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Tipps gegen Lymphödem

 Flüssigkeitsansammlung bei Krebs entfernen
Szene aus dem OP: Sind die Lymphgefäße durch eine Operation oder Strahlentherapie beschädigt, sammelt sich Flüssigkeit im Gewebe an – ein Lymphödem entsteht. (wavebreakmedia / Shutterstock)

Nach der Entfernung oder Bestrahlung eines Tumors treten bei Patienten häufig Lymphödeme auf. Richtig behandelt, sind die Chancen gut, dass die Wasseransammlungen wieder vollständig aus dem Gewebe verschwinden.

Lymphknoten erfüllen im menschlichen Körper die Funktion von Filtern. Durch sie fließt die Gewebsflüssigkeit (Lymphe), die Zellfragmente, Mikroorganismen und Giftstoffe aus dem Körper schwemmt. Bei Krebskranken transportiert die Lymphe auch Tumorzellen, die sich dadurch in Lymphknoten ansiedeln können.

In der Folge müssen bei Krebserkrankungen neben dem Tumor selbst oft auch Lymphknoten operativ entfernt oder bestrahlt werden. Die Entnahme von Lymphknoten ist zudem oft wichtiger Bestandteil der Diagnostik, um festzustellen, wie weit sich die Krebserkrankung ausgebreitet hat.

Flüssigkeit sammelt sich

Fehlen die Lymphknoten als Filterstationen oder sind die Lymphgefäße durch eine Operation oder Strahlentherapie beschädigt, sammelt sich Flüssigkeit im Gewebe an – ein Lymphödem entsteht.

Lymphödeme machen sich meist kurz nach dem Eingriff bemerkbar. In den meisten Fällen ist die betroffene Körperregion angeschwollen. An der Haut bleibt eine Delle, wenn man sanft drückt.

Die Flüssigkeitsansammlungen treten je nach Krebsart in unterschiedlichen Regionen des Körpers auf:

  • bei Brustkrebs etwa im Bereich der Hände, Arme, Achseln und Schultern
  • bei Kopf- und Halstumoren im Gesichts- und Halsbereich
  • bei Tumoren in der Beckengegend an den Beinen, der Leiste und manchmal auch im Genitalbereich

Informieren Sie umgehend Ihren Arzt, sollten Sie erste Anzeichen bemerken! Lymphödeme müssen unbedingt therapiert werden. Unbehandelt führen die Einlagerungen zu Schäden an den betroffenen Haut- und Gewebsstellen. Die Schwellung nimmt zu und es bilden sich Bläschen, die platzen können. Dies wiederum zieht Entzündungen und Infektionen nach sich. Lymphödeme in diesem Stadium müssen oft über Monate oder Jahre behandelt werden und bilden sich vielfach nicht mehr komplett zurück.

Verhaltensregeln

Insbesondere wenn das Lymphödem im Arm- oder Beinbereich lokalisiert ist, sollten Sie Folgendes vermeiden:

  • Wärme
  • Überlastung
  • Verletzungen

Hat sich ein Armödem entwickelt, sollten Sie den geschwollenen Arm tagsüber hochlagern. Versuchen Sie, in der Nacht nicht auf dem betroffenen Arm zu liegen. Auch bei Ödemen im Bereich der unteren Extremitäten gilt es, die Beine hochzulagern. Achten Sie darauf, dass dabei kein Knick in der Leistengegend entsteht.

Gefahr der Überanstrengung

Vermeiden Sie Überanstrengungen bei der Haus- oder Gartenarbeit. Tragen Sie Handschuhe und feste Kleidung bei der Gartenarbeit. So beugen Sie Verletzungen vor. Achten Sie auch darauf, nicht mit Chemikalien in Haushaltsreinigern in Berührung zu kommen.

Überanstrengung zu vermeiden gilt es – falls Sie Ihrem Job nachgehen können – natürlich auch im Büro und bei körperlicher Aktivität in der Freizeit. Generell sollte die Devise lauten: „Therapie der kleinen Schritte!“ Muten Sie sich nicht zu viel zu.

In Sachen Alltagsbekleidung sollten Sie statt auf Kunstfaser lieber auf Naturfaser setzen. Tragen Sie weiter geschnittene Oberteile und Hosen, Vorsicht ist vor allem bei engen Bünden geboten.

Falls Sie nach Ende der Therapie auf Urlaub fahren, sollten Sie sich gut vor übermäßiger Sonneneinstrahlung und Hitze schützen und insektenverseuchte Orte meiden.

Hautpflege

Patienten mit Ödemen müssen besonderes Augenmerk auf Körperpflege legen. Lassen Sie sich bei der Wahl der geeigneten Duschbäder und Seifen von Ihrem Arzt beraten. Verwenden Sie keine zu stark parfümierten Pflegeprodukte. Duschen Sie nicht zu heiß und nehmen Sie Abstand von Besuchen in Dampfbad und Sauna.

Behandlungsmethoden

Die Therapie des Lymphödems gliedert sich im Wesentlichen in zwei Abschnitte.

Der erste Teil wird als Entstauungsphase bezeichnet. Die Flüssigkeit soll mittels Lymphdrainage und Kompressionsbandagen zum Abfließen gebracht werden.

Daran schließt die sogenannte Erhaltungsphase an. Mithilfe von Maßnahmen wie Bewegungsübungen oder dem Anlegen von Kompressions- und Stützstrümpfen soll der Therapieerfolg erhalten werden.

Lymphdrainage

Bei der manuellen Lymphdrainage werden die verbliebenen Lymphgefäße stimuliert. Mit speziellen Massagetechniken wird die angestaute Flüssigkeit verteilt und durch kleinere, intakte Lymphgefäße abgeleitet. Nach dieser manuellen Behandlung wird dem Patienten ein Kompressionsverband angelegt. Durchgeführt wird die diese Art der Behandlung meist mehrmals pro Woche von einem Physiotherapeuten.

Achtung: Klassische Massage ist zur Therapie von Lymphödemen nicht geeignet!

Kompressionstherapie

Nach der Erstbehandlung verschreiben Mediziner manchmal maßgeschneiderte Kompressionsmaterialien für Arme und Beine, z.B. Kompressionsstrümpfe. Wie und wann Sie diese Kleidungsstücke tragen sollten und ob Sie diese vor dem Schlafengehen ausziehen dürfen, müssen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen.

Vorbeugung

Die oben angeführten Therapiemaßnahmen – etwa die Lymphdrainage – kommen in der Regel erst zur Anwendung, wenn sich bereits ein Ödem gebildet hat. Als vorbeugende Maßnahme taugen sie nichts.

Manchmal wird auch eine leichte Bewegungstherapie empfohlen. Aber wie bereits erwähnt: Vermeiden Sie in jedem Fall Überanstrengung!

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Autoren:

Redaktionelle Bearbeitung:
Mag.(FH) Silvia Hecher, MSc, Dr.med. Kerstin Lehermayr

Aktualisiert am:
Quellen

Homepage des deutschen Krebsforschungszentrums, Krebsinformationsdienst; www.krebsinformationsdienst.de/leben/lymphoedem/lymphoedem-faq.php#kosten
 

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