Gastroenteritis (Magen-Darm-Grippe, Magen-Darm-Virus, Brechdurchfall)

Magen Darm Infekt Auslöser
EHEC-Bakterien (Gunnar Assmy / Fotolia.com)

Die Magen-Darm-Entzündung ist eine häufige Erkrankung, die in unseren Breitengraden meist durch Viren oder Bakterien bedingt ist. Infektionen mit Viren werden im Volksmund auch „Magen-Darm-Grippe“ oder „Magen-Darm-Virus“ genannt. Ganzen Text lesen


  • Die Kamillenblüte ist ein wahrer Alleskönner. Die Heilpflanze des Jahres 2002 kann sowohl bei Verdauungsproblemen, Blähungen, Übelkeit und Völlegefühl als auch bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum, verschiedenen bakteriellen Hauterkrankungen, Hämorrhoiden als auch Magenschleimhautentzündungen Abhilfe verschaffen.

    Als Reizmagen wird eine Störung der Magenfunktion bezeichnet, die sich nicht auf eine eindeutige organische Ursache zurückführen lässt.

  • Eine Refluxkrankheit mit regelmäßigem Sodbrennen ist nicht nur unangenehm, sie sollte auch keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden.


Kurzfassung:

  • Die Magen-Darm-Grippe hat mit der klassischen Grippe (Influenza) nichts zu tun.
  • Eine Ansteckung erfolgt meist durch direkten oder indirekten Kontakt mit kontaminierten Lebensmitteln oder Gegenständen.
  • Es treten Symptome wie Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit und Übelkeit auf.
  • Brechdurchfall kann vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern zu einer Austrocknung führen und somit gefährlich werden.
  • Patienten mit einer Magen-Darm-Grippe müssen auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.

 


Magen-Darm-Grippe
Erreger: Viren, Bakterien, Parasiten
Ansteckung: direkter oder indirekter Kontakt mit
kontaminierten Lebensmittel oder Gegenständen
Inkubationszeit: 1 bis 7 Tage
Symptome: Erbrechen, Übelkeit, breiiger Stuhl, Bauchschmerzen
Behandlung: ausreichend Flüssigkeit, Peristaltikhemmer, Aktivkohle
Vorbeugung: Händewaschen, Hygienemaßnahmen

Im Allgemeinen klingt die Erkrankung innerhalb weniger Tage ohne Einnahme von Medikamenten von selbst wieder ab. Wichtig ist, die verloren gegangene Flüssigkeit aufzufüllen, sprich, viel zu trinken.

Mit der klassischen Grippe (Influenza) hat die Magen-Darm-Grippe nichts zu tun.

Welche Erreger kommen als Auslöser in Betracht?

Mögliche Auslöser der Gastroenteriti sind:

  • Viren
  • Bakterien
  • Parasiten

Viren als häufigste Auslöser von Magen-Darm-Grippen

Norovirus Magen-Darm-Grippe
Abb. 1: Noroviren (© medicograph - Fotolia.com)

Generell handelt es sich bei einer Magen-Darm-Grippe fast immer um eine Infektion mit Viren. Bei nicht geimpften Säuglingen und Kleinkindern sind Rotaviren die häufigsten Krankheitserreger, gefolgt von Noroviren. Die häufigsten Auslöser von Brechdurchfällen sind Noroviren, Sapoviren, Adenoviren und Astoviren. Gemeinsam sind diese Viren für die hälfte der Darminfektionen verantwortlich. 

Bakterien: Seltener, aber schwerer im Verlauf

Bakterielle Infektionen verlaufen schwerer, sind aber seltener. Sie sind durch eine längere Krankheitsdauer, starke Magen-Darm-Krämpfe, intensiven (Brech-)Durchfall (bis zu 30x am Tag) und teils hohes Fieber gekennzeichnet.

Salmonellen Brechdruchfall
Abb. 2: Salmonellen (© Sebastian Kaulitzk - istockphoto.com)

Die häufigsten bakteriellen Erreger sind Campylobacter, Salmonellen (verursachen Salmonellen-Enteritis), Shigellen, Yersinien und bestimmte krankheitserregende Stämme des Darmbakteriums Escherichia coli (E. coli).

Hierzu gehört vor allem der Toxin-bildende Stamm EHEC (enterohämorrhagisch E. coli), der 2011 Schlagzeilen mit 53 Todesfällen in Deutschland machte. Infektionen mit Clostidium diffizile treten als Nebenwirkung einer Antibiotikatherapie im Krankenhaus auf. 

Im Gegensatz zu viralen Infekten sind die meisten der bakteriell bedingten Erkrankungen beim zuständigen Magistratsamt bzw. Gesundheitsamt meldepflichtig – entweder durch den Arzt oder das Labor. Zur Bestätigung ist eine Stuhlprobe notwendig.

Magen-Darm-Grippe im Urlaub wegen Parasiten

Parasiten kommen hauptsächlich nach Fernreisen in Länder mit niedrigem Hygienestandard als Auslöser in Betracht. Hierzu gehören Lamblien (verursachen die Giardiasis bzw. Lambliasis, Lamblienruhr, Kryptosporidien, Cyclospora) und Entamoeba histolytica (verursacht die Amöbenruhr).

Wie kann man sich anstecken?

Die Ansteckung erfolgt meist durch direkten Kontakt oder indirekt über infizierte (kontaminierte) Lebensmittel und Gegenstände. Erkrankte scheiden die Erreger über Stuhl und Erbrochenes aus und verteilen sie auf diesem Weg unbemerkt in der nahen Umgebung.

Durch Berührung gelangen die Erreger über die Hände in den Mund bzw. in den Verdauungstrakt einer anderen Person (fäkal-orale Übertragung). Bei viralen Infektionen können sich die Erreger mitunter auch über die Luft verbreiten (Tröpfcheninfektion mit winzigen Partikeln von Erbrochenem).

Einen akuten Magen-Darm-Katarrh kann man sich auch durch bakterielle Toxine (Gifte) in der Nahrung holen, ohne dass lebende Krankheitserreger darin vorhanden sind. Man spricht dann von einer Lebensmittelvergiftung im engeren Sinn.

Wie lange ist die Magen-Darm-Grippe ansteckend?

Sobald sich jemand mit einem Magen-Darm-Virus infiziert hat, ist er ansteckend, auch wenn noch keine Symptome auftreten. Eine Übertragung auf andere Personen kann also bereits in der Inkubationszeit erfolgen.

Auch nach dem Abklingen der Beschwerden scheiden Betroffene noch für einige Tage die verursachenden Keime mit dem Stuhl aus. Es besteht weiterhin Ansteckungsgefahr. In der akuten Phase der Gastroenteritis ist die Gefahr einer Ansteckung aber am höchsten und nimmt im Verlauf der Erkrankung ab.

Wie lange dauert die Inkubationszeit bei der Magen-Darm-Grippe?

Je nach Erreger variiert die Inkubationszeit bei der Magen-Darm-Grippe zwischen einem und sieben Tagen. Während sich Lebensmittelvergiftungen nach etwa ein bis sechs Stunden bemerkbar machen, kann es beim Norovirus oder beim Rotavirus 10 bis 50 Stunden dauern, bis Symptome auftreten.

Welche Symptome treten bei einem Magen-Darm-Infekt auf?

Eine Magen-Darm-Infektion setzt meist plötzlich ein. Der Körper versucht, die Erreger bzw. die Toxine möglichst rasch wieder loszuwerden, indem er sie ausschwemmt. Im Vordergrund stehen folgende Beschwerden:

  • Erbrechen
  • breiige, wässrige, teilweise übel riechende Stühle
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit

Abhängig von der Art des Erregers können folgende Symptome hinzukommen:

  • Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe
  • Beimengungen von Schleim oder Blut im Stuhl
  • Fieber
  • Gliederschmerzen
  • Hautausschlag

 

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

In folgenden Situationen sollten Sie zeitnah einen Arzt zur Abklärung aufsuchen:

  • die Beschwerden bessern sich nicht innerhalb weniger Tage
  • anhaltendes, hohes Fieber
  • Blut im Stuhl
  • Erkrankung nach Rückkehr von einer Fernreise
  • Erkrankung kurz nach Spitalsentlassung

Wann sollte man mit Kindern zum Arzt?

Brechdurchfall kann vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern rasch zu einer Austrocknung (Dehydrierung) führen. Dabei gilt: je jünger das Kind, desto größer die Austrocknungsgefahr.

Folgende Zeichen deuten auf einen relevanten Flüssigkeitsmangel und sollten unverzüglich Anlass für einen Arztbesuch geben:

  • apathisches Verhalten
  • schwacher Saugreflex, Trinkschwäche
  • eingesunkene Fontanelle (nicht verknöchertes Areal im Bereich des Schädeldaches)
  • weniger als zwei bis drei nasse Windeln pro Tag
  • anhaltendes hohes Fieber
  • Hautausschlag, blutiger Urin
  • schlechter Allgemeinzustand
  • andauerndes Erbrechen und hohe Stuhlfrequenz

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Üblicherweise stellt der Arzt die Diagnose anhand der typischen Beschwerden und einer körperliche Untersuchung. Blutproben sind nur unter bestimmten Bedingungen nötig.

Bei anhaltenden Durchfällen mit Blutbeimengung, die nach einer Therapie mit Antibiotika aufgetreten sind, besteht der Verdacht auf das Vorliegen einer „pseudomembranösen Kolitis“. Der Stuhl muss dann auf Clostridium-difficile-Toxin untersucht werden, ggf. ist eine Darmspiegelung (Koloskopie) notwendig.

Ihr Arzt wird eine Stuhlprobe anordnen, wenn er den Verdacht auf eine meldepflichtige Infektion, etwa eine Vergiftung mit Salmonellen oder Campylobacter, hat.

Auf folgende Fragen sollten Sie vorbereitet sein:

  • Seit wann haben Sie Durchfall bzw. Brechdurchfall?
  • Wie oft haben Sie Stuhlgang?
  • Welche Beschaffenheit hat der Stuhl?
  • Gibt es weitere Erkrankungen im Umfeld?
  • Waren Sie vor Kurzem im Ausland?

Wie kann man eine Gastroenteritis behandeln?

Bei der Behandlung einer Gastroenteritis ist es wichtig ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Peristaltikhemmer (hemmen die Darmtätigkeit) sollten nur kurzfristig eingesetzt werden, da sie den Körper an der Ausscheidung der Krankheiterreger hindern.

Andere Mittel wie Aktivkohle, Probiotika oder Hefe können helfen, die Symptome zu lindern und die Genesung zu beschleunigen.

Antibiotika sollten wegen der Gefahr der Resistenzentwicklung bei komplikationslos verlaufenden Infektionen nicht eingesetzt werden.

++ Mehr zum Thema: Behandlung bei Gastroenteritis ++

So können Sie einer Ansteckung vorbeugen

Bei allen Fällen von Magen-Darm-Grippe spielt die Hygiene eine wesentliche Rolle. Wichtig sind:

  • Händewaschen nach dem Toilettengang
  • Händewaschen vor dem Kochen und Essen
  • Händewaschen nach dem Fahren in öffentlichen Verkehrsmitteln
  • gründliche Reinigung von Toilette, Händen und Türklinken nach dem Erbrechen bzw. nach der Reinigung von Erbrochenem.
  • Stofflappen und Stoffhandtücher meiden, stattdessen lieber Papiertücher verwenden
  • Im Krankheitsfall zu Hause bleiben und Kontakt zu anderen Menschen vermeiden, um eine Ansteckung anderer zu verhindern

In manchen Fällen kann eine Impfung gegen Erreger der Magen-Darm-Grippe vor der Erkrankung schützen. So gibt es seit 2006 eine Impfung gegen Rotaviren, die von Fachgesellschaften für Säuglinge, auch Frühgeborene, empfohlen wird. Gegen das Norovirus steht bisher kein Impfstoff zur Verfügung.

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Autoren:

Medizinisches Review:
Univ.-Prof. Dr. Franz Allerberger, Institut für medizinische Mikrobiologie und Hygiene, Wien
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. (FH) Axel Beer, Silke Brenner

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Patienteninformation der BMJ Group „Diarrhoea in adults“ Oktober 2011 (Zugriff im Juni 2016)

Leitlinien der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE): Akute infektiöse Gastroenteritis. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 068/003, April 2008

Vorgehen bei Gastroenteritis-Ausbrüchen durch Noroviren in gesundheitsversorgenden und anderen Gemeinschaftseinrichtungen. Empfehlungen der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES) in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Gesundheit 

Koletzko S, Osterrieder S: Akute infektiöse Durchfallerkrankung im Kindesalter. Deutsches Ärzteblatt 2009, Jg. 106, Heft 33, S. 539-548

Allen S et al: Probiotics for treating acute infectious diarrhoea. Cochrane Database Syst Rev, 2010 Nov 10; (11): CD003048

Spina, Alexander, et al. "Spectrum of enteropathogens detected by the FilmArray GI Panel in a multicentre study of community-acquired gastroenteritis." Clinical Microbiology and Infection 21.8 (2015): 719-728.

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