Lungen­entzündung  (Pneumonie, Bronchopneumonie)

Lungenröntgen Pneumonie
Eine definitive Diagnose kann nur durch ein Röntgen gestellt werden. (nito / Fotolia)

Als Pneumonie bezeichnet man eine durch verschiedene Erreger hervorgerufene akute oder chronische Entzündung des Lungengewebes. Sie stellt unter den Infektionskrankheiten weltweit die häufigste Todesursache dar. Betroffen sind meist ältere Menschen, aber auch Säuglinge und Kleinkinder. Bei rechtzeitiger Behandlung heilt eine Lungenentzündung in den meisten Fällen komplikationslos aus.

Kurzfassung:

  •  Die Lungenentzündung wird meistens durch Bakterien oder Viren ausgelöst.
  • Typische Symptome einer Pneumonie sind Husten, Atemnot und Brustschmerzen.
  • Eine Diagnose wird nach einem Röntgen gestellt.
  • Die Behandlung ist vom Erreger, Alter des Patienten und Schweregrads der Lungenentzündung abhängig.
  • Zur Vorbeugung wird die Pneumokokken-Impfung empfohlen.

Es gibt zahlreiche Krankheitserreger, die eine Lungenentzündung auslösen können. In den meisten Fällen werden sie durch Bakterien oder Viren verursacht, in seltenen Fällen auch von Pilzen. Die Übertragung erfolgt meist über Husten, Niesen oder Speichel (Tröpfcheninfektion).

Ob eine Person letztlich an einer Lungenentzündung erkrankt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Hier spielt vor allem das Immunsystem eine große Rolle. So sind Säuglinge und Kleinkinder, deren Abwehrsystem noch nicht vollständig ausgereift ist, aber auch ältere Personen mit geschwächtem Immunsystem oder anderen Begleiterkrankungen besonders gefährdet. Bei gesunden Menschen kommt es in den meisten Fällen zu keiner Ansteckung.

Wer hat ein erhöhtes Risiko, zu erkranken?

  • Säuglinge, Kleinkinder (v.a. chronisch kranke)
  • Personen > 65 Jahren
  • chronisch Kranke (Herzpatienten, Asthmatiker, Diabetiker, Menschen mit Raucherlunge)
  • Immungeschwächte
  • Alkoholiker

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Wodurch wird eine Lungenentzündung verursacht?

Am häufigsten werden Pneumonien von bakteriellen Erregern verursacht. Mit 40–50% zählen Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) zu den Haupterregern, deutlich seltener sind Haemophilus influenzae, Mykoplasmen und Enterobakterien. Auch Viren und Pilze können eine Lungenentzündung auslösen.

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Welche Symptome treten auf?

Die klassische bakterielle Lungenentzündung beginnt plötzlich.

Lungenbläschen während einer Lungenentzündung
Abb.: Veränderungen der Lungenbläschen (Alveolen) bei Lungenerkrankungen (© Alila - Fotolia.com)

Typische Beschwerden sind:

  • Husten (anfangs trocken, später mit eitrigem Auswurf)
  • Atemnot
  • atemabhängige Brustschmerzen

Häufig treten auch folgende Symptome auf:

Lippen und Fingernägel können sich als Anzeichen für den Sauerstoffmangel blau verfärben (Zyanose).

Es gibt jedoch keine Symptomkonstellation, die eine sichere Diagnose ermöglicht. Typische Symptome können insbesondere bei älteren Patienten fehlen. Sie fallen oft nur durch Desorientiertheit, zunehmende Schwäche und Hinfälligkeit auf.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Die Diagnose wird anhand der Anamnese, der klinischen Symptome und einer Röntgenuntersuchung gestellt.

  • erhöhte Atemfrequenz
  • beschleunigter Puls
  • abgeschwächter Klopfschall über dem Brustkorb
  • Rasselgeräusch beim Atmen
  • Eine definitive Diagnose kann nur durch ein Röntgen gestellt werden. Zudem gibt dieses Auskunft über die Ausdehnung der Erkrankung (ein- oder beidseitig), eventuelle Begleiterkrankungen (Herzinsuffizienz), Komplikationen wie Flüssigkeitsansammlungen sowie andere Lungenerkrankungen wie Tuberkulose oder Lungenkrebs.

Wie wird eine Lungenentzündung behandelt?

Die Entscheidung für eine ambulante oder stationäre Therapie ist vom Alter des Patienten, vom Schweregrad der Erkrankung und von eventuell bestehenden Begleiterkrankungen abhängig.

Bakterielle Pneumonien werden immer mit Antibiotika behandelt. Im Fall einer durch Pneumokokken ausgelösten Lungenentzündung erfolgt die Therapie mit hochdosierten Penicillinen oder verwandten Antibiotika.

Bei schweren Lungenentzündungen, insbesondere sehr jungen oder älteren Patienten, ist eine stationäre Behandlung im Krankenhaus notwendig. Dort stehen zusätzliche Therapiemöglichkeiten, wie die Gabe von Sauerstoff und maschinelle Beatmung, zur Verfügung.

Im Fall von viral bedingten Pneumonien können nur die Symptome gelindert werden, die Viren selbst werden vom körpereigenen Immunsystem bekämpft. Eine durch Pilze verursachte Lungenentzündung kann mit antimykotischen Medikamenten therapiert werden.

Kann man einer Pneumonie vorbeugen?

Nach einer Grippeimpfung gegen die Influenza-Viren A und B ist ein gesunder Erwachsener zu 70–100% vor einer Infektion geschützt; bei älteren Menschen ist die Immunantwort weniger gut und liegt bei 30–70%. Influenza-Impfungen werden jährlich im Herbst durchgeführt.

Die derzeit verfügbaren Pneumokokken-Impfstoffe erfassen rund 75% der krank machenden Pneumokokken und bilden einen zuverlässigen Schutz. Die Pneumokokken-Impfung wird als Standardimpfung allen Personen über 51 Jahren und optional für chronisch kranke oder immungeschwächte Personen jeden Alters empfohlen. Die Impfung erfolgt alle fünf Jahre.

++ Mehr zum Thema: Lungenentzündung vorbeugen ++

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Autoren:
Prim. Dr. Norbert Vetter (2011),
Medizinisches Review:
Prim. Dr. Norbert Vetter
Redaktionelle Bearbeitung:
Nicole Kolisch

Stand der Information: September 2016
Quellen

 S3-Leitlinie, Behandlung von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie und Prävention - Update 2016, www.awmf.org (letzter Zugriff 23.09.2016)

Infektionen, www.infektionsnetz.at, (letzter Zugriff 23.09.2016)

 

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