Koma

Das Koma ist die tiefste Form einer Bewusstseinsstörung. (Wavebreakmedia / iStockphoto)

Das Koma (deutsch: tiefer Schlaf) bezeichnet eine tiefe Bewusstlosigkeit, die über einen längeren Zeitraum besteht. Häufig fallen Menschen nach schweren Kopfverletzungen, einem Herz-Kreislauf-Stillstand, Vergiftungen oder einem Schlaganfall ins Koma.

Kurzfassung:

  • Das Koma ist die schwerste Form einer Bewusstseinsstörung, die über längere Zeit anhält. 
  • Beim Koma handelt es sich um einen medizinischen Notfall.
  • Zu den häufigsten Ursachen eines Komas zählen: Kopfverletzungen, Kreislaufstillstände, Vergiftungen und Schlaganfälle.
  • Neben dem natürlichen Koma gibt es noch das künstliche Koma und das Wachkoma. Alle drei Formen unterscheiden sich grundelegend voneinander.

Um Langzeitschäden des Gehirns zu vermeiden, muss eine lang andauernde Bewusstlosigkeit so schnell wie möglich behandelt werden. Bei einem Koma handelt es sich immer um einen medizinischen Notfall.

Was bedeutet Bewusstseinsstörung bzw. Bewusstlosigkeit?

Eine Bewusstseinsstörung ist eine Veränderung des normalen Bewusstseins. Bewusstseinsstörungen können durch Verletzungen des Gehirns (z.B. Gehirnerschütterung, Schädel-Hirn-Trauma), Drogenkonsum oder psychische Erkrankungen (z.B. Psychosen), Durchblutungsstörungen des Gehirns (z.B. Schlaganfall, Kreislaufstörungen, Sepsis etc.) oder Stoffwechselerkrankungen (z.B. Überzucker, Unterzucker) entstehen. Es lassen sich zwei Formen der Bewusstseinsstörung unterscheiden, die sich durch verschiedene Symptome äußern: die qualitative und die quantitative Bewusstseinsstörung.

Qualitative Bewusstseinsstörung

Bei dieser Form der Bewusstseinsstörung sind die normalen psychischen Abläufe gestört. Dies äußert sich durch:

  • kurzzeitige oder dauerhafte Trübung des Bewusstseins
  • Fixierung auf ein Erlebnis durch Gedanken und Gefühle
  • Einschränkung der Ansprechbarkeit
  • Bewusstseinsverschiebungen oder -erweiterungen
  • Wahrnehmungsstörungen (z.B. Halluzinationen)

Quantitative Bewusstseinsstörung

Quantitative Bewusstseinsstörungen lassen sich hinsichtlich des Wachheitsgrades (Vigilanz) unterscheiden. Je nach Schweregrad äußern sich quantitative Störungen des Bewusstseins folgendermaßen:

  • Benommenheit: Der Körper reagiert verzögert auf äußere Reize, die Informationsverarbeitung sowie die Wahrnehmungs- und Gedächtnisleistung sind verlangsamt.
  • Somnolenz: Es kommt zur Benommenheit mit abnormer Schläfrigkeit, der Patient ist ansprechbar und lässt sich aufwecken.
  • Sopor: Der schlafende Patient ist nicht mehr durch äußere Reize voll erweckbar. Nur bei starker Stimulation (z.B. Schmerzreize, grelles Licht, laute Geräusche) kommt es zu einer meist ungezielten Abwehrreaktion.
  • Koma: Der Patient reagiert nicht mehr auf starke Außenreize. Die Muskulatur ist schlaff, die Atmung ist stark verlangsamt oder setzt aus.

Was ist ein Koma?

Das Koma ist die schwerste Form einer quantitativen Bewusstseinsstörung, die über längere Zeit anhält.  In diesem Zustand ist ein Mensch nicht ansprechbar, empfindet keinen Schmerz und kann auf äußere Reize nicht mehr reagieren. Der Begriff "Koma" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "tiefer Schlaf". Es handelt sich dabei nicht um eine Krankheit, sondern um ein Krankheitszeichen (Symptom). Die Ursachen für ein Koma können sehr unterschiedlich sein.

Wie entsteht ein Koma?

Nach schweren Verletzungen oder Erkrankungen fällt der Körper häufig in einen bewusstlosen Zustand. Ein Koma entsteht aufgrund einer schweren Störung der Großhirnfunktionen und ist in den meisten Fällen lebensbedrohend. Neben Kopfverletzungen (z.B. Schädel-Hirn-Trauma) und Schlaganfällen können auch einige andere Ursachen ein Koma hervorrufen. Dazu gehören:

Glasgow-Skala

Die sogenannte Glasgow Coma Scale (GCS) bzw. Glasgow-Skala ist eine Methode, um Bewusstseinsstörungen - insbesondere nach einer Schädel-Hirn-Verletzung - besser abschätzen zu können. Die Glasgow-Skala wird häufig in der Notfallmedizin, beim Rettungsdienst und in der Intensivmedizin eingesetzt, um das Ausmaß einer Bewusstseinsstörung besser einschätzen und die entsprechenden Behandlungsmaßnahmen einleiten zu können. Je nach Hirnaktivität und Reaktionsvermögen auf Reize lassen sich drei Bereiche einteilen, für die jeweils Punkte vergeben werden:

  • Augen öffnen
  • Verbale Kommunikation
  • Motorische Reaktion

Für jede dieser Rubriken werden einzeln Punkte vergeben, die anschließend addiert werden. Je nach Punktezahl lässt sich der Bewusstseinszustand des Patienten beurteilen. So ist der Patient bei maximal 15 Punkten bei vollem Bewusstsein und bei minimal 3 Punkten in einem tiefen Koma.

Augen öffnen

Verbale Kommunikation

Motorische Reaktion

Punkte

Spontane Reaktion

orientiert

befolgt Aufforderungen

6

Reaktion auf Aufforderung

verwirrt

gezielte Schmerzabwehr

5

Reaktion auf Schmerzreiz

unzusammenhängende Worte

ungezielte Reaktion auf Schmerzreiz

4

Keine Reaktion

unverständliche Laute

abnorme Beugung auf Schmerzreiz

3

 

keine Reaktion

abnorme Streckung auf Schmerzreiz

2

 

 

keine Reaktion

1

Künstliches Koma und Wachkoma

Neben dem natürlichen Koma gibt es noch zwei weitere Formen, die sich grundlegend voneinander unterscheiden:

Künstliches Koma bzw. künstlicher Tiefschlaf

Beim künstlichen Tiefschlaf, auch künstliches Koma genannt, handelt es sich eigentlich nicht um ein Koma im herkömmlichen Sinn, sondern vielmehr um eine Sedierung oder Langzeitnarkose bzw. eine lange Vollnarkose, die durch Medikamente absichtlich und kontrolliert herbeigeführt wird. Ein künstliches Koma wird häufig in einem lebensbedrohlichen Zustand (z.B. nach einem schweren Unfall oder bei einer schweren Erkrankung) eingesetzt, um den Körper zu entlasten und den Heilungsprozess zu unterstützen. Dabei wird der Patient je nach Gesundheitszustand mithilfe von Narkose-, Beruhigungs-, Schlaf- und Schmerzmitteln in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt, in dem Bewusstsein und Schmerz ausgeschaltet sind.

Ein Patient kann über längere Zeit (bis zu Wochen) in diesem Zustand gehalten werden. Im künstlichen Koma muss der Patient auf einer Intensivstation häufig künstlich ernährt und beatmet werden. Herz, Leber, Darm und Nieren arbeiten in der Regel jedoch selbstständig. Ist der gewünschte Genesungsprozess abgeschlossen, kann der Patient wieder aus dem künstlichen Tiefschlaf geholt werden. Dazu werden die Narkosemittel allmählich reduziert, bis der Patient wieder aufwacht.

Nach erfolgreichen Wiederbelebungsmaßnahmen im Rahmen eines Herz-Kreislauf-Stillstandes wird die Körpertemperatur für 1-2 Tage während des künstlichen Komas auf 36 bis 32 Grad Celsius gesenkt, um den Stoffwechsel zu verlangsamen, den Sauerstoffbedarf zu verringern und damit den Regenerationsprozess zu fördern. Häufig kommt ein künstliches Koma auch zum Einsatz, wenn der Patient maschinell beatmet werden muss, da es beim Einführen des Beatmungsschlauches (Tubus) in wachem Zustand zu einer Abwehrreaktion des Körpers (Erstickungsangst) kommen würde. Eine künstliche Beatmung kann zum Beispiel notwendig werden bei:

  • Bewusstseinsstörungen
  • Lungenversagen
  • Blutvergiftung
  • Vergiftung mit Medikamenten oder Drogen
  • Schädel-Hirn-Verletzungen
  • Herz-Kreislauf-Stillstand

Wachkoma

Das Wachkoma, auch apallisches Syndrom ("ohne Hirnrinde") genannt, wird durch eine schwere Hirnschädigung hervorgerufen, bei der bestimmte Areale des Großhirns zerstört werden. Dabei befinden sich die Patienten in einem Zustand, in dem sie zwar wach, sich ihrer selbst und ihrer Umgebung jedoch nicht bewusst sind. Lebensfunktionen wie Atmung oder Verdauung arbeiten selbstständig, gezielte Bewegungen oder Kommunikation sind hingegen nicht möglich. So sind die Augen im Wachkoma meist geöffnet, zeigen aber keine bewusste Reaktion auf äußere Reize, die erkennbar sind. Ein Wachkoma ist häufig Folge eines Schädel-Hirn-Traumas oder Sauerstoffmangels (Hypoxie). Auch andere Ursachen können zu einem apallischen Syndrom führen, wie z.B.:

Wie wird ein Koma diagnostiziert und behandelt?

Da es sich bei einem Koma um einen medizinischen Notfall handelt, erfolgen Diagnose und Behandlung in der Regel gleichzeitig. Nur durch eine sofortige Behandlung ist es möglich das Leben und die Hirnfunktionen des Patienten zu erhalten. Wie gefährlich ein Koma für einen Patienten ist, hängt neben der zugrundeliegenden Erkrankung oder Verletzung vor allem von der Tiefe des Komas ab. Diese lässt sich meist jedoch nur schwer beurteilen. Diagnosehilfen, wie Computertomographie (CCT), Magnetresonanztomografie (MRT) oder Positronenemissionstomografie (PET) können eingesetzt werden, um verletzte Hirnregionen, Durchblutungsstörungen des Gehirns  oder den Energieverbrauch des Gehirns festzustellen und so Rückschlüsse auf den Schweregrad des Komas zu ziehen.

Im Zentrum der Behandlung steht zu allererst die Versorgung der zugrundeliegenden Verletzung oder Erkrankung, die zum Koma geführt hat. Komapatienten müssen jedenfalls intensivmedizinisch versorgt werden. Dazu werden die Vitalfunktionen, wie Herzfrequenz und Atmung, überwacht. Je nach Tiefe des Komas müssen Patienten außerdem künstlich beatmet und ernährt werden. Auch physiotherapeutische und ergotherapeutische Maßnahmen kommen zum Einsatz, um die Beweglichkeit des Patienten aufrechtzuerhalten. Zudem können Massagen, Lichttherapie, Bewegungen im Wasser, Musik oder liebevolle Berührungen helfen, das Gehirn des Patienten zu stimulieren, und als unterstützende Maßnahme zur Therapie dienen. In regelmäßigen Abständen sollte auch ein Gehirnscan durchgeführt werden, um bei Langzeit-Komapatienten eine mögliche Verbesserung der Gehirnaktivität feststellen zu können.

Wie sieht die Prognose bei einem Koma aus?

Ob ein Patient aus einem natürlichen Koma aufwachen kann, hängt vor allem von der ursprünglichen Verletzung und Beeinträchtigung der Hirnfunktion ab, aber auch von der medizinischen Versorgung. Verschiedene Hirnfunktionstest, wie Messung der Gehirnströme, Nervenstimulationsantwort und Blutparameter, werden zur Prognoseerstellung herangezogen. Die Dauer der Bewusstlosigkeit entscheidet wesentlich über die Prognose. Ein stoffwechselbedingtes Koma oder eine Bewusstlosigkeit nach Vergiftungen kann sich nach Behebung der Ursache rasch bessern. Bei schweren Schädelverletzungen ist die Wahrscheinlichkeit für Patienten nach einem Jahr im Koma wieder aufzuwachen, sehr gering. Bei einem durch Sauerstoffmangel ausgelösten Koma besteht bereits nach drei Monaten kaum noch eine Chance auf Besserung. Bei Wachkomapatienten ist es hingegen in sehr seltenen Fällen sogar möglich, dass diese von selbst nach vielen Jahren wieder aufwachen.

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Autoren:

Medizinisches Review:
Univ.-Prof. Dr. Michael Joannidis
Redaktionelle Bearbeitung:
Silke Brenner

Stand der Information: Januar 2018
Quellen

AWMF: S1-Leitlinie 022/016 – Akute Bewusstseinsstörungen jenseits der Neugeborenenperiode. http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/022-016l_S1_Akute_Bewusstseinsst%C3%B6rungen_jeneits_der_Neugeborenenperiode_2013-08.pdf (letzter Zugriff: 22.11.2017)

Stöhr, Brandt & Einhäupl: Neurologische Syndrome in der Intensivmedizin. Kohlhammer, Stuttgart 1998

Bock & Bienstein: Bewusstlos, eine Herausforderung für Angehörige, Pflegende und Ärzte. 2. Auflage. Selbstbestimmtes Leben, Düsseldorf 1994

Hacke W.: Neurologie. Springer Medizin Verlag. 13. Auflage 2010

Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. 4. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2008

Teasdale & Jennett: Assessment of coma and impaired consciousness. A practical scale. In: Lancet, Band 2, 1974, S. 81–84.

Middleton et al.: Practical use of the Glasgow Coma Scale; a comprehensive narrative review of GCS methodology. In: Australasian Emergency Nursing Journal; Vol. 15, Issue 3, 2012

Teasdale et al.: The Glasgow Coma Scal at 40 years: standing the test of time. In: The Lancet Neurology; Vol. 13, Issue 8, 2014

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