Kopfläuse (Kopflausbefall, Pediculosis, Pedikulose, Läusebefall)

Kind mit Läusen
Kinder sind besonders oft von Lausbefall betroffen.

Menschenläuse sind winzige, flügellose Insekten, die sich von menschlichem Blut ernähren. Im Gegensatz zu den Endo- oder Innenparasiten finden sich diese sogenannten Ekto- oder Außenparasiten nicht im Körper des Wirtes, sondern an seiner Körperoberfläche. Mediziner bezeichnen einen Befall mit Läusen am Kopf als Pediculosis bzw. Pediculus capitis.

Kurzfassung:

  •  Kopflaus, Kleiderlaus und Filzlaus werden durch direkten Kopf-zu-Kopf-Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen.
  • Bei einem Lausbefall treten Beschwerden wie Knötchen auf der Kopfhaut, Juckreiz und  Nissen auf der Kopf und in der Haaren auf. 
  • Zur Behandlung von Kopfläusen stehen zwei Methoden zur Verfügung: 1. Auskämmen mit einem Läusekamm & einer Haarspülung, 2. Verwenden eines Mittels, das die Läuse & ihre Eier abtötet

Inhalt:

Welche Läuse befallen den Menschen?

Auf den Menschen spezialisiert haben sich:

  • die Kopflaus
  • die Kleiderlaus
  • die Filzlaus

Alle drei Lausarten verbreiten sich von Mensch zu Mensch weiter. Da von den in unseren Breitengraden vorkommenden Lausgattungen nur die Kleiderlaus Krankheiten übertragen kann, handelt es sich bei einer Pediculosis im Regelfall um ein durchaus lästiges, vom medizinischen Standpunkt aus betrachtet aber relativ harmloses Übel.

Wie kommt es zu einem Läusebefall?

Die Übertragung von Läusen erfolgt durch direkten Kopf-zu-Kopf-Kontakt, bei dem die kleinen Tierchen bei engem Kontakt von einem Menschen bzw. dessen Kopf zum anderen krabbeln. Besonders Kinder im Alter zwischen 5 und 13 Jahren sind von Lausbefall betroffen, da sie während des Kuschelns und Spielens engen Körperkontakt mit anderen Kindern pflegen und die Läuse von einem Kind zum anderen wandern können.

Wie weit können Läuse springen?

Fliegen und springen kann die Kopflaus zwar nicht, allerdings ist sie ein sehr flinker Krabbler. Bei engem Kontakt kann sie durch krallenartige Fortsätze an ihren Beinen schnell von einem Kopf zum anderen wandern. Kuscheln, Spielen und Tuscheln sind typische Aktivitäten, bei denen eine Übertragung erfolgen kann – und denen besonders Kinder gerne und häufig nachgehen.

Kein Wunder also, dass man vor allem in jungen Jahren Bekanntschaft mit den Schmarotzern macht. Schätzungen zufolge passiert dies jedem zehnten Kind, nicht selten sind ganze Kindergartengruppen, Schulklassen oder Familien von Kopfläusebefall betroffen.

Wie lange kann eine Laus überleben?

Bleiben die Insekten ohne regelmäßige Blutmahlzeit, sterben sie innerhalb von zwei bis drei Tagen ab. In diesem Zeitraum können sie durch das gemeinsame Benutzen von Kämmen, Bürsten, Hauben, Schals oder Handtüchern theoretisch an andere Personen weitergegeben werden. In diesem Punkt sind sich die Experten allerdings uneinig, da es wenig bis keine Evidenz für eine Übertragung von Läusen über Gegenstände gibt.

Die Konsequenz daraus: Der Fokus der Kopflaustherapie sollte sich auf den Kopf richten, Desinfektionsorgien in der Umgebung kann man sich somit sparen.

Ist mangelnde Hygiene Ursache für den Läusebefall?

Nach wie vor sind viele Menschen der Meinung, Kopfläuse seien ein Indiz für mangelnde Körperpflege und Hygiene. Diese Annahme, die viele Betroffene und deren Familien stark belastet, ist allerdings nicht richtig. Tatsache ist vielmehr: Ob ein Kopf täglich gewaschen wird oder zweimal in der Woche, ist den Schmarotzern gleichgültig. Folglich gibt es auch keinen Grund, sich zu schämen, wenn man selbst zum Wirt geworden ist oder die Insekten bei seinen Kindern bemerkt werden.

Kleiderläuse wiederum sind mit einer Länge von rund 4 mm die größten Menschenläuse. Sie leben in der Kleidung und wandern – ganz im Gegensatz zur Kopf- und Filzlaus – lediglich vorübergehend zum Blutsaugen auf die Haut. Im Hinblick auf einen Befall mit Kleiderläusen stellen schlechte hygienische Bedingungen tatsächlich einen begünstigenden Faktor dar.

Woran lässt sich erkennen, dass man Läuse hat?

Symptome bei einem Lausbefall sind:

  • Knötchen auf der Kopfhaut
  • Juckreiz
  • Nissen (leere Lauseier) und Läuse auf der Kopfhaut und in den Haaren

Läuse ernähren sich von Blut. Um an dieses zu gelangen, durchstechen sie mit ihrem Rüssel die Haut. Über ihren Speichel geben sie ein Sekret ab, das das Blut an der Gerinnung hindert. Das Sekret verursacht quaddelartige, juckende Knötchen auf der Kopfhaut. Der Betroffene beginnt sich zu kratzen und es entstehen Hautwunden, die sich entzünden können.

Juckreiz am Kopf muss jedoch nicht zwingend auf Kopfläuse hindeuten und kann auch andere Ursachen haben. Von einem Läusebefall ist dann auszugehen, wenn man einzelne Tierchen oder ihre Eier in den Haaren entdeckt.

Kopfläuse sind 2–3 mm groß und verstecken sich am liebsten hinter den Ohren und in der Nackengegend. Eine Lupe und/oder ein Nissenkamm kann bei der Suche nach Läusen hilfreich sein.

Dieser spezielle, in jeder Apotheke erhältliche Kamm hat sehr eng stehende Zinken, mit denen sich Läuse und Nissen aus den Haaren kämmen lassen. Das Haar sollte Strich für Strich gescheitelt und genau untersucht werden.

Die rund 1 mm großen Nissen kleben normalerweise nahe der Kopfhaut am Haar und lassen sich nicht abschütteln. Bereiche wie der Nacken, die Schläfen und die Gegend um die Ohren sollten besonders gründlich untersucht werden.

Was kann man gegen Läuse tun?

Eine angemessene Behandlung bei Lausbefall ist unbedingt notwendig, da die kleinen Blutsauger ihren Lebensraum – die menschliche Kopfbehaarung – nicht freiwillig verlassen.

+++ Mehr zum Thema: Behandlung bei Lausbefall +++

Wird festgestellt, dass das eigene Kind von Kopfläusen betroffen ist, sollte als erster Schritt der Kindergarten oder die Schule informiert werden, um auf das bestehende Lausproblem aufmerksam zu machen und zu verhindern, dass die Läuse auf andere Kinder übertragen werden. Auch die Familienmitglieder sollten vermehrt darauf achten, ob sich Laussymptome bemerkbar machen.

Die effektivsten Behandlungsmethoden gegen Läuse

Zur Behandlung von Kopfläusen stehen zwei Methoden zur Verfügung, die für den optimalen Behandlungserfolg kombiniert werden sollten:

  • Auskämmen mit einem Läusekamm & einer Haarspülung
  • Verwenden eines Mittels, das die Läuse & ihre Eier abtötet

Zur Abtötung stehen verschiedene Substanzen als Shampoo, Gel oder Spray zur Verfügung, deren Wirksamkeit nachgewiesen und medizinisch anerkannt ist. Welches dieser Mittel am besten geeignet ist, hängt unter anderem vom Alter des Kindes ab. Vor allem bei Babys, Schwangeren und stillenden Frauen mit Lausbefall sollte man den Hausarzt oder Kinderarzt zurate ziehen. Kinderfreundlich sind insektizidfreie Mittel auf physikalischer Basis mit kurzen Einwirkzeiten.

Darüber hinaus ist es wichtig, die Anwendungshinweise genau zu beachten: Zu sparsames oder ungleichmäßiges Aufbringen kann den Erfolg der Therapie beeinträchtigen. Wichtig ist auch, dass das Mittel nicht zu stark verdünnt wird (z.B. durch triefend nasses Haar) und die erforderlichen Wiederholungsbehandlungen durchgeführt werden.

Wie werden die Läuse und Nissen ausgekämmt?

Die Behandlung mit dem Lausmittel wird durch Auskämmen des nassen Haares ergänzt. Dabei wird eine handelsübliche Pflegespülung aufgetragen und das Haar Strähne für Strähne, vom Ansatz bis in die Haarspitzen, mit einem Läusekamm ausgekämmt.

Nach jedem Durchkämmen muss der Kamm auf einem (möglichst dunklen) Tuch ausgestrichen werden. Sind auf dem Tuch Läuse oder Nissen zu erkennen, ist es notwendig, die betreffende Strähne erneut zu kämmen.

Empfohlenes Behandlungsschema bei Kopfläusebefall

Die Therapie von Kopfläusen besteht, wie erwähnt, in einer Kombination der beiden Verfahren. Folgendes Schema wird empfohlen:

  • Tag 1: Behandlung mit einem Läusemittel, danach nasses Auskämmen
  • Tag 5: nasses Auskämmen
  • Tag 8, 9 oder 10: erneute Anwendung des Insektizids. Dieser Schritt ist notwendig, weil das Mittel nur gegen die lebenden Formen der Läuse zuverlässig wirkt. Sieben bis acht Tage nach der Erstbehandlung können noch Larven nachschlüpfen. Diese werden durch die zweite Anwendung des Mittels abgetötet. Auch diesmal ergänzt das nasse Auskämmen die Behandlung.
  • Tag 13: Um zu kontrollieren, ob die Behandlung erfolgreich war, sollte das Haar erneut nass ausgekämmt werden.
  • Tag 17: evtl. letzte Kontrolle durch nasses Auskämmen

In hartnäckigen Fällen können Sie mit Ihrem Kind eine spezielle Entlausungsstation in Ihrem Bundesland aufsuchen.

Betroffene Kinder müssen so lange zu Hause bleiben, bis definitiv keine Läuse mehr vorhanden sind. Es gibt allerdings keine Meldepflicht für Kopflausbefall.

Müssen auch Familienmitglieder behandelt werden?

Wenn bei einem Mitglied der Familie Kopfläuse aufgetreten sind, ist es wichtig, dass bei den anderen Familienmitgliedern kontrolliert wird, ob sich die Parasiten auch in deren Haar befinden.

Gerade bei Kindern sollte unbedingt die Schule oder der Kindergarten informiert werden. Um die Insekten nachhaltig loszuwerden und ein gegenseitiges "Wiederanstecken" zu verhindern, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Eltern und Betreuungskräften (z.B. Lehrerin/Lehrer) unumgänglich.

Eine prophylaktische Behandlung des Umfelds ist nicht nötig und auch besondere Reinigungsmaßnahmen haben nur untergeordnete Bedeutung. Wenn Kopfläuse kein Blut saugen können, sind sie spätestens nach 55 Stunden abgestorben.

Filzläuse werden ebenfalls mit einem gegen die Parasiten gerichteten Wirkstoff behandelt. Zuvor empfiehlt es sich, befallene Areale mit Flüssigseife gründlich zu waschen. Vor allem Personen mit starker Körperbehaarung wird empfohlen, auch Körperpartien mitzubehandeln, an denen keine Filzläuse auszumachen sind.

Ist es notwendig, die Wohnung zu putzen?

Eine aufwendige Reinigung der gesamten Umgebung ist nicht notwendig, weil die Läuse ohne regelmäßige Blutmahlzeiten abseits des Kopfes relativ schnell vertrocknen. Das heißt, die früher oft befürchtete Übertragung von Läusen durch Polstermöbel oder Stofftiere ist sehr unwahrscheinlich.

Kann man einem Kopfläusebefall vorbeugen?

Einen generellen Schutz gegen Kopfläuse gibt es nicht, dazu müsste man jeglichen engen Körperkontakt vermeiden. Gerade bei Kindern, die gemeinsam spielen, kuscheln und die Köpfe zusammenstecken, ist dies jedoch kaum möglich und auch nicht wünschenswert.

Wichtig ist allerdings, dass eine weitere Verbreitung der Läuse verhindert wird. Deshalb dürfen Kinder mit Kopflausbefall so lange nicht in den Kindergarten bzw. in die Schule gehen, bis die Behandlung erfolgreich abgeschlossen ist.

Dr. Ulrich Fegeler, Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte Deutschlands, empfiehlt:
„Erstens sind zur erfolgreichen Beseitigung der Parasiten mehrfache Behandlungen erforderlich, denn nach der Erstbehandlung können noch Läuse schlüpfen. Zweitens dürfen Eltern das Kopflausmittel nicht zu sparsam anwenden und drittens sollten sie die empfohlene Einwirkzeit einhalten. Schließlich sollten sie viertens die Haare regelmäßig mit einer Pflegespülung und einem Läusekamm Strähne für Strähne nass auskämmen."

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Prim. Univ.-Lektor DDr. Peter Voitl, MBA
Redaktionelle Bearbeitung:
Dr. med. Peter Mahlknecht (2014), Dr. med. Stefanie Sperlich (2014)

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Ministerium für Gesundheit und Frauen: Kopflausbefall (Stand: 17.07.2017); http://www.bmgf.gv.at/cms/home/attachments/2/1/7/CH1644/CMS1501232568281/kopflausbefall_pediculosis_capitis_sp.pdf (letzter Zugriff: 07.08.2019)

Deutsches Ärzteblatt (2016): Kopfläuse – Epidemiologie, Biologie, Diagnostik und Therapie; https://www.aerzteblatt.de/archiv/183535/Kopflaeuse (letzter Zugriff: 30.07.2019)

Burgess I: Head lice. In: Clinical Evidence (2016); https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21575285 (letzter Zugriff: 07.08.2019)

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Lebwohl M, Clark L, Levitt J: Therapy for head lice treatment based on life cycle, resistance, and safety considerations. In: Pediatrics 2007; 119:965-973

Robert-Koch-Institut: Kopflausbefall (Pediculosis capitis). RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten – Merkblätter für Ärzte. Berlin (Stand 17.11.2008)

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