserscheinungen: Sehstörungen – von Lichtblitzen und Farbwahrnehmungen bis hin zu Doppelbildern und blinden Flecken im Sehfeld –, Sprachstörungen, Lähmungserscheinungen, Sensibilitätsstörungen, Drehschwindel und Gangunsicherheit. Die Aura entwickelt sich binnen weniger Minuten und hält maximal 60, eher aber 15 bis 30 Minuten an. Überlappend oder häufiger unmittelbar im Anschluss beginnt die Kopfschmerzphase mit den oben beschriebenen Symptomen.

Nur etwa 10–15% leiden an der klassischen Migräne mit Aura. Die Mehrzahl der Betroffenen hat die Form ohne Aura, die leider meist schwerer ist und die Lebensqualität stärker beeinträchtigt. Unabhängig von der Art der Migräne klingen die Beschwerden 4 bis 72 Stunden nach dem Beginn des Anfalls ab. Diese letzte Phase wird als Rückbildungsphase bezeichnet und geht oft mit einem ausgeprägten Schlafbedürfnis einher.

Wie wird Migräne festgestellt?

Einen Labortest oder ein bildgebendes Verfahren, mit dem sich die Erkrankung zweifelsfrei feststellen lässt, gibt es nicht. Die Migräne ist deshalb das, was Mediziner als klinische Diagnose bezeichnen. Das bedeutet, dass sie anhand der Symptome erkannt wird.

Deshalb steht am Anfang der Diagnostik stets ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt, in dem der Patient seine Beschwerden möglichst genau schildern sollte (Anamnese). Merkmale wie die Qualität und Dauer des Schmerzes sowie mögliche begleitende Beschwerden wie Übelkeit sind dabei wichtige Hinweise und ermöglichen die Abgrenzung von anderen Kopfschmerzformen.

Nicht nur für die Diagnose, sondern auch für die optimale Therapie ist es hilfreich, über mehrere Wochen hinweg ein Kopfschmerztagebuch zu führen. Darin dokumentieren die Betroffenen Zeitpunkt, Art, Intensität und Dauer der Kopfschmerzattacken sowie Begleiterscheinungen und mögliche Auslöser.

Welche Untersuchungen werden durchgeführt?

Besteht der Verdacht, dass ein Patient Migräne hat, kommen unter Umständen noch weitere Untersuchungen zum Einsatz – etwa eine Labordiagnostik des Blutes. Im Rahmen einer Migräneabklärung ist wenigstens einmalig eine bildgebende Diagnostik des Schädels (CT, MRT) angebracht. Sie dient dem Ausschluss von Herdbefunden (etwa Nebenhöhlenentzündung) oder Neubildungen im Gehirn bzw. an den Hirnhäuten (Zysten, Tumoren etc.).

Engmaschige CT- oder MRT-Untersuchungen bei unauffälligem Erstbefund sind unter dem klinischen Bild eines chronischen Kopfschmerzes hingegen nicht gerechtfertigt. Die Untersuchungen dienen dazu, sicher auszuschließen, dass die Kopfschmerzen von einer anderen Erkrankung herrühren.

Wie kann die Migräne behandelt werden?

Da die Ursache von Migräne bis heute nicht behandelt werden kann, geht es in der Therapie vor allem darum, Kopfschmerzen und Begleitsymptome zu lindern. Die Lebensqualität der Betroffenen steht dabei im Mittelpunkt. Folgende Medikamente stehen zur Verfügung:

  • Schmerzmittel (Analgetika und nicht-steroidale Antirheumatika – NSAR)
  • Migränespezifische Medikamente (Triptane)
  • Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen (Antiemetika)
  • Mutterkornalkaloide (Ergotamine)

Prinzipiell werden Migräneattacken mittels Akuttherapie behandelt. Zur Akuttherapie können verschiedene Medikamententypen eingesetzt werden. Für leichte bis mittelschwere Migräne eignen sich Schmerzmittel. Antiemetika lindern die Übelkeit. Triptane helfen bei schwerer Migräne. Mutterkornalkaloide (Ergotamine) finden bei länger andauernden Migräneanfällen Anwendung. Die Medikamente wirken besser, wenn sie zu einem frühen Zeitpunkt der Attacke eingenommen werden.

+++ Mehr zum Thema: Behandlung bei Migräne +++

Bei schwerer und häufiger Migräne werden zusätzlich vorbeugende Maßnahmen (Migräneprophylaxe) angewandt, um die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen zu verringern. Dazu werden Medikamente wie Betablocker oder Antiepileptika eingesetzt.

Andere Therapieformen bei Migräne sind Entspannungstechniken (z.B. Yoga oder Meditation) oder auch Akupunktur.

+++ Mehr zum Thema: Medikamentöse Migränevorbeugung +++

Migräne in Schwangerschaft und Stillzeit

In der Schwangerschaft können Migräneanfälle bei manchen Patientinnen um bis zu 50–80% zurückgehen. Da viele Medikamente in der Schwangerschaft und auch in der Stillzeit nicht eingenommen werden dürfen, liegt der Fokus der Behandlung oft auf nicht-medikamentösen Maßnahmen wie Entspannungstechniken oder Akupunktur.

+++ Mehr zum Thema: Migräne in Schwangerschaft und Stillzeit +++

Migräne bei Kindern

Auch Kinder und Jugendliche leiden häufig an Kopfschmerzen. Oft ist aber die Dauer von Migräneattacken kürzer als bei Erwachsenen. Für die Therapie steht die Suche nach den auslösenden Faktoren sowie deren Vermeidung im Vordergrund.

+++ Mehr zum Thema: Migräne bei Kindern +++

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Prim. Univ. Dozent Dr. Manfred Schmidbauer
Redaktionelle Bearbeitung:

Stand der medizinischen Information:
Quellen

S1-Leitlinie für Diagnostik und Therapie in der Neurologie: Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne. AWMF-Reg.-Nr. 030/057, gültig bis Januar 2021; https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-057l_S1_Migraene-Therapie_2019-10.pdf (letzter Zugriff: 20.01.2020)

Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Migräne; https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/gehirn-nerven/kopfschmerzen/inhalt (letzter Zugriff: 20.01.2020)

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Therapie der Migräne; AWMF-Registriernummer: 030-057; Stand: 21.8.2015 – gültig bis 29.9.2017

Leitlinie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft: Entspannungsverfahren und verhaltenstherapeutische Interventionen zur Behandlung der Migräne, April 2016

Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft: Migräne - Informationen für Patientinnen und Patienten. Juli 2005

Patienten-Leitlinie des Berufsverbandes Deutscher Neurologen und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Behandlung der Migräne. April 2007

Medizinisches Netzwerk evidence.de der Universität Witten/Herdecke: Patientenleitlinie Kopfschmerz und Migräne. September 2005

Lampl C, Buzath A, Baumhackl U, Klingler D (2003) One-year prevalence of migraine in Austria: a nation-wide survey. Cephalalgia. 2003 May;23(4):280-6.

Haag G et al. (2009) Selbstmedikation bei Migräne und beim Kopfschmerz vom Spannungstyp. Nervenheilkunde 2009; 28: 382-397

Patient leaflet: Migraine, Clinical Evidence 2011

Revidierte Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) und der Gesellschaft für Neuropädiatrie (GNP): Therapie idiopathischer Kopfschmerzen im Kindes- und Jugendalter. Nervenheilkunde 2008; 27: 1127–1137.

Leitlinie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft: Behandlung der Migräne und idiopathischer Kopfschmerzsyndrome in der Schwangerschaft und Stillzeit. Nervenheilkunde 2009; 28: 896-906

*Diener et al., Cephalalgia 2005; 25: 1031–1041
 

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