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Staging und Grading

Arzt erklärt Krebsdiagnose
Arzt bespricht Befund mit Patientin: Im Falle eines „positiven“ Befundes bedienen sich Ärzte einer Reihe von Abkürzungen, mit deren Hilfe sie Größe, Stadium und Ausdehnung des Tumors klassifizieren. (Monkey Business Images / Shutterstock)

T1, R0, UICC: Einen Befund zu lesen und richtig zu verstehen ist für viele Krebspatienten schwierig bis unmöglich. Hier ein kleiner Leitfaden durch den Dschungel der Begriffe.

In einem Befund sind ganz allgemein die Untersuchungsergebnisse des Patienten zusammengefasst. Das Problem: Das Dokument ist von Medizinern für Mediziner geschrieben, der Betroffene kann mit vielen Abkürzungen nichts anfangen.

Das beginnt schon bei der Unterscheidung, was gut ist und was schlecht: Steht nämlich „positiv“ im Befund, so ist das nicht günstig. Es bedeutet, dass etwas Auffälliges gefunden wurde. Aufatmen heißt es hingegen bei einem „negativen“ Befund – in diesem Fall ist alles normal.

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Das TNM-System

Im Falle eines „positiven“ Befundes – wenn also eine Krebserkrankung gefunden wurde – bedienen sich Ärzte einer Reihe von Abkürzungen, mit deren Hilfe sie Größe, Stadium und Ausdehnung des Tumors klassifizieren.

Die Einteilung erfolgt bei einem Großteil der Krebsarten nach dem sogenannten TNM-System. Die dahinterliegende Methodik wurde in den 1950er-Jahren von der Internationalen Vereinigung gegen Krebs (UICC) entwickelt und wird laufend aktualisiert.

T – der Tumor

Das T im TNM-System steht für Tumor, genauer gesagt, für den Primärtumor, also den Ursprung der Erkrankung. Anhand einer Ziffer hinter dem Buchstaben werden die Größe und die lokale Ausdehnung des Geschwürs beschrieben. Meist wird dies als T1 bis T4 bezeichnet, bei manchen Krebsarten gibt es leichte Abweichungen. Im Allgemeinen lässt sich sagen: je niedriger die Zahl, umso geringer die Ausdehnung des Tumors, wobei die Größenangaben in Millimetern von Tumorart zu Tumorart unterschiedlich sind.

Bei einigen Tumorerkrankungen wird die lokale Ausdehnung noch genauer beschrieben und in weitere Untergruppen unterteilt. In diesen Fällen werden die einzelnen T-Stadien noch mit den Kleinbuchstaben a bis d ergänzt (z.B. Stadium T2a).

Eine weitere Möglichkeit ist die Abkürzung Tis. Diese steht für „Tumor in situ“ und bedeutet so viel wie „an Ort und Stelle“. In diesen Fällen ist der Tumor noch nicht in das ihn umgebende Gewebe eingewachsen; es handelt sich also um eine sehr frühe Form oder Vorstufe der Krebserkrankung, die noch keine Absiedelungen in anderen Organen verursacht hat.

N – Nodus (Lymphknoten)

Krebserkrankungen befallen nicht nur das jeweilige Organ, sondern können sich sehr oft auch auf umliegende Lymphknoten ausbreiten. Ob und wie stark das Lymphsystem betroffen ist, kann der Arzt aus dem Wert N ableiten.

Auch in diesem Fall geben Ziffern Auskunft über das Ausmaß des Befalls. N0 bedeutet, dass keine Lymphknoten betroffen sind, die Zahlen 1 bis 3 beschreiben den Befall von Lymphknoten und deren Lage in Abhängigkeit zum Primärtumor. Auch hier gilt: je niedriger die Zahl, umso weniger weit haben sich die Krebszellen ausgebreitet. Auch hier kann mittels Kleinbuchstaben weiter unterteilt werden.

In einigen Fällen wird die Bezeichnung NX verwendet. Dies bedeutet, dass der Befall der Lymphknoten nicht sicher beurteilt werden kann, etwa weil die Untersuchung noch nicht abgeschlossen ist oder keine eindeutigen Ergebnisse erbracht hat.

Wichtig: Die Bezeichnung N bezieht sich nur auf die regionären Lymphknoten, also jene Lymphknoten, die zum unmittelbaren Lymphabflussgebiet des Tumors gehören. Finden sich Tumorabsiedelungen in weiter entfernten Lymphknoten, werden diese als Fernmetastasen bezeichnet und mit dem Buchstaben M beschrieben.

M – Metastasen

Unter einer Metastase versteht man eine Tochtergeschwulst eines Tumors. Krebszellen können sich im Körper verteilen, in anderen Organen ansiedeln, dort vermehren und so zur Ausbildung von Metastasen führen.

Bei Metastasen verwendet die UICC drei Unterkategorien. Findet sich der Begriff MX in Ihrem Befund, so konnte das Behandlungsteam noch nicht beurteilen, ob eine Tochtergeschwulst vorliegt. Bei M0 liegt keine Metastasierung vor, ganz im Gegensatz zu M1, das beschreibt, dass sich die Tumorzellen bereits in anderen Organen angesiedelt haben.

Erweiterungen des TNM-Systems

Um die Genauigkeit des Befundes zu erhöhen, wird das TNM-System häufig um zusätzliche Abkürzungen erweitert. Diese werden vor die TNM-Bezeichnung gestellt:

  • c: Ein c vor der TNM-Bezeichnung steht für das englische Wort „clinical“ und bedeutet, dass die Tumorausbreitung mit unterschiedlichen klinischen Untersuchungsmethoden (z.B. körperliche Untersuchung, bildgebende Verfahren) abgeklärt wurde. Das UICC empfiehlt die vollständige cTNM-Einstufung möglichst vor Therapiebeginn.
  • p: Wurde der Tumor nach der operativen Entfernung pathologisch untersucht, werden die Befunde durch ein p ergänzt (z.B. pT1). In diesen Fällen gilt die Diagnose als histologisch gesichert, das Tumorgewebe wurde feingeweblich beurteilt.
  •  y: Erhielt der Patient vor der Beurteilung eine Chemo- oder Bestrahlung bei Krebs, wird dem T-Wert ein „y“ vorangestellt.
  • R (R0, R1, R2) gibt an, ob nach der Behandlung noch Tumorreste im Gewebe verblieben sind. R0 bedeutet, dass der Tumor vollständig entfernt werden konnte, während R1 bzw. R2 bedeuten, dass Krebszellen im Körper zurückgeblieben sind.
  • V kommt zum Einsatz, wenn der Tumor Venen befallen hat. V0 besagt, dass die Tumorzellen nicht in Venen eingewachsen sind, während V1 bzw. V2 eine mikroskopische bzw. makroskopische Invasion in nahe gelegene Venen bezeichnen.
  • L: Gibt an, ob sich der Tumor auf Lymphbahnen (nicht Lymphknoten!) ausgebreitet hat, wobei hier zwischen L0 (kein Befall) und L1 (Befall) unterschieden wird.
  • pN schließlich wird verwendet, wenn Tumorgewebe in Nerven und Nervenhüllen eingedrungen ist und somit eine sogenannte „perineurale Invasion“ vorliegt.

Alternativen und Zusätze zum TNM-System

Nicht geeignet ist das TNM-System zur Bestimmung von Hirntumoren. Diese Krebsart metastasiert selten, auch die Größe des Tumors sagt hier wenig über seine Gefährlichkeit aus.

Bei Leukämien und Lymphomen ist diese Einteilung ebenfalls nicht nutzbar, da die Krebszellen über Blut und Knochenmark im ganzen Körper verteilt sein können. Hier hat die Weltgesundheitsorganisation WHO ein eigenes Klassifizierungssystem eingeführt.

Beim Melanom, dem schwarzen Hautkrebs, wird neben den TNM-Werten auch noch die Eindringtiefe des Tumors in die Haut erhoben.

Bei gynäkologischen Tumoren gilt neben der TNM- auch die sogenannte FIGO-Klassifikation.

Staging – Stadien

Das TNM-System bildet häufig die Grundlage des Stagings. Dieser Begriff aus dem Englischen bezeichnet, in welchem Stadium sich die Krebserkrankung befindet. Dabei sagt das Stadium etwas über die Langzeitprognose aus, daher gilt: je höher das Stadium, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, die Erkrankung zu überleben.

Die Internationale Vereinigung gegen Krebs hat für die meisten Tumorerkrankungen vier Stadien festgelegt – UICC I bis IV. Für einige Krebsarten gibt es weitere Unterteilungen, die mit einem zusätzlichen Kleinbuchstaben gekennzeichnet werden (z.B. IIa oder IVb).

Wichtig: Das TNM-System an sich sagt nichts über das Stadium der Erkrankung aus. Beispiel: Die Untersuchungen bei einem Darmkrebspatienten ergeben als TNM-Stadium T1N1M1. „T1N1“ heißt, dass sich der Primärtumor auf die Darmschleimhaut beschränkt und bislang nur wenige Lymphknoten befallen hat. „M1“ allerdings weist auf eine Metastasierung hin, das heißt, dass ein weiteres Organ betroffen ist. Die Krankheit gilt somit als fortgeschritten und würde als UICC IV eingestuft werden.

Grading – Einteilung

Hinter dem Begriff „Grading“ verbirgt sich eine drei- bis fünfstufige Skala, mit der sich bestimmen lässt, inwieweit sich das Tumorgewebe vom Normalgewebe unterscheidet. Vereinfacht ausgedrückt, kann ein Pathologe so ermitteln, wie bösartig ein Tumor ist.

Je weniger das Tumorgewebe vom ursprünglichen, gesunden Gewebe, aus dem es sich entwickelt hat, abweicht, desto günstiger ist die Prognose. Die fünf von der UICC verwendeten Grade sind G1 (low grade, gut ausgereift), G2, G3, manchmal auch G4 (high grade, schlecht ausgereift) und G9. Je niedriger die Zahl, umso weniger unterscheidet sich das Tumorgewebe vom gesunden Gewebe und umso weniger aggressiv wächst der Tumor.

Bei manchen Krebsarten greifen die Spezialisten auf andere Grading-Systeme zurück. Dazu gehört etwa der Gleason-Score bei Prostatakrebs.

Histologischer und zytologischer Befund

Der histologische Befund beschreibt den Aufbau des Tumorgewebes, der zytologische Befund die Eigenschaften der Zellen. Die Krebsart kann damit genau bestimmt werden. Je nachdem, aus welchem Gewebe sich ein Tumor entwickelt, wird er unterschiedlich bezeichnet:

  • Karzinome entstehen aus Deckzellen (Epithelzellen) der Haut, der Schleimhäute oder der Drüsenzellen.
  • Sarkome entwickeln sich aus Binde- oder Stützgewebe (z.B. Knochen, Muskeln).
  • Lymphome und Leukämien entstehen aus Zellen des blutbildenden Systems.

Lungenkrebs etwa tritt meistens in Form eines Karzinoms auf; es gibt aber auch Lungenlymphome oder Metastasen, bei denen der Primärtumor in einem anderen Organ liegt, aber Absiedelungen in der Lunge gebildet hat. Die histologische Unterscheidung, um welche Art von Gewebe es sich handelt, ist daher für die Planung der optimalen Therapie von entscheidender Bedeutung.

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Assoc.-Prof. PD Dr. Rupert Bartsch

Aktualisiert am:
Quellen

Informationen des deutschen Krebsinformationsdienstes (abgerufen am 12. Dezember 2013) www.krebsinformationsdienst.de/untersuchung/tnm.php#inhalt12

Information der Österreichischen Krebshilfe

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