Leistenbruch (Hernia inguinalis, Schenkelbruch, Hernia femoralis)

Leistenbruch, Schenkelbruch
Die Leiste ist neben dem Nabel als muskelschwaches Areal der Bauchwand für die Entwicklung von Hernien besonders anfällig. (157740922 / iStockphoto)

Unter dem Begriff Hernie versteht man einen Bauchwandbruch, der im Leistenbereich lokalisiert ist.

Kurzfassung:

  •  Ein Bauchwandbruch im Bereich der Leiste kann mehrere Lokalisationen aufweisen. Diese können oberhalb des Leistenbandes in direkte und indirekte Leistenbrüche unterschieden werden oder unterhalb des Leistenbandes als Schenkelbruch auftreten.
  • Die Leiste ist neben dem Nabel als muskelschwaches Areal der Bauchwand für die Entwicklung von Hernien besonders anfällig.
  • Ein Leistenbruch kann angeboren sein, wenn die Verbindung zu den Hoden, die embryonal aus der Bauchhöhle in den Hodensack wandern, bestehen bleibt. Er kann sich aber auch erst im Laufe der Zeit entwickeln (erworbener Leistenbruch).
  • Leistenbrüche kommen sehr häufig vor (jeder 4. Mann ist im Laufe seines Lebens betroffen) und können in jedem Alter auftreten.
  • Männer sind häufiger betroffen als Frauen, weil die Samenstranggebilde durch den Leistenkanal treten.
  • In den meisten Fällen stellt sich ein Leistenbruch als sicht- und/oder tastbare Vorwölbung im Leistenbereich dar.
  • Ein Leistenbruch wird durch Inspektion und Abtasten der Leiste in Ruhe und beim Pressen diagnostiziert. Eine Ultraschalluntersuchung ist dennoch empfehlenswert, um wichtige Differenzialdiagnosen wie Lymphknotenschwellungen, Gefäßerweiterungen oder Tumoren abzugrenzen.
  • Ein Leistenbruch wird in der Regel chirurgisch saniert, da er stets an Größe zunimmt, mehr und mehr Beschwerden verursacht und durch Einklemmungen verkompliziert werden kann.

Die Leiste ist besonders für die Entwicklung von Hernien anfällig, da dieser Bereich der Bauchdecke starken Druck- und Zugbelastungen ausgesetzt ist. Haben Menschen eine gewisse Gewebeschwäche (Kollagensynthese oder Reifungsstörung), so kann sich in diesem Bereich eine Hernie bilden. Dies ist bei Männern etwa neunmal so häufig der Fall wie bei Frauen, da bei der Entwicklung des Embryos die Hoden aus dem Bauchraum über die Leistenkanäle in den Hodensack wandern. Dadurch kann eine Verbindung zwischen Leistenkanal und Bauchhöhle bestehen bleiben, weswegen auch Neugeborene Leistenhernien aufweisen können. Im Erwachsenenalter sind neben Bindegewebsschwächen auch alle Prozesse, die zu Druckerhöhungen im Bauchraum führen können, Risikofaktoren für die Entstehung von Leistenhernien (starke Hebebelastungen, Übergewicht, Verstopfung, Bauchwasser bei Lebererkrankungen usw.).

Wie häufig kommt ein Leistenbruch vor?

Leistenbrüche kommen sehr häufig vor und können in jedem Alter auftreten. Jeder vierte Mann erkrankt im Laufe des Lebens an einer Leistenhernie, Frauen sind deutlich seltener betroffen und entwickeln eher Schenkelhernien. Pro Jahr werden ca. 25.000 Leistenbruchoperationen in Österreich durchgeführt.

Welche Symptome treten bei einem Leistenbruch auf?

In den meisten Fällen bemerken die betroffenen Patienten eine Vorwölbung im Leistenbereich, welche sich im Liegen durch Entspannung der Bauchmuskeln und die Schwerkraft wieder zurückbildet, aber bei Druckerhöhung wie Husten und Pressen besonders stark ausgeprägt ist. Das Vorhandensein einer Leistenhernie muss nicht zwangsläufig mit Schmerzen oder Beschwerden verbunden sein. Auch können Patienten nur durch ein unspezifisches Missempfinden wie „Ziehen“ oder „Brennen“ ohne merkbare Vorwölbung auf einen Leistenbruch aufmerksam werden. Dies ist typisch für kleine Brüche, die noch nicht groß genug sind, um einen Durchtritt von Eingeweiden oder Fett zu ermöglichen.

Ein Leistenbruch wird im Laufe der Zeit größer und kann unter Umständen zu schwerwiegenden Problemen führen: Wenn sich eine Darmschlinge in der Leistenhernie einklemmt, kann es zu einem Darmverschluss und binnen weniger Stunden zum Absterben des betroffenen Darmsegments kommen. Eine Notoperation ist in diesem Fall unumgänglich.

Liegt einmal ein Leistenbruch vor, so kann sich dieser weder von selbst, noch durch eine medikamentöse Therapie oder durch Muskelübungen/Physiotherapie zurückbilden. Wohlgemerkt sind Schwellungen in der Leiste bei Schwangeren meist kein Bruch, sondern durch hormonelle Erweiterungen von Blutgefäßen im Leistenkanal bedingt.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Besteht der Verdacht auf eine Leistenhernie, sollte der Betroffene einen auf Hernienchirurgie spezialisierten Facharzt aufsuchen. Dieser kann mithilfe einer Tastuntersuchung einen Leistenbruch meist verlässlich diagnostizieren. Eine schmerzlose und kurze Ultraschalluntersuchung sollte folgen, um die Diagnose zu sichern und wichtige Differenzialdiagnosen abzugrenzen.

+++ Mehr zum Thema: Leistenbruch Behandlung +++

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Autoren:
Assoc.Prof. Priv.Doz.Dr. Emanuel Sporn, OA Priv.-Doz. Dr. Gernot Köhler, MSc. MBA
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. Astrid Leitner

Stand der medizinischen Information:
Quellen

OA Priv.-Doz. Dr. Gernot Köhler, MSc. MBA
 

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